mini|The Iron Heel, Erstausgabe Die eiserne Ferse (OT: The Iron Heel) ist der Titel eines 1907bei MacMillan in New York und 1908 bei Everett in London.Everett F. Bleiler: Science-fiction, the early years. The Kent Stat University Press, 1990, ISBN 0-87338-416-4. publizierten dystopischen Romans des amerikanischen Schriftstellers Jack London. Der Roman besteht hauptsächlich aus dem fiktiven Manuskript der Sozialistin Avis Everhard, in dem sie vom revolutionären Kampf ihres Mannes gegen eine kapitalistische Oligarchie in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt. 700 Jahre später, zur Zeit eines sozialistischen Weltstaates, wird diese Schrift, der Rahmenhandlung des Romans zufolge, entdeckt und mit Kommentaren versehen veröffentlicht. Die erste deutsche Übersetzung von The Iron Heel erschien 1922.
Überblick Im Jahr 419 nach der sozialistischen Weltrevolution wird ein Manuskript aus einer 700 Jahre zurückliegenden Zeit entdeckt. Es wurde von Avis, der Frau des Sozialistenführers Ernst Everhard, geschrieben und handelt von seinem Kampf gegen die kapitalistische Oligarchie. Das Dokument bricht ab mit der 1918 gescheiterten Revolution in Chicago. Avis, eine Professorentochter aus begütertem Haus, lernt Ernst im Februar 1912 kennen. Durch ihn erhält sie Einblicke in eine fremde Welt: Sie hört zu, wie Everhard vor mittelständischen Fabrikanten und der kalifornischen Oberschicht über die schlechten Lebensbedingungen der Arbeiter und die ständig auf Zuwachs abzielenden machtpolitischen Interessen der Kapitalisten spricht. Dabei hält er den Klassenkampf gegen die Eiserne Ferse, die Trusts und Finanzoligarchen, welche die Medien und die Politik der USA beherrschen, für unvermeidlich, um die Reichen zu enteignen und eine sozialistische Weltregierung aufzubauen.
In dieser Zeit erweitert die kapitalistische Oligarchie schrittweise ihre Macht, instrumentalisiert die demokratischen Institutionen und beherrscht den Weltmarkt. Im Inland entmachtet sie den Mittelstand, treibt die verschuldeten Farmer in den Bankerott, beendet die Streiks der Arbeiter gewaltsam durch Streikbrecher und Miliztruppen und spaltet die Gewerkschaften. Nachdem Everhard für die Sozialistische Partei Amerikas in den Kongress gewählt wird, inszeniert die Eiserne Ferse einen Bombenanschlag und beschuldigt ihn als Täter. Er wird mit den anderen sozialistischen Abgeordneten zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt. Während seiner Zeit im Gefängnis entsteht ein Agentenkrieg zwischen den Trusts und den in den Untergrund abgetauchten Revolutionären, die Everhard 1915 aus den Gefängnissen befreien. Er organisiert im Frühjahr 1918 eine Revolution in Chicago, doch die Oligarchie kämpft die Rebellen nieder. Avis und Ernst Everhard entkommen den Verfolgern und planen eine weitere Revolution.
Inhalt Vorwort des Herausgebers In seinem Vorwort bewertet Anthony Meredith, der Herausgeber des Manuskripts,Ardis, 27. November, ca. 2600 n. Chr. oder im Jahr 419 der „Bruderschaft der Menschheit“ (Brotherhood of Man, B.O.M.) nach der sozialistischen Weltrevolution den Sozialistenführer Ernst Everhard als einen Helden der Arbeiterbewegung. Der Fund sei ein bedeutendes Zeugnis aus der 700 Jahre zurückliegenden Frühzeit des revolutionären Kampfes gegen die kapitalistische Oligarchie. Everhards Aktionen endeten mit seiner Hinrichtung 1932.
Everhards Vorträge über die Situation der Arbeiter In den ersten Kapiteln ihres Manuskripts beschreibt Avis den Aufbau ihrer Beziehung zu Ernst Everhard von Respekt über Bewunderung bis zur Liebe und Ehe. Die damals 24-Jährige begegnet dem Sozialphilosophen zum ersten Mal im Februar 1912 im Haus ihres Vaters John Cunningham (Kap. „Mein Adler“). Dieser ist Professor der Naturwissenschaften an der Berkeley-Universität in Kalifornien und für Everhards Ideen aufgeschlossen. Die Gäste diskutieren über Metaphysik und pragmatische Wissenschaft. Everhard wirft den anwesenden Philosophen und Theologen vor, sie würden die schlechte Situation der Arbeiter ignorieren und seien besoldete Stützen der herrschenden Kapitalistenklasse. Zwischen Ernst und Bischof Morehouse entwickelt sich ein Streitgespräch über die gerechte Verteilung des Gewinns der Arbeit. Er kritisiert, dass die Kirche nicht die schlechte Bezahlung und die Kinderarbeit anklagt. Als Beispiel nennt er den Unfall des Arbeiters Jackson, der in der Sierra-Spinnerei, an der auch Cunningham beteiligt ist, einen Arm und damit seinen Arbeitsplatz verlor und keinen Schadensersatz erhielt (Kap. „Anklagen“). Dieser Fall beeinflusst das weitere Leben sowohl von Morehouse als auch von Avis.
Morehouse setzt sich nach diesem Gespräch persönlich für Arbeitslose ein, nimmt zwei Prostituierte in seine Villa auf und appelliert vor einer Versammlung zur Bekämpfung der öffentlichen Unmoral in San Francisco (Kap. „Die Vision des Bischofs“Das Kapitel war Gegenstand eines Plagiatsvorwurfs gegen den Autor. Jack London, Dale L. Walker, Jeanne Campbell Reesman: No mentor but myself: Jack London on writing and writers. Stanford University Press, 2000, ISBN 0-8047-3635-9, S. 121: „Die Kontroverse mit Frank Harris begann in der Vanity Fair-Ausgabe vom 14. April 1909 in einem Artikel von Harris mit dem Titel „Wie Mr. Jack London einen Roman schreibt.“ Anhand paralleler Kolumnen demonstrierte Harris, dass ein Teil seines Artikels, der am 25. Mai 1901 in der britischen Zeitschrift „The Candid Friend“ erschien, in seinem 1908 erschienenen Roman „The Iron Heel“ fast wortwörtlich verwendet wurde“.) an die Zuhörer, diesem Beispiel zu folgen: Die Paläste der Kirche sollten nach Jesus Vorbild Hospitäler und Heime für die sein, die auf Abwege geraten und gefährdet sind. Es sei die Pflicht der Reichen, ähnlich zu handeln. Die vom Großkapital finanzierten Zeitungen berichten nicht über den Inhalt der Rede, sondern nur von einem Schwächeanfall und einem Erholungsurlaub des Bischofs. Sie fürchten offenbar, die Vision des Bischofs würde das Herrschaftssystem zum Einsturz bringen. Nach seiner Behandlung in der Psychiatrie verkauft Morehouse insgeheim seinen Besitz, taucht unter und unterstützt arme Menschen, z. B. eine alte Frau, die in Heimarbeit als Schneiderin nur ihre Miete finanzieren kann. (Kap. „Der Bischof“)
Avis ist zuerst von Ernsts provozierender Art im Umgang mit den Diskussionspartnern abgestoßen und darüber irritiert, dass er sie, als Tochter aus begütertem Hause, und ihren Vater als Aktienbesitzer und Angehörigen der besitzenden Klasse für die Nöte der Arbeitet mitverantwortlich macht. Sie ist jedoch beeindruckt von seiner Direktheit und seinem Engagement für die Armen, und sie verliebt sich mit der Zeit in ihn. Wie für Morehouse so ist das Schicksal Jacksons auch für sie das Schlüsselerlebnis. Avis will wissen, warum er seinen Prozess um Schadensersatz verloren hat. Sie spricht mit ihm (Kap. „Jacksons Arm“), seinem Anwalt und den Vorarbeitern, die vor Gericht als Zeugen aussagten, und erfährt, dass alle von der Firma unter Druck gesetzt worden sind und Angst um ihren Arbeitsplatz hatten. Deshalb beschuldigten sie Jackson der Unvorsichtigkeit. Avis recherchiert weiter (Kap. „Sklaven der Maschine“): Alle Gesprächspartner bestätigen entweder eine direkte oder indirekte Abhängigkeit von der Firma, wie der Rechtsanwalt Ingram und die Journalisten, oder sie lehnen eine Verantwortung ab, wie Wickson und Pertonwaithe, die beiden Hauptaktionäre der Sierra-Spinnereien, und ihre Frauen. Avis schreibt daraufhin einen Zeitungsartikel über Jacksons Fall, dieser wird von keiner Redaktion angenommen. Alle Zeitungen sind abhängig von der „Herrenmoral des Kapitals“ und veröffentlichen deren Meinung, sie würden Arbeitsplätze schaffen und keine Fahrlässigkeit belohnen.
Everhards Forderung nach einer Umverteilung des Besitzes Avis lernt Everhards Theorie des Agglomerationsprozesses der Marktwirtschaft und seine Methode der Agitation durch seine Reden bei zwei Veranstaltungen kennen. In einem Vortrag vor einem exklusiven Klub der reichsten Leute der Stadt (Kap. „Die Wissbegierigen“) stellt Ernst zuerst seine Biographie als Arbeiter und seine Begegnungen mit den sozialistischen Führern und ihren Forderung an die Unternehmer dar. Dann kritisiert er die Macht- und Geldgier der anwesenden Kapitalisten, wirft ihnen Versagen bei der Organisation menschlicher Arbeits- und Lebensbedingungen vor und präsentiert den Plan der Sozialisten, durch den Gewinn der Wahlen die Herrschaft zu erringen und die Verhältnisse zu ändern. Dann würden die Reichen enteignet und ihr Geld umverteilt werden. Der Unternehmer Wickson antwortet ihm, sie würden ihre Macht nicht abgeben und wenn nötig mit Waffengewalt verteidigen. Darauf droht Everhard ihm mit einer Revolution.
In einer Versammlung mittelständischer Unternehmer in Cunninghams Haus (Kap. „Die Maschinenstürmer“) spricht Everhard über die Mehrwerttheorie von Marx und dessen Prognose über den Aufstieg und das Ende des Kapitalismus: Die mittelständischen Firmen, die kleine, nicht konkurrenzfähige Geschäfte aufgekauft haben, können ihrerseits nicht dem Konkurrenzdruck der Trusts standhalten und werden von ihnen übernommen. Es ist das Gesetz der Marktwirtschaft. Die Trusts beherrschen die Presse und die Regierung. Diese Entwicklung führt zu immer größeren nationalen und internationalen Einheiten, bis die Marktwirtschaft zusammenbricht und eine Oligarchie alles beherrscht. Es gibt keine Konkurrenz mehr. Alle arbeiten jetzt für die Oligarchie, die Eiserne Ferse, die alles zertreten kann. Eine Alternative wäre ein sozialistischer Staat, welcher die Machtverhältnisse umkippt, das Vermögen der Reichen gleichmäßig verteilt und für gerechte Löhne und Lebensverhältnisse sorgt. Ernst appelliert an den Mittelstand, sich für die Sozialisten zu entscheiden.
Repressalien gegen Everhard und seine Anhänger Mit dem 9. Kapitel „Der Strudel“ beginnt der gezielte Kampf der Eisernen Ferse gegen Ernst Everhard und Cunningham. Schon nach den ersten Veranstaltungen im Frühjahr werden Avis, als Everhards Verlobte, und ihr Vater von ihrer Klasse immer mehr von Veranstaltungen ausgeschlossen (Kap. „Schatten“): Die Oligarchie übt zuerst noch sanften Druck aus und versucht sie in ihren Reihen zu halten. Cunningham wird gedrängt, für zwei bezahlte Forschungsjahre ins Ausland zu gehen und dort an seinem Buch zu arbeiten. Everhard erhält ein Angebot der Regierung, den Posten als Arbeitskommissar der Vereinigten Staaten zu übernehmen. Er sieht darin ein Bestechung und den Versuch, ihn von den Arbeitern zu trennen und diesen ihren Führer zu nehmen. Beide lehnen ab. Dann verliert Cunningham seinen Lehrstuhl. Er findet keinen Verlag, der sein Buch veröffentlicht, und er wird von der Presse als Irrer denunziert (Kap. „Der Strudel“). Darauf verliert er durch Manipulationen sein Vermögen: seine Papiere werden gestohlen oder gefälscht und seine Aktien verschwinden. Er muss das Haus verkaufen, weil er eine angebliche Hypothek nicht bezahlen kann. Zurückgezogen lebt er in einer kleinen Mietwohnung in San Francisco und ernährt sich von kleinen Dienstleistungen (Kap. „Das große Ereignis“). Später verliert sich seine Spur, ebenso wie die vieler anderer alten Bekannten von Avis (Kap. „Die Verwandlung“). Nur von Morehouse ist bekannt, dass er beim Aufstand von Chicago ums Leben kam. (Kap. „Alpträume“)
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