mini|Wappen der Familie Beyer von Boppard Die Beyer von Boppard (auch Bayer von Boppard) waren ein ursprünglich in Boppard am Mittelrhein ansässiges Geschlecht, das im Spätmittelalter im Umfeld der freien Reichsstadt Boppard hervortrat und dort in unmittelbarer Nähe zum König tätig war. In dieser Phase standen Angehörige der Familie in Verbindung zu den römisch-deutschen Königen, insbesondere zu Karl IV. und später zu Sigismund, was wesentlich zu ihrem sozialen Aufstieg beitrug. Mit der Verpfändung Boppards an Kurtrier wurde die Familie in den kurtrierischen Lehnsverband eingebunden, in dessen Rahmen sie unter anderem den Königshof in Boppard als zentrales Lehen innehatte und den Titel eines Erbburggrafen führte.
Seit dem späten 14. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt der Familie nach Lothringen, wo sie durch Heiraten und Erwerbungen umfangreichen Besitz, darunter die Herrschaft Château-Bréhain, erlangte und in den landständischen Adel aufstieg. Mehrere Angehörige der Familie erreichten bedeutende geistliche Ämter, insbesondere als Bischöfe von Worms und Metz, und trugen so zur politischen Stellung der Familie im Reich bei.
Trotz dieser Verlagerung blieb die Familie weiterhin mit Boppard verbunden und behielt sowohl den Königshof als auch ihren Stammsitz, den Beyerhof, über Generationen hinweg in ihrem Besitz; zudem diente das Kloster Marienberg als Begräbnisstätte der Familie und blieb auch durch die Aufnahme weiblicher Familienangehöriger eng mit ihr verbunden.
Geschichte mini|Wappen Beyer von Boppard aus Wappenbuch des Heiligen Römischen Reichs
Überblick Die Familie erreichte ihren Höhepunkt am Mittelrhein im 14. Jahrhundert unter Heinrich IV. Beyer von Boppard. Er war wie auch einige seiner Vorgänger zunächst Reichsschultheiß in Boppard und trat nach dem Übergang der Stadt an Kurtrier in den Dienst Balduins von Luxemburg. Für seine Loyalität erhielt er von Balduin unterschiedliche Lehen darunter den Bopparder Königshof. Damit gewann die Familie eine herausgehobene Stellung am Mittelrhein. Durch Heinrichs Verbindungen zu Heinrich VII., Johann von Böhmen und insbesondere zu Karl IV. weitete sich ihr Einfluss über Boppard hinaus aus. Auch Heinrich VI., ein Enkel Heinrichs IV., knüpfte hieran an und verhalf der Familie durch seine Ehe mit Lisa von Lösnich zu einer bedeutenden Stellung an der Mosel.
Die engen Beziehungen der Familie zum Reichsoberhaupt und zu führenden geistlichen und weltlichen Herren förderten auch den Aufstieg einzelner Familienmitglieder in hohe Kirchenämter. Mit Dietrich Beyer von Boppard, der zunächst Bischof von Worms und danach Bischof von Metz war, gelang der Familie der Eintritt in die Führungsschicht Lothringens. Im 15. Jahrhundert bekleidete mit Konrad Beyer von Boppard ein weiteres Familienmitglied das Bischofsamt von Metz.
Vor diesem Hintergrund verlagerte sich der Schwerpunkt der Familie seit dem späten 14. Jahrhundert zunehmend nach Lothringen in den Einflussbereich des Bistums Metz. Maßgeblich hierfür war Konrad Beyer von Boppard, der durch seine Ehe mit Marie de Parroye nach Lothringen gelangte, dort beispielsweise die Herrschaft Château-Bréhain gewann und 1421 von König Sigismund in den erblichen Freiherrenstand erhoben wurde. Trotz dieser räumlichen Verlagerung blieb die Familie in dieser Phase weiterhin mit dem römisch-deutschen König verbunden, wie sich insbesondere an der Tätigkeit Heinrichs VIII. als Gesandter König Sigismunds zeigt, während sich in den folgenden Generationen vor allem noch einzelne Verbindungen zum Reich und in den rheinischen Raum – etwa über Besitzrechte und das Kloster Marienberg – nachweisen lassen. Durch weitere Heiratsverbindungen, insbesondere mit den Häusern Kriechingen, Chambley und Haraucourt, wurde die Familie dauerhaft im lothringischen Adel verankert.
Parallel zu dieser Entwicklung bestand eine Nebenlinie der Familie in der Umgebung von Heppenheim, die jedoch nur am Rande fassbar wird und offenbar keine vergleichbare überregionale Bedeutung erlangte wie die lothringische Hauptlinie.
Im 15. Jahrhundert führten Erbteilungen und Heiratsverbindungen innerhalb der lothringischen Haupt- und Nebenlinien der Familie, insbesondere in der von Dietrich Beyer von Boppard begründeten Linie, zu einer zunehmenden Verteilung zentraler Besitzungen wie Château-Bréhain und Lösnich auf verschiedene Linien und andere Adelsgeschlechter.
Genealogische Entwicklung Rheinisches Adelsgeschlecht der Beyer von Boppard Erstes Auftreten der Beyer-Familie am Mittelrhein (12. und 13. Jahrhundert) Im 12. Jahrhundert ist der Leitname Konrad in Urkunden nachweisbar. Ihr erster fassbarer Vertreter war Conradius de Bopardia. Er wurde zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Vater Conradius puer (der Junge) genannt. Aus diesem Beinamen hat sich möglicherweise, in der Zeit in der sich bei ritterlichen Familien feste Familiennamen herauszubilden begannen, über Namensformen wie „Paurus“ beziehungsweise „Bauarus“ der Familienname Bauwarus gebildet. Dieser wurde dann mit „Beyer“ oder „Bayer“ rückübersetzt. Eine andere Möglichkeit für die Entstehung des Nachnamens ist eine Abstammung der Familie aus Bayern. Diese konnte aber genauso wenig nachgewiesen werden, wie eine Abstammung aus den Orten Rheinbay, Hausbay oder eine Verbindung mit dem Fluss Baybach.
Konrad, der Vater von Konrad dem Jungen, bekleidete in seinen letzten Lebensjahren das Amt des königlichen Schultheißen. Er starb um 1209. Seine Frau war wahrscheinlich Luccardis. Diese trat nach dem Tod ihres Mannes als Nonne in das Kloster Marienberg ein. Dabei stiftete sie dem Kloster 16 Mark Geldrente und eine Mühle bei St. Remigius bei Boppard. Konrad der Junge gehörte zu den Ministerialen, die dem König Philipp von Schwaben nahe standen. Nach dessen Ermordung ging er zu dessen Gegner, König Otto IV., über. Als erster in der Familie nannte er sich 1216 Cunradus Bauvarus, also mit dem später üblichen Familiennamen. Er wird auch als erster der Familie ausdrücklich als Ritter bezeichnet. Im Jahr 1221 ist er als Reichsschöffe in Boppard nachgewiesen. Wahrscheinlich verstarb er um 1224.
Von Konrad dem Jungen stammen sowohl die Familie Beyer von Boppard als auch die niederadlige Familie von Schöneck ab. Für die Familie der Beyer von Boppard konnte die Genealogie für das 12. Jahrhundert nicht lückenlos geklärt werden. Ein Konrad Beyer war von 1234 bis 1238 Schultheiß von Boppard. Wahrscheinlich war er ein Sohn von Konrad dem Jungen. In einer Urkunde seiner Witwe Guda aus dem Jahr 1258 werden sein Schwiegersohn, der Ritter Hermann de Littore, seine Söhne Konrad und Eynolf und seine Tochter Petrissa, die Nonne im Kloster Tiefenthal war, genannt. Unter den Zeugen dieser Urkunde befindet sich Heinrich I. Beyer, der für das Jahr 1241 als Ritter in Boppard nachgewiesen werden konnte. Er war der erste in der Familie, von dem man weiß, dass er ein eigenes Siegel verwendete. Dieses befand sich an einer heute nicht mehr erhaltenen Urkunde über den gemeinsamen Familienbesitz mit denen von Schöneck aus dem Jahr 1262. Heinrich verstarb nach 1275. Mindestens zwei Urkunden wurden überliefert, die zusätzlich auch von seinem Bruder Heinrich II. unterzeichnet wurden.
Nach dem Tod von Heinrich I. Beyer von Boppard folgte vermutlich Heinrich III. als dessen Erbfolger. Heinrich III. war der Sohn eines Hartmann Bawarus und dessen Frau Mechtild. Vermutlich war Hartmann ein Bruder von Heinrich I. Heinrich III. trat von 1268 bis 1299 in Erscheinung. Auf ihn folgte sein Sohn Hartmann. Er war mit einer Witwe namens Margarete verheiratet und verstarb 1311.
Ein Gottfried Beyer wird für 1303 bis 1305 als Schultheiß von Frankfurt am Main geführt. Er stammt aus Boppard und gehört ebenfalls der Familie der Beyer von Boppard an.
Das rheinische Adelsgeschlecht der frühen Beyer von Boppard (14. Jahrhundert) mini|Der Königshof zu Boppard in der Stadtansicht von Braun und Hogenberg von 1588 mini|Der Gesellenhausturm – ein kurtrierisches Lehen der Familie
Erst ab Ritter Heinrich IV. Beyer von Boppard einem Sohn des zuvor genannten Hartmann konnte die Genealogie der Beyer Boppard sicher geklärt werden. In den Jahren 1308 bis 1318, also auch als Boppard 1312 an den trierischen Kurfürsten Balduin von Luxemburg verpfändet wurde, war Heinrich IV. Reichsschultheiß in Boppard. Im Gegensatz zu seinen Bopparder Standesgenossen war er nicht bereit, den Widerstand der Stadt Boppard gegen den Kurfürsten mitzutragen. Im Jahr 1322 ist Heinrich IV. trierischer Schultheiß von Oberwesel, das bald darauf den Widerstand gegen den Kurfürsten aufgab.
Wenige Wochen nachdem Balduin 1327 die Stadt Boppard eingenommen hatte, erhielt Heinrich IV. Beyer von Boppard wegen seiner Loyalität umfangreiche Lehen, darunter Güter bei Sevenich im Maifeld, den Bayerlehnhof – heute Gesellenhausturm genannt – im heutigen Ehrenbreitstein sowie Burglehen in Montabaur und Welschbillig. Vier Jahre später wurde er vom Kurfürsten zum Erbburggrafen des vom Kurfürsten nicht mehr genutzten Königshofes in Boppard ernannt und er hielt das Haus zum Lehen. Über seine früheren Kontakte zum König Heinrich VII. und zum Kurfürsten Balduin kam er in Kontakt mit König Johann von Böhmen, dessen Vasall er wurde. Lehensbindungen knüpfte er auch zu den Grafen von Katzenelnbogen, zu den Pfalzgrafen und zu König Ludwig der Bayer.
Im Jahr 1341 wurde Heinrich IV. Erbburggraf von Sterrenberg, Vogt von Hirzenach und ein Jahr später Amtmann von Oberwesel. 1343 wurde er Amtmann über das von Kurpfalz an Balduin verpfändete Gebiet von Bacharach, Steeg und Rheinböllen mitsamt den Burgen Stahleck, Stahlberg und Braunshorn. Im Jahr 1346 war Heinrich IV. in den Dienst des neu gewählten Königs Karl IV. getreten, wodurch seine Familie enge Beziehungen mit dem Reichsoberhaupt knüpfte. Dadurch und mit seinen Ämtern hatten die Beyer von Boppard wohl den Höhepunkt ihrer Stellung am Rhein erreicht. Heinrich IV. und seine Söhne gerieten nämlich ab 1349 wegen ihrer Amtsführung in heftigen Streit mit dem Kurfürsten Balduin, der in einem Manngerichtsverfahren gegen die Beyer endeten. In einem vom Pfalzgrafen vermittelten und von König Karl IV. bestätigten Vergleich einigten sich beide Seiten 1352 darauf, dass Heinrich IV. die trierischen Lehen behalten konnte, aber die Position des Erbburggrafen von Sterrenberg aufgeben und die kurpfälzische Pfandschaft in Bacharach und Umgebung räumen musste. Zeitweilig war Heinrich auch Gläubiger des Königs Karl IV. Im Jahr 1351 wurde er von ihm persönlich gefreit und als Edler (nobilis) bezeichnet. Im Jahr 1355 wurde ihm vom Kurfürsten die Zollerhebung zu Boppard erlaubt. Im selben Jahr verstarb Heinrich IV. und wurde als erster aus der Familie der Beyer von Boppard in der Grablege im Kloster Marienberg, zu dem die Familie schon lange gute Beziehungen pflegte, bestattet.
Heinrich IV. hat mehrere Geschwister: Rorich, Johann, Heinrich (der Junge), Johann, Georg und Sophia, über die aber nur wenige Informationen vorliegen. Heinrichs IV. Bruder Heinrich der Junge war 1317 Schultheiß in Westerburg. Seine Schwester Sophia Beyer von Boppard beziehungsweise Sophia von Boppard ist als Meisterin des Klosters Marienberg ungefähr von 1315 bis spätestens 1338 nachgewiesen.