mini|Bahnhof von Sobibor (2007) Diese Liste der Überlebenden des Vernichtungslagers Sobibor listet Personen auf, die das während des Holocausts betriebene deutsche Vernichtungslager Sobibor überlebten. In dem im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ ab Anfang 1942 errichteten Lager nahe der heutigen Polnisch-Ukrainischen Grenze wurden über 150.000 und bis zu 250.000 Juden ermordet, die meisten durch Vergasung mittels Dieselabgasen. Den größten Teil der Arbeit ließen die Bewacher des Lagers von sogenannten Arbeitsjuden verrichten, dazu gehörte neben dem Sortieren von Gepäck und Kleidung das Abschneiden der Haare der Frauen vor der Vergasung sowie die Räumung der Gaskammern und das Vergraben bzw. Verbrennen der Leichen.

Beim Aufstand von Sobibór am 14. Oktober 1943 versuchten die eingesetzten jüdischen Zwangsarbeiter durch einen Aufstand die Bewacher des Lagers auszuschalten und die umgebenden Absperrungen zu durchbrechen, wobei Schätzungen zufolge 365 Häftlingen die Flucht aus dem Lager gelang.Barbara Distel: Sobibór. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 8: Riga, Warschau, Vaivara, Kaunas, Płaszów, Kulmhof/Chełmno, Bełżec, Sobibór, Treblinka. C.H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57237-1, S. 398. Die meisten von ihnen wurden in der Umgebung des Lagers durch SS-Männer und ukrainische Wachmannschaften (Trawniki) festgenommen oder erschossen. Nach dem Aufstand wurde das Lager durch die SS eingeebnet und an seiner Stelle zur Tarnung ein Bauernhof errichtet.

Aufgeführt werden in dieser Liste Personen, die sich längere Zeit im Lager aufhielten. Insgesamt sind 47 Überlebende des Vernichtungslagers Sobibor bekannt, 42 von ihnen gelang beim Aufstand vom 14. Oktober die Flucht. Fünf konnten bereits zuvor, am 27. Juli 1943, vom „Waldkommando“ fliehen, nachdem Josef Kopp und Schlomo Podchlebnik einen ukrainischen Wachmann getötet hatten. Nicht aufgeführt werden einige Überlebende (z. B. Jules Schelvis), die die Deportation nach Sobibor überlebten, da sie direkt nach der Ankunft für Arbeitseinsätze außerhalb des Lagers selektiert wurden und nur kurze Zeit im Lager verbrachten.

Der letzte Überlebende des Vernichtungslagers Sobibor, Semyon Rozenfeld, ist am 3. Juni 2019 in einem Krankenhaus in Zentralisrael verstorben. Er war nicht nur der letzte Überlebende des Vernichtungslagers Sobibor, sondern auch der letzte bekannte Zeuge des Mordens im Rahmen der sogenannten „Aktion Reinhardt“, der systematischen Ermordung aller Juden und Roma des Generalgouvernements im deutsch besetzten Polen während des Zweiten Weltkrieges. Im Zuge der „Aktion Reinhardt“ wurden zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 etwa 1,6 bis 1,8 Millionen Juden sowie rund 50.000 Roma aus den fünf Distrikten des Generalgouvernements (Warschau, Lublin, Radom, Krakau und Galizien) in den drei Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka ermordet.

Liste der Überlebenden Name Geburtsdatum Todesdatum Nation Ankunft in Sobibor Ort der Deportation Anmerkung Polen Chelm Polen Sagte als Zeuge im Eichmann-Prozess aus. Polen Drancy Polen Izbica Bruder von Symcha Bialowitz. Polen Izbica Bruder von Philip Bialowitz. Polen Versteckte sich nach der Ankunft im Wald. Polen Polen Izbica Nebenkläger im Demjanjuk-Prozess Polen Nałęczów Polen Nałęczów Sohn von Hershel Cuckierman. Polen Drancy Duniec starb einen Tag vor seiner geplanten Aussage beim Sobibor-Prozess 1965. Polen Polen Feldhendler war einer der Organisatoren und Anführer des Aufstandes. (später: Ada Lichtman) Polen Mielec Zeugin im Eichmann-Prozess, heiratete später Itzhak Lichtman. Polen Krasnystaw Sagte als Zeuge im Eichmann-Prozess aus. (später: Herman Posner) Polen Chelm Polen Polen Sowjetunion Gorzków Floh am 27. Juli 1943 vom Waldkommando. Polen Wysocka /45 Polen Floh am 27. Juli 1943 vom Waldkommando. Polen Izbica Floh nach Aussage von Mithäftlingen am 27. Juli 1943 vom Waldkommando, laut eigener Aussage war Korenfeld bis zum Aufstand im Lager. (auch: Chaim Lajst) Polen Polen Erkannte 1949 gemeinsam mit Estera Raab den SS-Mann Erich Bauer in Berlin auf der Straße. Polen Lublin Polen Heiratete später Ada Fischer. Sowjetunion Polen Zamość Polen via Izbica und Lublin Polen Ukraine Petschjorski war einer der Organisatoren und Anführer des Aufstandes. Polen Izbica Floh am 27. Juli 1943 vom Waldkommando. Polen Arbeitslager Staw Erkannte 1949 gemeinsam mit Samuel Lerer den SS-Mann Erich Bauer in Berlin auf der Straße. Ukraine Polen (später: Ilona Safran) Deutschland Westerbork Zeugin im Sobibor-Prozess. Polen Opole nach 1984 Sowjetunion Minsk (auch: Kurt Ticho) Tschechien Polen Chelm Sowjetunion Ternopil Sowjetunion Kiew via Minsk Polen Izbica Floh am 27. Juli 1943 vom Waldkommando. Polen Arbeitslager Staw Polen Herbst 1942 Chelm (später: Selma Engel) Niederlande Westerbork Polen Arbeitslager Staw Polen Mai/Juni 1942

Literatur Jules Schelvis: Vernichtungslager Sobibór. Unrast Verlag, Münster 2003; ISBN 3-89771-814-6.

Nur die Schatten bleiben. Der Aufstand im Vernichtungslager Sobibór. Aus dem Amerikanischen von Monika Schmalz. Aufbau, Berlin 2000, ISBN 3-7466-8068-9. Sobibór. Der vergessene Aufstand. Bericht eines Überlebenden. Unrast, Hamburg 2004, ISBN 3-89771-813-8.

Weblinks Auflistung der Überlebenden von Sobibor auf sobiborinterviews.nl (Webseite des Niederländischen Instituts für Kriegsdokumentation (NIOD))

Einzelnachweise

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