mini|Das London Symphony Orchestra in der Barbican Hall, London Das London Symphony Orchestra (LSO) ist eines der führenden Orchester des Vereinigten Königreichs mit Sitz in London.

Geschichte Das LSO wurde 1904 als erstes unabhängiges und selbstverwaltetes Orchester Englands gegründet. Etwa die Hälfte der Musiker war vorher im Queen’s Hall Orchestra. Der Anlass für die Gründung eines eigenen Orchesters bestand in der Rebellion gegen das dort ausgesprochene Verbot des „Stellvertreter“-Systems. (Bei diesem damals üblichen System konnten Musiker zu Proben und sogar Konzerten Stellvertreter senden, wenn sie an dem Tag andere, lukrativere Möglichkeiten zu einem Auftritt hatten. Im LSO wurde dieses Vorgehen dann ab 1929 zur Absicherung der Aufführungsqualität ebenfalls verboten.)Richard Morrison: ORCHESTRA The LSO: A Century of Triumph and Turbulence. Faber and Faber, London 2004, ISBN 0-571-21583-1, S. 11–14.Jon Tolansky: Das London Symphony Orchestra – Hundert Jahre einer Legende, S. 100–102, im Begleitbuch zum CD-Set London Symphony Orchestra (1904–2004) The Centennial Set Andante AN4100, 2004 Der erste Chefdirigent war Hans Richter, der das Gründungskonzert am 9. Juni 1904 leitete. Von Beginn an arbeitete das Orchester eng mit englischen Komponisten wie Edward Elgar und Ralph Vaughan Williams zusammen.

1906 fand ein Konzert in Paris statt, das erste Gastspiel eines britischen Orchesters im Ausland. Das erste Gastspiel außerhalb Europas erfolgte 1912 in den USA und Kanada unter dem Dirigenten Arthur Nikisch. Dabei hat das LSO binnen 22 Tagen an 23 verschiedenen Spielstätten insgesamt 29 Konzerte gegeben.Gareth Davies: The Show Must Go on, On Tour With the LSO in 1912 and 2012. Elliott Thompson Limited, London 2013, ISBN 978-1-908739-80-3, S. 246–247. Weitere Reisen führten das LSO nach Südafrika (1956), Israel (1960) und Japan (1963). Die erste Welttournee führte das LSO 1964 nach Israel, die Türkei, den Iran, Indien, Hongkong, Korea, Japan und die USA.Richard Morrison: Orchestra, The LSO: A Century of Triumph and Turbulence. Faber and Faber, London 2004, ISBN 0-571-21583-1, S. 254–255. Das gefeierte Debüt bei den Salzburger Festspielen fand 1973 statt. Seither tourt das Orchester regelmäßig durch die ganze Welt, besondere Verbindungen bestehen durch die LSO American Foundation in die Vereinigten Staaten, jährliche Konzerte finden im New Yorker Lincoln Center statt. Des Weiteren tritt das Orchester seit 2006 regelmäßig in der Salle Pleyel in Paris auf – mit etwa vier Vorstellungen pro Jahr. mini|links|Barbican Art Centre in London, Eingang Silk Street

Als 1982 das neue Barbican Centre fertiggestellt wurde, wurde es zur ständigen Heimstatt des Orchesters. Die Barbican Hall, 2001 erneuert, ist Schauplatz seiner wichtigsten Konzerte. 2003 wurde zudem noch das LSO St Luke’s, UBS and LSO Music Education Centre eröffnet. Diese 1728 erbaute denkmalgeschützte KircheHistoric Houses and Gardens. Norman Hudson & Company, Banbury 2003, ISBN 1-904387-00-4, S. 75. war seit 40 Jahren verfallen und enthält nun nach der Rekonstruktion neben der Jerwood Hall für Konzerte zusätzliche Proben- und Verwaltungsräume. Das LSO St Luke’s ist auch Zentrum des ausgezeichneten LSO Discovery-Programms, welches musikalische Aufbauarbeit mit Kindern und Jugendlichen, dem potenziellen Konzertpublikum der Zukunft, macht. Die Bemühungen des Orchesters um die Heranführung des jungen Publikums an die klassische Musik begannen bereits 1946 im Auftrage des britischen Erziehungsministeriums mit der Aufnahme des Films The Instruments of the Orchestra.Herbert Haffner: Orchester der Welt. Parthas Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86601-304-9, S. 240. In diesem wurden anhand des speziell für diesen Film von Benjamin Britten komponierten Stückes The Young Person’s Guide to the Orchestra die verschiedenen Instrumente und Instrumentengruppen eines Sinfonieorchesters vorgestellt und ihr Zusammenspiel verdeutlicht.

Das neueste Projekt des LSO zur Förderung des musikalischen Nachwuchses ist das 2008 gestartete LSO on track, durch das junge Musiker aus den östlichen Stadtteilen Londons gefördert werden. Dabei erhalten junge Musiker auch Möglichkeiten, zusammen mit Musikern des LSO aufzutreten. mini|hochkant|LSO St Luke’s, UBS and LSO Music Education Centre

Das Orchester hat neben dem Chefdirigenten (Principal Conductor), seit September 2017 als Music Director Simon Rattle, noch die Positionen Principal Guest Conductor (z. Zt. Gianandrea Noseda und François-Xavier Roth), Conductor Laureate (z. Zt. Michael Tilson Thomas) und Conductor Emeritus (André Previn) geschaffen. Darüber hinaus arbeitet es ständig mit weiteren Dirigenten zusammen und veranstaltet regelmäßig thematische Konzertreihen.Richard Morrison: Orchestra, The LSO: A Century of Triumph and Turbulence. Faber and Faber, London 2004, ISBN 0-571-21583-1, S. 283–284.

Das LSO ist ständig bestrebt, die zeitgenössische klassische Musik zu fördern. In den ersten hundert Jahren seiner Existenz wurden 209 zeitgenössische Werke uraufgeführt. Davon waren ab 1964 57 Auftragswerke des LSO. Hinzu kommen 78 Werke, bei denen die britische oder europäische Erstaufführung durchgeführt wurde.Richard Morrison: Orchestra, The LSO: A Century of Triumph and Turbulence. Faber and Faber, London 2004, ISBN 0-571-21583-1, S. 259–276.

In den Jahren 2001 und 2003 wirkte das Orchester beim internationalen Kompositionswettbewerb Masterprize mit und hat in den Finalkonzerten die Kompositionen, die bis zur Endauswahl gekommen sind, aufgeführt.

Seit 2005 fördert das LSO junge britische Komponisten durch die jährliche Durchführung des Panufnik Young Composers scheme.(Der polnische Komponist Andrzej Panufnik hatte selbst drei Kompositionsaufträge vom LSO erhalten und mit diesem einen Großteil seiner Kompositionen aufgenommen.) Bei diesem Projekt bekommen jeweils sechs Komponisten die Möglichkeit, für das LSO zu komponieren und die Umsetzung ihrer Kompositionen durch das Orchester mitzuerleben und mitzugestalten., abgerufen am 26. August 2020

Das LSO wurde im Jahre 2008 durch die britische Fachzeitschrift Gramophone nach der Auswertung einer Befragung von Musikkritikern auf Platz 4 der besten Orchester der Welt gesetzt.The world’s greatest orchestras | gramophone.co.uk Web-Site der Fachzeitschrift Gramophone (Daten abgerufen am 16. Januar 2014) Es nimmt damit gegenwärtig den höchsten Rang aller britischen Orchester ein.

Jenseits des Konzertsaals Das LSO hat sich frühzeitig als Orchester für Filmmusiken profiliert. Bereits ab 1922 wirkte es im Royal Opera House in Covent Garden als Begleitorchester für eine Reihe von Stummfilmaufführungen mit. 1935 hat das LSO mit der Musik zu Things to come (Regie: Alexander Korda, Komposition: Arthur Bliss) den ersten Filmsoundtrack mit speziell für einen Film komponierter sinfonischer Musik aufgenommen.Andrew Stewart: The LSO at 90, From Queen’s Hall to the Barbican Centre. London 1994, S. 62 Mit diesem Soundtrack wurde ein bis heute bestehender Standard für Filmmusik geschaffen. (Bis zu diesem Zeitpunkt war die Musik für Filme weitestgehend nur von kleineren Musikerensembles aufgenommen worden.) Erste bekannte weitere Beispiele unter Mitwirkung des LSO waren die Musik von John Greenwood zu Elephant Boy (1937), Warsaw Concerto von Richard Addinsell in Dangerous Moonlight (1941) und Cornish Rhapsody von Hubert Bath in Love Story (1944). Später folgten u. a. Star Wars (I-VI), Braveheart, Superman, Der Bär, Projekt Brainstorm, Krull, Oz – Eine fantastische Welt, Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft, Falsches Spiel mit Roger Rabbit, Jäger des verlorenen Schatzes und vier der Harry-Potter-Filme. Insgesamt hat das LSO bisher Musik für über 340 Film-Soundtracks aufgenommen.

Auch der Popmusik gegenüber war das Orchester immer aufgeschlossen, wie die Mitwirkung bei der Aufnahme des Nummer 1 Hits One Moment in Time mit Whitney Houston 1988 oder beim Lied So lang’ man Träume noch leben kann mit der Münchener Freiheit zeigt. Die Fähigkeiten des Orchesters wurden auch bei der Einspielung von Ornette Colemans Crossover-Sinfonie Skies of America (1972) deutlich.

Weitere Beispiele für die Aufnahmetätigkeit in den verschiedensten Musikbereichen sind u. a. Apocalypse mit dem Mahavishnu Orchestra von John McLaughlin,George Martin: Es begann in der Abbey Road. Hannibal-Verlag, Höfen 2013, ISBN 978-3-85445-410-6, S. 137. Standing Stone von Paul McCartney, London Symphony Orchestra, Vol. 1 & 2 von Frank Zappa, Kolsimcha & London Symphony Orchestra mit der Klezmer-Band Kolsimcha sowie die Alben Schizophonia, Tarot Suite und The Hunting of the Snark von Mike Batt. Weiterhin wurden Musicals eingespielt, beispielsweise im Jahre 1984 Chess oder Musik aus Videospielen wie Final Fantasy, so geschehen 2014 mit Final Symphony, einem Programm, das im Jahr zuvor schon als Teil der Game-Concerts-Reihe in London aufgeführt und damit zum ersten Konzert dieses Genres für das LSO wurde.

Zusätzliche Bekanntheit erlangte das London Symphony Orchestra durch zahlreiche Arrangements verschiedener, weltbekannter Pop- und Rocktitel, die sie unter der Bezeichnung „Classic Rock“ veröffentlichten, wie mit Rick Wakemans Rockoper Journey to the Centre of the Earth von 1974. Das London Symphony Orchestra war quasi Mitbegründer dieses Musikgenres.

Infolge der seit 1913Recordings | London Symphony Orchestra, abgerufen am 29. April 2015 bestehenden umfangreichen und vielseitigen Aufnahmetätigkeit in den verschiedenartigsten Musikbereichen ist das LSO das Orchester der Welt mit den meisten eingespielten Aufnahmen.Cadensa Sound & Moving Image Catalogue BRITISH LIBRARY, Enthält 10974 Einträge mit Aufnahmen des London Symphony Orchestra, Royal Philharmonic Orchestra: 7292, London Philharmonic Orchestra: 6749, Wiener Philharmoniker: 6702, Berliner Philharmoniker: 6422 Aufnahmen (Daten abgerufen am 29. Dezember 2015) Es hat hierbei jeweils die Verwendung der fortschrittlichsten Aufnahmetechnologien angestrebt. Die offizielle Diskographie des Orchesters verzeichnet mehr als 2600 Aufnahmetermine.Discography | London Symphony Orchestra, abgerufen am 14. Dezember 2017 Im Jahr 2000 gründete das LSO sein eigenes CD-Label, LSO Live, das unter anderem die Grammy-prämierte Aufnahme von Berlioz’ Les Troyens herausbrachte. Insgesamt veröffentlichte LSO Live bisher bereits mehr als 100 CDs/SACDs und DVDs/BDs.

Das LSO war 2012 das offizielle Orchester der Eröffnungs- und Abschlussfeiern der Olympischen Spiele sowie der Paralympischen Spiele in London.

2013 startete das Orchester mit dem Boléro von Maurice Ravel das Projekt LSO Play.LSO Play, abgerufen am 27. Juli 2014 Auf dieser Website ist es möglich, eine Konzertaufführung von vier selbst auswählbaren Kamerapositionen innerhalb des Orchesters zu betrachten. Außerdem sind Informationen über die einzelnen Instrumente bzw. Instrumentengruppen und Musiker des LSO abrufbar. Obwohl zunächst nur mit der Wiedergabe eines Musikstückes gestartet, erhielt dieses bereits 2014 den Jury-Preis in der Kategorie Musik des Webby Award.

Chefdirigenten 1904–1911 Hans Richter Die Bindung des damals 61-Jährigen, auch bereits mit anderen britischen Ensembles erfahrenen österreichisch-ungarischen Dirigenten Hans Richter für das Eröffnungskonzert und als erster Chefdirigent war ein Coup für die Gründer des Orchesters. Die von ihm gestellten Qualitätsanforderungen entsprachen den selbst gestellten Ansprüchen, ein überragendes Orchester nach dem Vorbild der Wiener Philharmoniker und Berliner Philharmoniker zu bilden. Da er als Chefdirigent lediglich etwa fünf Konzerte pro Jahr leitete, wurde durch das LSO notwendigerweise das Konzept der Gastdirigenten gefunden.Richard Morrison: Orchestra, The LSO: A Century of Triumph and Turbulence. Faber and Faber, London 2004, ISBN 0-571-21583-1, S. 25–28.

1911–1912 Edward Elgar