mini|Aufschluss im Unterkeuper-Mittelkeuper-Grenzbereich bei Vellberg-Eschenau: Über dem gelben Grenzdolomit beginnt der durch rote Farben charakterisierte Untere Gipskeuper mini|Gipskeuper am Äulesberg (Grabfeld-Formation) bei Vellberg mini|Oberer Teil des Unteren Gipskeupers (Grabfeld-Formation) bei Frankenhardt
Der Gipskeuper ist eine historisch weit verbreitete geologische Kartiereinheit des unteren Abschnitts des Mittleren Keupers der Germanischen Trias.Autorenkollektiv: Lexikon der Geowissenschaften. Band II, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg / Berlin 2000, ISBN 3-8274-0421-5, S. 321. Der Gipskeuper wird vorwiegend aus bunten, überwiegend rötlichen Tonsteinen mit Einlagerungen von Gips-, Anhydrit- und Steinsalzlagen gebildet. Aufgrund der Löslichkeit der Sulfat- und Salzgesteine (Subrosion) sind Gipskeuper-Landschaften häufig durch Subrosionsformen wie Dolinen und Erdfälle charakterisiert. Der Keuper-Gips deckt gegenwärtig etwa die Hälfte des deutschen Natursteingipsbedarfs.Edgar Nitsch: Wortgeschichten aus der Keuperstratigraphie. Teil III: Gipskeuper, Grundgips und Berggips. In: Zeitschrift deutsche geologische Gesellschaft. Band 155, Stuttgart 2005, S. 187. Gipskeuperablagerungen sind im Untergrund des Norddeutschen und Thüringer Beckens, im Steigerwald, der Filderebene, der Fränkischen und Schwäbischen Alb und am Rand zahlreicher Mittelgebirge verbreitet. Die Fossilführung im Gipskeuper ist sehr gering.
Klima und Ablagerungsbedingungen mini|Schilfsandsteinbruch am Eichelberg bei Bühlerzell Im Mittleren Keuper herrschten in Europa kontinentale Ablagerungsbedingungen vor. Aufgrund einer generellen Hebung Mitteleuropas seit Beginn des Keupers wurde der Meereseinfluss stark zurückgedrängt. An den Rändern des kontinentalen, teilweise brackisch-lagunären Sedimentbeckens sind verstärkt Sedimenteinträge aus umgebenden Hochgebieten, wie beispielsweise von der Vindelizischen Schwelle im Südosten zu beobachten. In den flachen Lagunenbereichen konnten sich bei warmen und trocknen Klimabedingungen Karbonate, Sulfate (Gips, Anhydrit) und Steinsalze ausscheiden. Zeitweilig wurden diese flachen Lagunenbereiche von mäandrierenden Flüssen durchzogen, die sandige Sedimente ablagerten, die heute als Sandsteineinschaltungen innerhalb des Gipskeupers zu beobachten sind. Generell zeigen die vorwiegend roten Gesteinsfarben, Trockenrisse sowie das Vorhandensein von Gipskrusten und Salzlagern die ariden und trockenen Klimabedingungen an.Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen: Geologie im Weser- und Osnabrücker Bergland. Krefeld 2003, ISBN 3-86029-932-8, S. 55.
Geschichte der Erforschung Der Terminus „Gipskeuper“ wurde 1866 durch Carl Wilhelm von Gümbel eingeführt.Carl Wilhelm von Gümbel: Die geognostischen Verhältnisse des fränkischen Triasgebietes. In: Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 4, München 1866, S. 3 ff. Gümbel fasst unter diesem Begriff die untersten drei Schichtenfolgen des Mittleren Keupers, den Grundgyps (heute Grabfeld-Formation), den Schilfsandstein (heute Stuttgart-Formation) und den Berggyps (heute Steigerwald-Formation) zusammen. Die Erforschung dieser Gesteins-Formation geht einher mit dem sprunghaft steigenden Gipsverbrauch gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wo in Deutschland während der Gründerzeit ein großer Bedarf an Gips für Stuckarbeiten zu verzeichnen war.Edgar Nitsch: Wortgeschichten aus der Keuperstratigraphie. Teil III: Gipskeuper, Grundgips und Berggips. In: Zeitschrift Deutsche Geologische Gesellschaft. Band 155, Stuttgart 2005, S. 187.
Lithologien
In Norddeutschland wird der Gipskeuper aus einer Schichtenfolge roten, grünen und grauen Tonmergelsteinen und dolomitischen Tonsteinen gebildet, in die lagenweise Gips und Anhydrit eingelagert sein können. In Schleswig-Holstein, im Emsland und der Unterweser enthält die Schichtenfolge zwei Salzlager von 250–300 m Mächtigkeit, die als teilweise resedimentierte Zechsteinsalze in stark eingetieften Randsenken durchbrochener Salzdiapire angesehen werden.Roland Walter: Geologie von Mitteleuropa. 5. Auflage. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 1992, ISBN 3-510-65149-9, S. 85. In Mecklenburg-Vorpommern wird der durchschnittlich 200–320 m mächtige Gipskeuper durch den 25–90 m mächtigen Schilfsandstein in zwei voneinander getrennte Schichtenfolgen – dem Unteren und Oberen Gipskeuper – untergliedert.Gerhard Beutler: Trias. In: Gerhard Katzung (Hrsg.): Geologie von Mecklenburg-Vorpommern. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2004, ISBN 3-510-65210-X, S. 148 f. Der in Flussrinnen abgelagerte Schilfsandstein wird hier aus Sandsteinen, Grauwacken und Brekzien aufbaut. Die Breite der fluviatilen Rinnen schwankt in Norddeutschland zwischen 1 und 15 km. Größtenteils sind sie NE-SW bzw. NW-SE ausgerichtet. Der Schilfsandstein ist weit im heutigen Mitteleuropa verbreitet, von Skandinavien, Südpolen über Norddeutschland, das Thüringer Becken bis in den süddeutschen Raum.
Der Untere Gipskeuper wird in Norddeutschland aus einer Wechsellagerung von bunten, roten, grünen, grauen Tonsteinen aufgebaut, in die knollige oder massige Anhydritlagen eingeschaltet sind. Seltener treten dolomitische Einlagerungen auf und im höheren Profilabschnitt sind Steinsalzablagerungen zu finden. In Mecklenburg-Vorpommern schwankt die Mächtigkeit des Oberen Gipskeupers vor allem in Abhängigkeit von der Beeinflussung des Untergrundes durch die Salztektonik (Halokinese). Auf einigen tektonischen Schwellen und Hochlagen im Untergrund, wie z. B. der Rügen-Schwelle und der Südwestmecklenburg-Hochlage, fehlt der Obere Gipskeuper völlig. Der Obere Gipskeuper wird in Norddeutschland aus einer Wechsellagerung von braunroten Tonsteinen mit knolligen und massigen Anhydritlagen gebildet. In den höchsten Profilabschnitten ist eine 20 m mächtige Anhydritbank eingelagert, die dem thüringischen Heldburg-Gips entspricht. Steinsalz ist im Oberen Gipskeuper lediglich aus der Gegend von Grevesmühlen und Mirow bekannt.
In Ostwestfalen und in Hessen erreichen die Gipskeuper-Sedimente eine Mächtigkeit von 160 bis 190 m (Raum Herford-Bielefeld) bzw. 100 bis 140 m (Hessische Senke). In Richtung auf die damaligen Festländer, wie das Rheinische Schiefergebirge und den Harz gehen die Mächtigkeiten rasch zurück.Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen: Geologie im Weser- und Osnabrücker Bergland. Krefeld 2003, ISBN 3-86029-932-8, S. 55. mini|Geologische Karte des Thüringer Beckens mini|Aufschluss der Lehrbergschichten (Oberer Gipskeuper) auf der Frankenhöhe in Südwestfranken In Thüringen lässt sich der Untere Gipskeuper in vier Abschnitte gliedern:Joachim Dockter, Rolf Langbein: Keuper. In: Gerd Seidel (Hrsg.): Geologie von Thüringen. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 1995, ISBN 3-510-65166-9, S. 340 ff.
Obere Gipsmergel Graue Steinmergelschichten Mittlerer Gipsmergel (Oberer Teil der Myophorienschichten): graue Mergel, im oberen Profilabschnitt graue und rote Mergel mit Gips und Anhydrit Unterer Gipsmergel (Unterer Teil der Myophorienschichten): 5–12 m grünlichgraue Mergel mit Gipseinlagerungen (Grundgips) und einer Bleiglanz-Bank am Top des Unteren Gipsmergel
Der Obere Gipskeuper wird in Thüringen von der Unteren Gipskeuperfolge durch den maximal 60 m mächtigen Schilfsandstein getrennt. Der Obere Gipskeuper lässt sich in Thüringen ebenfalls in 4 Abschnitte gliedern.
Heldburg-Gipsmergel: graue Tonmergel mit Gipseinlagerungen Bunte Mergel: rote bis rotbraune, untergeordnet grüne und graue Mergel mit Knollengipslagen Lehrbergschicht: rote Mergel, wechsellagernd mit grünen und grauen Mergeln und einer charakteristischen Fauna (u. a. mit der Schnecke Promathilda theodorii) Rote Wand: rote und violette Tonsteine wechsellagernd mit grünen Tonsteinen und vorwiegend knolligen Gipslagen
Im zentralen Thüringer Becken sind auch geringmächtige Steinsalzeinlagerungen zu finden.Roland Walter: Geologie von Mitteleuropa. 5. Auflage. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 1992, ISBN 3-510-65149-9, S. 336.
In einigen Teilen Süddeutschlands sind die kompakten Gipslager nicht ausgebildet. Aufgrund der charakteristischen Verwitterung der Tonsteine zu einem Grus und Gesteinsschutt werden solche Gesteine lokal als „Leberkiese“ (Leber altdeutsch für Berg, d. h. „Grus aus dem Berg“) bezeichnet.Edgar Nitsch: Wortgeschichten aus der Keuperstratigraphie. Teil III: Gipskeuper, Grundgips und Berggips. In: Zeitschrift Deutsche Geologische Gesellschaft. Band 155, Stuttgart 2005, S. 188.
Stratigraphische Einstufung
Die stratigraphische Einstufung des Gipskeupers variiert in Abhängigkeit vom geografischen Faziesraum. Die moderne stratigraphische Korrelation erfolgt nach Vorgaben des Lithostratigraphischen Lexikons der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Litholex):
Württembergischer und Hessischer Gipskeuper mini|Gipskeuper-Aufschluss am Wurmlinger Kapellenberg Der Gipskeuper im württembergischen Raum wurde erstmals 1834 von Friedrich von Alberti beschrieben.Friedrich von Alberti: Beitrag zu einer Monographie des Bunten Sandsteins, Muschelkalks und Keupers und die Verbindung dieser Gebilde zu einer Formation. Cotta, Tübingen 1834. (1998, ISBN 3-00-003351-3) Im hessisch-württembergischen Raum beginnt der Gipskeuper mit den ersten gipsführenden Schichten oberhalb des „Schwäbischen Grenzdolomits“, umfasst die Grabfeld-Formation des Mittleren Keupers und reicht bis zur Basis des Schilfsandsteins der Stuttgart-Formation. auf litholex.bgr.de Der württembergische und hessische Gipskeuper umfasst somit eine stratigraphische Reichweite von der Grenze Ladinium / Karnium bis zum Unteren Karnium (unterer Teil des Mittleren Keupers, 235 bis 332 Millionen Jahre).
Der Gipskeuper ist in dieser Region besonders im württembergischen Anteil des Schwäbisch-Fränkischen Stufenland sowie in der Hessischen Senke verbreitet.
Badischer Gipskeuper mini|Die Keuperschichtstufe im Nordwesten der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge bei Löwenstein. Der Talgrund wird hier durch Gipskeuper gebildet, während die Hänge und Schichtstufen durch jüngere Keuperablagerungen (Sandsteine und Bunte Mergel) aufgebaut werden. Die ersten Beschreibungen des badischen Gipskeupers erfolgten 1896 durch Hans ThürachHans Thürach: Erläuterungen zu Blatt Sinsheim (Nr. 42). Geol. Specialkt. Ghzgt. Baden, Erl. Bl. 42, Heidelberg 1896, . und zusammenfassend 1916 durch Wilhelm Deecke.Wilhelm Deecke: Geologie von Baden. Band 1, Borntraeger, Berlin 1916, . Der badische Gipskeuper setzt an der Basis des Böhringen-Sulfats (Erfurt-Formation) direkt über dem Badischen Grenzdolomits an und reicht stratigraphisch bis an den ersten Sandstein innerhalb der Löwenstein-Formation. auf litholex.bgr.de Somit umfasst hier die Gipskeupersedimentation einen Zeitraum vom Obersten Ladinium bis Mittleren Norium. (235-215 Millionen Jahre). In Baden sind Gipsmergelablagerungen im Schwäbischen-Fränkischen Stufenland und im Oberrheintalgraben verbreitet.
Nach einer Erdwärmebohrung im Jahre 2007 kam es in Staufen im Breisgau zu Hebungsrissen.
Fränkischer Gipskeuper