mini|Emblematische Darstellung der Papstweissagung des Malachias, Klosterkirche Metten, Niederbayern; 1724.

Die sogenannte Papstweissagung des heiligen Malachias, kurz: die Malachiasweissagung, ist eine Papst-Prophezeiung bestehend aus 112 kurzen Sinnsprüchen über alle Päpste und (bis auf zwei) Gegenpäpste von Cölestin II. (1143–1144) bis zu Franziskus. Sie wurden erstmals im Jahre 1595 in einem Werk mit dem Titel Lignum Vitae von Arnold Wion gedruckt und dabei wohl fälschlicherweise dem heiliggesprochenen irischen Erzbischof Malachias zugeschrieben.

In dieser Weissagung wird jedem Papst und jedem (bis auf zwei) Gegenpapst nacheinander ein oft nur aus zwei bis drei Worten bestehender Sinnspruch zugeordnet. Nur 3 der 112 Sinnsprüche sind Aussagesätze, darunter auch der letzte:

Diesem Sinnspruch folgt in einem neuen Absatz mit „Petrus Romanus“ ein vermeintlicher Papstname oder ein Papstsynonym, dem sich ein Relativsatz anschließt, welcher stilistisch den Auslegungen der ersten 74 Sinnsprüche ähnelt und auch inhaltlich den letzten Sinnspruch auszulegen scheint.Martin Bachmaier: Malachias-Prophezeiung und Petrus-Romanus-Narretei. Warum „Petrus Romanus, qui pascet...“ eine dem Ciaconius zugeschriebene Auslegung und somit nicht Bestandteil der Malachiasprophetie ist. (Abgerufen am 3. März 2016.) Die hinzugefügten Papstnamen und Auslegungen werden in Lignum Vitae ausdrücklich nicht dem Malachias, sondern dem 1599 verstorbenen Kirchenhistoriker und Katakombenforscher Alfons Ciaconius zugeschrieben.

Viele halten Philipp Neri für den wahren Autor und diejenigen Sinnsprüche, die der prophetischen Schau Philipp Neris vorausgehen, für hinzuerfundene, auf bekannte Tatsachen abgestimmte Fälschungen. Einige Konversations-Schon in Zedlers Universallexikon, das bereits in den Jahren 1732 bis 1754 als das umfangreichste enzyklopädische Projekt im Europa des 18. Jahrhunderts erschienen ist, wird die Malachiasweissagung als Fälschung abgetan. und theologische LexikaBereits 1913 äußerte sich die Catholic Encyclopedia skeptisch, siehe: hier. Ebenso wird die Malachiasprophetie im Lexikon für Theologie und Kirche für eine Fälschung gehalten. sahen oder sehen sogar die gesamte Prophetie als Fälschung an. Dies mag im schwerverständlichen tiefen Symbolgehalt der Neri zugeschriebenen Sinnsprüche begründet liegen. Darüber hinaus fällt die fehlende Beachtung der Prophetie in den vermuteten 450 Jahren von deren Entstehung bis zu ihrer ersten schriftlichen Erwähnung 1595 auf, obwohl sich diese für den durchschnittlichen Gläubigen dieser Zeitspanne als „eingetroffen“ darstellen müsste.

In diesem Sinne sieht dies u. a. auch Hildebrand Troll:Hildebrand Troll: Die Papstweissagung des heiligen Malachias. Ein Beitrag zur Lösung ihres Geheimnisses. EOS-Verlag, St. Ottilien 2002, ISBN 3-8306-7099-0. Er verweist auf einen Einschnitt zwischen dem 71. und 72. Sinnspruch, den René Thibaut (1883–1952) als Erster erkannt hat und der die ersten 71 Sinnsprüche (von Cölestin II. bis zu Pius V.) von den Sinnsprüchen Nr. 72 bis 111 (von Gregor XIII. bis Benedikt XVI.) trennt. Erstere beziehen sich demnach auf rein formale Dinge wie Wappen, Namen des Adelsgeschlechtes usw. und sind wohl nachträglich hinzuerfunden, während letztere, die wirklich prophetischen, in erster Linie den Papst oder dessen Pontifikat mittels einer Symbolsprache charakterisieren. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Philipp Neri (lediglich) die in Lignum Vitae notierte Vorausschau aller nachfolgenden Conclavia zur Zeit des heiligen Papstes Pius V. (1566–1572) zuteilgeworden ist.

Wohl auch gerade wegen der schwerzugänglichen Symbolsprache geriet die Malachiasweissagung im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts etwas in Vergessenheit. Besondere Aufmerksamkeit erlangte sie wieder, als Pius VI. um 1800 als „apostolischer Pilger“, so sein Sinnspruch, durch Europa reisen musste. Von da an bis heute wurden und werden den Philipp Neri zugeschriebenen Sinnsprüchen, insbesondere in Bezug auf die Charakterisierungen der Päpste des 19. und 20. Jahrhunderts, überraschend plausible und unverwechselbare Bezugspunkte nachgesagt.

Veröffentlichung mini|Deckblatt des Buches

Die Prophezeiungen erschienen erstmals 1595 in einem Buch des belgischen Benediktiners Arnold Wion (auch Arnoldo, Vvion und Wyon, 1554 bis vor 1610). (2 Bände mit 5 „Büchern“) ist eine biobibliographische Beschreibung berühmter Mitglieder des Benediktinerordens. In Band 1, 2. „Buch“, Kapitel 40 wird der Orts-Buchstabe „D“ behandelt, wo auf Seite 307 im Abschnitt der Heilige Malachias (1094/95–1148) behandelt wird. Daran anschließend findet sich jene bis Seite 311 reichende . Es ist auch als Prophetia de futuris Pontificibus Romanis oder Prophetia de summis pontificibus bekannt.

Durch die Unabhängigkeitskämpfe der Niederlande (Achtzigjähriger Krieg 1568–1648) floh Wion nach Italien, wo er unter anderem in der Abtei Montecassino (1577) und im Kloster San Benedetto in Polirone bei Mantua Aufnahme fand. So kam es, dass das Werk des Belgiers bei Giorgio Anglieri in Venedig erschien.

Form Die Einträge sind dreispaltig auf zwei verschiedene Arten angeordnet.

Die Einträge 1 bis 74 (1143–1590, Cölestin II. – Urban VII.) enthalten den Sinnspruch, den Namen des Papstes und einen Kommentar, der zeigen soll, inwiefern der Sinnspruch Rufnamen oder Wappen des entsprechenden Papstes bzw. markante Umständen seines Pontifikates charakterisiert. Der Kommentar ist gegebenenfalls umbrochen, wobei die zweite Zeile eingerückt in der zweiten Spalte beginnt. Ab der zweiten Seite ist die optische Trennung zwischen zweiter und dritter Spalte nicht so deutlich. Die Einträge 75 bis 77 (Jahre 1590–1592, Gregor XIV. – Klemens VIII.) bis zum Veröffentlichungsjahr enthalten nur den Sinnspruch und den Namen des Papstes. Die dritte Spalte ist leer. Die Einträge 78 bis 111 enthalten nur den kurzen Sinnspruch und sind platzsparend dreispaltig angeordnet. Am Ende der dreikolumnigen Anordnung folgen zwei Absätze.

Der erste davon enthält den durch einen fragwürdigen Punkt unterbrochenen Aussagesatz

Und der letzte beginnt mit „Petrus Romanus“, gefolgt von einem Relativsatz, was dem in den ersten 74 Sinnsprüchen vorzufindenden Stil eines Papstnamens gefolgt von der Auslegung des links geschriebenen Sinnspruchs gleicht. Dem schließt sich noch der Ein-Wort-Satz Finis. (Ende.) an:

Oft werden diese beiden Absätze als ein einziger durchgehender Satz – von „In persecutione ...“ bis zu „... populum suum“, meist aber ohne den Finis-Schluss – zitiert,Sven Loerzer: Visionen und Prophezeiungen. Die berühmtesten Weissagungen der Weltgeschichte. Pattloch Verlag Augsburg. Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1999. Seite 240–58. sodass die Frage, ob die Aussage „Petrus Romanus, qui pascet...“ dem Seher oder dessen Ausleger – genannt ist Ciaconius – zugeordnet ist, gar nicht erst aufgeworfen wird.

Abschließend steht über die ganze Seitenbreite die Bemerkung:

Alfons Ciaconius († 1599) war ein bekannter Kirchenhistoriker und Katakombenforscher unter Gregor XIII. und Pönitentiar bei Santa Maria Maggiore.

Auffälliges Bis Ende des 16. Jahrhunderts hat die Weissagung sehr viele Gemeinsamkeiten mit einer Auflistung des italienischen Historikers Onofrio Panvinio (1530–1568). In seinem 1557 in Venedig erschienenen Werk Epitome pontificum Romanorum a S. Petro usque ad Paulum III sind alle nötigen Informationen wie Wappen und biografische Angaben enthalten. Es gleichen sich auch fehlerhafte biographische Angaben.

Der belgische Jesuit René Thibaut (1883–1952) will nach seiner 1951 veröffentlichten Schrift einen Unterschied zwischen den Sinnsprüchen der ersten 71 (bis 1566) und den weiteren Weissagungen (ab 1572) festgestellt haben. Seiner Meinung nach finden sich im ersten Teil exakte Einzelheiten zum Vorleben der Päpste wie Tauf- und Familiennamen, Geburtsort, Wappen usw., während der zweite Teil viel Interpretation und Symbolik benötigt.

Vermutete Urheber

Malachias

Der durch die Veröffentlichung ins Spiel gebrachten Urheberschaft des Malachias (1094/95–1148) wird kein Glaube mehr geschenkt. Zwar reiste Erzbischof Malachias im Jahre 1139 nachweislich nach Rom, um Agenden für die Diözese zu regeln, und nach Pater François Cucherat (1812–1887) soll er dort merkwürdige Visionen gehabt haben, wo ihm die Päpste bis zum Ende der Kirche offenbart wurden. Das Manuskript soll er Papst Innozenz II. (Regentschaft 1130–1143) anvertraut haben, um ihn zu trösten. Danach soll es bis zu seiner Wiederentdeckung 1590 in den Vatikanischen Archiven gelegen haben. Sein Freund und Hagiograph Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153) erwähnt jedoch, dass in seinen Weissagungen nie von Päpsten die Rede gewesen sei.Bernhard von Clairvaux: Vita Sancti Malachiae episcopi. 1149. Eine deutsche Übersetzung wurde herausgegeben im Rahmen der gesammelten Werke von Bernhard von Clairvaux im Tyrolia Verlag, Band 1, 1990, ISBN 3-7022-1732-0.

Auch gibt es zwischen dem ersten erwähnten Papst zur Lebenszeit Malachias' und der Veröffentlichung durch Wion, also 452 Jahre lang, keinerlei Hinweis auf die Weissagungen. Vor allem aber wäre bei einer Verfasserschaft des Malachias unerklärlich, warum sich die Sinnsprüche ab Nummer 72 (für Papst Gregor XIII., 1572–1585), also kurz vor deren Veröffentlichung 1595, nicht mehr nur rein formal (Namen, Wappen, Titelkirchen) auslegen lassen, sondern vorwiegend Papst und Pontifikat mittels einer Symbolsprache charakterisieren, wie René Thibaut (1883–1952) festgestellt hat.

Philipp Neri

mini|hochkant|Philipp Neri, der mutmaßliche Urheber der Malachiasweissagung

Im Wesentlichen sprechen drei Gründe für die Urheberschaft Philipp Neris.

Seine glaubwürdig bestätigte Fähigkeit, die Päpste, die zu seinen Lebzeiten aus dem Konklave hervorgingen, vorherzusehen Ganganelli, der nachmalige Papst Klemens XIV., schreibt in einem Brief eine Weissagung, von der jedermann spricht, dem Philipp Neri zu. Der Fakt, dass sein Todesjahr mit dem Publikationsjahr von Lignum Vitae übereinstimmt und er seine eigenen Dokumente vor seinem Tod alle verbrannte, also keinen Wert auf Ruhm durch eigene Publikationen legte

Philipp Neris Fähigkeit, Päpste vorauszusehen

Hildebrand Troll schreibt, dass Philipp Neri das Ergebnis fast aller Konklaven seiner Zeit voraussah und zitiert dessen ältesten Biographen Antonio Gallonio aus den Acta SanctorumActa Sanctorum Maii, Tomus VI, 1688. Abgerufen am 7. März 2013. des Monats Mai in Band VI auf Seite 507:

Weiter zitiert Troll den Biographen Girolamo Branabei auf Seite 599 dieser Acta Sanctorum:

Dieser Biograph, so Troll, zeige auch, wie Philipp seinen Vertrauten den Namen des Kardinals offenbarte, der als Papst das Konklave verlassen werde. Gelegentlich sage er auch Tag und Stunde voraus, wann dies geschehen, und den Namen, den der Neugewählte sich zulegen werde. Und Troll erwähnt noch, dass diese Begebenheiten auch beim Heiligsprechungsprozess Philipp Neris zur Sprache kamen.

Ganganellis Brief

Hildebrand Troll erwähnt, dass noch Mitte des 18. Jahrhunderts in Rom Voraussagen auf zukünftige Päpste dem hl. Filippo Neri zugeschrieben wurden, und verweist auf einen Brief Lorenzo Ganganellis, des späteren Klemens XIV., an den Kardinal Marcello Crescenzi vom 13. März 1750 aus Rom, in dem es abschließend heißt:

Dokumentenverbrennung und Übereinstimmung von Todes- und Publikationsjahr