mini|hochkant=1.4|Dorfkirche Zehna, 2008 mini|hochkant|Ostgiebel, 2024 mini|hochkant|Westturm, 2024 Die Dorfkirche Zehna ist ein mächtiger Feldsteinbau, wohl Ende des 13. Jahrhunderts erbaut. Zehna liegt im Süden des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommern und gehört zur Propstei Rostock im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).

Geschichte Als am 16. April 1291MUB III. (1865) Nr. 2113. Fürst Nicolaus von Werle dem Güstrower Domstift das Patronat der zum Archidiakonat des Güstrower Dompropstes gehörenden Kirche zu Zehna schenkte, gab es schon die zwei Dörfer Groß Zehna und Wendisch Zehna (Slavica Cene).Friedrich Schlie: Das Gut und Kirchdorf Zehna. 1901, S. 272.Wilhelm Mastaler: Untergegangene Dörfer und Ortsteile im Altkreis Güstrow. 1997, S. 75.

Groß Zehna war ein bevölkertes Bauerndorf und Wendisch Zehna ein größerer Herrenhof als Rittersitz, auf dem die alte Adelsfamilie von Zehna saß. Als erster Ritter auf Zehna und Zeuge für Fürst Nicolaus von Werle wurde 1263MUB II. (1864) Nr. 987. Machorius (Magorius) de Cene genannt.Wolf Lüdeke von Weltzien: De Cene . 1263–1461. 1992, S. 39. Sein Sohn Machorius war als Ritter im Gefolge der Fürsten von Werle von 1270 bis 1296 auf Zehna ansässig.MUB II. (1864) Nr. 1182.

Am 13. Juli 1298 bestätigte in Güstrow auch der Bischof Petrus zu CamminJürgen Petersohn: Die Kamminer Bischöfe des Mittelalters. 2015, S. 41–42. dem Güstrower Domstift das Patronat der Kirche zu Zehna.MUB IV. (1867) Nr. 2511. 1357 war Machorius von Brüsehaver, dessen Vater eine Tochter derer von Cene geheiratet hatte, für sieben Jahre Pfandherr beider Zehna.MUB XIV. (1886) Nr. 8374.

Doch schon 1364 wurde er von den von Passow abgelöst. Heino de Partzow heiratete die letzte Erbtochter des Ritters Machorius de Cene und löste die Pfandrechte der von Brüsehaver an Zehna ab.Wolf Lüdeke von Weltzien: Die von Passow. 1989, S. 187. Ab 1373 lagen die Passower Knappen Henneke, Christian und Godeke ständig in Fehde mit dem Kloster Dobbertin.

Von 1400 bis 1440 saß Carsten von Passow auf Zehna, Vietgest und Bellin. Von 1465 bis 1506 hatte sein Sohn Carsten das Gut in Zehna. Er gab dem Kloster Dobbertin mehrfach Geld, weil dort seine Töchter Adelheid und Anna seit 1502 Nonnen waren.Friedrich von Meyenn: Ein Rechnungsbuch des Klosters Dobbertin. MJB 59 (1894) S. 185. 1506 stellte er drei Ritterpferde gegen Lübeck. Von 1520 bis 1564 hatte Mathias von Passow das Gut Zehna mit Anteilen in Bellin. Seine Grabplatte von 1591 befindet sich in der Zehnaer Kirche.

Ab 1605 wurde das bisher vom Güstrower Dom besessene Patronat der Zehnaer Kirche dem herzoglich mecklenburgischen Hofjunker Adam von Passow überlassen. Rechtsnachfolger wurden dann die Freiherren von Sala, die 1675 den Allodialbrief über Zehna und Bellin und 1689 auch das Zugeständnis des Kirchenpatronats vom Herzog Gustav Adolph von Mecklenburg-Güstrow erhielten. Angelius von Sala war 1662 noch der Leibarzt von Herzog Gustav Adolph.

1741 war Joachim Amtsberg Pastor in Zehna. Er wurde schon 1738 gewählt, doch der Herzog hatte die Wahl angefochten.

1781 übernahm Hans Ernst Graf von Hardenberg den Besitz von Zehna, Bellin und Steinbeck mit dem Patronat der Kirche zu Zehna und Bellin an.

Anfang 1796 klagte Pastor Christoph Heinrich Hane mit einer Reihe von Pastoren über die jetzt so sehr überhand nehmende Dieberei und Bettelei auf dem Lande. Es ziehen ganze Banden von ausländischen Bettlern täglich auf den Dörfern umher und wir müssen fast den vierten Teil unserer Einkünfte aufwenden, um die zum Teil impertinenten Gäste abzukaufen. Die Pastoren seien alle bestohlen worden und sind wir alle so in Furcht und Schrecken gesetzt, dass wir keine Nacht uns ruhig zu Bette legen können.Gustav Willgeroth: Die Mecklenburg-Schwerinsche Pfarre seit dem dreißigjährigen Kriege. Band 1, 1925, S. 323.

Während der Amtszeit von Pastor Julius Ludwig Vitense brannte 1872 in der Nacht zum 1. März das strohgedeckte Pfarrhaus ab und dabei wurden auch alle Kirchenbücher und Pfarrakten ein Raub der Flammen.

Baugeschichte Die Kirche in Zehna wurde um 1281 erwähnt und ist durch die Familien Cene erbaut worden. Sie steht auf dem höchsten Punkt des Rittersitzes, gehört zu den ältesten Kirchen dieses Bereiches und ist für Zehna allein viel zu groß.

Wie bei fast allen mecklenburgischen Dorfkirchen in diesen Zeiten, wurden auch in Zehna die im Land vorhandenen Feldsteine zum Kirchenbau genutzt. Der wuchtige Unterbau des Westturmes wirkt wie ein Wehrturm. Daher wird auch vermutet, dass der untere Teil des Kirchturmes am südlichen Abhang zum Zehnaer-See hin einst zu einer Burg gehörte, was urkundlich bisher nicht belegt werden konnte.Wolf Lüdeke von Weltzien: De Cene Zehna. 1992, S. 44.

Nach den Grundmauern aus Feldsteinen wurde der Chor eingewölbt und verputzt, wie mittelalterliche Farbfassungen belegen.Heiko Brandner, Andreas Baumgart: Zehna, mittelalterliche Feldsteinkirche, Ldk. Güstrow. Fassungsuntersuchung an Gewölbe- und Wandflächen. Bützow 1999. Die Baunaht zwischen dem Gurtbogen und dem Kirchenschiff lassen vermuten, dass es hier eine Verbretterung zum Schiff hin gab und die Einwölbung erst später erfolgte. Doch alle Bauteile zeigen eine einheitliche Bauweise mit behauenen Feldsteinquadern an den Ecken und lagen- und schichtartig aufgemauerten Wänden aus Feldsteinen.

mini|Restaurationsdaten im Ostgewölbe des Chores Über Jahrhunderte, auch der Dreißigjährige Krieg hinterließen keine sichtbaren Spuren, so ist kaum etwas zur Baugeschichte und zur Baulast der Zehnaer Kirche bekannt.

Die Renovierungsdaten 1612, 1783, 1817, 1852 und 1919 lassen aber vermuten, dass es in diesen Jahren Renovierungs- und Bauarbeiten gegeben haben muss. Trotz der Verrußung der Wände und Gewölbe durch den eisernen Ofen in der Kirche konnte 1998 der Restaurator Heiko Brandner mehrere Ausmalungen nachweisen. In den Jahren 1873, 1817, 1852 und 1919 erhielt das Kirchenschiff und der Chor eine weiße Kalkung ohne weitere Gestaltung.Jörg-Peter Manzek: Mittelalterliche Malerei schlummerte unter Kalkschichten. Güstrower Express 19. Mai 1999, S. 1. Um 1852 und 1919 könnten auch am Turmunterbau nachträglich die Strebepfeiler aus kleinformatigen Ziegeln angefügt worden sein. Je eine auf der Nord- und Südseite nahe der westlichen Ecke und einer auf der Westseite nahe der südlichen Ecke.

Eine Erinnerung an die letzte Gutsbesitzerfamilie Georgi sind die Glasmalereien in den Buntglasfenstern, die 1935 Dr. Georgi von der Hamburger Glasmalerin Christel Kuball anfertigen ließ.

Erst 50 Jahre später war im Sommer 1971 von einem stark baufälligen Kirchturm und dessen Abbruch zu hören.Aktenvermerk vom 27. Juli 1971 zur am 15. Juni 1971 durchgeführten Besichtigung der Kirche in Zehena durch Herrn Dr. Baier und Herrn Zander vom Institut für Denkmalpflege, Außenstelle Schwerin. Um 1970 war das Feldsteinmauerwerk vom Turm völlig eingestürzt und das Turmdach stand nur noch auf der hölzernen Fachwerkkonstruktion.

Durch die fehlenden Dachziegelabdeckungen und eindringende Feuchtigkeit waren an der unteren westlichen Turmseite große Flächen der äußeren Feldsteine abgestürzt. Das freiliegende Ziegelmauerwerk war stark verwittert und ausgewaschen, die Zwischendecken durch das offene Dach nicht mehr trittsicher und einige Sparrenfüße und Balkenköpfe zerstört. Das Fachwerk um den Glockenstuhl hatte keine Verschalung mehr und war der Witterung ausgesetzt. Nach einer Ortsbesichtigung am 7. September 1971 wurde in dem Gutachten vom 21. Juni 1972 zusätzlich vermerkt … weitere Einzelheiten können nur an Ort und Stelle nach dem beschaffbaren Material angegeben werden.Wolfgang Preiss: Gutachten Kirchturm Zehna, Kreis Güstrow. Dresden 21. Juni 1972. Nach einer weiteren Besichtigung am 27. Juni 1973 und Variantenuntersuchungen, die vom Totalabbruch, Teilabbruch bis zum Wiederaufbau des Turmes reichten, begann im Sommer 1974 die kirchliche Baubrigade aus Güstrow mit der Sicherung und Sanierung des Turmbereiches. Das gesamte untere Felsenmauerwerk wurde erneuert und verankert. Danach ist die gesamte hölzerne innere Turmkonstruktion gesichert, mit Stahlbetonringbalken versehen und mit Hohlblocksteinen ausgemauert worden. 1975 konnte man nach Gerüstbeschaffung eines doppelten Stangengerüstes mit der handwerklichen Instandsetzung der Schäden beginnen. Es wurde der obere Turmteil mit Schlämmputz versehen, die Turmspitze und der untere Dachabsatz neu eingedeckt und das Kirchendach repariert.Bericht des OKR Schwerin vom 6. März 1975 an das Institut für Denkmalpflege, Außenstelle Schwerin. 1991 erfolgten etliche Verschönerungsarbeiten in der Kirche und dem Friedhof zur 700-Jahr-Feier von Zehna. 2004 wurden die Dächer vom Turm, Kirchenschiff und der Sakristei mit neuen Dachziegeln eingedeckt. Die 235 Meter lange Friedhofsmauer konnte von 2001 bis 2005 als Trockenmauer wieder hergestellt und auch das Eingangstor neu aufgemauert werden.

Baubeschreibung Äußeres Dem Ende des 13. Jahrhunderts errichteten rechteckigen Kirchenschiff schließt sich in gleicher Breite und in der gleichen Mauerstruktur der Unterbau des annähernd quadratischen Turmes an. Der Unterbau hat die gleiche Höhe wie das Kirchenschiff, der obere Turmteil besteht aus Ziegelmauerwerk mit Feldsteineinlagen. Der untere Turm wurde von Steinschlägern aus roh behauenen Feldsteinen errichtet. Sorgfältig behauen wurden nur die größeren Eckquader, um einen lotrechten Turm zu erhalten. An der Nordwestecke befindet sich über dem Turmfundament ein besonderer Stein, der Schachbrettstein. Falls man auf eine Steinfuhre warten musste, betätigten sich die Steinschläger mit dem Schachbrettmuster.Ortsbesichtigung der Kirche am 4. März 2016. Die nachträglich beidseitig am Turm mit Backsteinen angebauten Strebepfeiler haben keine Verzahnung mit dem Feldsteinmauerwerk. Der sich verjüngende, mit Mauerziegeln und Kalkschlämme verputzte obere Westturm schließt mit einem Zeltdach ab. Die Dachkonstruktion des Kirchenschiffs und Chors ist ein durchgehendes steiles Kehlbalkendach und als Satteldach mit Biberschwanzdachziegeln in Doppeldeckung ausgeführt.

Die ältesten Bauteile sind der quadratische Chor mit dem kuppelförmigen Domikalgewölbe und die kreuzrippengewölbte Nordsakristei.Georg Dehio: Zehna, Lkr. Güstrow. 2000, S. 725. Beide haben einen aufwendig gemauerten und teilweise verputzten Spitzbogenblendgiebel über dem Zahnfries, der als horizontales Schmuckband eingefügt wurde. In den Gewänden der Dreifenstergruppe des Ostgiebels und der Fensterpaare der Nord- und Südfassade mit ihren schräg eingehenden Wandungen und Laibungen sind Dreiviertelsäulen eingestellt. Auch das West-, Süd- und Priesterportal haben einfach abgestufte und eingestellte Dreiviertelstäbe.

Inneres Der Chor wird von einem achtrippigen Gewölbe überspannt. Das einjochige Kirchenschiff besitzt ein spätgotisches Kreuzrippengewölbe als Decke. Für die Rippen wurden Formziegel verwendet. Die Wandflächen werden durch gepaarte Lanzettfenster gegliedert. Der Turm hat innen ein Holzfachwerk, das nur in der Ostwand eingebunden ist und den Glockenstuhl und das Zeltdach trägt.

Bei den 1998 durchgeführten ersten Untersuchungen konnten die Restauratoren an den Wänden und Gewölben im Schiff und im Chor mittelalterliche Farbfassungen und eine spätmittelalterliche Erstausmalung im Schiff nachweisen. Als erste gemeinsame Farbfassung des gesamten Kirchenraumes konnte die Renaissancefassung von 1612 an einzelnen Flächen freigelegt werden. Der Chor war dabei aufwändiger mit figürlichen und ornamentalen Motiven gestaltet als das Kirchenschiff.Heiko Brandner, Andreas Baumgart: Zehna, mittelalterliche Feldsteinkirche, Ldk. Güstrow. Fassungsuntersuchungen an Gewölbe- und Wandflächen. Bützow 1999. Die 2009 begonnene innere Renovierung wurde 2013 mit den Fenstern abgeschlossen.Mittelalter blickt von der Wand. SVZ, Güstrower Anzeiger 3. Dezember 2013.

Altar mini|links|Innenraum, Blick zum Chor mit Altar, 2013