Schymkent (, ; ; bis 1992 Чимкент/Tschimkent, in Deutsch früher auch Tschemkent) ist eine Großstadt in Kasachstan. Sie befindet sich im Süden des Landes am Fuße des Ugomgebirges unweit der Grenze zu Usbekistan, rund 120 Kilometer nördlich von Taschkent. Mit Einwohnern (Stand ) ist sie die drittgrößte Stadt Kasachstans.

Schymkent wurde vermutlich im 12. Jahrhundert als Karawanserei gegründet, um die naheliegende Handelsstadt Sairam an der Seidenstraße zu schützen. Die Stadt entwickelte sich zu einem Handelszentrum zwischen Nomaden und der sesshaften Bevölkerung und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals zerstört. Im frühen 19. Jahrhundert kam die Stadt in den Besitz des Khans von Kokand, der es zu einer militärischen Festung ausbauen ließ. Im Zuge der russischen Eroberung Zentralasiens wurde Schymkent im Juli 1864 durch kaiserliche Truppen unter der Führung von Michail Tschernjajew erobert und Bestandteil des Generalgouvernement Turkestan. Unter sowjetischer Herrschaft wurde die Stadt zu einem bedeutenden Industrie- und Wirtschaftsstandort erweitert. Im unabhängigen Kasachstan war die Stadt Verwaltungssitz des Gebietes Südkasachstan, seit Juni 2018 besitzt sie aber den Status einer Stadt nationaler Bedeutung.

Geografie Geografische Lage Die Stadt befindet sich im südlichen Teil des zentralasiatischen Landes unweit der Grenze zu Usbekistan. Sie liegt an den Flüssen Sairamsu und Badam. Das Ugomgebirge erstreckt sich weiter östlich, der Qaratau-Bergrücken befindet sich nördlich der Stadt.

Klima Schymkent besitzt ein sommertrockenes Kontinentalklima, was der effektiven Klimaklassifikation Dsa entspricht. Die Sommer sind heiß und sehr trocken mit einer durchschnittlichen Temperatur von 26 °C. Auch Temperaturen über der Marke von 35 Grad Celsius sind in Schymkent keine Seltenheit. Die Winter sind zwar kalt aber bei weitem nicht von derart tiefen Temperaturen geprägt, wie es in den meisten anderen Landesteilen Kasachstans der Fall ist. So beträgt die Durchschnittstemperatur im Winter nur rund −1 °C; zum Vergleich in Astana liegt sie durchschnittlich bei −15 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt rund 600 mm, wobei der meiste Niederschlag im Winter (überwiegend als Schnee) und Frühling auftritt. Die Sommermonate hingegen sind sehr trocken, im August beträgt der durchschnittliche Niederschlag lediglich vier Millimeter. Die tiefste jemals gemessene Temperatur betrug −31,1 °C (26. Januar 1969), der höchste Temperaturwert betrug 43,0 °C und wurde am 24. Juni 1976 gemessen.pogodaiklimat.ru: Климат Шымкента, abgerufen am 16. August 2018 (russisch).

Stadtgliederung mini|Stadtbezirke von Schymkent Schymkent wurde zum ersten Mal 1945 in Stadtbezirke unterteilt. Damals wurden die drei Bezirke Zentralny (rus. Центральный), Schelesnodoroschny (rus. Железнодорожный) und Sawodski (rus. Заводский) gegründet.http://elib.nklibrary.kz/pdf/kaz_ssr/unik3.htm, abgerufen am 11. August 2018 (russisch). Die Stadtbezirke wurden später umbenannt und so existierten ab Ende der 1970er Jahre die drei Bezirke Abaiski (rus. Абайский), Dserschinski (rus. Дзержинский) und Enbekschinski (rus. Энбекшинский).City districts (in Soviet times) (Russian names), abgerufen am 11. August 2018 (englisch). Der Bezirk Dserschinski wurde schließlich in Äl-Farabi (kas. Әл-Фараби) umbenannt. Mit der Eingliederung diverser Gebiete im Umland von Schymkent wurde die Stadt 2014 mit dem Stadtbezirk Qaratau (kas. Қаратау) um einen vierten Stadtbezirk erweitert. VerwaltungsbezirkKasachischer NameRussischer NameEinwohnerFläche [km²] Abai Абай ауданы Абайский район 240 Äl-Farabi Әл-Фараби ауданы Аль-Фарабийский район 130,7 Jengbekschi Еңбекші ауданы Енбекшинский район 220,8 Qaratau Қаратау ауданы Каратауский район 190,5 Turan Тұран ауданы Туранский район 360,3 Schymkent 1.162,8 Stand:

Geschichte Schymkent wurde vermutlich Anfang des 12. Jahrhunderts als eine Handelsstadt an der Seidenstraße gegründet und ist heute ein bedeutendes Industrie- und Wirtschaftszentrum Kasachstans.

Erstmals wurde Schymkent im Zusammenhang mit den Eroberungen Timurs erwähnt. Ab dem 15. Jahrhundert wurde die Stadt zur Zielscheibe der Angriffe von Oiraten und Dschungaren, später stritten sich die Khane von Kokand und Buchara um sie. 1810 wurde Schymkent zum Bestandteil und Hauptfestung des Khanats von Kokand. Im Juli 1864 wurde die Stadt von den russischen Streitkräften unter der Führung des Obersten Michail Tschernjajew eingenommen. Im gleichen Jahr wurde Schymkent eine Provinzstadt des Gebietes von Syrdarja innerhalb des Generalgouvernements Turkestan. Im Jahre 1921 zogen die sowjetischen Truppen endgültig in die Stadt ein. Zuerst war Schymkent ein Teil der Autonomen Republik Turkestan, ab 1925 Teil der Kasachischen SSR.

Politik Bürgermeister Derzeitiger Bürgermeister (Äkim, kas. Әкім) von Schymkent ist seit dem 21. Januar 2020 Murat Äitenow. Während sowjetischer Zeit stand der Stadtverwaltung der Vorsitzende des Exekutivausschusses vor. Nachfolgend die Bürgermeister der Stadt seit 1992:shymkent.gov.kz: Mayors, abgerufen am 11. August 2018 (englisch). Amalbek Tschanow (1992–1993) Sejit Belgibajew (1993–1995) Anarbek Orman (1995–1997) Qylyschbek Isbaschanow (1997–1999) Töretai Bekschigitow (1999–2001) Bolat Schylqyschijew (2001–2002) Ghalymschan Schumschajew (2002–2006) Ömirsaq Ämetuly (2006) Anarbek Orman (2006–2008) Arman Schetpisbajew (2008–2012) Qairat Moldasseitow (2012–2013) Darchan Satybaldy (2013–2015) Ghabidolla Äbdirachymow (2015–2017) Nurlan Sauranbajew (2017–2018) Ghabidolla Äbdirachymow (2018–2019) Jerlan Aitachanow (2019–2020) Murat Äitenow (2020–2023) Ghabit Sysdyqbekow (seit 2023)

Wappen und Logo Geplantes Wappen von Tschimkent im Jahr 1866 Wappen der Kreisstadt Tschimkent, genehmigt am 21. April 1909 Veraltetes inoffizielles Wappen der Stadt Schymkent (bis August 2008) Neues Wappen der Stadt Schymkent90px90px90px90px Am 21. September 2016 wurde von der Stadtverwaltung das neue Logo der Stadt genehmigt. Es zeigt eine rote Tulpe, die durch typische kasachische Ornamente dargestellt wird. Darunter befindet sich der Name der Stadt in einer speziellen kalligrafischen Schrift. Die Stadtverwaltung erhofft sich durch die Einführung eines neuen Logos ein positives Image und eine stärkere Beachtung der Stadt bei ausländischen Touristen.shymkent.gov.kz: A new logo of Shymkent was approved, abgerufen am 13. August 2018 (englisch).kazinform: У Шымкента появился логотип, abgerufen am 13. August 2018 (russisch).

Städtepartnerschaften Schymkent unterhält Partnerschaften mit neun Städten:shymkent.gov.kz: Twin cities, abgerufen am 12. August 2018 (englisch). Baiyin, Volksrepublik China Chudschand, Tadschikistan Grosseto, Italien Izmir, Türkei Mahiljou, Belarus Pattaya, Thailand Stevenage, England Eskişehir, Türkei Acharnes, Griechenland

Bevölkerung Ethnische Zusammensetzung

Noch 1939 stellte die russische Bevölkerung die größte ethnische Gruppe in Schymkent. Von den rund 75.000 Einwohnern waren gut die Hälfte Russen (36.675). Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe stellten die Usbeken (12.438) dar, die gut 16,7 Prozent der Einwohner stellten. Erst an dritter Stelle kamen die Kasachen (9.738), die gut 13,1 Prozent der Bevölkerung stellten. Daneben waren 10,4 Prozent der Bevölkerung Ukrainer (7.729) und weitere 4,3 Prozent waren Tataren (3.179).demoscope.ru: Всесоюзная перепись населения 1939 года. Национальный состав населения районов, городов и крупных сел союзных республик СССР., abgerufen am 13. August 2018 (russisch).

Bei der letzten kasachischen Volkszählung 2009 ergab sich folgende ethnische Zusammensetzung der Stadt: Die Kasachen (385.296) stellten mit rund 63,8 Prozent die mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe, gefolgt von Russen (92.059 oder 15,3 Prozent). Usbeken (82.772) stellten mit einem Anteil von 13,2 Prozent die drittgrößte Gruppe in Schymkent dar. Daneben waren 1,8 Prozent der Einwohner Aserbaidschaner (11.103), 1,6 Prozent waren Tataren (9.706) und rund ein Prozent Koreaner (6.237).pop-stat.mashke.org: Ethnic composition: 2009 census, abgerufen am 12. August 2018 (russisch).

Eine Veränderung der ethnischen Zusammensetzung der Stadt brachte die Eingliederung zahlreicher umliegender Orte in die Stadt im Jahr 2014. So verdoppelte sich die Zahl der Usbeken in Schymkent auf knapp 160.000, wodurch sie seitdem die zweitgrößte ethnische Gruppe darstellen. Für das Jahr 2018 waren die fünf größten ethnischen Gruppen in der Stadt folgende: Kasachen (627944), Usbeken (173.117), Russen (92.626), Aserbaidschaner (16.736) und Tataren (10.296).

Einwohnerentwicklung Schymkent hat heute rund eine Million Einwohner und ist somit die drittgrößte Stadt Kasachstans. Bei der Volkszählung 1897 hatte die Stadt rund 11.000 Einwohner und war somit deutlich kleiner als das nicht weit entfernte Taschkent. In den folgenden Jahren stieg die Einwohnerzahl weiter an und erreichte 1939 bereits die Marke von 70.000 Einwohnern. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Schymkent eine Zunahme der Bevölkerung verzeichnen und wurde schließlich zur Großstadt. Nach der Unabhängigkeit Kasachstans verlangsamte sich das Wachstum zunächst, bevor im 21. Jahrhundert eine starke Zunahme der Einwohner einsetzte. So wuchs die Bevölkerung im Zeitraum zwischen den Jahren 2000 und 2010 um rund 40 Prozent. Der rasante Bevölkerungsanstieg der letzten Jahre ist vor allem auf die Erweiterung der Stadtgrenzen zurückzuführen, wodurch viele umliegende Orte ins Stadtgebiet eingegliedert wurden und die Einwohnerzahl im Jahr 2014 um beinahe 175.000 zunahm. Am 17. Mai 2018 wurde Schymkent zur Millionenstadt.shymkent.gov.kz: , abgerufen am 12. August 2018 (englisch). Am 1. Januar 2019 hatte die Stadt 1.011.511 Einwohner.

Jahr Einwohner 1897¹ 11.194 1939¹ 74.421 1959¹ 153.241 1970¹ 247.064 1979¹ 321.535 1989¹ 392.977 1999¹ 423.902 2000 435.277 2001 482.923 Jahr Einwohner 2002 502.702 2003 506.663 2004 513.110 2005 521.358 2006 526.140 2007 535.125 2008 554.646 2009¹ 603.499 2010 615.007 Jahr Einwohner 2011 629.069 2012 642.858 2013 662.330 2014 683.273 2015 858.147 2016 885.799 2017 912.300 2018 951.605 2019 1.011.511 ¹ Volkszählungsergebnis

Religionen

Die dominierende Religion in Schymkent ist der Islam, dem sowohl Kasachen als auch Usbeken mehrheitlich angehören. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2009 gaben rund 82 Prozent der Einwohner an, dem Islam anzugehören. Die große Zentralmoschee der Stadt wurde 2013 eröffnet und durch die Vereinigten Arabischen Emirate finanziert.Gulf News: Landmark Kazakhstan mosque highlights UAE ties, abgerufen am 12. August 2018 (englisch).

Rund 100.000 Christen lebten 2009 in der Stadt. Der überwiegende Teil davon gehört der Russisch-Orthodoxen Kirche an. Schymkent ist das Zentrum der Eparchie Schymkent und Taras. Weitere Glaubensrichtungen sind der Buddhismus mit rund 800 Gläubigen; daneben leben auch rund 150 Juden in Schymkent.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Der Tulpen-Springbrunnen steht für die wilden Tulpenfelder der Region In Schymkent haben 16 nationale Kulturzentren eine Niederlassung, darunter eine deutsche Schule. Es gibt zahlreiche Museen, historische Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler. Archäologische Ausgrabungen werden durchgeführt. Den Schwerpunkt bildet dabei der Bereich der alten Zitadelle: Neben Ausgrabungen, werden auch Rekonstruktionen durchgeführt und einzelne Bereiche der Anlage wieder aufgebaut, um es als Sehenswürdigkeit für Touristen zu präsentieren. Ferner gibt es in Schymkent zwei Theater (eines kasachisch und eines russisch), eine Philharmonie, drei Kulturpaläste, zwei Kinos, eine Gemäldegalerie und zwei große Einkaufszentren (Mega Planet Shymkent mit einer Indoor-Schlittschuhbahn) und Shymkent Plaza. Beide Shoppingmeilen besitzen Designerläden, Kinderbereiche, Restaurants und weitere Kinosäle.