Der Landratsbezirk Dornberg war ein Landratsbezirk im Großherzogtum Hessen mit Sitz in Dornberg (heute: Groß-Gerau). 1821 gegründet ging er 1832 im Kreis Groß-Gerau auf.
Geschichte Entstehung Im Zuge der Verwaltungsreform von 1821 im Großherzogtum wurden auch auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt und die Aufgaben der überkommenen Ämter in Landratsbezirken – zuständig für die Verwaltung – und Landgerichten – zuständig für die Rechtsprechung – neu organisiert. Der Landratsbezirk Dornberg entstand dabei aus: dem Amt Dornberg, dem Amt Rüsselsheim, dem Ort GriesheimAus dem Amt Pfungstadt. und den Orten Ginsheim und NauheimAus dem Amt Kelsterbach.
Davon waren 24 „althessische“ (Obergrafschaft Katzenelnbogen) Orte, zwei vormals kurmainzisch und ein Ort, Geinsheim, isenburgisch.Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Oktober 1829, S. 52 ff. ()
Die Aufgaben der Rechtsprechung erster Instanz aus den aufgelösten Ämtern, die nun im Landratsbezirk Dornberg vereinigt waren, ging auf das ebenfalls neu gegründete Landgericht Großgerau über.
Weiterer Verlauf In Geinsheim bestanden zu dem Zeitpunkt, als 1821 der Landratsbezirk Dornberg eingerichtet wurde, noch die patrimonialherrlichen Hoheitsrechte des Fürsten von Isenburg, der auch einen Teil der Aufgaben umfasste, die der Landratsbezirk wahrnehmen sollte. Diese wurden zunächst von den staatlichen Beamten für das Fürstenhaus ausgeübt, dann aber 1826, mit Wirkung vom 1. Januar 1827, an den Staat abgetreten.Bekanntmachung, die Abtretung der Fürstlich Isenburgischen standesherrlichen Gerechtsame rücksichtlich der Justiz und Polizeigewalt betreffend vom 10. Dezember 1826. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 35, 27. Dezember 1826, S. 337.
Ende In der Gebietsreform 1832 wurden die Landratsbezirke aufgelöst und zu größeren Kreisen zusammengelegt.Art. 1 Edict, die Organisation der dem Ministerium des Innern und der Justiz untergeordneten Regierungsbehörden betreffend vom 6. Juni 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 55, 4. Juli 1832, S. 365–376. Deren Zuschnitt wurde kurz darauf mit einer weiteren Verordnung festgelegt. Der Landratsbezirk Dornberg ging dabei gemeinsam mit dem Landratsbezirk Langen in dem neuen Kreis Großgerau auf.Verordnung, die Bildung von Kreisen in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 20. August 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 74, 5. September 1832, S. 561–563 (562).
Landräte Anselm Karl Elwert (1821–1825) Johann Ernst Wilhelm Heim (1825–1832); anschließend: Kreisrat des Kreises Groß-Gerau
Innere Organisation Der Landratsbezirk war in 24 Bürgermeistereien eingeteilt, die dem Landrat unterstanden. Dabei wurden mehrere kleinere Ortschaften häufig durch eine Bürgermeisterei verwaltet. Seit 1822 konnten die Hessischen Gemeinden ihre Bürgermeister selbst wählen und es wurden keine Schultheiße mehr eingesetzt. Die Bürgermeistereien im Landratsbezirk Dornberg waren: Astheim Bauschheim Biebesheim Bischofsheim Büttelborn Crumstadt Dornheim Erfelden Geinsheim Ginsheim Goddelau mit dem Hospital Hofheim Griesheim Großgerau mit Berkach und Dornberg Kleingerau Königstädten mit Haßloch Leeheim Nauheim Raunheim Rüsselsheim Stockstadt Trebur Wallerstädten Wolfskehlen Worfelden
Parallele Fachverwaltungen Finanzen Für die Einnahmen aus Staatseigentum (den sogenannten Domanialen) gab es die Rentämter. Für den gesamten Landratsbezirk war das Rentamt Großgerau zuständig.
Davon getrennt war die Steuerverwaltung. Für den Landratsbezirk war der Steuerbezirk Dornberg zuständig, der alle Orte des Bezirks umfasste und zur Obereinnehmerei Darmstadt gehörte. Der Steuerbezirk Dornberg war wiederum in vier Distrikteinnehmereien gegliedert, die aus 1. Großgerau mit Astheim, Berkach, Büttelborn, Dornberg, Kleingerau, Trebur, Wallerstädte und Morfelden; 2. Königstädten mit Bauschheim, Bischofsheim, Ginsheim, Haßloch, Nauheim, Raunheim und Rüsselsheim; 3. Stockstadt mit Biebesheim, Crumstadt, Erfelden und Goddelau; 4. Wolfskehlen mit Dornheim, Geinsheim, Griesheim und Leeheim, bestanden.
Der Bezirk gehörte zum Hauptzollamt Neuisenburg und hatte eine Grenznebenzollamt II Classe in Rüsselsheim.
Forst Die Forstverwaltung des Landratsbezirks Bezirk Dornberg unterstand dem Forst Großgerau mit drei Forstrevieren. Diese waren: 1. Griesheim mit Berkach, Biebesheim, Büttelborn, Crumstadt, Dornberg, Dornheim, Erfelden, Hofheim, Leeheim, Stockstadt, Wallerstädten und Wolfskehlen; 2. Königstädten mit Bauschheim, Bischofsheim, Ginsheim, Haßloch, Raunheim und Rüsselsheim; 3. Woogsdamm mit Astheim, Goodlau, Großgerau, Kleingerau, Nauheim, Trebur und Worfelden. Der Ort Geinsheim war keinem Revier zugeteilt.
Kirche Die Kirchverwaltung im Bezirk bestand aus zwei lutherischen Inspektoraten. Zum Inspektorat Dornberg gehören die Pfarreien Bauschheim, Bischofsheim, Büttelborn, Griesheim, Ginsheim, Großgerau mit Berkach, Dornberg, Kleingerau und Worfelden, Königstädten, Nauheim, Raunheim, Rüsselsheim, Trebur und Wallerstädten. Zum zweiten Inspektorat Dornberg zählten die Pfarreien Biebesheim, Crumstadt, Dornheim, Goddlau mit Erfelden, Griesheim, Leeheim, Stockstadt und Wolfskehlen. Die katholischen Pfarreien Geinsheim und Haßloch waren keinem Landkapitel zugeordnet, während die Pfarrei in Astheim zum Bergsträßer Landkapitel gehörte.
Historische Beschreibung Die „Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen“ berichtet 1829 über den Landratsbezirk Dornberg: Lage und Grenze werden beschrieben als:
Die Natürliche Beschaffenheit als:
Die Bevölkerung als:
Die Naturprodukte als:
Gewerbe und Handel als:
Literatur Willi Görich: Verwaltungs-Einteilung 1821 [Karte] = Taf. 25a. In: Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas von Hessen. Marburg 1960–1978. [de/subjects/idrec/sn/ga/id/45 Digitalisat] Ulrich Reuling: Verwaltungs-Einteilung 1821–1955. Mit einem Anhang über die Verwaltungsgebietsreform in Hessen 1968–1981. In: Fred Schwind (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas von Hessen. Text- und Erläuterungsband. Thorbecke, Sigmaringen 1984. ISBN 3-921254-95-7 [downloads/ga/24-26b.pdf#zoom=50 Digitalisat] (PDF)
Anmerkungen
Einzelnachweise
Dornberg Kategorie:Geschichte (Landkreis Groß-Gerau) Kategorie:Groß-Gerau Dornberg Kategorie:Aufgelöst 1832