There in blissfull shades and bow’rs (deutsch Dort in seligen Schatten und Lauben oder Comus HWV 44) ist der musikalische Epilog zu einer Aufführung des Schauspiels Comus von John Milton am Sitz des Earl of Gainsborough in Exton Hall, Exton, Rutland im Juni 1745.

Entstehung Obwohl Händel als Opern- und Oratorienkomponist fast fünfzig Jahre lang für die Londoner Theater tätig war, schrieb er nur wenig eigentliche Schauspielmusik für Theaterstücke. Das einzige größere Projekt war die Musik zu Tobias Smolletts Alceste (siehe Händels Alceste), doch fand die für 1750 im Covent Garden Theatre geplante Aufführung niemals statt. Allerdings war eine seiner ersten Opernouvertüren (zu Rodrigo) als Bühnenmusik für eine Wiederaufführung von Ben Jonsons The Alchemist im Jahre 1710 verarbeitet worden (siehe The Alchemist). Nur drei Lieder für Stücke von John Gay (The What D’ye Call It, 1715), James Miller (The Universal Passion, 1737) und William Congreve (The Way of the World, 1740) wurden speziell für das englische Theater komponiert und zu Händels Lebzeiten aufgeführt. 1745 komponierte er den Epilog für eine private Inszenierung von John Miltons Masque Comus.Anthony Hicks: Theatre Music Vol. II. Aus dem Englischen von Henning Weber, L’oiseau-Lyre (Decca) DSLO 598, London 1982.

Die Musik zu Comus ist eine Wiederentdeckung der Neuzeit. Betty Matthews veröffentlichte 1959 einige Briefe, in denen eine bis dahin unbekannte Reise erwähnt wird, die Händel im Juni 1745 zum Earl of Gainsborough nach Exton Hall in Rutland unternahm. Während seines Aufenthalts beschloss die Familie Gainsborough eine Freilichtaufführung von Comus – in nur leichter Abwandlung der von John Dalton und Thomas Augustine Arne verfassten Version von Miltons Maskenspiel, das in London ab 1738 erfolgreich war – und überredete Händel einen neuen musikalischen Epilog zu verfassen, der als

vom Schriftsteller und Politiker Benjamin Martyn beschrieben wurde. Die Musik galt als verloren, denn ein großes Feuer hatte Exton Hall im Jahre 1810 zerstört und das Autograph möglicherweise mit verbrannt. Anthony Hicks entdeckte 1969 in der Stadtbücherei von Manchester, und zwar in der Newman Flower Sammlung, eine Abschrift, welche ursprünglich von Charles Jennens stammte. Der Titel lautet Serenata à 9, doch lässt die Nummerierung der Stücke von 21 bis 24 vermuten, dass dieser Titel sich auf Comus insgesamt bezieht und nicht nur auf Händels Epilog. Der Text geht auf Miltons Epilog, der letzten Rede des Attendant Spirit (Zeilen 984 bis 1011) zurück, in dem der Schutzgeist die himmlischen Regionen beschreibt, in die er nun bald zurückkehren wird.Christine Martin: Comus, HWV 44. In: Annette Landgraf und David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia, Cambridge University Press 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 160 f.

Über die näheren Umstände, die zur Entstehung des Werkes führten, sowie über die Aufführung durch Händels Gastgeber und dessen Familie, informieren die von Betty Matthews wiedergefundenen Briefe, einen davon schrieb der Bruder des Earl of Gainsborough, James Noel, an den Earl of Shaftesbury:Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1, Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8. Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4, S. 506

Eine weitere Aufführung in derselben Art erfolgte drei Jahre darauf, im Juli 1748.

Die Masque mini|400px|Il regno del dio Como, Lorenzo Costa, frühes 16. Jh., Louvre John Miltons Werk mit dem originalen Titel A Mask presented at Ludlow Castle 1634: on Michelmas night, before the right honorable John, Earl of Bridgewater, Viscount Brackley, Lord President of Wales, and one of His Majesty’s most honorable privy council. wurde in Ludlow Castle, für den Earl of Bridgewater im Jahre 1634 geschrieben und erstmals am Michaelistag (29. September) 1634 aufgeführt, kurz vor der Feier zur Verleihung des Postens Lord President of Wales an den Earl. Die originale Schauspielmusik stammte von Henry Lawes, der auch den Attendant Spirit in dem Werk spielte. Das Stück wurde dann 1637 anonym veröffentlicht und unter dem Namen Comus einhundert Jahre später, 1738 von Dalton und Arne für die Londoner Bühne angepasst, fortan sehr beliebt und lief in London für mehr als siebzig Jahre.

Die Geschichte erzählt von einem jungen Mädchen, welches im Wald verloren geht und den Zauberer Comus, Sohn des Bacchus und der Circe, trifft. Comus und sein Gefolge, die ausgelassenen Geister der Nacht, umschwärmen die Jungfrau und versuchen, sie mit allen möglichen Formen des sinnlichen Genusses zu verführen. Doch die Keuschheit siegt über die Versuchung: Sie bleibt standhaft und wird durch ihre beiden Brüder unter der Führung des Schutzgeistes, letztendlich mit Unterstützung der Flussgöttin Sabrina, befreit.

Musik Die Aufführungsdauer der Schauspielmusik beträgt etwa 16 Minuten. Anscheinend führten Gainsborough (als Comus), seine beiden Töchter (auch als Sabrina und Attendant Spirit) und sein Sohn (als einer der Bacchanten) das Stück selbst auf, so dass sich die eröffnende Bass-Arie mit Rücksicht auf die begrenzten gesanglichen und darstellerischen Fähigkeiten des Earls zurückhaltend gibt, während die Sopran-Arien von ausgesuchter Qualität sind. There sweetest flowers (Nr. 3) vor allem ist ein einprägsames Beispiel für Händels reifen Pastoralstil, dessen entzückte Zufriedenheit von einer melancholischen Ader durchzogen wird. Der Chorus Happy, happy, happy plains (Nr. 2), vorwiegend homophon gesetzt und nur vorsichtig durch kontrapunktische Abschnitte aufgehellt, wird nach jeder der drei Arien wiederholt, so dass die gesamte Sequenz eine unabhängige kleine Kantate bildet, die sich vom Rest der Masque absetzt. Der Stil des gesamten Serenata, nicht zuletzt dieser Chor, erinnert an Acis and Galatea. Kaum ein Jahr später verwendete Händel fast die gesamte Musik aus Comus noch einmal in seinem Occasional Oratorio zu einer anderen Gruppe Miltonscher Texte, wobei die Musik viel von der Frische ihrer ursprünglichen Inspiration einbüßte.

In der Aufführung vom Juni 1745 wurde offenbar auch Qual portento mi richiama (Nr. 17 aus Alcina) als Anrufung des Schutzgeistes durch die Flussgöttin Sabrina (nach ihr wurde der englische Fluss Severn benannt) gesungen und muss sehr effektvoll gewesen sein.Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 329

Text Air There in blissful shades and bow’rs Revels the gay, jocund Spring; There the rosy-bosom’d Hours All their choicest bounties bring. Winter never dulls the plains, There eternal Summer reigns.

Chorus Happy, happy, happy plains! There eternal Summer reigns.

Air There sweetest flowers of mingled hue, Water’d with Elysian dew, Live in everlasting bloom; And ever on his musky wings Balmy breezes Zephyr brings, Wafting round the rich perfume.

Chorus Happy, happy, happy plains! There eternal Summer reigns.

Air There youthful Cupid, high advanc’d, Holds his dear Psyche sweet entranc’d, After her wand’ring labours long; Till free consent the gods among Make her his eternal bride, And from her fair unspotted side Two blissful twins are to be born, Youth and Joy; so Jove hath sworn.

Chorus Happy, happy, happy plains! There eternal Summer reigns.Dort in seligen Schatten und Lauben ergötzt sich schwelgend der Lenz; wo die rosenbusigen Stunden ihre kostbarsten Gaben bringen. Der Winter trübt die Auen nicht, dort herrscht der Sommer ewiglich.

Glücklich, glücklich, glückliche Auen! Dort herrscht der Sommer ewiglich.

Die süßesten Blumen in allen Farben trinken dort den elysischen Tau, und leben in ewigwährender Blüte; auf seinen Moschusschwingen bringt Zephir balsamische Briesen, die den herrlichen Duft ausbreiten.

Glücklich, glücklich, glückliche Auen! Dort herrscht der Sommer ewiglich.

Der junge Cupido hält hoch dort oben seine teure Psyche in süßer Verzückung, nach mühevoll langer Wanderung; bis die beratenden Götter sich einig, sie auf ewig zur Braut ihm zu geben, und ihre makellos reinen Seite soll zwei holde Zwillinge gebär’n, Jugend und Freude; so schwor es Zeus.

Glücklich, glücklich, glückliche Auen! Dort herrscht der Sommer ewiglich.

Struktur des Epilogs 1. Air. Basso (2 Vl, BC) There in blissful shades and bow’rs2. Chorus. Canto I, II, Basso (2 Ob, 2 Vl, BC) Happy, happy, happy plains3. Air. Canto I (2 Vl, BC) There sweetest flowers of mingled hue4. Chorus. Canto I, II, Basso (2 Ob, 2 Vl, BC) Happy, happy, happy plains5. Air. Canto II (2 Vl, BC) There youthful Cupid, high advanc’d6. Chorus. Canto I, II, Basso (2 Ob, 2 Vl, BC) Happy, happy, happy plains

Besetzung und Orchester Zwei Soprane, Bass, zwei Oboen, 2 Violinen, Basso continuo.

Diskografie L’oiseau-Lyre (Decca) DSLO 598 (1982): Patrizia Kwella (Sopran), Margaret Cable (Mezzosopran), David Thomas (Bass)Academy of Ancient Music; Dir. Christopher Hogwood (17 min) Signum Records SIGCD479 (2017): Eleanor Dennis (Sopran), Claire Bessent (Sopran), Benjamin Bevan (Bass)London Early Opera; Dir. Bridget Cunningham (16 min)

Literatur Anthony Hicks: Theatre Music Vol. II. Aus dem Englischen von Henning Weber, L’oiseau-Lyre (Decca) DSLO 598, London 1982. Christine Martin: Comus, HWV 44. In: Annette Landgraf und David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia, Cambridge University Press 2009, ISBN 978-0-521-88192-0. (englisch) Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1, Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8. Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4. Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4, Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 3-7618-0717-1. Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel, Opern-Führer., Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0.

Weblinks weitere Angaben zu Comus bei gfhandel.org, abgerufen am 22. September 2018 Comus bei Klassikadetaillierte Angaben zu Comus (französisch) Einzelnachweise

Kategorie:Werk von Georg Friedrich Händel Kategorie:Theatermusik (Werk) Kategorie:Rezeption der griechischen Mythologie Kategorie:Musik 1745