mini|Das Portal des Schelfenhauses (September 2009)

Das Schelfenhaus (Adresse Schelfengasse 1, früher Hausnummer 257, Nebengebäude 258) ist ein denkmalgeschütztes, barockes Gebäude in Volkach im Landkreis Kitzingen in Bayern. Es steht in der nach ihm benannten Gasse, mitten in der Altstadt der unterfränkischen Kleinstadt. Vermutlich wurde es vom Würzburger Hofbaumeister Joseph Greissing erbaut.

Lage Das Schelfenhaus befindet sich in der Altstadt auf der Ostseite der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Hauptstraße. Als relativ zentraler Punkt im mittelalterlichen Volkacher Stadtareal steht es in einer Seitengasse und ist von den repräsentativen Gebäuden wie dem Rathaus oder der Kirche relativ weit entfernt. In seiner Umgebung stehen Gutshöfe der reichen Weinhändler.

Das Quartier wird im Norden von der Weinstraße, im Süden von der Schelfengasse, im Westen von der Hauptstraße und im Osten von der Kreuzgasse begrenzt. Der Name Schelfengasse setzte sich wohl aufgrund des eindrucksvollen Gebäudes bereits relativ früh durch; er ist schon im Kataster von 1833 als „Schelfer-Gasse“ verzeichnet. Wie die Gasse zuvor hieß, ist unklar.Gerhard Egert: Stadt und Pfarrei Volkach am Main. S. 66.

Geschichte Auf- und Ausbau (1719–1745) Bis ins 18. Jahrhundert war die Stelle, an der sich das Schelfenhaus befindet, anderweitig bebaut. Dies belegen Teile des Mauerwerks des heutigen Palais. Teilweise wurden vorhandene Elemente übernommen und in das neu entstandene Gebäude eingearbeitet. Vor allem die Unterkellerung des Hauses bezog viele Teile der Vorgängerbebauung ein. Die These vom Schelfenhaus als Nachfolgebau wird durch den verzogenen Grundriss des Gebäudes untermauert.Markus Josef Maier: Das Schelfenhaus in Volkach. S. 17.

Um das Jahr 1719Es existieren in der Literatur verschiedene Angaben zur Errichtungszeit. Während Treutwein (S. 258) die Jahre 1719/20 nennt, gehen andere vom Jahr 1715 aus. Erst Maier (S. 16) setzt die Errichtungszeit um das Jahr 1719 an. begann der Bau des Schelfenhauses. Bauherr war der reichste Bürger der Landstadt Volkach, Johann Georg Adam Schelf. Er gehörte zur italienischstämmigen Bürgerfamilie Schelf, die erstmals im 17. Jahrhundert in Unterfranken nachgewiesen ist, und lebte vom 20. April 1688 bis zum 19. September 1745. Nach einem Studium in Würzburg übernahm Schelf repräsentative Aufgaben in der Stadt Volkach und war von 1741 bis zu seinem Tod deren Oberbürgermeister. Beruflich war er als Weinhändler tätig.

Am 7. Januar 1721 war das „Hauß von Grund auf neugebauet“,Gerhard Egert: Die Volkacher Patrizierfamilie Balbus. S. 27. und Schelf bat beim Stadtrat Volkachs um Steuererlass, den er auch bewilligt bekam. Entstanden waren in dieser ersten Bauphase der sogenannte Hauptbau mit der noch heute sichtbaren Straßenfassade und der westliche Stutzflügel. Das Grundstück umfasste damals noch nicht den Vorgarten und die nördlichen und östlichen Anbauten. Über den Architekten konnten bisher keine schriftlichen Zeugnisse aufgefunden werden, stilistische Einflüsse des Würzburger Stadt- und Landbaumeisters Joseph Greissing sind allerdings deutlich erkennbar.Bereits die ältere Literatur, allen voran Egert (Die Volkacher Patrizierfamilie Balbus. S. 27) geht von Greissings Mitarbeit in Form von Plänen aus. Für dessen aktive Teilnahme spricht neben der typischen Fassadengliederung und der charakteristischen Gestaltung des mit Akanthuslaub beschnitzten Traufgesimses insbesondere die Portalgestaltung, die Motive wiederholt, die ein nicht ausgeführter Planriss zu einer barockisierenden Portalgestaltung des Würzburger Doms aus Greissings Baubüro zeigt. Da dieser heute im Staatsarchiv Würzburg verwahrte RissStaatsarchiv Würzburg, Würzburger Risse und Pläne II/36. nicht öffentlich zugänglich war, kann die darauf dargestellten Ideen nur Greissing selbst oder einer seiner direkten Mitarbeiter hierher vermittelt haben.

Um das Jahr 1730 entstand im Norden des Palais ein weiterer Anbau.Markus Josef Maier: Das Schelfenhaus in Volkach. S. 17. Maier begründet die Datumsangabe mit dem Stil des Stucks der neuen Decken des Nebengebäudes. Gleichzeitig baute man östlich des Hauptbaus einen weiteren Flügel an, der als „Scheunenbau“ bezeichnet wurde, und dessen Untergeschoss als Lagerort für landwirtschaftliches Gerät genutzt wurde. Dieser Bau füllte eine Fläche in der städtischen Bebauung aus. Durch diese zweite Bauphase war ein Innenhof entstanden, der optisch vereinheitlicht wurde.

Private Nutzung (1745–1950) mini|Das Schelfenhaus auf einer Zeichnung des Jahres 1913

Nach dem Tod des Erbauers Johann Georg Adam Schelf im Jahr 1745 ging das Haus an seine Frau Anna Regina über, die der Volkacher Patrizierfamilie Balbus entstammte. Da es keine männlichen Nachkommen gab, plante Anna Regina das Haus an das Kloster Banz zu verkaufen beziehungsweise auf unbestimmte Zeit zu verleihen. Das Einschreiten ihres Schwiegersohnes, des Würzburger Amtskellers Eugen Kast – er hatte die Tochter Anna Maria Schelf geheiratet – verhinderte die Veräußerung des Bürgerhauses.

Nachdem gegen Ende des 18. Jahrhunderts Anna Maria Kast verstorben war, übernahm eine Erbengemeinschaft das Stadtpalais. Von ihr erhielt der Weinhändler Johann Zacharias Seubert das Schelfenhaus wohl im Jahr 1799. Er ist noch im Jahr 1820 als Eigentümer des Hauses nachgewiesen.Günther Schmitt: Alte Keltern in Volkach. S. 1. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe das Gebäude. Sie vererbte es an ihren Enkel Anton Burkhard Jäcklein, der im Jahr 1864 starb.

Nächste Besitzerin war dessen Tochter Margareta, die im Jahr 1863 den Seilermeister Franz Erbig geheiratet hatte. Nach dem frühen Tod seiner Frau heiratete Erbig erneut und ließ 1879 erste Renovierungen am Schelfenhaus vornehmen. Erneute Ausbesserungen am Gebäude fanden im Jahr 1903 statt.Vgl.: Inschrift am Seitenflügel. Als Franz Erbig im Jahr 1917 starb, erbte sein Sohn aus erster Ehe, Johann, das Bürgerhaus und bewohnte es in den nächsten Jahren.

Haus des Gastes (1950–heute) Mit dem Tod des Johann Erbig im Jahr 1950 ging das Haus in das Eigentum der Stadt Volkach über. Zum Dank wurde eine Straße nach dem Stifter Johann-Erbig-Straße genannt. Es folgte in den 1950er-Jahren der Umbau des Hauses: Man fasste zwei Räume im Erdgeschoss zusammen, um das Schelfenhaus für repräsentative Zwecke nutzen zu können. Danach folgte eine längere Planungsphase der Stadtverantwortlichen.

Im Jahr 1975 wurden erste Pläne veröffentlicht, die eine Nutzbarmachung des Hauses für die Öffentlichkeit vorsahen. Der östliche Scheunenbau sollte abgerissen werden und durch ein neues Gebäude, die künftige Stadtbibliothek, ersetzt werden. Die Pläne ruhten bis ins Jahr 1979, bevor im März 1980 der Abriss des Ostflügels realisiert wurde. Ein Jahr später, 1981, war der Umbau und damit die dritte Bauphase abgeschlossen.Markus Josef Maier: Das Schelfenhaus in Volkach. S. 18.

Bis ins Jahr 1992 wurde das Gebäude in das „Haus des Gastes“ der Stadt Volkach umgewandelt. Das Obergeschoss dient heute repräsentativen Zwecken und wird für Weinproben, Empfänge und Kunstausstellungen genutzt. Das Untergeschoss ist Geschäftsstelle der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur,Stadt Volkach: , abgerufen am 12. Juni 2014. während im Nebengebäude die Stadtbibliothek untergebracht ist.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege verzeichnet das Schelfenhaus als Baudenkmal mit der Nummer D-6-75-174-102.Geodaten: , abgerufen am 12. Juni 2014. Das Haus ist ein wichtiges Element des Ensembles Altstadt Volkach. Die untertägigen Reste der Vorgängerbebauung werden unter der Nummer D-6-6127-0090 als Bodendenkmal geführt.

Architektur Ensemble Das Grundstück des Schelfenhauses hat die Form eines beschnittenen und erheblich verzogenen, zum Quadrat tendierenden Rechtecks. Im Durchschnitt hat es eine Kantenlänge von 31,5 auf 25 Metern. Das Haus ist auf drei Seiten von weiteren Gebäuden umstellt, sodass nur die südliche Flanke an der Schelfengasse offen ist. Mittelpunkt des Gebäudeensembles ist ein querrechteckiger Innenhof, um den sich die Bauteile des Schelfenhauses gruppieren.

Das Haus besteht aus dem zweiflügeligen, barocken Wohnhaus im Süden und Westen mit dem sogenannten Hauptbau an der Südseite und dem angebauten Stutzflügel im Westen.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. S. 1074. An den Flügel ist ein querrechteckiger Anbau im Nordosten angesetzt. Das nördliche Nebengebäude entstand in der zweiten Bauphase. Das östliche Nebengebäude war ursprünglich als Scheunenbau konzipiert und musste im 20. Jahrhundert dem heutigen Bibliotheksbau weichen.Markus Josef Maier: Das Schelfenhaus in Volkach. S. 19.

Hauptbau Der Hauptbau hat ein verzogenes Rechteck als Grundriss. Die Vorgängerbebauung und die kompakte Besiedlung der Volkacher Altstadt machten diese Form notwendig. Es ist ein Traufseithaus mit zwei Geschossen. Ein Walmdach schließt es oben ab. Die südliche Fassade hat acht Achsen, die zum Innenhof gelegene Nordseite, bedingt durch den Sturzflügel, nur fünf. Unterhalb des Gebäudes befindet sich ein längsgewölbter Keller.

Grundriss mini|Grundriss 1: Erdgeschoss

Das Erdgeschoss des Hauptbaus wurde vom Baumeister dreigeteilt. Zwei schmale Querstreifen im Westen und Osten rahmen einen größeren, fast quadratischen Mittelteil ein. Dieses mittlere Element ist in einen längsgerichteten Raum an der Südseite, der durch die Zusammenlegung zweier kleinerer Räume im 20. Jahrhundert entstand und heute den Vortragsraum enthält, und zwei kleinere, rechteckige Räume mit Gewölbedecken: Dort waren die Küche und die Speisekammer untergebracht.Markus Josef Maier: Das Schelfenhaus in Volkach. S. 20.

Der östliche Raum des Erdgeschosses enthält den Treppenaufgang mit einer zweiarmigen Winkeltreppe und erschließt als Hausflur den südlichen Vortragsraum, Küche und Speisekammer. Auf der Westseite befindet sich die sogenannte Durchfahrt, die durch die achte Achse der Fassade gebildet wird und fast ein Sechstel der Fassadenfläche einnimmt. Sie leitet zum nördlichen Innenhof über.

Der Grundriss des Obergeschosses entspricht dem des Erdgeschosses, dort sind die Repräsentationsräume untergebracht. Die Südseite wird von neun Fenstern belichtet, die Nordseite hat sieben Fenster. An der Straßenfront liegen drei miteinander verbundene Räume. Ganz im Osten liegt der sogenannte Bildersaal mit drei Fensterachsen. Er reicht bis zum Innenhof und hat als einziger Raum an der Vorder- und Rückseite Fenster.

Die Mitte wird vom „Ofensaal“ mit vier Fenstern eingenommen. Im Westen folgt das kleinste Zimmer des Obergeschosses, das „Professor-Rösser-Zimmer“.Joachim Kramer: Das Schelfenhaus. Die streifenförmige Restfläche im Norden der beiden letztgenannten Räume nimmt der Korridor ein. Er erschließt die Zimmer des Obergeschosses und den Stutzflügel und wird von drei Fenstern des Innenhofs belichtet. Auf seiner westlichen Schmalseite befinden sich der Schacht für die Speichertreppe und ein kleiner Toilettenraum.

Fassade mini|Die Tordurchfahrt an der Fassade (April 2014)

Die Fassade hat an der Schelfengasse eine längsrechteckige Form. Das Verhältnis von Länge zu Breite beträgt etwa 2:1. Den Unterbau bildet ein leicht hervortretender profilierter Sandsteinsockel. Es folgen zwei Putzmauergeschosse, die durch ein profiliertes Gurtgesims voneinander äußerlich abgegrenzt sind. Die Fassade ist von zwei breiten Vierkantsäulen eingefasst, die in ionischen Kapitellen mit Akanthus- und Blütenwerk auslaufen.

Oberhalb der Säulen, die vom Gurtgesims unterbrochen sind, leitet ein Traufgesims als Säulenbekrönung zum Dach über. Häufigste Gliederungselemente der Fassade sind die risalitartig ausgebildeten Fensterachsen mit Wandverkröpfungen bei den Sturz- und Brüstungsfeldern. Sie sind geohrt und mit einem Karniesprofil ausgestattet.Markus Josef Maier: Das Schelfenhaus in Volkach. S. 27. Die Brüstungsfelder weisen Rankwerk als Verzierungselement auf.