Louise Karolina Müller, geborene Ludovika Müller (* um 1784 in Frankfurt am Main;Nach Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens (2003), S. 3250 soll sie „um 1779“ in Frankfurt am Main geboren sein. In den Geburtsbüchern des Instituts für Stadtgeschichte in Frankfurt am Main ist die Geburt jedoch im Zeitraum 1779 bis 1782 nicht nachweisbar. Erfasst sind dort sowohl evangelische als auch katholische Geburten und Taufen. † nach 1837) war eine deutsch-österreichische Schauspielerin und Opernsängerin (Sopran). Sie trat in der Regel im Fach der Soubrette auf und sang bei der Uraufführung von Beethovens Oper Fidelio am 20. November 1805 die Partie der Marzelline.
Leben Louise Müller war die Tochter der bekannten Schauspielerin Ludovica Müller geb. Spieß (1763–1837).
Sie debütierte am 10. Juli 1798 am Wiener Kärntnertor-Theater als „Bärbchen“ (Barbarina) in der deutschsprachigen Erstaufführung von Mozarts Oper Die Hochzeit des Figaro.Michael Jahn: Die Wiener Hofoper von 1794 bis 1810. Musik und Tanz im Burg- und Kärnthnerthortheater. Wien 2011, S. 318 und 658 (Abbildung des Anschlagzettels). Im Jahr darauf verkörperte sie dort „Kinderrollen“, ihre Mutter „zärtliche Rollen“.Theater-Kalender auf das Jahr 1799. Ettinger, Gotha o. J., S. 253 (Digitalisat) Diese Angabe lässt vermuten, dass sie um 1784 geboren wurde.
Zusammen mit ihrer Mutter ging sie dann im Frühjahr 1803 ans Theater an der Wien, wo sie am 5. April 1803 bei der Uraufführung von Beethovens Oratorium Christus am Ölberge op. 85 mitwirkte.Ignaz Franz Castelli: Memoiren meines Lebens. Gefundenes und Empfundenes, Erlebtes und Erstrebtes, hrsg. von Josef Bindtner. Band 1. Georg Müller, München 1914, S. 110 – Bindtner nennt dazu als Quelle unveröffentlichte Aufzeichnungen von Joseph Sonnleithner. Im selben Konzert brachte Beethoven seine Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36 und das Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37 zur Uraufführung.
Ihre Mutter debütierte im Theater an der Wien am 4. Juni 1803 als Cora in dem Trauerspiel Die Spanier in Peru oder Rollas Tod von August von Kotzebue. Louise Müller trat erstmals am 15. Juni 1803 als Caroline („Blumenmädchen auf der Insel“) in dem Singspiel Die Insel der Liebe von Vicente Martín y Soler in der deutschen Übersetzung von Matthäus Stegmayer auf. Der Anschlagzettel enthält den Vermerk: „Demoiselle Müller, neues Mitglied dieser Gesellschaft wird heute zum Erstenmal die Ehre haben, in obenangezeigter Rolle aufzutreten.“Wien, Theatermuseum, Anschlagzettelsammlung; vgl. auch Voll (1807), S. 166 Sie gestaltete dort in den folgenden Jahren zahlreiche Soubretten-Partien, etwa in Antonio Salieris Singspiel Die Neger, das am 10. November 1804 zur Uraufführung kam.
Am 7. April 1805 trat sie im Theater an der Wien in einem Konzert des Geigers Franz Clement mit einer Arie von Sebastiano Nasolini auf. Der Wiener Korrespondent der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung schreibt dazu, sie hätte sich inzwischen „zu einer geschmackvollen, recht braven Sängerin gebildet, wenn sie gleich nicht von einer sehr ausgezeichneten Stimme unterstützt wurde.“ Im selben Konzert dirigierte Beethoven seine Sinfonie Nr. 3 op. 55, die Eroica.Allgemeine Musikalische Zeitung, Jg. 7, Nr. 31 vom 1. Mai 1805, Sp. 501 (Digitalisat)
Ihre bekannteste Rolle war die Marzelline in Beethovens Oper Fidelio, die sie sowohl bei der Uraufführung der ersten Fassung am 20. November 1805 als auch bei der Uraufführung der zweiten Fassung am 29. März 1806 verkörperte. Bemerkenswert ist, dass sie am 26. März 1806, bei einer privaten Aufführung von Ferdinando Paërs Oper Leonora im Palais des Fürsten Joseph Lobkowitz, die Titelpartie übernahm. Dies ist einer Tagebuchnotiz des Grafen Karl von Zinzendorf zu entnehmen, der sie zugleich als Geliebte des russischen Fürsten Peter Tufiakin (1769–1845) bezeichnet.Wien, Österreichisches Staatsarchiv, Kabinettsarchiv, Tagebücher Zinzendorf, Band 51 (1806), fol. 54v (französisch); deutsche Übersetzung bei Walther Brauneis, Ludwig van Beethoven im Spiegel der Tagebücher des Grafen Karl von Zinzendorf. In: Mitteilungsblatt Wiener Beethoven-Gesellschaft, Nr. 3/1980, S. 9–11
Der Schriftsteller Ignaz Franz Castelli verkehrte um 1807 häufig bei ihr und erzählt:
Das genannte Lustspiel Das Liebhabertheater – die Übersetzung eines Stückes von Emmanuel Dupaty – wurde am 22. April 1807 uraufgeführt. Als Autor ist tatsächlich „Louise Müller“ angegeben.Anton Bauer: 150 Jahre Theater an der Wien. Wien 1952, S. 282 In der Rezension der Wiener Theater-Zeitung heißt es:
Castelli schreibt über ihre künstlerischen Fähigkeiten:
Zu ihren großen Erfolgen gehörte daneben die Marianne in Soliman II. von Franz Xaver Süßmayr, die sie erstmals am 5. September 1807 bei der Premiere der Neuinszenierung der Oper im Theater an der Wien sang. In einer Uebersicht des gegenwärtigen Zustandes der Tonkunst in Wien heißt es 1808 über Louise Müller:
Am 31. Mai 1808 verließ sie WienAugust Wilhelm Iffland: Almanach fürs Theater 1809, S. 197, und traf am 3. Juni mit Fürst Tufiakin in München ein.Baierische National-Zeitung, München, Nr. 134 vom 7. Juni 1808, S. 546: „Fremden-Anzeige. Angekommen den 3. Juni. […] Im schw. Adler: Tufiakin, russ. Kaiserl. Kämmerer, u. Mlle. Müller, erste Theatersängerin von Wien, mit Suite“. Anschließend war sie mehrere Jahre am Kaiserlichen Deutschen Hoftheater in St. Petersburg tätig.August Wilhelm Iffland: Almanach fürs Theater 1809, S. 152, hier S. 155,
Wie die Wiener Theater-Zeitung meldete, erschien „Demoiselle Louise Müller“ dann am 9. Januar 1816 „nach einer siebenjährigen Abwesenheit zum ersten Mahl wieder, und debütierte in der Rolle der Marianne, welche sie hier im Jahre 1807 als die Oper am 5. September zum ersten Mahl im Theater an der Wien gegeben wurde, mit allgemeinem Beifall spielte.“Theater-Zeitung, Wien, Jg. 9, Nr. 6 vom 20. Januar 1816, S. 21 (Digitalisat) Der Wiener Korrespondent der Allgemeinen Musikalischen Zeitung schreibt über dieselbe Vorstellung, ihre Stimme habe „sehr gelitten, und ist beynahe ganz verschwunden“.Allgemeine Musikalische Zeitung, Jg. 18, Nr. 8 vom 21. Februar 1816, Sp. 117, Am 31. März 1817 gab sie ihre Abschiedsvorstellung.
Von April 1817 bis November 1827 sowie von Januar 1831 bis Januar 1834 war sie angeblich wieder am deutschen Theater in St. Petersburg engagiert.
Dort soll sie einen Musiker namens Bender geheiratet haben,Ignaz Franz Castelli, Memoiren meines Lebens. Gefundenes und Empfundenes, Erlebtes und Erstrebtes, hrsg. von Josef Bindtner, Band 1, München: Georg Müller 1914, S. 110 – Bindtner gibt für ihre angebliche Heirat keine Quelle an. was jedoch in den zeitgenössischen Theater- und Musikjournalen keine Erwähnung findet.
Ludovica Müller-Spieß Die Mutter Ludovica Müller-Spieß, die in der Literatur teilweise mit ihrer Tochter verwechselt wird, wurde um 1763 in Wetzlar geboren. Sie wirkte bis 1806 am Theater an der Wien und später am Leopoldstädter Theater. Zuletzt wohnte sie „in der Leopoldstadt Nr. 122“, wo sie am 6. Juli 1837 im Alter von 74 Jahren an der Gicht starb.Wiener Zeitung, Nr. 155 vom 10. Juli 1837, S. 898 (Digitalisat) Der Sterbeeintrag bezeichnet sie als „gew.[esene] Schauspielerin und Pfründnerin des A J. Wittor (?), aus Wetzlar gebürtig“.Wien, Pfarre St. Leopold, Sterbebuch 1835–1839, S. 120 (Digitalisat)
Literatur Matthäus Voll: Chronologisches Verzeichniß aller Schauspiele, deutschen und italienischen Opern, Pantomimen und Ballette, welche seit dem Monath April 1794 bis wieder dahin 1807, nämlich durch volle 13 Jahre sowohl in den k. k. Hoftheatern als auch in den k. k. privil. Schauspielhäusern, vormahls auf der Wieden, nun an der Wien und in der Leopoldstadt aufgeführet worden sind, Wien 1807 Katalog der Portrait-Sammlung der k. u. k. General-Intendanz der k. k. Hoftheater. Zugleich ein biographisches Hilfsbuch auf dem Gebiet von Theater und Musik. Zweite Abtheilung. Gruppe IV. Wiener Hoftheater, Wien 1892, S. 347 Alexander Wheelock Thayer: Ludwig van Beethovens Leben, deutsch bearbeitet von Hermann Deiters. 3. Auflage. Leipzig 1922, Band 2, S. 481f., 487, 505, 508 Willy Hess, Das Fidelio-Buch, Winterthur 1986 Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. 4. Auflage. München 2003, Band 5, S. 3250 Kurzbiografie. books.google.de
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Einzelnachweise
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