Die Geschichte der Tuchindustrie in Cottbus vollzog sich über mehrere Jahrhunderte.Burkard Weiß: 15 S. (PDF-Datei) Das Gebiet in und um Cottbus bot hierfür gute Voraussetzungen. Die Herstellung von Wolle und Flachs war bereits im Mittelalter in der Region selbstverständlicher Bestandteil des ländlichen Lebens.

Die Entwicklung des Tuchhandwerks bis zur Industrialisierung Durch die Einwanderung der flandrischen Weber im 12. Jahrhundert und die Privilegien von Hans von Cottbus im 14. Jahrhundert erlebte Cottbus über die Jahrhunderte Aufschwung und Niedergang in der Tuchindustrie. Das Textilgewerbe hat in Cottbus eine lange Tradition. Der Übergang von der kleingewerblichen, noch handwerklich geprägten zur industriellen Textilherstellung vollzog sich in Cottbus erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Die Herstellung von Wolle und Flachs für den Eigenbedarf war bereits seit dem Mittelalter in vielen Regionen selbstverständlicher Bestandteil des ländlichen Lebens.

In die Niederlausitz wanderten seit dem 12. Jahrhundert erste flandrische Weber ein. Durch sie wurde im 13. Jahrhundert das Spinnrad in Cottbus bekannt. Mit ihren Kenntnissen und Fertigkeiten begründeten sie die Tuchmacherei, die im 14. und 15. Jahrhundert für die Stadt bestimmend wurde. Für die Tuchmacher boten sich äußerst gute Bedingungen in Cottbus. Um Material für ihr Gewerbe zu erzeugen, wurden zwischen Cottbus und Lübben weite Flächen für den Flachsanbau urbar gemacht, das Klima war für den Flachsanbau gut. Es waren große Weideflächen für die Schafzucht vorhanden, die Schafwolle ein begehrtes Produkt.

Um 1300 war die Arbeitsteilung zwischen Tuchmachern und Leinewebern noch stark verbreitet. Die Leineweber stellten für den bäuerlichen Alltag grobe, ungefärbte Ware zu niedrigen Preisen her, die veredelten Fasern der Tuchmacher dagegen waren auf die Ansprüche der städtischen Kultur ausgerichtet.

Am 11. Mai 1405 beglaubigte Hans von Cottbus den Zünften der Tuchmacher und Leineweber das „Gewandmacherprivileg“. Es ist das älteste erhaltene Dokument einer Zunft in Cottbus.

Durch Luther von Cottbus fanden die Privilegien der Tuchmacher und Leineweber am 1. Juni 1443 ihre Bestätigung, und erstmals fand zu der Zeit das Gewerk der Garnmacher Erwähnung.

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Das 1501 erteilte Privileg zur Durchführung von zwei Wollmärkten weist auf die Bedeutung von Cottbus in dieser Zeit hin. Die Bauern, die in der Niederlausitz Schafzucht betrieben, sollten ihre Wolle hier und nicht in Sachsen oder Schlesien vertreiben. Cottbuser Tuche waren in Böhmen, Sachsen und Brandenburg sehr begehrt.Gerhard Küchler, Werner Vogel (Hrsg.): Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte. Band 14, 1963, 151 S. (PDF-Datei) Wie die Stadt, so durchlebte auch die Tuchmacherei Aufschwungs- und Niedergangsphasen. Der Dreißigjährige Krieg vernichtete das Gewerbe fast vollständig. Einen Aufschwung brachten dann die hugenottischen Glaubensflüchtlinge, durch sie kam nach 1701 die Tuchmacherei wieder in Gang. Den wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Cottbus zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Cottbuser Tuche waren jetzt in Dänemark, Schweden, im Elsass und Amerika bekannt.

Vor der Industrialisierung waren mehrere Spinner erforderlich, um einen Weber mit ausreichend Garn zu beliefern. Dieses Missverhältnis zwischen Spinner und Weber verschob sich noch, als der sogenannte „Schnellschützen“ (fliegendes Weberschiffchen) bei den Webern Einzug fand. Es wurden immer mehr Spinner benötigt, um ausreichend Garn zur Verfügung zu haben.

1726 wurde beschlossen, vor den Toren der Stadt die Ansiedlung sächsischer Wollspinner im Bereich Ostrow, Neustadt zu ermöglichen. Hier sollten „gute Werkstätten für die Tuchmacher sowie die Loh- und Weißgerber“ geschaffen werden. Da der Bau nicht voranging, befahl Friedrich II. im März 1752 die Erbauung von sechs Wollspinnhäusern. Zuerst entstanden die Gerberhäuser am Mühlgraben, danach entstanden weitere 20 Häuser.

Im Juli 1755 übernahmen fünf Cottbuser Tuchmacher den weiteren Bau von Wollspinnhäusern. Sie waren 1759 fertig, das Vorhaben war abgeschlossen. Die Ansiedlung erfolgte außerhalb der Stadt, im Dorf Ostrow. Der Tuchhandel brachte viel Geld in die Stadt Cottbus. 1734 bestimmte ein Generalprivileg Friedrich Wilhelms I. für die Tuchmacher, „dass nur so viel Meister sich in der Stadt niederlassen, wie Nahrung ist“. Der Alte Fritz zog aber mit Privilegien wie „freie Wohnung, Steuerfreiheit, Reisegeld“ immer mehr fremde Wollspinner nach Cottbus. So waren im Jahr 1765 in der Tuchfabrikation 107 Meister und 36 Gesellen beschäftigt, um 1800 dagegen bereits 215 Meister, 206 Gesellen, 90 Lehrjungen und 1326 Wollspinner. 1759 hatte der Tuchhändler Lobedan das zehnfache an Einkommen im Vergleich zum Oberbürgermeister.

Im starken Maße war es der Förderpolitik des preußischen Königs zu verdanken, dass die Stadt Cottbus eine zweite wirtschaftliche Blütezeit im 18. Jahrhundert erlebte. Es gab eine Menge an Veränderungen, besonders positive für das Tuchmacherhandwerk. Das waren Einfuhrverbote für ausländische Tuche und Wollwaren und Begünstigungen bei der Gründung von Manufakturen und der Ansiedlung von Tuchmachern. Für das Jahr 1874/75 waren laut Cottbuser Adressbuch bereits 118 Tuchfabrikanten aufgeführt. Von 1807 bis 1813 gehörte die Stadt Cottbus zu Sachsen. Durch die sächsische Verwaltung erfolgte die Ausschaltung der Cottbuser Tuchproduktion, um die Konkurrenz zu vermeiden.

Nach den Freiheitskriegen (1813–1815) nahm das Tuchgewerbe wieder einen lebhaften Fortschritt, auch durch die Gründung des Deutschen Zollvereins (1834). Politisch stärkte der Deutsche Zollverein die Vormachtstellung Preußens. Zölle wurden nur noch von Leuten verlangt, die von fremden Gebieten ins Gebiet des Deutschen Zollvereins reisten.

Rohstoffgewinnung für das Tuchhandwerk Flachs und Schafwolle Schon die alten Ägypter, Griechen und die Kelten kannten die Bedeutung und den Nutzen, der von dieser Pflanze ausging. Von den Ägyptern ist bekannt, dass sie Flachs schon 5000 bis 4000 vor Christus angebaut haben. Sehr zeitig fand man heraus, dass man aus dieser Pflanze nach entsprechender Behandlung ein Leinentuch zur Herstellung von Kleidung gewinnen konnte. In der Lausitz entwickelte sich die Leinenweberei schon seit dem 13. Jahrhundert zu einem eigenständigen Gewerbe. Aber bis dahin war es ein langer und mühsamer Weg, denn erst musste die Saat ausgebracht werden, was etwa am einhundertsten Tag des Jahres erfolgen sollte. Weitere 100 Tage wuchs der Flachs heran und konnte geerntet werden. Die mühsame Arbeit begann allerdings erst nach der Ernte.

Vor dem Ausreifen der Kapseln wurde der Flachs geerntet – nicht gemäht, sondern gerupft, zu kleinen Bündeln zusammengerafft und auf dem Feld in Garben zum Trocknen aufgestellt. Nach dem Lösen der Kapseln – aus denen Leinöl gepresst wurde – kam der Flachs zur Tauröste, das heißt, er wurde auf feuchten Wiesen ausgelegt (in manchen Gegenden bekam er auch direkt ein Wasserbad) und anschließend getrocknet, um ihn brüchiger zu machen. Die Weiterverarbeitung geschah dann auf einer Brechbank, wo die kleinen Stängelreste zu Boden fielen und man nur noch die Faser in der Hand behielt. Diese Fasern wurden dann gehechelt, das heißt durch ein mit langen Nägeln bestücktes Brett gezogen. Je öfter man dies machte, desto feiner wurde die Kernfaser, die dann zum Spinnen benutzt wurde. Die Kernfasern wurden zu einem Gebinde zusammengeknotet und waren damit zum Spinnen fertig. In den Wintermonaten, wenn die Feldarbeit ruhte, trafen sich die Frauen aus einem Ort, um die Flachsgebinde zu einem Faden zu spinnen. Dies geschah meist reihum auf einem anderen Gehöft und man kann sich vorstellen, dass da nicht immer nur ein Faden gesponnen wurde. Überwiegend wurde der gewonnene Faden dann in einer Aschenlauge gekocht, dann war er für die Arbeit des Webers vorbereitet. Im 19. Jahrhundert verlor der Flachs durch das starke Vordringen der Baumwolle zunehmend an Bedeutung. Ende des 19. Jahrhunderts war der Baumwollanteil in Europa auf 74 % emporgeschnellt, während die Anteile an Schafwolle auf 20 % und an Flachs auf 6 % zurückgingen. In der Nachkriegszeit ging der Leinanbau sehr stark zurück, 1957 war er in Westdeutschland und 1979 in Ostdeutschland bis auf geringe Restflächen verschwunden. Heute ist der Flachsanbau in Deutschland kaum mehr von Bedeutung. Wenn doch, dann nur noch auf wenigen Biohöfen zur Leinölgewinnung oder in der Umgebung von Cottbus in einigen Kräutergärten als Heilpflanze (2005 war Flachs die Heilpflanze des Jahres). Bekannt ist den meisten Menschen der Leinsamen heute nur noch aus der Herstellung von Backwaren.

Vorindustrielles Spinnen Am Beginn der Tuchproduktion stand die Schafschur, sie erfolgte zweimal im Jahr. Die Wolle wurde sortiert und gewaschen. Da beim Spülen im Fließwasser Materialverluste auftraten, wurde angeordnet, dass die Schafe vor der Schur gewaschen werden mussten. Nach der Schur wurde die Wolle getrocknet, geklopft, gezupft und anschließend mit Schmalz eingerieben, um die Faser geschmeidig zu halten. Um das Material spinnen zu können, wurde die Faser über ein Kniebrett verstrichen, sie wurde gekämmt.

Weben Dem Weben als Arbeitsprozess gingen noch einige Arbeitsschritte voraus: das Aufspulen des Schussgarns, das Leimen, um das Garn geschmeidig zu machen und das Aufbäumen der Kettfäden am Webstuhl.(stellen ein längs bzw. von oben nach unten verlaufendes Fadensystem dar) Bis 1870 erfolgten diese Arbeiten ausschließlich in Handarbeit, der Webstuhl selbst wurde mit Händen und Füßen betrieben.

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