Nowy Dwór Gdański [] (deutsch Tiegenhof; kaschubisch Nowi Dwór) ist eine Stadt mit etwa 10.000 Einwohnern und Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde im Powiat Nowodworski (Tiegenhofer Kreis) der polnischen Woiwodschaft Pommern.
Geographische Lage Die Ortschaft liegt im ehemaligen Westpreußen, etwa 25 Kilometer westnordwestlich der Stadt Elbląg (Elbing) und 36 Kilometer südöstlich von Danzig, an der Tiege (poln. Tuja), in der Nähe des Südwestufers des Frischen Haffs. mini|Geschäftsstraße (2024) mini|Häuserreihe (2014) mini|Klappbrücke über die Tiege (2019) mini|hochkant|Wasserturm (2020) mini|Parkanlage (2024)
Geschichte Tiegenhof entstand als Ansiedlung neben einem Domänengut der Familie Loitz, einem Kaufmannsgeschlecht aus Danzig, das 1572 seinen Besitz wegen Überschuldung verkaufen musste. Unter den folgenden Besitzern, der Familie Weiher, wurde Tiegenhof zum Haupthof einer Starostei. Im Laufe der Zeit wuchs die Siedlung zu einem Marktort mit Handwerkern, Krämern, Krügern und Gärtnern. Außerhalb des Ortes befanden sich 1664 noch zwei Windmühlen und eine Schnapsbrennerei.
Tiegenhof war Teil des Territoriums Königlich Preußen und kam daher bei der Ersten Teilung Polens 1772 an Preußen. Auf dem Gelände des Haupthofs entstand 1784 eine evangelische Kirche, die zwischen 1831 und 1834 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel neu aufgebaut wurde. 1848 erfolgte der Bau einer römisch-katholischen Kirche.
Tiegenhof hatte seit 1859 den Status eines Marktfleckens, 1880 erhielt es das Stadtrecht.
1881 bekam Tiegenhof einen Eisenbahnanschluss, der 1886 über Neuteich bis Simonsdorf erweitert wurde. Seit 1900 ist die Stadt auch an das Schmalspurbahnnetz der ehemaligen Westpreußische Kleinbahnen AG (heute: Żuławska Kolej Dojazdowa) angeschlossen.
Traditionsreiche Betriebe in Tiegenhof waren die Machandelfabrik der Familie Stobbe, die seit 1776 Wacholderschnaps brannte, und die seit 1784 bestehende Brauerei Stobbe. Auch die Tiegenhofer Ölmühle und die Zuckerfabrik hatten einen guten Ruf.
Die Stadt gehörte seit 1818 dem Kreis Marienburg (Westpreußen) an. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Tiegenhof 1920 aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags der Freien Stadt Danzig zugeschlagen, die vom Deutschen Reich abgetrennt wurde. Damit schied Tiegenhof aus dem Kreis Marienburg i. Westpr. aus und wurde Kreisstadt des neu geschaffenen Landkreises Großes Werder.Stadt Tiegenhof (Territorial.de) 1939 wurde die Freie Stadt Danzig deutsch besetzt und dann dem Deutschen Reich wieder angeschlossen In Tiegenhof befanden sich zwei Außenkommandos des KZ Stutthof.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Tiegenhof, wie auch Danzig, von der Roten Armee besetzt und anschließend de facto Teil Polens. Tiegenhof erhielt den polnischen Namen Nowy Dwór Gdański, was etwa Neuhof bei Danzig bedeutet. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der polnischen Administration aus Tiegenhof vertrieben.
Zwischen 1954 und 1975 war Nowy Dwór Sitz eines Powiats, seit 1999 ist die Stadt wieder eine Kreisstadt.
Städtepartnerschaften Hennef, Deutschland, seit 11. August 2001 Swetly, Russland, seit 2002 Sarny, Ukraine, seit 2008 Velká nad Veličkou, Tschechien, seit 2008
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1772 960 1817 1694 1871 2142 darunter 1250 Evangelische, 620 Katholiken, 170 Mennoniten und 90 JudenGustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 40–42, Ziffer 3. 1875 2441 1880 2646 1905 2872 davon 1946 Evangelische, 718 Katholiken und 29 Juden (97,9 % Deutsche)Gemeindelexikon für die Provinz Westpreussen: auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen, S. 76–77. 1910 2901 am 1. Dezember, davon 2777 mit deutscher Muttersprache (1837 Evangelische, 725 Katholiken, 195 Sonstige und zwanzig Juden), 114 mit polnischer Muttersprache (vier Evangelische, 110 Katholiken), niemand mit kaschubischer Muttersprache, drei mit einer anderen Sprache sowie sieben mit deutscher und einer anderen SpracheKöniglich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft II: Regierungsbezirk Danzig, S. 32–33, 9. Kreis Marienburg i. Westpr., Ziffer 3 (Google Books). 1929 3639 1943 4295
+ Einwohnerzahlen seit 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 2007 9928
Balkendiagramm der Einwohnerzahlen bis heute
Söhne und Töchter der Stadt
Roderich Nesselmann (1815–1881), lutherischer Theologe Adolf Wiebe (1826–1908), Bauingenieur, schuf den Oder-Spree-Kanal Otto Hausburg (1831–1920), Schlachthofdirektor und Reichstagsabgeordneter Hermann Claaßen (1856–1944), Chemiker und Zuckertechniker Johann Stobbe (1860–1938), Chemiker, Professor an der Universität Leipzig Max Kling (1874–1950), Agrikulturchemiker Johannes Dyck (1884–nach 1933), deutscher Landwirt und Politiker (DNVP) Ernst Simonson (1898–1974), deutscher Arbeitsphysiologe und Kardiologe Johannes Kruppke (1901–1957), deutscher Arbeiter und Politiker (SPD) F. K. Waechter (1937–2005), Zeichner und Kinderbuchautor Roman Lipski (* 1969), Kunstmaler, seit 1989 in Berlin lebend
Gemeinde
Literatur Tiegenhof, Stadt, an der Tiege und oberhalb des Weichsel-Haff-Kanals, im Großen Marienburger Werder, Kreis Marienburg Westpr., Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Tiegenhof (meyersgaz.org) Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 25–26 (Google Books). August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 431 (Google Books). Alfred Steiniger: Geschichte der Ökonomie Tiegenhof. Eine siedlungsgeschichtliche Untersuchung. Danziger Verlagsgesellschaft Paul Rosenberg, o. J. (laut Bibliografie nach 1984).
Weblinks
Stadt Tiegenhof (Territorial.de) Alte Ansichten von Tiegenhof Gemeinnütziger Verein Tiegenhof – Kreis Großes Werder e. V. Offizielle Website der Stadt (polnisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Pommern Kategorie:Gmina Nowy Dwór Gdański