mini|Pfarrkirche St. Cäcilia mini|Das Außenkreuz im zugemauerten Torbogen mini|Nahaufnahme des Kirchturms mini|Das Türmchen an der Priestergrabstätte

St. Cäcilia ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Niederzier im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen.

Zur Pfarre St. Cäcilia, die Teil des Pastoralen Raums Ellbachaue ist, gehören seit dem 1. Januar 2026 auch Ellen, Hambach, Huchem-Stammeln, Selhausen und Oberzier.

Geschichte Die Gemeinde Niederzier hat sich wahrscheinlich nach 1000 gebildet und schon bald eine Kirche gehabt, die vielleicht Tochterkirche von Oberzier war. Im 12. Jahrhundert ist sie als Pfarrkirche zur hl. Märtyrerin Cäcilia erwähnt und gehörte zur Kölner Dompropstei. Im Liber valoris (Werte-Buch der Kirchen der Diözese Köln) hatte sie daher wohl auch nur einen Vikar. Im Jahre 1122 wird erstmals ein Pfarrer „Giselbertus“ genannt. Dieser wird später zum Abt der Augustiner-Chorherrenabtei von Klosterrath bei Kerkrade in den Niederlanden gewählt. Am 30. August 1165 fand die Konsekration der Pfarrkirche durch Philipp von Katzenelnbogen (Bischof) statt.

Im Jahre 1308 wurden im liber valoris alle abgabenpflichtigen Pfarrkirchen im Dekanat Jülich u. a. auch Niederzier aufgeführt. Im Juni des Jahres 1358 wurde „Martinus de sancto Petro Veteri“ als Pfarrer von Niederzier genannt. Im September des gleichen Jahres „Jacob Hardevust“.

Um 1550 ist der Neu- bzw. Umbau der Pfarrkirche und des Turmes erwähnt. 1575 richtete die Gemeinde Hambach ein Bittgesuch an den päpstlichen Nuntius um Umpfarrung. 1576 wurde die bis dahin zur Pfarre Niederzier gehörende Kapelle Hambach zur Pfarrkirche erhoben. 1583 hatte die Pfarre den hl. Urban und die hl. Cäcilia als Patrone. Neben dem Kölner Dompropst hatte von da an der Jülicher Herzog das Besetzungsrecht in den sogenannten päpstlichen Monaten. Während des Dreißigjährigen Krieges (1641) wurden die Kirche und das Pastorat durch das kaiserliche Kriegsvolk geplündert. Im Winter des Jahres 1673 gelangten auf dem Zug vom Rhein nach Maastricht deutsche und niederländische Truppen im Dienste Frankreichs ins Dürener Land und brachten eine große Not. Auch hier wurde die Kirche geplündert und verwüstet.

Bei der Teilung der Erzdiözese Köln unter französischer Herrschaft kam 1801 das Kreisgebiet Düren zum neugegründeten Bistum Aachen. Die Pfarre gehörte zum Dekanat Jülich, 1804 kam sie zum Kanton Düren und hatte von da an nur noch die Hl. Cäcilia als Patronin. Der Bischof von Aachen Marc-Antoine Berdolet gab im gleichen Jahr eine „Organisation der Aachener Diözese“ heraus und teilte die Diözese nach den staatlichen Friedensgerichten ein, nach denen es nur noch eine Hauptpfarrei geben durfte. Niederzier wurde als Säkursal-Pfarre geführt. Im Jahre 1805 wurde die „Seelenzahl“ für die Pfarre mit 900 angegeben.

Am 5. Mai 1814 wurden der Neubau eines Pastoratshauses in der Rathausstraße sowie das Langhaus der heutigen Kirche in Auftrag gegeben. Im Jahre 1821 wurde das Bistum Aachen wieder aufgelöst. Die Pfarreien Niederzier und Oberzier verblieben beim Dekanat Düren.

Im Jahre 1824 kam es infolge des undichten Daches und durchlaufenden Regens zum Einsturz eines Teiles des Kirchengewölbes. Nachdem der Aachener Generalvikar Martin Wilhelm Fonck die Genehmigung zum Abbruch der alten Kirche und der Altäre erteilt hatte, wurde am 8. Mai 1824 durch den „Königl. Preuß. Landrath Freiherrn von Lommessen“ der Neubau der Kirche in Angriff genommen. Die Kirche erhielt ein neues Langhaus, das heutige Mittelschiff und der Turm blieben bestehen. Jean Cremer, Gutsbesitzer aus Mariaweiler, erhielt den Bauzuschlag, die Planung wurde von Bau-Conducteur Allardt übernommen. Die Gesamtkosten waren mit 5.389 Talern angegeben. Die dabei entstandenen Kostensteigerungen wurden durch sog. „extraordinäre“ Holzschläge gedeckt. Auf diesen Bauabschnitt verwies eine Inschrift über einem der südlich gelegenen Eingänge der Kirche: Dasein gab der Kirche der hiesige Wald. Den neuen Hochaltar stiftete Gräfin Maria Franziska Sophia Josina von Hochsteden. Der Hochaltar – eine gute Rokokoarbeit aus buntem, bayerischen Marmor – besaß einen Tabernakel und eine Expositionsnische. Den Abschluss bildete ein schönes Medaillon-Relief mit der Figur Gott Vaters sowie eine Mensa mit dem Hochstedenschen Wappen „anno 1825“. Er stammte aus der kurfürstlichen Hauskapelle in Bonn und wurde bis zur Erweiterung der Kirche 1905/06 als Hauptaltar und später als Nebenaltar genutzt. Als Dank für die Schenkung übertrug der damalige Pfarrer Christian Joseph van Berti der Gräfin das Recht, den sog. Landauer Stuhl für sie, ihrer Familie und sonstige Freunde vom Stande uneingeschränkt zu nutzen. Bei der Neuordnung der wiederhergestellten Erzdiözese Köln im Jahre 1825 wurde die Pfarre dem neuen Dekanat Jülich zugeordnet. Am 13. Juli 1826 wurde der Neubau der Kirche eingeweiht.

An der Nordseite der Kirche befindet sich aus dieser Zeit ein Musaicum, das sich dem Psalm 42 widmet und mit: „Sicut Desiderat cervus ad fontes aquarum ita desiderat anima mea ad te deus“ (So wie sich der Hirsch nach der Wasserquelle sehnt, so sehnt sich meine Seele nach dir, o Gott) gekennzeichnet ist.

Über den Inneneingängen im Turmbereich findet sich jeweils der Spruch: Preiset den Herrn und ehret die Hl. Cäcilia. Die rot eingefärbten Buchstaben verweisen auf den Kirchenneubau im Jahre 1825.

Für das Jahr 1828 werden eine ganze Reihe von Neuanschaffungen und Ausbesserungen vermerkt: so z. B. für die Altäre, zwei Bilder, zwei Seitenaltäre, zwei neue Beichtstühle, eine neue Kommunionbank, ein neuer Beichtstuhl in der Sakristei, ein neues Kirchenfenster, ein neuer Schrank zur Aufbewahrung der Paramente und die Reparatur der Kirchenbänke. Am 20. Januar 1820 beantragte der damalige Kirchenvorstand beim Landrat in Düren, für die Stiftung der Eheleute Reiner Lövenich und Anna Katharina Nelles, bei der Königlichen Regierung in Aachen die Genehmigung einzuholen, damit die in der Stiftung benannten Ländereien in Besitz genommen werden konnten. Aus dem Jahre 1831 ist bekannt, dass der Versuch, einen Klingelbeutel einzuführen, abgelehnt und stattdessen eine Stiftung genehmigt wurde. Diese hatte den Zweck „was der Kirche mangelt, wird ihr aus unserem Walde zugesetzt“. Für das Jahr 1832 ist vermerkt, dass die verstorbene Niederzierer Bürgerin Anna Josepha Esser der Kirche eine Kapitalsumme von 76 Reichstalern sowie zwei goldene Zierkelche vermachte. Am 2. November 1833 besuchte der Kronprinz von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., die Gemeinde. Hier überreichte ihm Pfarrer Christian Joseph von Berti den Ehrenwein und konnte mit ihm ein gut anderthalbstündiges Gespräch führen. Im Jahre 1835 wurde die Orgel aus der alten Kirche in Dremmen für 600 Reichstaler erworben und eingebaut. Pfarrer Christian von Berti und seine Schwester stifteten der Pfarrkirche im Jahre 1841 ein Altärchen (Wandaufbau) für die Taufkapelle. Im Jahre 1845 wurde durch den Bauunternehmer Linden der Kirchturm um eine neue Glockenstube und einen neuen Helm erhöht. Der Turm, ein schlichter Backsteinbau, hat an jeder Seite zwei vermauerte Spitzbogen-Fenster mit Maßwerknasen. Am 31. Januar 1848 verstarb die Gräfin von Hochsteden und wurde in der in der Kirche befindlichen Familiengruft ihrer Eltern beigesetzt. Seit der Entfernung der Gruft aus der Kirche im Jahre 1906 erinnert ein Grabstein an der Kirchen-Südseite daran. Am 28. Juli 1852 erklärte sich der damalige Pfarrer Peil damit einverstanden, an den Sonn- und Feiertagen eine zweite Heilige Messe zu lesen. Am 21. März 1854 genehmigte der Gemeinderat einen vom Bildhauer C. Stephan aus Köln aufgestellten Plan und Kostenvoranschlag zur Vergrößerung und Verschönerung des Altares in der Kirche. Aufgrund eines weiteren Kostenvoranschlages wurden am 7. Juli 1858 gegenüber dem Kölner Bildhauer Christoph Stephan die Herstellung zweier Standbilder (der hl. Cäcilia und des hl. Nikolaus) in Auftrag gegeben. Im Jahre 1862 wurde das alte Vikariegebäude am Chor abgerissen und die freiwerdende Fläche zur Erweiterung des Friedhofes genutzt. Diese – an der rechten Seite nach Süden gelegene – Erweiterungsfläche wurde am 15. April 1864 eingesegnet. Im gleichen Jahr genehmigte die Gemeinde die Anschaffung eines Ziboriums in gotischer Form in Höhe von circa 110–115 Taler.

Am 17. August 1868 erfolgte die Konsekration des Hochaltares durch den Erzbischof von Köln, Paulus Melchers. Er brachte Reliquien von der Hl. Ursula-Gesellschaft und einiger anderer Heiliger mit, welche mit einer entsprechenden Urkunde in den Hauptaltar eingelegt wurden. Im selben Jahr fand eine Kirchenvisitation statt. Der damalige Pfarrer Johannes Peil gab dabei folgende Auskunft: die Pfarrgemeinde zählt 1.173 Katholiken, darunter circa 780 Kommunikanten. Die „Bruderschaft vom unbefleckten Herzen Mariä“ hat 947 Mitglieder, die „Bruderschaft zum guten Tode“ 857, die „Bruderschaft vom hl. Erzengel Michael“ 107 Mitglieder. Es besteht noch eine Bruderschaft von Jesus, Maria und Josef. An Wallfahrtsorten werden genannt: Aldenhoven, Heimbach, Nievenheim und Kevelaer. In der Kirche befinden sich: drei Kelche, ein silberner und zwei kupferne, übergoldet mit silbernen Kuppen, zwei Ziborien, eine Monstranz, teils von Silber, teils von Messing, neun Alben von Leinen, 16 Messgewänder, teils aus Samt, teils aus Seide und anderen Stoffen. Am 24. April 1869 gründete sich zur Beschaffung einer neuen Orgel eine „Orgelbau-Kommission“. Im gleichen Jahr erging der Auftrag an den Bildhauer Stephan zu Köln und den Orgelbauer Dautzenberg in Linnich. Am 16. Februar 1870 lag die erzbischöfliche Genehmigung vor. Am 23. November 1871 konnte der Einbau des Orgelwerkes fertig gestellt werden.

Am 10. Januar 1880 erwarb man zur weiteren Vergrößerung des Friedhofes eine kleine Baumwiese sowie zwei Privatgartenparzellen. Am 2. September 1880 übertrug die Zivilgemeinde der Kirchengemeinde die Pfarrwohnung mit Hofraum und Hausgarten sowie die Pfarrkirche einschl. Kirchturm und Sakristei. Der Friedhof verblieb im Besitz der Zivilgemeinde. Im Jahre 1882 stifteten die Jünglinge des Dorfes der Pfarrkirche einen Kelch im Werte von 360 Mark. Zum Fest der hl. Cäcilia im Jahre 1883 stifteten die „Jungfrauen von Niederzier“ der Pfarrkirche ein neues Reliquiar mit einer neuen, großen Reliquie der hl. Cäcilia. Es wurde von dem Hof-Goldschmidt Gabriel Hermeling, Köln, gefertigt. Für das Jahr 1887 ist die Beschaffung der 14 Kreuzwegstationen aus Eichenholz durch den Kölner Bildhauer Josef Fink vermerkt. Im gleichen Jahr wurden zwei neue Chorfenster durch die Firma Hertel & Bergs eingebaut. 1888 erfolgte eine neue Verglasung von acht Fenstern im Kirchenschiff. Am 13. Mai 1898 beschloss der Gemeinderat den Ankauf der neben der Kirche gelegenen, vom Friedhof größtenteils eingeschlossenen drei Wohnhäuser, zur Erweiterung des Friedhofes.

mini|Pfarrkirche st. Cäcilia vor dem Zweiten Weltkrieg