Der Antonsplatz ist ein heute überbauter Platz am Westrand der Inneren Altstadt im Stadtzentrum Dresdens. Nach Schleifung der Festungswerke wurde er Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt und diente lange Zeit als Marktplatz. Am Antonsplatz befanden sich zwei Kaufhallen und die zentrale Post Dresdens, aus der das Fernmeldeamt hervorging. Außerdem war er Standort des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts sowie von Vorläufern der TU und der HfBK Dresden, zudem wurde am Antonsplatz das Dresdner Kunstgewerbemuseum gegründet. In den frühen 1890er Jahren überbaute man ihn erstmals mit der Markthalle Antonsplatz. Bei den Luftangriffen auf Dresden 1945 wurden sämtliche anliegenden Gebäude zerstört oder zumindest so schwer beschädigt, dass sie in den Folgejahren abgerissen werden mussten.

Der von Trümmern beräumte und wieder unbebaute Antonsplatz diente jahrelang als Parkplatz, seit 2002 in erster Linie den Kunden der nahen Altmarkt-Galerie. Nach dem Grundstückskauf 2013 begannen die beiden auch andernorts in Dresden tätigen Baugesellschaften Baywobau (Bayern) und CTR-Gruppe (Tschechien) 2015 mit der Wiederbebauung des Platzes von Süden her. Im November 2016 wurde das Haus Merkur I fertiggestellt, benannt nach der Bastion Merkur der Stadtbefestigung und als einziges noch mit der Anschrift Antonsplatz versehen (Hausnummern 1 und 1a). Ihnen folgten bis 2019 die Gebäude Merkur II und III, später umbenannt in (Boulevard am) Wall I und II.

Lage mini|Wallstraße, links der als Parkplatz dienende Antonsplatz, im Hintergrund der Postplatz, 2012. Der Platz liegt in der Gemarkung Altstadt I im Gebiet zwischen dem historischen Stadtkern und den Dresdner Vorstädten. Er gehört im Stadtbezirk Altstadt zum Stadtteil Innere Altstadt, die am Antonsplatz in die Seevorstadt übergeht. Der Antonsplatz erstreckte sich länglich zwischen der Marienstraße im Westen und der Wallstraße im Osten. Sein nördliches Ende lag in Höhe Scheffelgasse, das südliche in Höhe Zahnsgasse wird auch heute noch als Antonsplatz bezeichnet (Haus Merkur, Hausnummern 1 und 1a).

Geschichte Anfänge Am Ort des heutigen Antonsplatzes befand sich jener Abschnitt der Dresdner Befestigungsanlagen, der zwischen der westlichen Bastion Saturn und der südlichen Bastion Merkur lag. Sie nutzten die in diesem Bereich ohnehin vorhandenen Geländeunterschiede aus, die aus der Seegrabenrinne resultierten, einer natürlichen Vertiefung. Vermutlich auf Befehl Napoleon Bonapartes begann Ende 1809 der Abbruch der Festungswerke, die sogenannte Demolition. Auf diese Weise entstand südlich des Wilsdruffer Tors ein großer Freiraum, der im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts umbaut wurde und anfangs Demolitionsplatz hieß. Geplant war, ihn als neuen Marktplatz sowie Ort der Unterhaltung und Erholung zu etablieren, wogegen der städtische Verkehr über den nördlich benachbarten Wilsdruffer Thorplatz fließen sollte. Seinen jetzigen Namen erhielt der Antonsplatz 1828 zu Ehren des seit 1827 regierenden Königs Anton (* 27. Dezember 1755 in Dresden; † 6. Juni 1836 in Pillnitz), nach dem auch die Antonstadt als Teil der Neustadt und die dortige Antonstraße benannt wurden. Bis zur Übergabe des ehemaligen Festungsgeländes in städtische Hände 1836 stand der Antonsplatz unter staatlicher Hoheit.G. Feuker: Als sich Stadt und Händler noch um den Altmarkt stritten. Webergasse und Gewandhausstraße waren schon vor 175 Jahren Alptraum-Projekte für Sachsens König und Dresdens Räte. In: Dresdner Neueste Nachrichten, Ausg. v. 2. November 1998, S. 18.

Kaufhallen auf der Ost- und Westseite mini|Ursprünglich einstöckige Kaufhallen mit dorischen Säulen. mini|Postgebäude mit Kaufhallen, 1832. mini|Postgebäude mit Kaufhallen, 1885.

Bereits kurz nach der Niederlegung der Festung wollte die Stadt im Jahr 1812 den Wochenmarkt vom Altmarkt auf den Demolitionsplatz verlegen, doch die Pläne scheiterten mehrfach am Widerstand der Händler. Nach einigen Änderungen der Pläne stimmte König Friedrich August I. 1822 dem Bau zweier langer Verkaufshallen mit Arkaden zu, der jedoch noch mehrere Jahre lang unausgeführt blieb. Der Hofbaumeister Anton Ludwig Blaßmann (1784–1843) lieferte die Entwürfe für die beiden je 280 Dresdner EllenDas Pfennig-Magazin der Gesellschaft zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse, 9. Bd., Leipzig 1841, S. 49 (). langen, im Vergleich zu anderen Vorschlägen relativ kostengünstigen Gebäude. Sie waren flach und eingeschossig, sollten den Zweck eines Warenhauses erfüllen und folgten architektonisch noch Vorbildern des 18. Jahrhunderts. Zunächst wurden 1826 „die obern Kaufhallen“ auf der Ostseite des Platzes entlang der Westseite der Wallstraße gebaut. Zwei Jahre später entstanden als Pendant „die untern Kaufhallen“ auf der Westseite des Platzes und längs der stadtwärtigen Seite der Marienstraße. Allerdings riegelten die Hallen die Zugänge auf den Platz ab, wogegen Anwohner protestierten. Deshalb wurde auf der Ostseite in Höhe Webergasse ein Durchbruch errichtet. Weil die Geschäftszahlen hinter den Erwartungen zurückblieben, genehmigte der Stadtrat wenige Jahre später die Aufstockung um ein weiteres Geschoss. Säulen und giebelbekrönte Kopfbauten betonten die Kaufhallen. Beide Kaufhallenkomplexe bestanden aus je drei dreigeschossigen Baublöcken – davon zwei Kopfbauten und einer in der Mitte – mit Walmdächern und je zwei zweigeschossigen, mit Satteldächern ausgestatteten Verbindungsbauten zwischen den Dreigeschossern. Die Bauten fielen im Februar 1945 den Luftangriffen auf Dresden zum Opfer, brannten aus und ihre Ruinen wurden 1950 abgetragen.

Ursprüngliche Platzgestaltung und Artesischer Brunnen mini|hochkant|Antonsplatz mit Blick auf einen der Türme des Fernsprechamtes (nach 1895) Den Gesamtentwurf für die Platzanlage lieferte im Jahre 1826 Gottlob Friedrich Thormeyer, der damit „die einzige umfangreichere städtebauliche Anlage des frühen Dresdner Biedermeier in der Altstadt“ schuf, die in dieser Form bis 1891 erhalten blieb. Fritz Löffler bezeichnete das Ensemble als „treffliche Lösung des Biedermeier im Sinne der Dresdner Tradition“. Bereits frühere Planungen hatten erwogen, zwischen Antonsplatz und Postplatz ein spezielles, in dieser Form seltenes Vergnügungsgebäude für eine kulturelle Nutzung und als Gegengewicht zur höfischen Festkultur zu errichten. Für dieses Schaugebäude als Teil einer größeren städtebaulichen Leitidee wurde der erste internationale Architekturwettbewerb in Sachsen ausgeschrieben, aus dem Carl August Peter Menzel mit seinem Entwurf als Preisträger hervorging. In der Leipziger Zeitung vom 26. August 1826 schrieben der Graf von Hohenthal und der Herr von Carlowitz, dass „Ihro Königlichen Majestät Vorschläge zur Erbauung eines zu Aufnahme öffentlicher Schaugegenstände bestimmten Gebäudes“ vorgelegt worden sind. „Der Zweck des Gebäudes ist, einen Circus für Seiltänzer […] in sich zu fassen“. Die Mitte des Platzes sollte ein Wasserbassin schmücken, für dessen Gestaltung ein Preis von 50 Talern ausgesetzt war. Am 30. April 1827 lagen dafür 25 Einsendungen vor. Weder das Schaugebäude noch das Wasserbassin kamen letztlich zur Ausführung. Dafür gestaltete Carl Adolph Terscheck am Platz eine Grünanlage.

Um den Platz dennoch mit einem zentralen öffentlichen Wasseranschluss versehen zu können, begann am 31. Juli 1832Jochen Hänsch: Dresdens erster artesischer Brunnen. In: Dresdner Neueste Nachrichten, Ausg. v. 28. April 1997, S. 9. die Bohrung eines artesischen Brunnens. Ziel war, auf der Mitte des Platzes, in der Tiefe eine Schicht zu finden, die unter hohem Überdruck stehendes Wasser führt, das ohne den Einsatz von Pumpen nach dem physikalischen Prinzip der kommunizierenden Röhren an die Oberfläche gelangt. Bei den in der gleichen Zeit durchgeführten Bohrarbeiten nahe dem heutigen Albertplatz ist dies gelungen: Der dortige Artesische Brunnen ist bis heute in Betrieb. Am Antonsplatz hingegen stieß man nach einem knappen Jahr, am 4. Juli 1833, in mehr als 100 Metern Tiefe auf drei Quellen, setzte die Bohrungen in der Hoffnung auf noch größere Wassermengen jedoch bis in über 200 Meter Tiefe fort. Die gewünschte Wirkung wurde damit allerdings nicht erzielt; das Wasser blieb knapp unter der Erdoberfläche stehen. Daraufhin wurde das Projekt, in das bis 1834 rund 7000 Taler aus der Staatskasse geflossen waren, abgebrochen. Stattdessen ließ die Stadt den mittig auf dem Platz gelegenen Brunnen an eine in Plauen beginnende Röhrfahrt anschließen, trotzdem bezeichnete ihn der Volksmund als Artesischen Brunnen. Nach einigen Jahrzehnten erwies er sich jedoch als Verkehrshindernis, was 1871 zu seinem Abriss führte.Siegfried Bannack: Wasser-Erwartungen am Antonplatz erfüllten sich nicht. Seit 165 Jahren sprudelt der Artesische Brunnen am Albertplatz. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 25. Februar 2002, S. 7.

Fernsprechamt auf der Nordseite

Nachdem die bisherige Post an der Landhausstraße zu klein geworden war, ließ der Staat ein neues Posthaus mit einer von Joseph Thürmer gestalteten Sandstein-Schaufassade zur Nordseite des Antonsplatzes errichten. Der Bau entstand ab 1830 nach Plänen von Albert Geutebrück und wurde am 8. Oktober 1832 seiner Bestimmung übergeben. Die eigentliche Rückfront, die zum Wilsdruffer Thorplatz zeigte, wurde aus logistischen Gründen jedoch schon kurz darauf die neue Vorderseite des Hauses. Dies verlagerte auch das Gesamtaugenmerk der Dresdner Stadtplanung vom Antons- auf den späteren Postplatz. Ende der 1840er Jahre gab es einen ersten Anbau, 1893/94 wurde das Gebäude aufgestockt und auf der nunmehrigen Rückseite am Antonsplatz entstanden zwei Ecktürme für die Telegrafeneinleitung. Das ab 1904 offiziell als Fernsprechamt bezeichnete Bauwerk erhielt in den Jahren 1911/12 zwischen den Einleitungstürmen am Antonsplatz einen neuen Südflügel. Durch die Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945 brannte das Fernsprechamt aus, besonders die Südseite mit den Türmen wurde erheblich beschädigt. Nach einer kontinuierlichen Verschlechterung der ruinösen Bausubstanz erfolgte Ende Februar 1952 der Abriss. In: postplatz.starkes-dresden.de, abgerufen am 14. März 2013.

Polytechnische Schule, später Kunstgewerbeschule und Oberverwaltungsgericht, auf der Südseite Die 1828 im Brühlschen Gartenpavillon gegründete Technische Bildungsanstalt, der Vorläufer der Technischen Universität Dresden, vergrößerte sich rasch. Vom einstigen Rüstkammergebäude nahe dem Jüdenhof zog sie am 2. September 1846Reiner Pommerin: 175 Jahre TU Dresden. Band 1: Geschichte der TU Dresden 1828–2003. Hrsg. im Auftrag der Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden e. V. von Reiner Pommerin, Böhlau, Köln u. a. 2003, ISBN 3-412-02303-5, S. 39 (). in einen nach zweijähriger Bauzeit frisch fertiggestellten Neubau auf der Südseite des Antonsplatzes. Nachdem König Friedrich August II. 1851 die Einrichtung zur Königlichen Polytechnischen Schule ernannt hatte, war das Gebäude als die Polytechnische Schule bekannt. Der Entwurf stammte vom Architekturprofessor Gustav Heine und wurde von Gottfried Semper überarbeitet. Auch die Schauseite dieses Bauwerks, das als eines der Vorbilder für das Hauptgebäude der RWTH Aachen gilt, lag am Antonsplatz, die Adresse lautete Antonsplatz 1. Beim Dresdner Maiaufstand war das Haus die letzte Bastion der Aufständischen; preußische Truppen nahmen es nach hartem Kampf erst am Abend des 9. Mai 1849 ein, woraufhin sich die Aufständischen aus der Stadt in Richtung Südwesten zurückzogen.Günter Holfert: Eine Stadt voller Barrikaden. Vor 150 Jahren – Die stürmischen Ereignisse im Mai 1849 in Dresden. In: Dresdner Neueste Nachrichten, Ausg. v. 3. Mai 1999, S. 13. Ab 1869 leitete Rudolf Heyn einen Umbau des Gebäudes. Im Jahre 1871 in Königlich-Sächsisches Polytechnikum umbenannt, zog die Einrichtung 1875 in einen noch größeren und entsprechend als Polytechnikum bezeichneten Neubau an der Südseite des Bismarckplatzes, dem heutigen Friedrich-List-Platz, um.