mini|Die katholische Pfarrkirche Volkach Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus und St. Georg steht in der Altstadt von Volkach im bayerischen Landkreis Kitzingen. Sie ist eines der Wahrzeichen der unterfränkischen Kleinstadt und ist im Weinbaugebiet der Mainschleife weithin sichtbar.

Geschichte Die Geschichte der Kirche ist eng mit der der Stadt Volkach verbunden. Sie ist das größte Gebäude der Stadt. Die katholische Gemeinde prägt bis heute das Leben in der fränkischen Kleinstadt.

Errichtung (–1544) mini|Der Bartholomäusmarkt mit der ältesten Abbildung der Kirche im Volkacher Salbuch Das Gebiet um die Kirche ist einer der Siedlungskerne der Stadt. Bereits aus dem 12. Jahrhundert ist ein Kirchenbau belegt, der dem heiligen Georg geweiht war. Diese Kapelle war allerdings nicht die Pfarrkirche des Ortes. Diese befand sich auf dem nahegelegenen Kirchberg mit der Wallfahrtskirche Maria im Weingarten. Im Jahr 1335 wurde in der städtischen Kirche zum ersten Mal die Frühmesse gestiftet.Gerhard Egert: Stadt und Pfarrei Volkach am Main. S. 61. Das 14. Jahrhundert brachte die Erhebung zur Pfarrkirche.

Am 22. Februar 1413, dem Tag der Stuhlfeier Petri, begann ein lange geplanter Neubau. Dies belegt eine Inschrift am vierten Chorstrebepfeiler.Gerhard Egert: Die Älteste Baurechnung der Pfarrkirche St. Bartholomäus. S. 206. Neben Georg erhielt auch der Apostel Bartholomäus das Kirchenpatronat. Der Neubau begann mit dem Chor, der bis 1442 an das bestehende Langhaus angebaut wurde. Dessen Neuerrichtung begann im Westen und führte zur Begradigung der Hauptstraße und zur Vergrößerung des Kirchengebäudes.

1447 wurde der Bartholomäusaltar vom Kirchberg in den neuerrichteten Chor der Stadtpfarrkirche verbracht. Zuvor, am 25. November 1442, war bereits ein Heiligenaltar in der Kirche aufgestellt worden. Außerdem wurde 1447 eine kleine, dem Erzengel Michael geweihte Kapelle ans Langhaus angebaut. Im Jahr 1468 erfolgte eine Privilegierung der Kirche durch den Würzburger Fürstbischof Rudolf von Scherenberg.

Einige Jahre später, im Jahre 1472, begann die Erneuerung des Langhauses. Als Baumeister verpflichteten die Volkacher Räte Friedrich Reuß, der die Kirche als dreischiffige Hallenkirche plante. Nach Planänderungen entstand eine Saalkirche.Geodaten: , abgerufen am 18. März 2013. Die Arbeiten am Kirchenschiff zogen sich bis ins Jahr 1517/1518 hin.

Für die Erneuerung des Turmes erhielt der Würzburger Dombaumeister Hans Bock 1513 den Auftrag. Geplant wurde der Kirchturm an der höchsten Stelle der Stadt, damit er gleichzeitig als Wachturm dienen konnte. Nach einer Bauunterbrechung erhielt er 1597 mit dem Achteckaufbau und einem Treppenturm sein charakteristisches Äußeres. Inzwischen war der Friedhof, ursprünglich um die Kirche angelegt, im Jahr 1544 in die obere Vorstadt verlegt worden.Hendrik Weingärtner (Hrsg.): 600 Jahre Grundsteinlegung: 1413–2013. S. 66.

Erneuerungen (1544–heute) Die äußere Form der Kirche veränderte sich nicht mehr. Im Inneren brachte Zimmermeister Merten 1573 eine hölzerne Empore an. Eine erste Renovierung der Pfarrkirche fand im Jahr 1607 statt. 1646 begann die Wallfahrt nach Burgwindheim, der ein Pestgelöbnis vorausgegangen war. Der Dreißigjährige Krieg verschonte die Pfarrkirche weitgehend. Anders als in vielen anderen Kirchen Frankens wurde in ihr nie protestantischer Gottesdienst gehalten. Eine weitere Restaurierung im Jahr 1688 vermerkten die Gemeindevorsteher in einer Urkunde im Turmknopf.

Mit dem Jahr 1727 begann die barocke Umgestaltung der Pfarrkirche St. Bartholomäus und St. Georg. Im Jahr 1738 wurde der Kirchturm renoviert, 1753 im Kirchenschiff eine Flachdecke eingezogen. Eine geplante Erweiterung der Kirche wurde 1843 abgelehnt. Im Jahr 1864 plante Pfarrer Georg Scheurich die neugotische Umgestaltung des barocken Innenraums, scheiterte jedoch am Widerstand der Gemeinde.

Die Kirche erlitt im letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs kleinere Schäden, die 1949 ausgebessert wurden. Im Jahr 1951 erfolgte dann eine umfassende Renovierung des Kirchengebäudes. 1972 musste der Altarraum nach den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils umgestaltet werden. Hierzu fertigte Adelmar Dölger einen neuen Ambo. Der Restaurierung im Jahr 1990 folgte in den Jahren 2006 bis 2008 eine weitere, bei der gotische Wandmalereien an der Decke freigelegt wurden.

Heute ist St. Bartholomäus und St. Georg die Pfarrkirche der katholischen Pfarrei Volkach.Pfarrei Volkach: , abgerufen am 18. März 2013. Sie wurde unter der Nummer D-6-75-174-74 in die bayerische Liste der Baudenkmäler aufgenommen. Die untertägigen Reste der Vorgängerbebauung werden als Bodendenkmal geführt. Die Kirche ist einer der Mittelpunkte des Ensembles Altstadt Volkach.

Architektur mini|Grund- und Aufriss der Pfarrkirche Die Saalkirche ist geostet und hat einen polygonalen Chor. Im Westen stößt die Nikolauskapelle direkt an das Gebäude. Insgesamt ist die Kirche auf drei Seiten von Häusern umgeben und öffnet sich im Osten zur Hauptstraße hin.

Chor und Langhaus An der Chorseite, der Schauseite der Kirche, fällt die reiche Gliederung ins Auge. Die Strebepfeiler besitzen Konsolen, die mit Laubwerk verziert sind. Hohe Baldachine weisen auf ursprünglich geplante Figuren hin, die nie ausgeführt wurden. Am vierten Chorstrebepfeiler befindet sich die Inschrift „ano dni mcccc•xiii inceptu e/ hoc ops hus chori indie kathe/ dra•s• petri ihnor•s• bartholo/ mei apli et•s• Georg militis“ (Im Jahr des Herrn 1413 ist dieser Bau dieses Chores am Tag Petri Stuhl zu Ehren des Heiligen Apostels Bartholomäus und des Heiligen Ritters Georg begonnen worden), die auf den Baubeginn der Kirche hinweist.Hendrik Weingärtner (Hrsg.): 600 Jahre Grundsteinlegung: 1413–2013. Rückseite.

Auf beiden Seiten des Langhauses führen Portale in die Kirche. Rippenanfänge über der südlichen Vorhalle weisen auf eine geplante Kapelle über dem Portal hin. Die Türen haben Beschläge, die aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammen. Das Langhaus wird durch vier mit Maßwerk verzierten Fensterachsen gegliedert. Im Inneren befindet sich Netzgewölbe.

Turm Das prägende Element der Kirche ist der 45 m hohe Turm mit sieben Geschossen nördlich des Chores. Sein quadratischer Unterbau entstand in der ersten Bauphase bis ins Jahr 1517. Ihm wurde bis ins Jahr 1597 ein achteckiger Aufbau mit vier Uhren angefügt, zu dem ein Umgang überleitet und der als Türmerwohnung genutzt wurde. An der Ostseite ist ein runder Treppenturm mit einer kleinen Kuppel angebaut. Der höchste Punkt der Stadt wurde lange Zeit auch als Aussichtsturm genutzt und war damit indirekt Teil der Volkacher Stadtbefestigung.

Eine gedrückte Kuppel mit einer Laterne bekrönt den Bau. Sie wird von einem fünf Meter hohen Spieß überragt, der die Wetterfahne und die Turmkugel mit einem Durchmesser von 40 cm verbindet. Die Wetterfahne besteht aus einem etwa 90 cm großen Halbmond und einem siebenzackigen Stern mit 1,15 m Durchmesser. Die Motive gehen wohl auf das Wappen des Bürgermeisters Georg Wagner zurück.Herbert Meyer: Turm und Türmer in Volkach. S. 220. Im ersten Turmgeschoss ist das Wappen der Voit von Salzburg und daneben die Jahreszahl 1517 angebracht, im zweiten das des Fürstbischofs Lorenz von Bibra. Dieses stammt eventuell aus der Werkstatt Tilman Riemenschneiders.Breuer, Tilmann: Franken: die Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. S. 1073. Die vier Fenster im obersten, quadratischen Geschoss haben reiches Maßwerk.

Ausstattung mini|Der Innenraum der Bartholomäuskirche Die Ausstattung der Kirche ist vor allem von der barocken Umgestaltung im 18. Jahrhundert geprägt. Mehrere große fränkische Künstler des Barock wirkten in der Pfarrkirche. Einige ältere Bestandteile zeugen vom hohen Alter des Kirchenbaus.

Decke Planungen für eine Erneuerung der Decke in der Pfarrkirche gehen auf das Jahr 1746 zurück. Am 20. Februar 1748 erteilte der Rat der Stadt Johann Michael Babelitsch aus Aub den Auftrag, die Decke neu zu stuckieren. Nach Streitigkeiten wegen der Finanzierung begannen 1753 die Arbeiten. Inzwischen war der Auftrag an Nikolaus Huber vergeben worden, der eine flache stuckierte Spiegeldecke einfügte.

Die Bildmedaillons sind von Rokokodekor eingerahmt. Auch die oberen Leibungen der Fenster und die Kappen der Hohlkehlen sind verziert. Ein auf der Ostseite von stuckierten Vasen besetztes Gesims umläuft die Decke. Putten mit Blumengehängen sind farbig gefasst. Ein geraffter blauer Vorhang am Chorbogen aus Stuck trägt in seinem Scheitel ein barockes Kruzifix.Hanswernfried Muth: Volkach am Main. S. 20.

Das Deckengemälde mit der Verehrung des Altarsakraments wurde 1753 auf die bereits stuckierte Decke aufgetragen. Maler war Johann Michael Wolcker aus Würzburg. Dies belegt die Inschrift „JOANN MICHAEL WOLCKER PINXIT 1753“ im großen Deckengemälde.Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. S. 14. Allegorien huldigen der Dreieinigkeit Gottes und der Teufel stürzt vor dem Allerheiligsten in die Hölle. Auch die Darstellungen von Kirche, Reich und Herzogtum Franken (in Form der Flagge des Fürstbischofs) sind enthalten. Bildmedaillons mit alttestamentlichen Darstellungen umgeben das Gemälde. Sie stellen das Opfer des Melchisedeks, den Mannaregen der Israeliten, die Bundeslade und den Tisch mit den Schaubroten dar.

Hochaltar Nach der Zustimmung des fürstbischöflichen Ordinariats im Jahr 1723 nahm die Planung einen großen Hochaltars im Chor konkrete Formen an. Zunächst beauftragte man Waldemar Becker aus Haßfurt mit der Ausführung. Dieser kam den Vorgaben des Rates allerdings nicht nach. Schließlich einigte man sich am 20. Februar 1732 mit dem Wiesentheider Hofschreiner Johann Georg Neßtfell, der den Altar.Hendrik Weingärtner: 600 Jahre Grundsteinlegung: 1413–2013. S. 37. Vgl. Hanswernfried: Volkach am Main. Hier werden die Jahre von 1727 bis 1729 errichtete.

Zeichner des Altarblattes war der Thüngersheimer Georg Sebastian Urlaub, der das Bild im Jahr 1733 schuf, wie aus der Inschrift „Georg Sebastian Vrlaub pinxit 1733“ hervorgeht. Im Jahr 1739 konnte der Altar geweiht werden. Die vier großen Heiligenfiguren von Bildhauer Reutel aus Kitzingen folgten im Jahr 1771. 1772 ergänzte Johann Peter Wagner den Altar mit einem Tabernakel, den er im Jahr 1791 umgestaltete.

Der Altar füllt die Ostwand des Chores aus und misst 14 × 7,3 Meter. Er hat sechs Säulen, deren Sockel mit Spiegeln verziert sind. Die Kapitelle, mit reichem Laubornament geschmückt, leiten zu einem hohen Gesims über. Zurückgezogene Stuckvorhänge an den jeweils äußersten Säulen lassen das Bild einer Theaterbühne erscheinen. Auf Höhe der Säulen befinden sich vier überlebensgroße Heiligenfiguren. Sie zeigen (von links nach rechts) den heiligen Bartholomäus, den heiligen Kilian, den heiligen Aquilin und den heiligen Georg.

Das Altarblatt im Zentrum des Werks zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. Der Auszug präsentiert die Heiligste Dreifaltigkeit. Links sitzt Jesus mit dem Kreuz, daneben Gottvater. Eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes fliegt über der Wolkengloriole. Zwei huldigende Engel rahmen die Szene ein, darüber schweben kleine Putten. Zwei Vasen aus Stuck begrenzen den Auszug.

Der Tabernakel vor dem Altar ist in Weiß und Gold gehalten mit dem Allerheiligsten im Zentrum. Darüber befindet sich das Auge der Vorsehung und ein Gotteslamm. Zwei betende Putten flankieren das Zentrum. Weitere Engel befinden sich am äußersten Rand des Tabernakels.Hanswernfried Muth: Volkach am Main. S. 22.

Seitenaltäre mini|Der Sebastiansaltar Die vier Seitenaltäre entstanden bei der umfassenden Neugestaltung des Langhauses. Sie gehen wohl alle auf den Kitzinger Bildhauer Reiner Wierl zurück, der bereits bei der Umgestaltung der Decke als Sachverständiger mitwirkte. Die Altäre haben einen ähnlichen Aufbau mit geschwungenen Volutenpilastern. Kniende Engel rahmen das zentrale Altarblatt ein. Darüber erhebt sich der Auszug, der von zwei Putten eingerahmt wird.