Die römisch-katholische Kirche Sankt Marien in Biesenthal wurde 1908–1909 nach einem Entwurf des Berliner Architekten Paul Ueberholz im Stil des Neobarock errichtet; sie steht unter Denkmalschutz und bildet zusammen mit dem Pfarrhaus ein Denkmalensemble. Die Kirche ist nach Mariä Verkündigung benannt.

Geschichte und Bauwerksbeschreibung mini|hochkant|Glockentürmchen mini|Pfarrhaus Die römisch-katholischen Christen in Biesenthal gehören zum Pfarrbezirk der Herz-Jesu-Gemeinde in Bernau bei Berlin. Deren Pfarrer Carl Ulitzka trat zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Pfarrstelle in Bernau an und war auf der Suche nach weiteren Katholiken aus der Umgebung. In Biesenthal hielten die Katholiken ihren Gottesdienst im Gartenhäuschen eines evangelischen Christen auf dem Grundstück Schulstraße 28 ab. Die Gemeinde wuchs jedoch ziemlich rasch, sodass anstelle dieser Notkapelle der Bau eines Kirchengebäudes geplant wurde. Im Jahr 1902 kündigte Ulitzka an: Ein geeignetes Grundstück fand sich an der Bahnhofstraße, wo nach einigen Planungen und Vorbereitungsarbeiten mit der feierlichen Grundsteinlegung am 16. August 1908 der Bau begann. Bereits nach vierzehn Monaten konnte Erzpriester Paul Kirmß aus Spandau bei Berlin am 10. Oktober 1909 die Kirchweihe vornehmen., In: Märkische Oder-Zeitung, 11. Oktober 2009; zuletzt aufgerufen am 20. März 2013 Das Kirchengebäude erhielt seinen Standort fast im Zentrum eines rund 3400 Quadratmeter großen Grundstücks. In der nordwestlichen Ecke befindet sich das Pfarrhaus.

Zwischen 1990 und 2009 konnte die Kirchengemeinde das Gotteshaus in Etappen erneuern, darunter das Dach der Kirche und der Sakristei sowie Balustraden im Eingangsbereich und die Treppe der Sakristei. Der gesamte Innenraum erhielt in dieser Zeit seine Ausmalung in den Originalfarben weiß und gelb zurück.

Die Kirche hat einen achteckigen, grob kreuzförmigen Grundriss; aufgrund seiner ausladenden Vorsprünge und kleinen Nischen bildet es aber eher einen kompakten Rundbau. Oberhalb der Vierung erhebt sich in ganzer Breite die Kuppel mit einem kleinen inneren Umgang, dessen Balustrade mit Putten dekoriert ist. Das Äußere dieser Kuppel wird mit einer Welschen Haube abgeschlossen, die mit roten Dachziegeln gedeckt ist. Mittig darüber erhebt sich der Kirchturm mit etwa vier Meter Außendurchmesser am Ansatz. Der schlanke Turm ist mit Zinkblech verkleidet. Eine Stundenglocke erhielt ihren Platz in einem nordwestlich an der Sakristei angefügten niedrigeren Turm. Ein nichttragender Bogen verbindet den Kirchenbau mit dem Pfarrhaus. Das Pfarrhaus ist mit einfachem grauem Putz versehen, das Kirchengebäude erhielt einen Schmuckputz in grau und beige.

Ausstattung mini|hochkant|Blick in den Chorraum Der Hochaltar nimmt den größten Teil des Chors ein. Das Altarbild, ein großes Ölgemälde mit der Darstellung der Verkündigung Mariens, wurde von Milly von Friedlaender-Fuld gestiftet, der Ehefrau des Gutspächters auf Schloss Lanke. Der davor aufgestellte Altartisch wurde von dem Bildhauer Friedrich Schötschel angefertigt. Von ihm stammen auch das Vortragekreuz und das Schmuckblatt am Haupt-Kirchenportal. In der Hallenkirche sind weitere barocke Heiligenstatuen zu sehen. Ein aus Sandstein gearbeitetes Taufbecken steht in einer Nische links neben der Altarapsis. Eine Kanzel vervollständigt die Ausstattung. Bemerkenswert ist die mit Fresken ausgemalte Kuppel, die sich über die gesamte Kirchenbreite erstreckt.

Orgel mini|Restaurierte Orgel Auf der Westempore steht die Orgel, die um 1869 vom Orgelbaumeister Albert Lang für die neue St.-Matthias-Kirche in Schöneberg gebaut worden war.Orgel von St. Marien Institut für Orgelforschung Brandenburg, mit Geschichte und Disposition Die Schöneberger hatten sie 1925 der Biesenthaler Marienkirche geschenkt. Die Orgel wurde 2009 aus Anlass der 100-Jahr-Feier der Kirchenweihe durch die Eberswalder Orgelbauwerkstatt von Harry Sander und Andreas Mähnert restauriert. Die dafür erforderliche Summe von 28.000 Euro stellten die Ostdeutsche Sparkassen-Vereinigung, die Sparkasse Biesenthal und die Stadtgemeinde bereit. Dompropst Stefan Dybowski, Leiter des Domkapitels des Erzbistums Berlin, nahm die Orgelweihe im November 2009 vor. Dazu erklangen Melodien von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und Josef Gabriel Rheinberger.

Nutzung und Gemeindeleben

Die gut sanierte Kirche dient hauptsächlich dem Gottesdienst der katholischen Kirchengemeinde Biesenthal. Das Patronatsfest wird am 25. März, dem Fest der Verkündigung des Herrn, begangen. Gelegentlich finden Kirchenkonzerte statt, zu Heiligabend gibt es ein Krippenspiel. Biesenthaler Anzeiger mit dem Hinweis zum Krippenspiel an der St. Marienkirche am 24. Dezember 2011; Seite 19 (PDF; 6,9 MB); zuletzt aufgerufen am 19. März 2013 Anlässlich der hundertjährigen Wiederkehr der Kirchweihe fand im Oktober 2009 ein feierlicher Gottesdienst statt, zu dem Weihbischof Wolfgang Weider eine Predigt hielt. Musikalisch wurde das Jubiläum vom Chor der Jugendkantorei der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale begleitet.

Die Mariengemeinde unterhält einen Bläserchor und eine Seniorengruppe. Das Gemeindeleben wird mit einem gemeinsamen, quartalsweise herausgegebenen Pfarrbrief der Herz-Jesu-Kirche Bernau, von St. Konrad (Wandlitz) und der Marienkirche medial unterstützt.

Literatur Bezirk Frankfurt (Oder). (= Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR) Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1980, S. 118. Johannes Ruhl: Festvortrag anlässlich des 90-jährigen Kirchweihjubiläums von St. Marien, Biesenthal, am Sonntag, dem 10. Oktober 1999. St. Marien Biesenthal 1909–1999. 1999.

Weblinks

Information zur kathol. Kirche Biesenthal auf barnim-tourismus.de

Einzelnachweise

Biesenthal Kategorie:Erbaut 1909 Biesenthal, Marien Kategorie:Neobarockes Bauwerk in Brandenburg Kategorie:Pfarrkirche des Erzbistums Berlin Biesenthal Kategorie:Baudenkmal in Biesenthal Biesenthal