mini|154x154px|3-Ball-Kaskade mini|5-Ball-Jonglage
Jonglieren ist als Bewegungskunst Teil der Artistik und gehört traditionell zu den Darbietungen des Zirkus beziehungsweise des Varietés. Jonglieren kann sowohl als Freizeitaktivität betrieben werden sowie auch als Form der darstellenden Kunst oder als sportliche Aktivität.
Jonglieren bezeichnet in erster Linie die Fertigkeit, mehrere Gegenstände wiederholt in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen, so dass sich zu jedem Zeitpunkt mindestens einer der Gegenstände in der Luft befindet. Die gebräuchlichsten Requisiten zum Jonglieren sind Bälle, Keulen und Ringe.
Im weiteren Sinne umfasst der Begriff Jonglieren auch Zirkusdisziplinen wie Diabolo, Devilstick und die Kontaktjonglage, bei der Gegenstände auf dem Körper balanciert und bewegt werden, sowie das Spinning, bei dem Gegenstände fest um ein Zentrum kreisen, wie etwa beim Poi Spinning oder Stabdrehen (siehe hierzu Objektmanipulation).
Es finden regelmäßig Jonglierconventions in verschiedenen Städten statt.
Etymologie Das Substantiv Jongleur wurde im 18. Jahrhundert aus dem Französischen ins Deutsche übernommen. Dagegen tritt das Verb jonglieren erst im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert auf.Duden: Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Mannheim 2007, Lemma Jongleur. Französisch jongleur stammt von dem lateinischen Wort ioculator ab, das „Spaßmacher“ bedeutet. Zugrunde liegt lateinisch iocus („Spaß“), aus dem im Deutschen das Wort Jux entstand.Duden online: Herkunft von Jongleur, Herkunft von Jux
Auch das ältere deutsche Wort Gaukler für Spielmann gehört zu dieser Wortfamilie.
Geschichte mini|Historische Jonglierbälle aus dem 15./16. Jahrhundert, aus Leder, mit Sägemehl gefüllt. Dahinter die Reproduktion einer historischen Darstellung einer jonglierenden Frau.
Mittelalter mini|Jongleur mit Bällen und Messern
Im Mittelalter scheinen die Jongleure in Ungnade gefallen zu sein, da viele Kleriker und Pfarrer, welche die Geschichtsschreibung übernahmen, ihnen eine lose Moral und manchmal sogar Hexerei unterstellten. Seit Beginn des 6. Jahrhunderts traten Barden oder Hofnarren auf Märkten, Festen oder in Gasthäusern auf und führten kurze, unterhaltsame und schlüpfrige Auftritte auf. Sie reicherten ihre Shows häufig mit kurzen Jongliertricks oder etwas Akrobatik an und reichten am Ende ihrer Vorstellungen Hüte oder Taschen für Spenden herum.
Jongleure waren zu dieser Zeit sehr schlecht angesehen, und sie wurden auch nicht ganz ohne Grund mit Vorsicht und Argwohn behandelt, da sich auch viele Landstreicher, Trickbetrüger und Diebe in der Jonglierkunst übten. Eine weitere Schwierigkeit war, dass die Jongleure, anders als die Poeten und Musiker, keine Möglichkeit besaßen, ihre Erfolge und Errungenschaften der Nachwelt zu hinterlassen. Schnell wurden sie daher als, wenn auch unterhaltsame, Tagediebe oder Taugenichtse abgestempelt. Aus dieser Zeit stammt daher auch der Ausspruch: „Qual mestiers es plus aontos, d’eser joglar o laire?“ – frei übersetzt: „Was kann eine schlimmere Beschimpfung sein, ein Jongleur oder ein Dieb zu sein?“
Eine andere Vermutung ist, dass Jongleure erst im 11. Jahrhundert aus den englischen Minnesängern und Spielleuten hervorgegangen sind. Mit dem Aufkommen der Troubadoure wurden die Jongleure mit ihren vielen Talenten zu beliebten Helfern der Troubadoure und zu Unterhaltern der Adeligen. Sie zogen über das Land, von Hof zu Hof und verfeinerten ihr Können in „Schulen“ und „Bruderschaften“. Die erste Nennung einer solchen Bruderschaft stammt aus dem Jahre 1331; die „Confrerie de St. Julian“ in Paris.
Industrialisierung Im Jahre 1768 eröffnete Philip Astley den ersten modernen Zirkus. Einige Jahre später heuerte er auch einige Jongleure an. Von da an fanden Jongleure professionelle Arbeit beim Zirkus. Die neuere Geschichte des Jonglierens ist eng mit der Geschichte des Varietés und des Couplets verbunden. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung wurde die Kleinkunst und mit ihr das Jonglieren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts immer beliebter. Jongleure wurden zunächst engagiert, um in den Pausen das Publikum vor verschlossenen Vorhang zu unterhalten, während hinter dem Vorhang die Bühne umgebaut wurde. Diese Jongleure konnten sich nun auf die eigentliche Jonglierkunst spezialisieren und vernachlässigten andere Kunststücke wie Schwertschlucken oder die Zauberei. Der Gentleman-Jonglier-Stil wurde von den deutschen Jongleuren Salerno und Kara erfunden, und mit der Entwicklung des Kunststoffes verwendeten die Jongleure auch zunehmend Gummibälle. Zuvor wurden Jonglierbälle aus Garn, gefüllten Lederbeuteln, Holz oder Metall gemacht. Die Gummibälle hatten den Vorteil, dass man sie auch springen lassen konnte. Mit der weiten Verbreitung der drei großen Unterhaltungsmedien, Radio, Tonfilm und Fernsehen verlor die Kleinkunst dann wieder drastisch an Bedeutung.
Formen der Jonglage siehe auch: Objektmanipulation
Jonglage im engeren Sinne umfasst die klassischen Disziplinen der Wurfjonglage: Bälle, Keulen und Ringe. Jonglage im weiteren Sinne umfasst sämtliche Formen der Objektmanipulation.
Solojonglage Jongliermuster siehe auch: Jongliertrick
Kaskade Fontäne Shower Windmill Mills Mess Säulen
Mehr-Personen-Jonglage Passing Eine Variation der Solo-Jonglage ist das Passen, bei dem zwei oder mehr Jongleure gleichzeitig jonglieren und sich dabei auch gegenseitig zuwerfen. Größtenteils wird mit Keulen gepasst. Mit drei und mehr Jongleuren können auch Positionsänderungen und komplizierte Laufwege Teil der Muster sein.
Kompetitives Jonglieren und Jonglierspiele Sportjonglage Im Bereich der Sportjonglage liegt der Schwerpunkt auf technischem Können, Präzision der Ausführung und Komplexität der jonglierten Muster. Bühnenwirksamkeit und künstlerischer Ausdruck spielen dabei keine Rolle. Die im Jahr 2003 gegründete World Juggling Federation veranstaltet jährlich Sportjonglage-Wettbewerbe.
Endurance Alle Wettbewerber beginnen gleichzeitig, zu jonglieren und es gewinnt, wer am längsten jongliert.
Joggling Die Kombination aus Joggen und Jonglieren heißt Joggling. Beim Joggling kann man ebenso wie beim Jonglieren eine beliebige Zahl von Bällen (mindestens drei) oder Keulen verwenden.
Joggling-Weltrekorde (Auswahl): Distanz Disziplin Zeit Rekordhalter Jahr 100 m 3 Objekte 11,68 s Owen Morse (USA) 1989 100 m 5 Objekte 13,8 s Owen Morse (USA) 1988 100 m 7 Objekte 53,6 s Thomas Dietz (D) 2013 10 km 3 Objekte 35:38 min Bob Evans (USA) 2011 Marathon 3 Objekte 2:50:12 h Michal Kapral (CAN) 2007
Volleyclub Siehe Hauptartikel: Volleyclub
Die Mischung von Volleyball und Jonglage wird oft auf großen Jonglierconventions gespielt.
Combat Combat wird in der Regel mit drei Keulen pro Spieler gespielt. Alle Spieler beginnen gleichzeitig zu jonglieren; wer als Letzter noch jongliert, gewinnt die Runde. Die Spieler versuchen hierbei, ihre Gegner am weiterjonglieren zu hindern, indem sie ihnen beispielsweise eine Keule wegschlagen oder abnehmen, dabei aber die eigene Jonglage aufrechterhalten.
Combat-Wettbewerbe werden auf Jonglierconventions ausgetragen. Ein gängiges Format ist das 1-on-1-Combat, bei dem jeweils zwei Wettbewerber gegeneinander antreten und im K.-o.-System ein Turniersieger ermittelt wird. Dieses sogenannte „Fight Night Combat“ ist besonders in Europa verbreitet. Bei den „Fight Night“-Turnieren werden jeweils Punkte für die Combat-Weltranglistefightnightcombat.com vergeben. Die Weltranglistenposition der Spieler entscheidet über die Setzposition bei den einzelnen Turnieren.
Feuerjonglage mini
Bei der Feuerjonglage werden Jonglierutensilien teilweise oder ganz entzündet. Dabei wird meistens ein Dochtband aus Kevlargewebe mit Lampenöl getränkt. Dieses wird nach häufiger Benutzung porös und kann daher ausgetauscht werden. U. a. existieren kommerzielle Ausführungen folgender Requisiten: Diabolos, Bälle, Devilsticks, Stäbe, Fackeln, Poi, Hula-Hoop-Reifen und verschiedene Feuerseile.
Feuerbälle können aus einem Drahtgeflecht bestehen, in das ein Dochtband eingearbeitet wurde, oder massiv sein. Bei der Verwendung sollten angefeuchtete Handschuhe aus Baumwolle oder besser noch Kevlar getragen werden, da diese einen zeitlich begrenzten Schutz vor Verbrennungen liefern können.
Feuerpoi (oder Feuerketten) sind brennende Dochte bzw. Kevlarbänder, die aufgewickelt oder geflochten zu einem Knoten oder einer Rolle an Ketten befestigt und mit Lampenöl getränkt angezündet werden. Durch das Rotieren um die Hände und den ganzen Körper entstehen in der Dunkelheit weit sichtbare Feuerkreise.
Leuchtjonglage Bei der Leuchtjonglage wird mit Leuchtbällen, Leuchtstäben, Leuchtkeulen und Leuchtpoi jongliert. Die Bandbreite der Requisiten reicht von fluoreszierenden Objekten, die unter Schwarzlicht verwendet werden, über phosphoreszierende bis hin zu selbstleuchtenden Objekten mit eingebauten LEDs. Seit einigen Jahren sind auch Requisiten erhältlich, bei denen über einen Computer komplexe und längere Sequenzen hinsichtlich Leuchtstärke, Farbe und Dauer programmiert werden können. So ist es möglich, über eine komplette Nummer hinweg Requisiten passend zu den jonglierten Tricks und zur Musik leuchten, blinken und die Farbe über das komplette RGB-Farbspektrum hin wechseln zu lassen.
Weltrekorde Die Objekte müssen einzeln geworfen werden, Multiplexwürfe (Wurf von mehr als einem Objekt gleichzeitig) sind nicht erlaubt. Als zulässig gelten nur Rekorde mit Videobeleg.
Stand: November 2023
Bälle AnzahlRekordRekordhalterNationalitätJahrReferenzen11 Bälle34 CatchesTom Whitfield2022()10 Bälle40 CatchesTom Whitfield2021()9 Bälle55 sAnthony Gatto2006()8 Bälle1 min 18 sEnzo Nicolas Aguero2023()7 Bälle16 min 25 sAdolfo Esteban Almonacid Cardenas2019()6 Bälle30 min 46 sMaximilian Kuschmierz2023()5 Bälle3 h 44 min 46 sBence Ónodi2022()4 Bälle3 h 03 minChris Smith2023()3 Bälle13 h 10 minDavid Rush2023
Keulen AnzahlRekordRekordhalterNationalitätJahrReferenzen8 Keulen20 CatchesMoritz Rosner2025()7 Keulen4 min 24 sAnthony Gatto2005()6 Keulen7 min 38 sAnthony Gatto2005()5 Keulen53 min 21 sThomas Dietz2005Verifiziert durch JISCON4 Keulen2 h 7 min 17 sCaio Stevanovich2023()3 Keulen5 h 1 min 51 sAlexandr Inozemtzev2022()
Ringe AnzahlRekordRekordhalterNationalitätJahrReferenzen10 Ringe47 CatchesAnthony Gatto2005()9 Ringe50 sAnthony Gatto2005()8 Ringe1 min 17 sAnthony Gatto1989()7 Ringe15 min 6 sAnthony Gatto2011()6 Ringe6 min 37 sEivind Dragsjø2022()5 Ringe58 min 22 sCaio Stevanovich2022()4 Ringe1 h 20 min 55 sMaximilian Kuschmierz2022()3 Ringe3 h 10 min 45 sMaximilian Kuschmierz2022()
Keulen-Passing AnzahlRekordRekordhalterNationalitätJahrReferenzen16 Keulen16 passesJulian KloosMoritz Rosner2026(Video auf Instagram)15 Keulen15 PassesKaito TaniokaKento Tanioka Julian KloosMoritz Rosner2021 2025(Video auf Instagram) (Video auf Instagram)14 Keulen32 PassesDominik HarantManuel Mitasch2020()13 Keulen31 s(102 Passes)Dominik HarantManuel Mitasch2022()12 Keulen28 s(101 Passes)Daniel LedelManuel Mitasch2016()11 Keulen1 min 17 s(246 Passes)Julius PreuDaniel Ledel2022()10 Keulen4 min 00 s(808 Passes)Dominik HarantDaniel Ledel2017()9 Keulen7 min 1 s(1392 Passes)Christoph MitaschManuel Mitasch2007()
Darbietungsformen Gentleman-Jonglage Gentlemanjongleure waren die Protagonisten der Artistik der 1920er Jahre, die durch die damaligen Varietétheater geprägt wurden. Gentlemanjongleure zeichneten sich durch die beiden Aspekte der szenischen Gestaltung sowie der Verwendung alltäglicher Gegenstände statt spezieller Requisiten aus. So kombinierten die mit Anzug gekleideten Herren das Jonglieren und Balancieren mit den Utensilien der oberen Gesellschaftsklasse. Die berühmtesten Vertreter waren Kara, Salerno oder Adanos. Einer der bekanntesten Gentlemanjongleure der Gegenwart ist Jeton.Karl-Heinz Ziethen, Alessandro Serena: Virtuosos of Juggling. Santa Cruz, CA 2003, ISBN 0-9741848-0-2, S. 44 und S. 125.
Physiologische Aspekte