mini|Dies ist die einzige erhaltene plastische Darstellung, die Demetrios Poliorketes zugeschrieben werden kann. Bei ihr handelt es sich um die römische Kopie eines hellenistischen Originals aus der Villa dei Papiri von Herculaneum, die sich heute im Museo Archeologico Nazionale in Neapel befindet. Sie zeigt Demetrios mit Diadem und kleinen „Stierhörnchen“, die ihn in Bezug zu Dionysos und Poseidon stellen.Zur Identifizierung der Büste siehe Roland R. R. Smith: Hellenistic Sculpture. A Handbook. Thames & Hudson, London/New York 1991, S. 21 f. (Digitalisat), oder H.P. Laubscher: Hellenistische Herrscher und Pan. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung. Band 100, 1985, S. 333–353, hier: S. 336 f. Demetrios Poliorketes (; * um 336 v. Chr.; † 283 v. Chr. in Apamea) war ein makedonischer Feldherr und Diadochenherrscher aus der Dynastie der Antigoniden.
Demetrios gehörte zu den prominentesten Vertretern der wechselreichen Diadochenkriege, die nach dem Tod Alexanders des Großen 323 v. Chr. unter dessen Generälen ausgebrochen waren. Demetrios selbst war kein General Alexanders, wird aber dennoch zusammen mit seinem Vater Antigonos I. Monophthalmos zu dessen Nachfolgern (Diadochen) gezählt, da er noch vor Lysimachos, Ptolemaios und Seleukos starb. Unter seinen Konkurrenten ragt Demetrios in vielerlei Hinsicht heraus. Er kämpfte sowohl in Asien als auch in Europa, eroberte zweimal Athen und siegte in der Doppelschlacht von Salamis. Zugleich scheiterte er bei der großen Belagerung von Rhodos und war hauptverantwortlich für die Niederlage in der entscheidenden Schlacht bei Ipsos im Jahr 301 v. Chr. Dabei führte er die größten Armeen wie auch Flotten und baute die gewaltigsten Schiffe und Belagerungsmaschinen seiner Zeit. Sein Beiname, „der Städtebelagerer“ (Poliorketes), weist auf seine militärischen Fähigkeiten im Belagern und Erobern von Städten hin.
Zusammen mit seinem Vater nahm Demetrios 306 v. Chr. als erster Diadoche überhaupt den Königstitel an, mit dem Anspruch auf die alleinige Nachfolgerschaft Alexanders des Großen. Aufgewachsen in Asien, war er geprägt von einem orientalischen Herrscherbild, das er in der Hauptstadt der attischen Demokratie mit rauschenden Festen und einem ausgiebigen Personenkult zelebrierte. Dadurch wurde er selbst zu einem der ersten Vertreter eines neuen Herrschertypus, der die Epoche des Hellenismus prägte. Als König über Makedonien, das er einige Jahre lang unter seine Kontrolle brachte, scheiterte er jedoch letztlich, und erst sein Sohn konnte eine stabile Herrschaft über das Land etablieren.
Leben Herkunft und Kindheit Demetrios war ein Sohn des hochrangigen makedonischen Generals Antigonos Monophthalmos („der Einäugige“) und dessen Ehefrau Stratonike. Sein jüngerer Bruder war der spätere Feldherr Philippos. Der griechische Philosoph und Biograph Plutarch mutmaßte Jahrhunderte später, dass Demetrios in Wirklichkeit ein Neffe des Antigonos gewesen sei. Antigonos hatte einen älteren Bruder, der ebenfalls Demetrios hieß und einen gleichnamigen Sohn gehabt habe, den Antigonos als eigenes Kind angenommen habe, nachdem ein eigener Sohn früh verstorben sei.Plutarch, Demetrios 2
Antigonos gehörte dem Fürstengeschlecht der westmakedonischen Elimiotis an und war ein enger Vertrauter von König Philipp II. von Makedonien. Demetrios wurde im oder um das Jahr 336 v. Chr. geboren, in dem auch König Philipp II. einem Attentat zum Opfer fiel. Der Vater nahm darauf am Persienfeldzug König Alexanders III. des Großen teil und wurde von diesem nach der Schlacht am Granikos (334 v. Chr.) mit dem Amt eines Satrapen von Phrygien, Lykien und Pamphylien (heutige Westtürkei) betraut. In dieser verantwortungsvollen Funktion kontrollierte Antigonos die wichtigsten Nachschubwege von Europa nach Asien. Demetrios, über dessen Kindheit nichts weiter bekannt ist, wuchs wahrscheinlich in Kelainai auf, der Residenz seines Vaters in Asien.
Nach dem Tod Alexanders in Babylon 323 v. Chr. wurde Antigonos einer der entschiedensten Gegner des Reichsregenten Perdikkas, den er während des ersten Diadochenkrieges im Bunde mit Antipatros und Ptolemaios bekämpfte. Nach der Ermordung des Perdikkas 320 v. Chr. war Antigonos einer der größten Gewinner auf der anschließenden Konferenz von Triparadeisos. Er wurde vom neuen Regenten, Antipater, als Stratege (Oberbefehlshaber) des Reichsheeres in Asien eingesetzt und in seinen Satrapien bestätigt. Das Einvernehmen zwischen Antipater und Antigonos wurde durch ein dynastisches Bündnis gefestigt, indem Demetrios mit Phila, der Tochter des Antipatros und Witwe des Krateros, verheiratet wurde.
Während Antigonos den Kampf gegen den Perdikkaner Eumenes von Kardia aufnahm, brach nach dem Tod Antipaters 319 v. Chr. der zweite Diadochenkrieg aus. Hauptakteur war Antipaters Sohn, Kassander, der die Nachfolge des Polyperchon als Reichsregent bestritt. Antigonos verbündete sich mit Kassander, nachdem Polyperchon ihm die asiatische Strategie abgenommen und sich mit Eumenes verbündet hatte. Der Krieg endete 316 v. Chr. mit dem Sieg des Antigonos über Eumenes in der Schlacht von Gabiene, während gleichzeitig Kassander in Europa über Polyperchon siegte.
Antigonos befand sich nun auf dem Höhepunkt seiner Macht. Er beherrschte Asien vom Hellespont bis zum Indus. Aus dieser Machtposition heraus ließ er sich 316 v. Chr. von seinem Heer zum neuen Reichsregenten gegen Kassander ausrufen, löste damit aber den dritten Diadochenkrieg aus, da sich Kassander sofort mit Ptolemaios und Seleukos gegen ihn verbündete. Während der Belagerung von Tyros 314 v. Chr. proklamierte Antigonos die Befreiung der griechischen Städte mit dem Ziel, diese als Bündnispartner im Rücken Kassanders zu gewinnen. Diese Politik sollte gerade für Demetrios noch von Bedeutung sein.
Der dritte Diadochenkrieg Stratege in Syrien mini|Skulptur eines männlichen Kopfes mit einem Diadem und zwei eingearbeiteten Löchern. Sie stellt vermutlich Demetrios Poliorketes oder Hermes dar, Smyrna (Paris, Louvre)
Im Jahr 313 v. Chr. wurde Demetrios von seinem Vater zum Strategen Syriens und Koilesyriens (heute Palästina) ernannt. Dort sollte er den Kampf gegen den in Ägypten herrschenden Ptolemaios führen, während sein Vater in Kleinasien Kassander, dem Herrscher Makedoniens und Griechenlands, entgegentrat. Die Aufgabe war deshalb von besonderer Wichtigkeit, da Demetrios so auch die Sicherung der phönizischen Seehäfen oblag.
Im Jahr 312 v. Chr. erlitt der unerfahrene Demetrios in der Nähe von Gaza aber eine vernichtende Niederlage gegen Ptolemaios, einen der fähigsten Generäle Alexanders des Großen. Er verlor etwa 13.000 Mann auf dem Feld, darunter den Feldherrn Peithon, oder durch Gefangenschaft, auch sein Lager samt seinem persönlichen Zelt wurde vom Gegner erbeutet. Allerdings erhielt er bald wieder von Ptolemaios seine persönlichen Besitztümer in einem Akt der gegenseitigen Anerkennung zurückerstattet. Wenig später gelang Demetrios sein erster Sieg über ein ptolemäisches Heer bei Myus, worauf er anschließend trotz einer schlechten Versorgungslage die Nabatäer unterwarf.Plutarch, Demetrios 5 Dennoch hatte die Niederlage bei Gaza schwerwiegende Folgen: Seleukos, der in Ptolemaios Diensten stand, konnte mit einer kleinen Truppe nach Mesopotamien ziehen und dort Babylon einnehmen, das nun für die Antigoniden dauerhaft verloren war.
Im Jahr 311 hatten sich die Kräfte der Kriegsgegner erschöpft, die sich auf einen Frieden (Diadochenfrieden) einigten, in dem weitgehend der Status quo für alle Konfliktparteien gewahrt wurde. Ptolemaios blieb weiter der Herr Ägyptens und erhielt das von ihm eroberte Zypern bestätigt, ebenso wie Kassander und Lysimachos Makedonien bzw. Thrakien behielten; Antigonos konnte Asien samt Syrien halten. Kassander aber musste, wie von Antigonos gefordert, die griechischen Städte in die Freiheit entlassen, was er aber nur teilweise umsetzte. Besonders in Athen behielt er seine Besatzung bei.
Der dritte Diadochenkrieg hatte wichtige Veränderungen im Machtgefüge des Alexanderreichs hervorgerufen. 310 v. Chr. wurden die Alexandersöhne König Alexander IV. Aigos und Herakles sowie die Mutter Alexanders IV., Roxane, von Kassander ermordet. Kurz darauf ließ Antigonos die Alexanderschwester Kleopatra ermorden, um deren geplante Ehe mit Ptolemaios zu verhindern. Die Diadochen lösten sich damit vom Herrschaftsanspruch des alten Königshauses und betrachteten die von ihnen gehaltenen Territorien als ihr eigenes, „speergewonnenes“ Land. Die Idee von der Einheit des Alexanderreiches wurde aber noch von Antigonos wachgehalten, allerdings mit der eigenen Familie als einigendem Band, an Stelle der erloschenen Argeaden.
Der vierjährige babylonische Krieg → siehe Hauptartikel: Babylonischer Krieg
Von dem Frieden der Diadochen ausgenommen war Seleukos. Dieser hatte Babylon eingenommen, das Antigonos und Demetrios zurückzuerobern suchten. Ihre Feldherren scheiterten aber an der listenreichen Kriegsführung des Seleukos. Dabei verloren sie 311 v. Chr. die Städte Ekbatana und Susa, womit ihnen faktisch die persischen Satrapien entglitten. 310 v. Chr. belagerte Demetrios zweimal Babylon, das er aber nach heftigen Straßenkämpfen aufgeben musste. Nachdem Antigonos 309 v. Chr. auch in einer Feldschlacht gegen Seleukos unterlag, schloss er mit diesem einen Separatfrieden, in dem er Mesopotamien, Persien und Baktrien endgültig aufgab. Der Herrschaftsraum der Antigoniden schrumpfte so auf Kleinasien zusammen. Dadurch konnten sich die Antigoniden aber vorerst von der Bedrohung im Osten befreien, da sich Seleukos im Anschluss auf einen mehrjährigen Eroberungszug nach Indien begab.
Der vierte Diadochenkrieg Landung in Piräus und die Eroberung von Megara mini|Mittelfresko an der Ostwand der Villa des Publius Fannius Synistor in Boscoreale (Neapel, Museo Archeologico Nazionale); Franca Landucci Gattinoni plädiert für eine Identifikation des Auftraggebers des hellenischen Vorbildes mit Antigonos Gonatas. Dargestellt wären dann seine Mutter Phila und sein Vater Demetrios Poliorketes. (Gattinoni: L’arte del potere. Vita e opere di Cassandro di Macedonia. Franz Steiner Verlag, 2003.)
Der Friede währte nicht lange. Im Jahr 309 v. Chr. musste Antigonos einen schweren Verlust hinnehmen, nachdem sein Neffe Ptolemaios von ihm abfiel und sich mit dem gleichnamigen Herrscher von Ägypten verbündete. Der Neffe hatte einst für Antigonos den größten Teil Griechenlands von Kassander erobert und sich Hoffnungen auf ein eigenes Fürstentum gemacht. Weil er diese aber nicht erfüllt sah, wechselte er die Seite, womit Antigonos seine strategisch wichtigen Positionen in Griechenland verlor. Diesem Verlust begegnete Antigonos mit der Ernennung seines Sohnes Demetrios zum Strategen von Griechenland und rüstete ihn mit einer Flotte von 250 Schiffen und 5000 Talenten Silber aus. In Rückgriff auf die Proklamation zur Befreiung Griechenlands ließ er Demetrios im Frühjahr 307 v. Chr. von Ephesos aus in See stechen, mit Athen als der wichtigsten Stütze Kassanders in Griechenland als Ziel.Diodor, Bibliotheke 20,45 f. Damit wurde der nunmehr vierte Diadochenkrieg eröffnet.
Die Straßen von Kythnos oder Serifos passierend, drang Demetrios in das myrtoische Meer vor und lenkte seine Flotte in den Saronischen Golf. Am 10. Juni 307 v. Chr. ankerte er vor der Einfahrt des großen Hafens von Piräus. Die Hafenbesatzung hielt seine Schiffe für eine ägyptische Flotte des Ptolemaios, des Verbündeten Kassanders, und ließ ihn daher einfahren. Nachdem er der überraschten Abordnung der attischen Bürgerschaft seine wahren Absichten kundgetan hatte, nahm Demetrios die Belagerung des Munychia auf, in dem sich die Garnison Kassanders zurückgezogen hatte.