Das Gerichtsstrukturgesetz regelt die Einrichtung der Gerichte und Staatsanwaltschaften des Landes Mecklenburg-Vorpommern und deren örtliche Zuständigkeit. Die örtliche Zuständigkeit der Gerichte wird neben dem Gerichtsstrukturgesetz auch durch dessen AusführungsgesetzGesetz zur Ausführung des Gerichtsstrukturgesetzes vom 10. Juni 1992, GVOBl. M-V 1992, S. 314., einige Verordnungen des JustizministeriumsVerordnung über die Konzentration von Zuständigkeiten der Gerichte (Konzentrationsverordnung – KonzVO M-V) vom 28. März 1994, GVOBl. M-V 1994, S. 514;Verordnung über die amtsgerichtlichen Zweigstellen und weitere Vorschriften zur Umsetzung des Gerichtsstrukturneuordnungsgesetzes (Zweigstellenverordnung – ZweigstVO M-V) vom 15. Januar 2014, GVOBl. M-V 2014, S. 29;Verordnung zur Bestimmung des zentralen Vollstreckungsgerichts vom 16. Dezember 2010, GVOBl. M-V 2010, S. 804;Landesverordnung zur Konzentration von Asylverfahren bei den Verwaltungsgerichten nach Herkunftsstaaten (Asylverfahrenkonzentrationslandesverordnung – AsylVfKonzLVO M-V) vom 17. Dezember 2015, GVOBl. M-V 2015, S. 642;Verordnung über die Zuständigkeit der Sozialgerichte vom 15. Dezember 2004, GVOBl. M-V 2004, S. 569. und Staatsverträge mit anderen LändernAbkommen über die Zuständigkeit des Amtsgerichts Hamburg für die seerechtlichen Verteilungsverfahren vom 6. November 1991, GVOBl. M-V 1992, S. 366;Abkommen zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und dem Land Mecklenburg-Vorpommern über die Zuständigkeit des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Binnenschiffahrtssachen vom 1. Juni/12. August 1993, GVOBl. M-V 1993, S. 594;Abkommen über die Zuständigkeit des Landgerichts Hamburg für Rechtsstreitigkeiten über technische Schutzrechte vom 17. November 1992, GVOBl. M-V 1993, S. 919;Staatsvertrag über die Zuständigkeit des Amtsgerichts Rostock für das Seeschiffsregister und im Dispacheverfahren vom 29. August 1994, GVOBl. M-V 1995, S. 655;Staatsvertrag über die Zuständigkeit des Amtsgerichts Magdeburg für das Binnenschiffsregister vom 6. März 1995, GVOBl. M-V 1995, S. 599;Staatsvertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und dem Land Mecklenburg-Vorpommern über die Errichtung eines gemeinsamen Mahngerichts vom 17. August 2005, GVOBl. M-V 2005, S. 512;Staatsvertrag zwischen dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Freien und Hansestadt Hamburg über die Zuständigkeit des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg in Staatsschutz-Strafsachen vom 16. Februar 2012, GVOBl. M-V 2012, S. 250;Staatsvertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und den Ländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern über die Errichtung eines gemeinsamen Senats des Finanzgerichts Hamburg vom 4. November bis 19. Dezember 2024, GVOBl. M-V 2025, S. 198. geregelt.
Das Gerichtsstrukturgesetz wurde mehrfach geändert, wobei die letzte Reform vom November 2013 zu zahlreichen Protesten führte. Mit einem Volksbegehren wandten sich über 120.000 Bürger vor allem gegen die Standortschließungen einiger Amtsgerichte. Am 6. September 2015 fand hierzu ein Volksentscheid statt. Dieser scheiterte allerdings am Zustimmungsquorum.
Die Verfassungsgerichtsbarkeit ist nicht im Gerichtsstrukturgesetz normiert. Regelungen zum Landesverfassungsgericht Mecklenburg-Vorpommern sind stattdessen im LandesverfassungsgerichtsgesetzGesetz über das Landesverfassungsgericht Mecklenburg-Vorpommern (Landesverfassungsgerichtsgesetz – LVerfGG M-V) vom 19. Juli 1994, GVOBl. M-V 1994, S. 734. und in der LandesverfassungVerfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern vom 23. Mai 1993, GVOBl. M-V 1993, S. 372. enthalten.
Inhalt Gerichte Das Gesetz legt folgende Gerichtsstruktur für Mecklenburg-Vorpommern fest:
Ordentliche Gerichtsbarkeitrahmenlos|hochkant=0.7|links|Gebäude des OberlandesgerichtsOberlandesgericht Rostock rahmenlos|hochkant=0.7|zentriert|Gebäude des Landgerichts Schwerin Landgericht Schwerin Amtsgericht Ludwigslust Amtsgericht Schwerin Amtsgericht Wismar Amtsgericht Gadebusch (aufgehoben am 31. Dezember 1997Art. 1 Abs. 23 Gesetz über kostensenkende Strukturmaßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern vom 25. September 1997, GVOBl. M-V 1997, S. 502.) Amtsgericht Grevesmühlen (aufgehoben am 13. Juli 2015Art. 1 Nr. 4 des Gesetzes zur Änderung des Gerichtsstrukturgesetzes und weiterer Rechtsvorschriften (Gerichtsstrukturneuordnungsgesetz) vom 11. November 2013, GVOBl. M-V 2013, S. 609.) Amtsgericht Hagenow (aufgehoben am 16. März 2015)Amtsgericht Parchim (aufgehoben am 11. Mai 2015) Amtsgericht Plau am See (aufgehoben am 31. Dezember 1997) Amtsgericht Sternberg (aufgehoben am 31. Dezember 1997) rahmenlos|hochkant=0.7|zentriert|Gebäude des Landgerichts Rostock Landgericht Rostock Amtsgericht Güstrow Amtsgericht Rostock Amtsgericht Bad Doberan (aufgehoben am 11. Mai 2015) Amtsgericht Bützow (aufgehoben am 31. Dezember 1997) Amtsgericht Ribnitz-Damgarten (bis 30. September 1994Gerichtsstrukturänderungsgesetz vom 28. Juni 1994, GVOBl. M-V 1994, S. 657.) Amtsgericht Teterow (ab 1. Oktober 1994, aufgehoben am 31. Dezember 1997) rahmenlos|hochkant=0.7|zentriert|Gebäude des Landgerichts Stralsund Landgericht Stralsund Amtsgericht Greifswald Amtsgericht Stralsund Amtsgericht Anklam (aufgehoben am 6. Oktober 2014)Amtsgericht Bergen auf Rügen (aufgehoben am 23. November 2015) Amtsgericht Demmin (bis 30. September 1994) Amtsgericht Grimmen (aufgehoben am 31. Dezember 1997) Amtsgericht Pasewalk (bis 30. September 1994) Amtsgericht Ribnitz-Damgarten (ab 1. Oktober 1994, aufgehoben am 27. Februar 2017) Amtsgericht Ueckermünde (bis 30. September 1994)Amtsgericht Wolgast (aufgehoben am 31. August 2015) rahmenlos|hochkant=0.7|zentriert|Gebäude des Landgerichts Neubrandenburg Landgericht Neubrandenburg Amtsgericht Neubrandenburg Amtsgericht Pasewalk (ab 1. Oktober 1994) Amtsgericht Waren (Müritz) Amtsgericht Altentreptow (aufgehoben am 31. Dezember 1997) Amtsgericht Demmin (ab 1. Oktober 1994, aufgehoben am 28. September 2015) Amtsgericht Malchin (aufgehoben am 31. Dezember 1997) Amtsgericht Neustrelitz (aufgehoben am 2. Februar 2015) Amtsgericht Röbel (aufgehoben am 31. Dezember 1997) Amtsgericht Strasburg (aufgehoben am 31. Dezember 1997) Amtsgericht Teterow (bis 30. September 1994) Amtsgericht Ueckermünde (ab 1. Oktober 1994, aufgehoben am 1. Dezember 2014)Arbeitsgerichtsbarkeit rahmenlos|hochkant=0.7|links|Gebäude des LandesarbeitsgerichtsLandesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern (in Rostock) Arbeitsgericht Rostock Arbeitsgericht Schwerin Arbeitsgericht Stralsund Arbeitsgericht Neubrandenburg (ab 1. Januar 20022. Gerichtsstrukturänderungsgesetz vom 18. Dezember 1995, GVOBl. M-V 1995, S. 652., aufgehoben am 6. Oktober 2014) Arbeitsgericht Neustrelitz (aufgehoben am 31. Dezember 2001)Sozialgerichtsbarkeit rahmenlos|hochkant=0.7|links|Gebäude des LandessozialgerichtsLandessozialgericht Mecklenburg-Vorpommern (in Neustrelitz, bis 1. März 2015 in Neubrandenburg) Sozialgericht Neubrandenburg Sozialgericht Rostock Sozialgericht Schwerin Sozialgericht StralsundVerwaltungsgerichtsbarkeit rahmenlos|hochkant=0.7|links|Gebäude des OberverwaltungsgerichtsOberverwaltungsgericht Mecklenburg-Vorpommern (in Greifswald) Verwaltungsgericht Greifswald Verwaltungsgericht SchwerinFinanzgerichtsbarkeit rahmenlos|hochkant=0.7|links|Gebäude des FinanzgerichtsFinanzgericht Mecklenburg-Vorpommern (in Greifswald) Zudem wurden sechs Zweigstellen eingerichtet, die jeweils einem Amtsgericht zugeordnet sind. Amtsgericht Zweigstelle Ludwigslust Parchim Neubrandenburg Demmin Pasewalk Anklam Wismar Grevesmühlen Waren (Müritz) Neustrelitz Stralsund Bergen auf Rügen
In der Anlage zum Gesetz wird die Zugehörigkeit der jeweiligen Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns zu einem Amtsgerichtsbezirk festgelegt.
Staatsanwaltschaften mini|hochkant=0.7|Sitz der Generalstaatsanwaltschaft Rostock Beim Oberlandesgericht Rostock wurde die Generalstaatsanwaltschaft Rostock eingerichtet. Sie ist für die Gerichtsbezirke der Landgerichte und somit für das Gebiet des gesamten Landes zuständig. Die in den jeweiligen Landgerichtsbezirken zuständigen Staatsanwaltschaften wurden bei den Landgerichten Neubrandenburg, Rostock, Schwerin und Stralsund eingerichtet.
Das Gerichtsstrukturgesetz regelt nicht die Bildung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften. In Mecklenburg-Vorpommern wurden durch eine Verwaltungsvorschrift Schwerpunktstaatsanwaltschaften zur Bearbeitung von Wirtschaftsstrafsachen eingerichtet.Allgemeine Verwaltungsvorschrift Schwerpunktstaatsanwaltschaften zur Bearbeitung von Wirtschaftsstrafsachen vom 13. April 1993 – III A 321/3262-17 –, AmtsBl. M-V 1993, S. 937.
Verordnungsermächtigung Des Weiteren enthält das Gerichtsstrukturgesetz eine Ermächtigungsgrundlage. Demnach wird das Justizministerium ermächtigt für bestimmte Fälle, wie der Aufhebung eines Gerichts, Rechtsverordnungen zu erlassen. Davon wurde im Januar 2014 mit der Zweigstellenverordnung Gebrauch gemacht. Hiergegen klagte das Präsidium des Amtsgerichts Stralsund vor dem Oberverwaltungsgericht Mecklenburg-Vorpommern. Im Rahmen einer Normenkontrolle bestätigte dieses zwar in seinem Urteil vom 2. Juni 2015 die Befugnis des Landtages Mecklenburg-Vorpommern eine solche Verordnungsermächtigung zu erlassen. Die konkrete Ausgestaltung der Zweigstellenverordnung schränkt nach Meinung des Oberverwaltungsgerichts allerdings die Befugnis des Amtsgerichtspräsidiums zur Geschäftsverteilung ein.OVG M-V, Urteil vom 2. Juni 2015 – 2 K 13/15. Dies sei ein Verstoß gegen das Gerichtsverfassungsgesetz und somit gegen höherrangiges Bundesrecht. Abs. 1 GVG.
Dem voraus ging eine Normenkontrollklage des Präsidiums des Amtsgerichts Bergen auf Rügen, welche im März 2015 wegen fehlender Antragsberechtigung als unzulässig abgewiesen wurde.OVG M-V, Urteil vom 25. März 2015 – 2 K 22/14. Das Oberverwaltungsgericht ließ keine Revision gegen dieses Urteil zu. Eine Beschwerde hiergegen hatte vor dem Bundesverwaltungsgericht keinen Erfolg.BVerwG, Beschluss vom 27. Oktober 2015 – 1 BN 1.15.
Da die Zweigstellenverordnung in wesentlichen Teilen für unwirksam erklärt wurde, erließ das Justizministerium im September 2015 eine Verordnung zu deren Änderung.Erste Verordnung zur Änderung der Zweigstellenverordnung vom 21. September 2015, GVOBl. M-V 2015, S. 290, (PDF; 29 kB).
Reformen Erstes, zweites und drittes Änderungsgesetz Die ursprüngliche Fassung des Gerichtsstrukturgesetzes vom 19. März 1991 wurde mehrfach reformiert. So wechselten durch das Inkrafttreten des ersten Gerichtsstrukturänderungsgesetzes (GStrukÄndG) am 1. Oktober 1994 einige der insgesamt 31 Amtsgerichte in einen anderen Landgerichtsbezirk. Außerdem wurden sämtliche Gerichtsbezirke dem nach der Kreisreform von 1994 geltenden Gebietsstand angepasst.
Mit dem zweiten Änderungsgesetz vom 18. Dezember 1995 wurde das Arbeitsgericht Neustrelitz am 1. Januar 2002 nach Neubrandenburg verlegt.
Durch das Gesetz über kostensenkende Strukturmaßnahmen wurde das Gerichtsstrukturgesetz ein drittes Mal geändert und dessen Neufassung am 7. April 1998 im Gesetz- und Verordnungsblatt bekanntgemacht. Es kam zu einer Umwandlung von zehn Amtsgerichten in Zweigstellen, welche nacheinander schrittweise bis Mai 2009 geschlossen wurden.
Gerichtsstrukturneuordnungsgesetz
Am 9. Oktober 2013 beschloss der Landtag mit Mehrheit der Regierungsfraktionen CDU und SPD das Gerichtsstrukturneuordnungsgesetz, welches ab dem 6. Oktober 2014 eine schrittweise Reduzierung der Amtsgerichte von 21 auf 10 und die Errichtung von 6 Zweigstellen vorsah. Ebenso wurde das Arbeitsgericht Neubrandenburg aufgehoben und zur auswärtigen Kammer des Arbeitsgerichts Stralsund umgewandelt. Weitere Änderungen betrafen unter anderem das Landessozialgericht, welches am 2. März 2015 seinen Sitz von Neubrandenburg nach Neustrelitz verlegt hat. Außerdem fügte man die Verordnungsermächtigung ins Gerichtsstrukturgesetz ein, woraufhin die Zweigstellenverordnung erlassen wurde.