Drawsko Pomorskie ( Dramburg) ist eine Kreisstadt und Stadt- und Landgemeinde in der polnischen Woiwodschaft Westpommern mit etwa 12.000 Einwohnern.

Geographische Lage Die Stadt liegt in Hinterpommern, etwa 80 Kilometer östlich von Stettin und 28 Kilometer südlich von Świdwin (Schivelbein), in der Pommerschen Schweiz, im Gebiet des Pommerschen Höhenrückens, auf einer Höhe von 97 m über dem Meeresspiegel, und wird vom Oberlauf des Flusses Drage (Drawa) berührt. Östlich erstreckt sich ein großes Waldgebiet. Südlich der Stadt liegt der Wuckersee (Jezioro Okra).

Stadtgeschichte Vom 7. bis in das 13. Jahrhundert hinein befand sich am Oberlauf des Flusses Drage wenige Kilometer nördlich des Lübbesees eine slawische Befestigungsanlage. Nachdem die brandenburgischen Kurfürsten um die Mitte des 13. Jahrhunderts das Gebiet von Polen erworben hatten, beauftragten sie im Rahmen ihrer Besiedelungsbestrebungen 1254 Belbucker Prämonstratenser mit der Gründung eines Klosters. Die Pläne scheiterten jedoch, da der vorgesehene Ort zu weit vom Stammkloster entfernt lag und den Ordensmännern das Land wegen seiner Wildnis als ungeeignet erschien. Die Brandenburger hielten jedoch an ihren Plänen fest, und da sich in der Nähe der Burg eine Siedlung entwickelt hatte, erhielten die Prenzlauer Ritter Arnold, Konrad und Johann von Golz von den Markgrafen den Auftrag, den Ort zu einer Stadt zu entwickeln. Durch Ansiedlung deutscher Einwanderer gelang es ihnen, die Ortschaft so weit auszubauen, dass ihr 1297 die brandenburgischen Markgrafen Otto IV. „mit dem Pfeil“ und Konrad I. sowie dessen Söhne das Magdeburger Stadtrecht verleihen konnten.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden der Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 883.

Um die Entwicklung der Stadt weiter zu fördern, erließ ihr Markgraf Ludwig I. von 1338 bis 1350 alle Abgaben. 1350 wurde die Stadt der Adelsfamilie von Wedell als Lehen überlassen. Am 13. Februar 1368 war Dramburg Schauplatz des Friedensschlusses zwischen dem brandenburgischen Markgrafen Otto dem Finner und dem polnischen König Kasimir III. Inzwischen hielt der Zustrom von Siedlern an, so dass sich am Ende des 14. Jahrhunderts am südlichen Drageufer die Dramburger Neustadt entwickelte. 1400 verkaufte Markgraf Sigismund (der spätere Kaiser Sigismund) die Stadt zusammen mit der gesamten Neumark an den Deutschen Orden, der seine Herrschaft jedoch nur bis 1455 ausübte.

Der Franziskanerorden unterhielt das Kloster in Dramburg vom 14. Jahrhundert bis 1538, als es infolge der Reformation aufgelöst wurde.Dieter Berg: Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 129, 285. Die Reformation war 1537 durch den im selben Jahr konvertierten Franziskaner Faustinus Schliepe in Dramburg eingeführt worden. Ab 1540 war der Johanniterorden Eigentümer der Stadt und blieb es bis zum Jahre 1808. Ein großer Brand zerstörte 1620 weite Teile der Stadt; nur fünf Häuser blieben unversehrt. Fünf Jahre später fielen zahlreiche Einwohner der Pest zum Opfer. Während des Dreißigjährigen Krieges fiel 1638 der schwedische Oberst Beer mit Plünderungen und Brandschatzungen über die Stadt her. Trotz dieser Katastrophen nahm Dramburgs Wirtschaft keinen größeren Schaden. Die Stadt hatte das Stapelrecht für das Kolberger Salz, das über die Drage transportiert wurde, Wollweber und Schumacher waren die bestimmenden Gewerke ausgangs des Mittelalters.

mini|links|Brücke über den Fluss Drage (1930) mini|320px|Stadtpanorama mit der Pfarrkirche als Landmarke miniatur|Hauptstraße miniatur|hochkant|Auferstehungskirche, bis 1945 evangelische Pfarrkirche St. Marien

Als nach dem Ende der Befreiungskriege Preußen seine Territorialverwaltung neu ordnete, wurde Dramburg 1818 zur Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im pommerschen Regierungsbezirk Köslin erhoben. Die Pommersche Centralbahn erreichte 1877 die Stadt, die 1896 auch an das Saatziger Kleinbahnnetz angeschlossen wurde. Dies hatte zur Folge, dass sich mehrere Industriebetriebe des Holz- und Textilgewerbes ansiedelten. Vorteilhaft wirkte sich die Einrichtung der Hauptstation der Pommerschen Saatzucht Gesellschaft aus, die in Dramburg ihre Versuchsfelder betrieb.

Nach dem Ersten Weltkrieg, als viele Einwohner aus dem Gebiet des aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1920 eingerichteten Polnischen Korridor zuzogen, erweiterte sich Dramburg durch neue Wohngebiete im Süden der Stadt.

Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Stadt Dramburg einen Flächeninhalt von 32,6 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 573 bewohnte Wohnhäuser an neun verschiedenen Wohnplätzen:

Um 1935 gab es in der Stadt Dramburg vier Hotels, drei Gasthöfe, zwei Cafés, eine Apotheke, zwölf Bäckereien, zwei Bankgeschäfte, acht Baugeschäfte, drei Brunnenbauer, eine Buchdruckerei, eine Bürstenfabrik, sechs Gärtnereien, 18 Gemischtwarenläden, eine Gerberei, fünf Getreidehandlungen, zwei Konditoreien, vier Maschinenfabriken, neun Metzgereien, eine Möbelfabrik, eine Molkerei, zwei Mühlen, eine Pferdehandlung, eine Stärkefabrik, zwei Tuchfabriken, sechs Viehhandlungen, einen Zeitungsverlag, zwei Ziegeleien und zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte, Handwerksbetriebe und Dienstleister.Klockhaus' Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1008–1009 (Google Books).

Bis zur Auflösung der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen 1938 gehörte Dramburg zum Regierungsbezirk Schneidemühl. Während des Zweiten Weltkrieges betrieb die SS eine große Kradfahrer- und Mechanikerschule.

Im Jahr 1945 war Dramburg Kreisstadt des Kreises Dramburg im Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.

Die Rote Armee und polnische Truppen eroberten am 4. März 1945 die Stadt, deren Stadtzentrum während der Kämpfe zum großen Teil zerstört wurde. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Dramburg von der Sowjetunion zusammen mit ganz Hinterpommern der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Danach begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Soweit die einheimischen Stadtbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Dramburg vertrieben.

1950 erfolgte die Umbenennung in Drawsko Pomorskie. Bis 1975 war die Stadt Verwaltungszentrum eines Powiats. Nach der Verwaltungsreform von 1999 erhielt sie diesen Status zurück.

Im Süden der Stadt befindet sich heute Europas größter Truppenübungsplatz Centrum Szkolenia Wojsk Lądowych Drawsko (Poligon Drawsko), den polnische sowie NATO-Truppen nutzen.Największy poligon w Europie Der Truppenübungsplatz und die Umgebung von Drawsko sind ebenfalls regelmäßiger Austragungsort der Rallye Breslau. Außerdem leben auf dem Truppenübungsplatz Wisente, die zu der seit 1980 entstandenen nordwestpolnischen Population gehören.https://bisonlife13.zubry.org/ mini|Auferstehungskirche, Altar mini|Apostel-Paulus-Kirche mini|Historischer Salzspeicher mini|Stadtmauer mini|Grundschule mit Panzerdenkmal

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1719 757 Gustav Kratz; Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1965, S. 127–128. 1750 1312 1801 1558 darunter drei Judenfamilien mit 38 Individuen Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg enthaltend. Berlin 1809, S. 223 (books.google.de). 1816 1808 darunter acht Katholiken und 49 Juden 1831 2667 darunter sieben Katholiken und 87 Juden 1843 3413 darunter drei Katholiken und 121 Juden 1852 4004 darunter zehn Katholiken und 169 Juden 1861 4847 darunter zehn Katholiken, 186 Juden und drei Mitglieder der Freien Gemeinde oder Deutschkatholiken 1875 5626 1880 6049 1890 5923 darunter 38 Katholiken und 165 Juden 1900 5883 meist EvangelischeMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 5, Leipzig und Wien 1906, S. 175. 1910 6260 am 1. Dezember, Kreisstadt mit einer evangelischen Pfarrkirche, einer Baptisten- und einer Gemeinschaftskirche, einem Gymnasium, einem Seminar, einer Präparandenanstalt, Kram-, Pferde- und Viehmärkten, Getreidehandel, Bürsten-, Zementwaren-, Essig-, Maschinen-, Stärke- und Tuchfabrikation sowie einer Brauerei, einer Färberei, einer Gerberei, einer Gießerei, Mühlen, Sägewerken und einer ZiegeleiDramburg, an der Drage, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Verkehrs-Lexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Dramburg (meyersgaz.org). 1925 6486 darunter 6146 Evangelische, 75 Katholiken und 59 Juden,Die Stadt Dramburg im ehemaligen Kreis Dramburg in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). nach anderen Angaben 6358 Einwohner 1933 7314 1939 8091 + Einwohnerzahlen seit 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1955 6.300 1987 10.706 2004 11.781 2015 11.454 mini|Einwohnerzahlen bis heute

Städtepartnerschaften Es bestehen Partnerschaften mit den Städten:Współpraca z zagranicą in: Biuletyn Informacji Publiczne, Rathaus von Drawsko Pomorskie, abgerufen am 15. April 2023 (polnisch) Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein, seit 1999 Strasburg in Mecklenburg-Vorpommern, seit 2004 Falkenburg (Złocieniec) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern

Sehenswürdigkeiten mini|Villa Metzler nach einem Entwurf von Walter Gropius, 1906 Bedeutendstes Baudenkmal der Stadt ist die spätgotische Auferstehungskirche (kościół p.w. Zmartwychwstania Pańskiego) aus dem 15. Jahrhundert, eine dreischiffige Hallenkirche aus Backstein. Der wuchtige Frontturms hatte seit dem Stadtbrand von 1620 auf einem schlichten Zeltdach eine Zwiebelhaube und erhielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts seinen heutigen spitzen Turmhelm. Im Vorraum der Kirche (Turmhalle) befinden sich zwei große Buntglasfenster mit den Familienwappen v. Knebel-Doeberitz, v. Brockhausen, v. Griesheim, v. Zadow, v. Borcke und v. Grünberg. Diese waren bis 1945 die einflussreichsten Großgrundbesitzer des Kreises Dramburg. Die Fenster wurden 1914 anlässlich der Erneuerung der Turmhalle von den Familien gestiftet. Sie wurden in der Werkstatt W. Blaue, Berlin-Dahlem angefertigt. Durch Kriegseinwirkungen wurden sie stark beschädigt. Die Restaurierung hat der polnische Meister der Glasmalerei Krzysztof Mazurkiewicz, Köslin, durchgeführt. Die neuromanische Apostel-Paulus-Kirche wurde von 1928 bis 1929 als erste katholische Kirche nach der Reformation im damaligen Dramburg errichtet. Reste der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert Marktplatz mit teilweise erhaltener historischer Bebauung Fachwerk-Salzspeicher aus der Zeit um 1700 Villa Metzler, Frühwerk von Walter Gropius von 1906

Verkehr mini|Bahnhof Drawsko Pomorskie liegt an der Droga krajowa 20 (ehemalige deutsche Reichsstraße 158) Stargard–Gdynia. Des Weiteren führen von der Stadt aus die Woiwodschaftsstraßen (DW) DW 148 nach Starogard, die DW 173 nach Połczyn-Zdrój sowie die DW 175 nach Choszczno.

Die Stadt hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Chojnice–Runowo Pomorskie der Polnischen Staatsbahn (PKP).

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Rudolf Hiller von Gaertringen (1801–1866), deutscher Gutsbesitzer und Politiker Ernst David Wagner (1806–1883), deutscher Komponist, Organist und Musikpädagoge Emil Doerstling (1859–1940), deutscher Maler Gustav Bundt (1867–1949), deutscher Arzt, Medizinalbeamter und Politiker (DNVP) Johannes Höffner (1868–1929), deutscher Schriftsteller und Zeitschriftenherausgeber Otto Pautsch (1873–1945), deutscher Lehrer, Landrat im Kreis Lebus Cornelius Kutschke (1877–1968), deutscher Bauingenieur, Sachverständiger bei der deutschen Friedensdelegation in Versailles Elfriede Wendtlandt (1877–1960), Illustratorin und Gebrauchsgrafikerin