Hendrik van Heuraet (* wahrscheinlich 8. September 1634 in Haarlem; † um 1660 wahrscheinlich in Leiden) war ein niederländischer Mathematiker.

Leben und Wirken Sein genaues Geburtsdatum ist nicht genau bekannt. Es lässt sich aber vom 2. Februar bis 8. September 1634 eingrenzen. Die Übertragungsurkunde für sein Erbe, das er frühestens mit 21 Jahren antreten konnte, ist auf den 8. September 1655 datiert.

Sein Vater Abraham van Heuraet († 1652) war ein Kleiderhändler, der aus Hamburg nach Haarlem gezogen war und dort 1631 Maria de Coninck († 1636) heiratete. Nach dem Tod der Mutter machte die Familie harte Zeiten durch, als der Vater vorübergehend in finanzielle Schwierigkeiten kam.

Heuraet studierte ab 1653 an der Universität Leiden Medizin. Nebenbei studierte er privat Mathematik bei Frans van Schooten, wie auch Johan Hudde und Christian Huygens. 1655 wurde er durch sein Erbe finanziell unabhängig. 1658 studierte er mit Hudde an der protestantischen Universität in Saumur, bevor er sein Medizinstudium in Leiden fortsetzte.

Heuraet gehörte zum Kreis von Mathematikern (wie Huygens, Slusius, Hudde, Johan de Witt) um Frans van Schooten, die in Leiden die analytische Geometrie von Descartes weiterentwickelten. Heuraet befasste sich insbesondere mit Rektifizierung von Kurven (Bogenlänge). Speziell gab er in einem Brief von 1658 (Epistola de transmutatione curvarum linearum in rectas) an van Schooten die Bogenlänge einer Parabel als Integral an, wie auch unabhängig William Neile bei einer anderen Kurve und allgemeiner Pierre de Fermat um dieselbe Zeit. Die Zurückführung der Bestimmung einer Bogenlänge auf eine Flächenbestimmung wurde von den damaligen Mathematikern als großer Fortschritt gesehen. Im selben Jahr kam es deswegen auch zu einem Prioritätsstreit mit Huygens. Heuraet gehört mit seiner Arbeit zu den Mathematikern in der Frühgeschichte der Analysis.

Über sein späteres Leben ist wenig bekannt. Er wird in einem Brief von Huygens 1659 erwähnt, aber nicht mehr in späteren Briefen.

Schrift Epistola de transmutatione curvarum linearum in rectas. In: Frans van Schooten: Geometria a Renato des Cartes anno 1637 Gallice edita, postea autem. 2. Auflage, Band 1, Lowijs & Daniel Elzevier, Amsterdam 1659, S. 517–520 (Digitalisat).

Literatur A. W. Grootendorst, J. A. van Maanen: Van Heuraet’s letter (1659) on the rectification of curves. Text, translation (English, Dutch), commentary. In: Nieuw Archief voor Wiskunde. 3. Folge, Band 30, 1982, S. 95–113. K. Hoogendoorn: Hendrik van Heuraet. In: K. Hoogendoorn: Bibliography of the exact sciences in the Low Countries from ca. 1470 to the Golden Age (1700). 2018, ISBN 978-90-04-29794-4, S. 470. Jan A. van Maanen: Hendrick van Heureat (1634–1660?): His life and mathematical work. In: Centaurus. Band 27, Nr. 3, 1984, S. 218–279 (doi:10.1111/j.1600-0498.1984.tb00781.x). Dirk Struik: Heuraet, Hendrik Van. In: Complete Dictionary of Scientific Biography. Band 6, Charles Scribner’s Sons, 2008, S. 359. Cornelis de Waard: Heuraet, Hendrik van. In: Nieuw Nederlandsch biografisch woordenboek. Band 1, 1911, S. 1098–1099 (Digitalisat).

Weblinks

De curvarum linearum in rectas transmutatione im Projekt Nova Scientia: Early Modern Scientific Literature and Latin (NOSCEMUS)

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