Der Norddeutsche Morgenpromenadenbeförderungsverein war ein im Königreich Hannover von Hermann Wilhelm Bödeker, dem Pastor der Marktkirche, gegründeter Verein, bei dem Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten zu einer Promenade zusammentrafen. Offizieller Zweck war die „Pflege der Gesundheit, Freude an der Natur sowie [… die] gesellige Unterhaltung und Belehrung“, die der Kirchenmann regelmäßig mit Spendensammlungen verband.Waldemar R. Röhrbein: Norddeutscher Morgenpromenadenbeförderungsverein. In: Stadtlexikon Hannover, S. 480.
Geschichte mini|links|Halten die Hände auf: Pastor Hermann Wilhelm Bödeker und ein bedürftiges Kind; das Bödekerdenkmal an der Marktkirche im Zentrum der Altstadt Hannovers mini|Bis 2013 als verschollen geglaubt: Auf dem Kirchröder Friedhof fand sich einer der von Georg Hurtzig 1854 geschaffenen „Bödekerengel“, die Bödekers Spendensammeln rationalisierten mini|Verein gegen Hausbettelei zu Hannover; Mitgliedskarte des zuvor von Bödeker geleiteten Schwesternhauses
Mit der Einrichtung des 1839 durch Hermann Wilhelm Bödeker gegründeten Vereins trafen täglich und bei jedem Wetter ab halb acht Uhr morgens Menschen zusammen, darunter auch speziell geladene Gäste des Pastors. Nach einer Wanderung zu dem seinerzeit noch außerhalb der Stadtgrenzen gelegenenKlaus Mlynek: Eingemeindungen. In: Stadtlexikon Hannover, S. 153. Lister Turm versammelte sich die Runde dort oder auch beim Neuen Haus zum zwanglosen gemeinsamen Kaffeetrinken. Dabei wurden sowohl Informationen über die „Große Politik“ ausgetauscht als auch über Lokales oder Familiäres gesprochen.
Bödeker, der ohne Unterlass um Spendengelder für die von ihm gegründeten sozialen und kirchlichen Einrichtungen warb, vor allem bei seinen persönlichen Gästen, hielt den Teilnehmern seines Promenadenvereins zweimal wöchentlich die Sammelbüchse vor, bis der Bildhauer Georg Hurtzig 1854 hierfür hilfsweise die sogenannten „Bödekerengel“ geschaffen hatte.Hugo Thielen: Hurtzig, (2) Georg Ludwig. In: Stadtlexikon Hannover, S. 312. Die Gelder sollten insbesondere bedürftigen Kindern zukommen. Daneben sammelte Bödeker aber auch für den Aufbau der Flotte des Deutschen Bundes sowie für die Errichtung des Hermannsdenkmals, zumal dessen Schöpfer, Ernst von Bandel, große Teile des Denkmals in seiner hannoverschen Werkstatt fertigte.Hugo Thielen: Bandel, Joseph Ernst von. In: Stadtlexikon Hannover, S. 46–47.
Nach dem Tode Bödekers 1875Dirk Böttcher: Bödeker, Hermann Wilhelm. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 60 u.ö.; online über Google Books. zerfiel der von ihm dominierte Vereins allmählich. Wenige Jahre nach dem Tode Bödekers, der das Spendensammeln für wohltätige oder patriotische Zwecke beinahe institutionalisiert hatte, gründete sich 1879 der Verein gegen Hausbettelei, der gut vier Jahrzehnte später das Werkheim für Obdachlose in Hannover hervorbrachte.Andreas Sonnenberg (Vorstand): auf der Seite whhannover.de des Vereins Werkheims e. V., zuletzt abgerufen am 10. März 2013.
Literatur Hans Brauns: Der norddeutsche Morgenpromenadenbeförderungsverein. In: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge 5 (1938), S. 57–63. Waldemar R. Röhrbein: Norddeutscher Morgenpromenadenbeförderungsverein. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 480.
Einzelnachweise
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