Fotoportrait Oskar Strock als jüngerer Mann Link zum Bild (Bitte Urheberrechte beachten) mini|Oskar Strok
Oscar Davidowitsch Strok, auch Strock, auch Oskar (, ; * in Daugavpils, Russisches Kaiserreich; † 22. Juni 1975 in Riga, Lettische SSR) war ein lettischer Kapellmeister, Komponist, Arrangeur und Pianist.
Leben Oscar Strocks Vater war Berufsmusiker in einem Theaterorchester.lt. Lotz, Diskographie jedoch: Militärmusiker in der Kaiserlich Russischen Armee Fotoportrait Oskar Strock als älterer Mann Link zum Bild (Bitte Urheberrechte beachten)
Da Strock sich bereits als Kind sehr für Musik begeisterte, erlernte er nach Gitarre und Balalaika das Violin- und später das Klavierspiel. Mit zwölf Jahren begann er ein Musikstudium am Konservatorium in St. Petersburg. Eine seiner ersten Kompositionen, mit denen er auf sich aufmerksam machte, war die Vertonung eines Gedichts von Puschkin, welche später in der Interpretation durch die populäre russische Sängerin Anastassija Wjaltsewa(1871–1931), Sängerin von Operetten und Zigeuner-Romanzen, ‘and one of the great charmeuses of the day’, cf. , endete durch Selbstmord – zit. nach Tangopedia: Kurzbiografie von Oscar Strock (englisch), wo allerdings nähere Angaben zum Stück vorenthalten bleiben. bekannt wurde.
Auch seine sieben Brüder studierten Musik in St. Petersburg; am bekanntesten von ihnen wurde der Konzertgeiger Leo Strokoff (auch: Strockoff),vgl. Lotz, Diskographie, ein Photo des Künstlers in: Amsterdam NY Daily Democrat and Reporter, 1928 (PDF; 896 kB): Leo Strockoff – American violinist, composer and lyricist, a student of Eugène Ysaÿe (* July 16, 1858, Liege – May 12, 1931, Brussels) ein Schüler von Eugène Ysaÿe.
Die Anfänge von Strocks Musikerlaufbahn waren eher bescheiden: Er arbeitete als Korrepetitor, als Kinoklavierspieler und als Cafépianist. Er heiratete eine Italienerin österreichischer Herkunft und gründete eine Familie. Nach der Geburt des ersten Kindes kehrte Strock in seine Heimatstadt Riga zurück.Marģers Vestermanis: Juden in Riga. Auf den Spuren des Lebens und Wirkens einer ermordeten Minderheit. 3. verbesserte und erweiterte Ausgabe in deutscher Sprache. Edition Temmen, Bremen 1995, ISBN 3-86108-263-2, S. 58. Er versuchte sich als Verleger und brachte die literarische Zeitschrift Novaya Newa heraus, daneben veröffentlichte er Bücher und Musiknoten.
In den 1920er und 1930er Jahren war Strock in Lettland Pianist und Leiter einer Tanzkapelle. Außerdem komponierte er und schrieb Lieder, Balladen, Walzer und Jazzstücke. Seine besondere Liebe aber galt dem Tango,vgl. Lloica Czackis: Yiddish Tango during the Holocaust: Eastern-European popular musicians associated with the tango, such as violinist Paul Godwin, composers and swing band directors Henryk and Artur Gold, and composers Zygmund Białostocki, Oskar Strock and Jerzy Petersburski. den er keineswegs nur als Gebrauchsmusik oder gar als Zugeständnis an die Mode verstand.„Seine Tangos haben allerdings alles, was man von einem Tango erwarten kann, von der Leichtigkeit Sebastian Iradiers bis zur schmerzvoll-philosophischen Tiefe eines Astor Piazollas“ schreibt Dmitri Dragilew 1998:
1927/28 unternahm Strock eine Reise nach Paris und versuchte sich dort niederzulassen. In Berlin nahm er mit einem eigenen Orchester 1929 mehrere seiner Kompositionen bei Adler-Electrovgl. Adler-Record auf. Bei dieser Firma begleitete er im August 1930 auch den Refrainsänger und nachmals erfolgreichen Schlagerkomponisten Walter Jurmann.vgl. z. B. Adler-Electro Nr.5490 (mx. 7527) Mein Liebster muß Trompeter sein, Marsch-Foxtrot (Hans May, Alexander Flessburg): Walter Jurmann, mit Jazz-Orchester, Leitung Oscar Strock, aufgen. 08-1930, und die Rückseite Adler-Record Nr. 5490 (mx. 7528) Veronika, der Lenz ist da, Foxtrot (Walter Jurmann, Fritz Rotter): Walter Jurmann, mit Jazz-Orchester, Leitung Oscar Strock, aufgen. 08-1930. Eine Aufnahme mit dem Refrainsänger Alexander A. Balaban als „Fred King“vgl. Fred King (Pseudonym), acc. jazz orchestra, Conductor Oscar Strock ist auf dem Ultraphon-Label erhalten. Sein erster eigener kompositorischer Erfolg war der Tango Schwarze Augen (Черные глаза), zuerst aufgenommen in Berlin im Herbst 1929 durch das Orchester Marek Weber.
Zur Strocks Entdeckung zählte der russische Bariton Pjotr Leschtschenko/Петр Лещенко. Viele Lieder von Strock sind in der Interpretation von Pjotr Leschtschenko berühmt geworden. Namhafte Interpretenvgl. Oscar Davidovich erinnert sich wie der in Riga lebende Tenor Konstantin Sokolski sangen Strocks Tangoballadenvgl. Dmitri Dragilew im „Kunstpalast Berlin“: Es gab in Russland einem Komponisten, der sich fast ausschließlich dem Tango widmete und eine Reihe von Tangos par excellence schuf. Sein Name ist Oskar Strock (1893–1975). Die Schallplattenpremiere seines ersten Tangos fand 1929 in Berlin statt. und Zigeuner-Romanzen für die Schallplatte. Drei seiner berühmtesten Stücke spielte das Orchester von Marek Weber für Electrola ein; die Refrains sang auf Russisch Marek Belorusov.eigentlich „Mark Levin“, sang auch unter dem Künstlernamen „Boris Baikaloff“, vgl. In der Sowjetunion spielten die großen Jazzorchestervgl. dazu Walter Deutsch u. a., S. 219 ff. von Alexander Naumowitsch Zfasman, Leonid Ossipowitsch Utyosov/Леонид Осипович Утёсовeigentlich Lazar Weissbein, vgl. kehilalinks und Jakow Borissowitsch Skomorowski Strocks Kompositionen.Oscar Strock, Aleksandr Bayanov, Konstantin Sokolsky, Vladimir Nepljujew Link zum Bild (Bitte Urheberrechte beachten)
Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten zwang Strock als jüdischen Künstler 1933 zur Flucht.Der Schöpfer des Welterfolgs „Zwei dunkle Augen“ musste 1933 vor den Nazis fliehen... schreibt „bus“ 2008 in den Schaumburger Nachrichten Er verließ Deutschland und kehrte mit seiner Familie in seine Heimat nach Lettland zurück. Dort spielte er mit eigenem Orchester („Oskara Stroka džesa orkestris“) seine Kompositionen auf Schallplatten der Firma „Bellaccord“ ein, die Helmars Rudzītis 1931 in Riga gegründet hatte.
Finanzielle Probleme in den 1930er Jahren, die sich ergaben als seine Versuche als Verleger scheiterten und auch die Eröffnung eines Restaurants in Riga erfolglos blieb, danach politische Verfolgung und Aufführungsverbote in den späten 1940er und 1950er Jahren, als Lettland sowjetische Unionsrepublik war,vgl. Lettische SSR machten für Strock das Leben vor wie nach der Rückkehr beschwerlich.
Im Zweiten Weltkrieg wurde er noch vor der deutschen Eroberung Lettlands mit seiner Familie nach Alma Atá evakuiert und er fand dort eine Beschäftigung als Pianist eines Unterhaltungsorchesters bei der Truppenbetreuung. Nach Kriegsende kehrte er nach Riga zurück, doch nun galten seine Kompositionen als dekadent: Nach dem Zweiten Weltkrieg war westliche Musik in der Sowjetunion unerwünscht.vgl. dazu Lücke, S. 158 ff. Die staatliche Musikergewerkschaft weigerte sich, ihn aufzunehmen, seine Kompositionen durften nicht mehr gedruckt, verkauft und aufgeführt werden.vgl. Lotz, Diskographie
Strock ließ trotz aller Widrigkeiten bis zu den letzten Minuten seines Lebens nicht von der Musik. Noch im Alter von 80 Jahren setzte er sich ans Klavier und spielte.so Tangopedia: Kurzbiografie von Oscar Strock (englisch)
In das Blickfeld der Öffentlichkeit geriet Strock indes erst wieder in den 1970er Jahren. Bekannt sind unter anderem die Aufnahmen von Alfred Hause. Ehe es jedoch zu einem Comeback kommen konnte, starb er während der Vorbereitungen für ein Konzert am 22. Juni 1975 in Riga an Herzversagen.
Werk Strock schrieb mehr als 300 Musikstücke, darunter knapp 50 Tangos, die große Bekanntheit erreichten und in allen großen Städten aufgeführt wurden: In Berlin, Paris und Warschau waren sie gleichermaßen zu hören, sowohl in Gasthäusern und Cafés als auch in Konzertsälen und Tanzlokalen. Viele Schallplatten wurden davon in aller Welt aufgenommen und gepresst.Seine Aufnahmen in Berlin bei Adler Electro umfassen 20 Titel, weitere entstanden zwischen 1935 und 1945 in Riga bei Bellaccord, vgl. Lotz, Diskographie In Übersee waren sie in Nachpressungen europäischer Matrizen („recorded in Europe“) zugänglich.
Zu seinen bekanntesten Tangos gehören: Zwei Dunkle Augen schau’n mich an / Schwarze Augen (Чёрные глаза) Sagen Sie, warum (Скажите, почему?) Musenka / O Mia Cara (Мусенька) Mondscheinrhapsodie (Лунная рапсодия) Schlaf mein armes Herz (Спи, мое бедное сердце) Mein letzter Tango (Мое последнее танго) Verlaß mich nicht (Не покидай)
Oskar Stroks Tango-Kompositionen waren europaweit erfolgreich, man spielte sie auch in Jugoslawien, Rumänien, Ungarn und der Sowjetunion. Als er 1935 eine Fernost-Tournee unternahm, erreichten sie sogar China und Japan. So kam es, dass man ihm den Beinamen „Tango-König“ verlieh.vgl. Dragilev "The true king of russian tango": „Er blieb ein ungekrönter König des europäischen Tangostils und fand viele Nachahmer“ und Artikel „Konzert mit Tango König“ von bus: Strock (1893 bis 1975) gilt als der osteuropäische Tango-Komponist schlechthin. „Er hat Melodien geschrieben, die nicht nur in Russland und Lettland zu Evergreens wurden, sondern auch viele Nachahmer in den benachbarten Territorien fanden“...
Bei aller Weltläufigkeit vergaß Strock nie seine jüdischen Wurzeln.„Schaffen und Schicksal Strocks sind mit der russischen, baltischen, deutschen und jiddischen Kultur und Geschichte des 20. Jahrhunderts unmittelbar verbunden.“ („bus“ 2008 in den „Schaumburger Nachrichten“)
Zu Jack Yellens und Lew Pollacks berühmtem Lied My Yiddische Mame, das er auch selber als Tango bearbeitete und aufnahm, schrieb er einen russischen Text: Сердце матери.Сердце матери (Моя еврейская мама) / Mother’s Heart (My Yiddische Mame), tango (Jack Yellen, Lew Pollack, arr. Oscar Strock, Lyrics by Oscar Strock) : Adler-Electro und Eltag Nr.5483 (mx. 7441), 1930. Davon gab es auch eine lettische Aufnahme: Mates sirds (Сердце матери) Tango. Oskars Stroks ar savu džesu orkestri ar krievu refrenu, vgl.
Zusammen mit Igor S. Korntayer schrieb er das jiddische Tangolied Vu Ahin Zol Ikh Geyn?/Скажи, куда мне идти?,(additional English lyrics by Sonny Miller & Leo Fuld) vgl. yiddishmusic und Igor S. Korntayer: He is best known for the song “Vu ahin zol ikh geyn?” (Where Shall I Go?) written with „tango-king“ Oskar Strock.; jiddischer und russischer Text nachzulesen bei welches der niederländische Sänger Leo Fuld weltbekannt machte.
Nachwirken Der 1947 in Riga geborene Geiger Gidon Kremer widmete Oscar Strok die Komposition All in the Past: Remembering Oscar Strock, for violins and strings.Enthalten auf der CD Tracing Astor: Gidon Kremer plays Astor Piazzolla. Auch der israelische Geiger Itzhak Perlman (geb. 1945 in Jaffa) spielte Werke Strocks ein.CD Itzhak Perlman plays popular Jewish melodies, Track 9, erschienen bei EMI Classics, 25. Oktober 1990.
Der lettische Komponist Georgs Pelēcis komponierte 2001 Astor Piazzolla, Oskar Strock and me, or „Buena Riga“: for violin and string orchestra für Solovioline und Streichorchester. Das 17 Minuten lange Werk erschien bei den Verlagen Musica Baltica in Riga und Schott Music in Mainz.
Junge Musiker, die sich für Osteuropa und die Musik der klezmorim zu interessieren beginnen, nehmen Kompositionen Stroks in ihr Repertoire auf. Zu ihnen zählen in jüngerer Zeit die Gruppen Kasbek und Emanuel.„Kasbek“ – Klezmer à la russe (1996). Die erste Platte von Kasbek. Sie wurde vom 11. bis 13. September 1995 in Berlin aufgenommen. Enthält als track 15 Stroks Tango Eti tshorniye glaza (3:07). (Französisch; PDF; 477 kB) und Das Klezmer – TRIO EMANUEL auf ihrer CD „shpet in der nakht“ spielt von Strock „Vi ahin zol ikh gejn?“