mini|hochkant=1.3|Dorfkirche Perlin mit Glockenstuhl, 2009 Die Dorfkirche Perlin ist eine turmlose Feldsteinkirche im mecklenburgischen Ort Perlin im Süden des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Die gleichnamige Kirchgemeinde Perlin gehört zur Propstei Wismar im Kirchenkreis Mecklenburg in der Nordkirche.

Geschichte Perlin wurde urkundlich erstmals 1220 erwähnt.MUB I. (1863) Nr. 280. Von 1343 bis 1431 hatten Ludolf, Ludeke und Hans von Blücher Besitz und Rechte in Perlin.MUB IX. (1875), Nr. 6277, MUB X. (1877) Nr. 6760. Schon 1435 kamen die Familien von Lützow und behielten das Gut bis 1781. Im Visitationsprotokoll von 1652 ist vermerkt, dass die Herren von Lützow ab 1435 auch das Patronatsrecht der Kirche zu Perlin innehatten.LHAS 2.12-3/5 Kirchenvisitaionen Nr. 355 Ein genaues Gründungsdatum der Kirche ist nicht überliefert.

mini|hochkant|Grabstein von Clara Gräfin Bassewitz (1825–1900) auf dem Kirchhof, 2009 Um 1541 wurde Jakob Lütke als Kirchherr, als erster Pastor zu Perlin genannt. 1577 wurde über ihn geschrieben: Lütke ... ist bisher ein Papist gewesen, war arm und wolle sich bessern. Während des Dreißigjährigen Krieges war Martin Dörner Pastor. Die Kirche war verwüstet und hatte baulich stark gelitten, die Sakristei von kaiserlichen Soldaten abgerissen, nur die Feldsteinmauern blieben stehen ...

Mit dem Geheimen Regierungsrat Bernhard Friedrich Graf Bassewitz (1756–1816) aus Schwerin übernahmen ab 1795 die Familie von Bassewitz das Gut, das Dorf und das Kirchenpatronat von Perlin. Ihre späteren Erben wohnten auf Burg Schlitz bei Teterow, dem Hauptsitz dieses Bassewitzschen Zweiges. 1877 erbt Cuno Graf von Bassewitz das Gut mit dem Dorf Perlin, leistet 1884 den Lehnseid und bewirtschaftete 53 Jahre lang das Gut. Von 1895 bis zur Auflösung des Klosters Dobbertin war Cuno Graf von Bassewitz dort Provisor.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster Dobbertin 3.4.1 Nr. 1311 Berufung des Grafen von Bassewitz auf Perlin zum Provisor.

1929 erfolgte die Umpfarrung der Ortschaft Klein Welzin von Perlin nach Groß Brütz.KAS Specialia Abt. 2. Groß Brütz, Nr. 002.

Vor Kriegsende floh im Mai 1945 der damalige Pastor Dr. Model mit seiner Familie nach Westdeutschland. Das Pfarrhaus und auch die Kirche wurden mit Flüchtlingen belegt. Nach einem Bericht des Pastors Friedrich Böttgers aus Parum am 11. November 1945 an den Oberkirchenrat in Schwerin wurde durch die Flüchtlingsfamilien in der Kirche auch gekocht und gewaschen. Nach der Besetzung von Perlin Ende November 1945 durch die sowjetischen Kampftruppen erfolgte die Evakuierung des Ortes.

Mitte Dezember 1945 hatten russische Soldaten die Kirche aufgebrochen und im Innern schwere Schäden angerichtet. Die Orgel wurde schwer beschädigt, die Orgelpfeifen herausgerissen und zertreten. Sämtliche Kirchenbänke und Holzteile wurden weggeschleppt. Auch die Kanzel war abgerissen und Teile lagen auf dem Boden. Das Altarbild war durch Pistolenschüsse durchlöchert worden. Das berichtete Pastor Böttgers am 6. Februar 1946 an den Oberkirchenrat in Schwerin und mit dem Schlusssatz: Nach dem Dreißigjährigen Krieg sah die Kirche sicher nicht so desolat aus wie zu diesem Zeitpunkt.

Bis 1945 war Perlin eine selbstständige Pfarre. Die verbliebene Kirchgemeinde begann schon 1946 mit den notwendigsten Sicherungsarbeiten und zum Erntedankfest 1948 konnte der erste Gottesdienst, zwar noch ohne Kirchenbänke, gefeiert werden.

Baugeschichte Der Bau der Perliner Kirche fällt mit großer Wahrscheinlichkeit in die Mitte des 13. Jahrhunderts, denn bereits 1222 ist das Perliner Kirchspiel vorhanden. Erst 1435 ist mit der Verleihung des Patronatsrechts an die Herren von Lützow wieder etwas von der Kirche zu Perlin zu lesen. Vor der Verwüstung der Kirche im Dreißigjährigen Krieg konnte die geschnitzte Holzfigur des Altars gerettet werden. Von den Kunstschätzen aus vorreformatorischen Zeiten blieben nur der von den von Lützow gestiftete Altarschmuck mit der Figur der Maria mit dem Jesuskind und die zwölf Apostel erhalten. Der demolierte Predigerstuhl wurde verheizt.LHAS 2.12-3/5 Kirchenvisitaionen Nr. 355, 356.

mini|links|hochkant|1823 gebaute Begräbniskapelle, 2009 Um 1730 brannte der hölzerne Glockenturm nieder. 1734 erfolgte ein Anbau zur Aufbewahrung der Begräbnisgeräte, welcher 1947 abgebrochen wurde. Auch im Kircheninnern gab es einige Umbauten. 1823 ließ Friedrich Werner Graf von Bassewitz für seine jüngste Tochter eine Begräbniskapelle bauen, die heute noch als Leichenhalle genutzt wird. 1840–1841 erfolgte durch den aus Goldberg stammenden Pastor Heinrich Alexander Seidel eine umfassende Renovierung der Kirche.

1841 war hinter der Kirche das neue dreigeschossige Pfarrhaus fertiggestellt worden. In ihm wurde 1842 Heinrich Seidel als Sohn des Pfarrers und späterer Dichter und Konstrukteur geboren.

Unter Pastor Wilhelm Radloff wurde 1891 nochmals mit einer Renovierung begonnen, die erst sein Nachfolger Pastor August Wiegand 1892 beendete. Man hatte die Kirche nach dem Muster der Wittenburger Kirche ausgemalt. Es wurde an den Gewölberippen, den unteren Wänden und Fensterlaibungen der rote Backsteinbau nachgeahmt. Die Decken und Gewölbekappen waren bläulich gehalten. Ausgeführt hatte diese Arbeiten damals der Wittenburger Malermeister Troßiner. Anlass war die Trauung der Comtesse Alexandrine von Bassewitz mit dem Obristen Ulrich von Witzendorff.

Im Dezember 1912 stürzte der Fußboden vor dem Altar am Eingang zur Gruft derer von Lützow ein.Mecklenburg-Schwerinsches Finanzministerium, Abt. Hochbau, Patronatsbauakten Perlin Nr. 1–10.

Bei der Verwüstung der Kirche im Dezember 1945 durch russische Soldaten wurden auch in der Gruft die Särge der Verstorbenen von Lützow aufgerissen. Nach erfolgter Dokumentation durch Mitarbeiter der Denkmalpflege hatte man im November 1992 die Gruft zugemauert. In den Jahren von 1991 bis 1995 erfolgten umfangreiche Sanierungsarbeiten. 1991 wurde das Kirchendach mit Ziegeln neu eingedeckt und 1992 folgte die zimmermannsmäßige Reparatur des Glockenstuhls. Danach erfolgte die Sanierung des Außenmauerwerkes und der innere Kirchenraum. Durch ABM-Kräfte konnte der Wildwuchs auf dem Friedhof beseitigt und die Wege wieder hergestellt werden.

Äußeres mini|hochkant|Ostgiebel, 2009 Der turmlose Feldsteinbau mit flachgedecktem Langhaus und Satteldach besitzt einen eingezogenen überwölbten quadratischen Chor. Das Fachwerk im östlichen Giebeldreieck wurde mit Mauerziegeln im dekorativen Zierverband ausgeführt. Unter dem gemauerten Korbbogen befinden sich im dreiteiligen Spitzbogenfenster in den verbleiten Kabinettscheiben die christlichen Symbole einer Taube, einem Anker und der Krone.

Der Westgiebel in Backstein ist Ende des 19. Jahrhunderts mit fünf langen Spitzbogenblenden ausgeführt worden. Die Tür mit dem gemauerten Spitzbogen wurde während der Renovierung 1840–1841 eingebaut. 1996 hatte man eine neue Eichentür angefertigt mit den alten restaurierten Türbeschlägen eingesetzt.

Inneres Die Ausstattung der Kirche ist schlicht gehalten. Nach einem Brand 1734 erhielt das Langhaus eine Flachdecke; im Gegensatz zum Chor, der ein kuppelförmiges Gewölbe auf rechteckigen Bandrippen und ein schwach spitzbogigen Triumphbogen hat.

Durch mehrfache Renovierungen veränderte sich das Aussehen auch im Innern der Kirche. Auf der Westseite befindet sich die verglaste Empore, die als Winterkirche genutzt wird. Das ehemalige Altarbild Jesus im Garten Gethsemane wurde 1893 nach einer Zeichnung des Professors Hoffmann vom Maler Friedrich Böttcher aus Hamburg angefertigt. Im Langhaus hängt ein schmiedeeiserner Radleuchter.

Altar, Kanzel und Taufe Während des Dreißigjährigen Krieges stand noch der alte von den Herren von Lützow gestiftete Altar. 1855 stiftete der Patron Friedrich Werner Graf von Bassewitz ein neues Taufbecken. Im Sockel findet man das Bassewitzsche Wappen und die Jahreszahl 1855. Es wurde 1997 restauriert. Der Gutsherr von Groß Weltzin, Heinrich Bock, stiftete einen neuen aus Eichenholz geschnitzten Altaraufsatz. Der alte Altar wurde am 6. November 1893 abgebrochen und der neue am 12. November 1893 geweiht.Bauten an geistlichen Gebäuden, Perlin 1879–1926

Der von 1948 stammende Altar mit dem einfachen Balkenkreuz und die Kanzel wurden entfernt und 1996 durch einen gemauerten Altartisch mit einer Eichenplatte und einem Lesepult ersetzt, das nun als Kanzel dient. Dafür steht auf dem Altartisch das ehemalige Triumphkreuz von 1649 aus der Pokrenter Kirche. Die Rückseite ist mit dem Gekreuzigten und mit Engeln bemalt.

Orgel Mit Spenden der Kirchengemeinde ließen 1868 der Patron Rudolph Graf von Bassewitz und der Pastor Carl Johann Wilhelm Türk durch den Hagenower Orgelbauer Johann Heinrich Runge eine Orgel bauen. Nach Tieferlegung der Empore konnte die Orgel am 7. November 1868 geweiht werden. 1927 erfolgten diverse Reparaturen.LKA, Specialia alt, Perlin Nr. 435, Orgel. Ende 1945 wurden durch russische Soldaten auch die Orgel stark beschädigt und die herausgerissenen Orgelpfeifen zertreten. Im Oktober 1977 hatte sich die Kirchgemeinde als Ersatz ein Harmonium angeschafft.

Die heutige, um 1977 durch W. Sauer ORGÈLBAU aus Frankfurt/Oder gebaute Orgel (I/-/3) kam 2009 aus der Heiligen-Geist-Kirche in Wismar.

Glocke und Glockenstuhl mini|hochkant|Glocke im hölzernen Glockenstuhl, 2009 Zur Kirche gehörte ein hoher, hölzerner Glockenstuhl, ähnlich dem an der Parumer Kirche. In der Zeit des Pastors Joachim Friedrich Schmalz brannte zwischen 1730 und 1734 der Glockenturm ab. Der Knecht des Pastors hatte aus Rache das mit Stroh gedeckte Wirtschaftsgebäude angesteckt und dabei fing auch der Turm Feuer. Die beiden alten Glocken im Turm zersprangen. Aus ihrem Metall ließ man 1735 beim Lübecker Glockengießer Lorenz Strahlborn zwei neue Glocken gießen, die aber jahrelang unbezahlt blieben. Beide Glocken, die große mit einem Durchmesser von 1,19 Metern und kleine von 0,90 Metern, tragen Namen und Wappen derer von Lützow und von Ditten. Beim Guss der Glocken war Elisabeth Margarethe Sophie von Lützow, geborene von Ditten, Patronin der Perliner Kirche. Auf den Glocken ist neben den Namen des Glockengießers Laurentius Strahlborn, des Pastors D. Joachim Frideric Schmaltz, der Jahreszahl 1735 und dem Allianzwappen noch der Spruch zu lesen: (Die Heilige Dreifaltigkeit sei immer gepriesen). Die größere Glocke trug noch den Spruch: ICH LEUTE ZU DER KIRCH. KOMM SELBST NICHT HINEIN, ACH MÖGTEN ALLE DIE MICH HÖREN SELIG SEIN. Beide Glocken hingen in einem neuen niedrigen Holzgerüst als Glockenstuhl an der Westseite der Kirche.

Im Zweiten Weltkrieg wurden sie zu Rüstungszwecken abgenommen und nach Hamburg gebracht. Die kleine Glocke ist nach dem Krieg wieder zurückgekommen. Den hölzernen Glockenstuhl hatte man 1992 komplett erneuert.

Pastoren Namen und Jahreszahlen bezeichnen die nachweisbare Erwähnung als Pastor.Gustav Willgeroth: Die Mecklenburg-Schwerinsche Pfarre seit dem dreißigjährigen Kriege. Wismar 1925.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Perlin. III. Band 1899, S. 74–76. 1541 – 1577 Jacob Lütke ...ist bisher ein Papist gewesen, will sich aber bessern 1577 – 1588 Caspar ColowiusFriedrich Lisch: Caspar Calovius und des Andreas Mylius Genealogie der Herzöge von Mecklenburg. In: MJB 18 (1853) S. 154. 1588 – 1601 Martin Dörner, von den von Lützow's als Parton berufen 1601 – 1633 Martin Dörner, Sohn des vorigen Dörners 1633 – 1667 Martin Dörner, Enkel des ersten Dörner 1668 – 1701 Joachim Dörner, Sohn des Vorgängers 1702 – 1748 Joachim Friedrich Schmalz aus MöllnFriedrich Lisch: Herzog Carl Leopold und die Geistlichkeit. In: MJB 39 (1874) S. 61. 1750 – 1769 Johann Christoph Schulz, wahrscheinlich aus Güstrow 1771 – 1798 Ernst Siegfried Martinssen aus Grabow 1799 – 1839 Daniel Christian Merian aus Brudersdorf 1839 – 1851 Heinrich Alexander Seidel aus Goldberg, Vater des Ingenieurs und Schriftstellers Heinrich Seidel 1852 – 1862 Heinrich Gottlieb Hermann Romberg aus Neukloster