Das Gefecht um Fort Pillow fand am 12. April 1864 während des Sezessionskriegs am Mississippi im Lauderdale County, Tennessee statt. Im Anschluss an das Gefecht verübten konföderierte Soldaten an Kriegsgefangenen der Union ein Massaker. Ein Großteil der getöteten Unionssoldaten waren Afro-Amerikaner. Kommandeur der Truppen der Konföderierten war Generalmajor Nathan Bedford Forrest. Der Militärhistoriker David J. Eicher nannte dieses Ereignis „einen der traurigsten und trostlosesten Momente der amerikanischen Militärgeschichte“.
Hintergrund Fort Pillow lag 64 km nördlich von Memphis, Tennessee. Die Konföderation hatte es im Frühjahr 1862 gebaut und im Juni 1862 wieder aufgegeben. Am 6. Juni 1863 besetzten die Unionstruppen Fort Pillow. Im März 1864 führte Nathan Bedford Forrest im westlichen Tennessee und Kentucky einen Raid im Hinterland der im nördlichen Georgia kämpfenden Armeen der Union durch. Das Ziel war es, Nachschubverbindungen zwischen Paducah, Kentucky und Memphis zu unterbrechen und Kriegsgefangene zu machen. Die Besatzung von Fort Pillow bestand zur Hälfte aus afro-amerikanischen Soldaten, die Angehörige des 6. US-Heavy-Artillerie-Regiments (Colored) und des 2. US-Light-Artillerie-Regiments (Colored) waren und von Major Lionel F. Booth geführt wurden.
Die Schlacht Forrest traf am Fort Pillow am 12. April vormittags ein. Chalmers hatte das Fort bereits umstellt. Forrest wurde dabei fast von einem Schützen der Union getroffen. Forrest postierte Scharfschützen und begann das Fort zu beschießen. Um 15.30 Uhr hatten die Konföderierten bereits einen hohen strategischen Vorteil: Scharfschützen hatten bereits viele Verteidiger des Forts getötet, und die Soldaten Forrests hatten zwei Baracken erobert. Forrest schickte eine Kapitulationsaufforderung an die Unionssoldaten. Der Kommandant weigerte sich aufzugeben. Die Konföderierten begannen einen schweren Angriff, der letztlich die Entscheidung zu ihren Gunsten brachte. Die Kommandeure der Union Lionel F. Booth und William F. Bradford fielen in der Schlacht.
Das Massaker Was nach der Kapitulation zwischen 16.00 Uhr und Sonnenuntergang passierte, ist teilweise umstritten. Aus Quellen sowohl der Unionsseite als auch der Südstaatler geht hervor, dass Unionssoldaten, die sich ergeben hatten, durch Forrests Soldaten ermordet wurden. Die Unionssoldaten wurden erschossen oder mit dem Bajonett erstochen bzw. aufgeschlitzt, während die Sieger „No quarter! No quarter!“ (dt.: „Keine Gnade! Keine Gnade!“) schrien.Bailey, S. 25. Das Joint Committee On the Conduct of the War, eine Kommission der Union, die Kriegsvorfälle überprüfte, untersuchte den Vorfall umgehend und stellte fest, dass die meisten Unionssoldaten nach der Kapitulation getötet worden waren. Eine Studie aus dem Jahre 2002 von Albert Castel kam zu dem gleichen Ergebnis.Castel, S. 37–50. Auch der Historiker Andrew Ward stellte 2005 fest, dass Gräueltaten geschehen waren, ohne dass die konföderierten Kommandeure dies befohlen, noch dass sie dagegen eingeschritten waren. Erin L. Thompson nennt im April 2023 im Smithsonian Magazine einen Anteil von Todesopfern unter den afroamerikanischen Soldaten von um die 70 %.Erin L. Thompson: At Fort Pillow, Confederates Massacred Black Soldiers After They Surrendered. In: smithsonianmag.com, 10. April 2023, abgerufen am 13. April 2023. Heutige Historiker kommen zu dem Schluss, dass tatsächlich ein Massaker stattgefunden hat. Richard Fuchs, Autor von An Unerring Fire, kommt zu dem Ergebnis:
Der Historiker Andrew Ward schreibt:
John Cimprich schrieb:
Leutnant Daniel Van Horn vom 6. US-Heavy-Artillerie-Regiment schrieb in seinem offiziellen Bericht:
Ein weiterer Offizier des 13.Tennessee-Kavallerie-Regiments bezeugte später, dass unbewaffnete Soldaten, die kapituliert hatten, erschossen wurden. Ein Sergeant der Konföderation sprach später von den „armen Negern, die zu unseren Leuten rannten, auf die Knie fielen und um Gnade bettelten. Ihnen wurde befohlen, sich hinzustellen und dann wurden sie erschossen.“Foote Seiten 111–112 Forrests Männer behaupteten, dass die Unionssoldaten weiter ihre Waffen in den Händen hielten, auch als sie flohen. Sie hätten sich bei der Flucht noch umgedreht und weitergeschossen, so dass die Konföderierten in Selbstverteidigung schossen. Diese Behauptung stimmte damit überein, dass zahlreiche Waffen der Unionssoldaten in der Nähe des Flusses gefunden wurden. Die Flagge der Union wehte über dem Fort, was darauf hindeute, dass es noch nicht kapituliert hatte. Eine Zeitung aus Jackson, Tennessee, behauptete, dass „General Forrest die Truppen anflehte, sich zu ergeben, was nicht geschah“. Ähnliches berichteten Zeitungen der Nord- und der Südstaaten.Cimprich and Mainfort, Seiten 293–306.
Der Historiker Allan Nevins schrieb:
Die New York Times berichtete am 24. April:
Ulysses S. Grant, der nicht zugegen war, schrieb in seinen Memoiren:
Die Folgen Die Zahlen hinsichtlich der Verluste schwanktenDyer, Frederick H.: A Compendium of the War of Rebellion, Des Moines: The Dyer Publishing Company 1908, S. 590. Einigkeit besteht aber daran, dass die Hautfarbe Auslöser für die Morde war. Aber auch weiße Soldaten, die sich ergeben hatten, wurden ermordet. Major Bradford z. B. wurde nach seiner Kapitulation erschossen.Eicher, S. 657; U.S. Congress JCCW, S. 103. Die Konföderierten zogen am selben Abend aus Fort Pillow ab.
Am 17. April 1864 ordnete Grant an, dass General Benjamin Butler, der sich in Verhandlungen mit den Konföderierten über den Gefangenenaustausch befand, fordern sollte, dass schwarze Kriegsgefangene genauso wie weiße behandelt werden sollten"Fuchs, S. 143–144 Dies Forderung wurde abgelehnt, und der Kriegsminister der Konföderation beschrieb im Juni 1864 die Position seiner Regierung:
Die Union betrieb bereits vor dem Massaker eine Politik der Vergeltung. Am 30. Juli 1863 unterschrieb Präsident Abraham Lincoln folgenden Befehl:
Im Senat der USA erwähnte Henry Wilson das Massaker, als er sich für gleiche Löhne für afro-amerikanische und weiße Soldaten einsetzte.United States. Congress: The Congressional Globe: Containing the Debate and Proceedings of the First Session of the Thirty-eight Congress. Herausgegeben von John C. Rives. Washington, DC: Congressional Globe Printing Office, 1864, S. 1805/06. Eine Zeitung aus Vermont stellte Wilsons Position dar:
Fort Pillow wurde 1974 zu einem U.S. National Historic Landmark erklärt.
In der Kultur 1997 erschien der US-amerikanische Film Last Stand at Saber River (basierend auf dem Roman von Elmore Leonard). Hier spielt Tom Selleck einen Soldaten der Konföderation, der Zeuge des Fort Pillow Massakers wurde und darüber berichtet. 1999 drehte Stan Armstrong den Dokumentarfilm The Forgotten Battle of Fort Pillow. Eine alternative Version des Fort Pillow Massakers wurde in dem satirischen Dokumentarfilm 2004 C.S.A.: The Confederate States of America gezeigt. Auch in der 2016 erschienenen Neuauflage der Miniserie Roots wird in Folge 4 das Massaker thematisiert. 2006 wurde der Roman Fort Pillow von Harry Turtledove veröffentlicht. Der Autor Frank Yerby beschrieb das Massaker 1946 in seinem Roman The Foxes of Harrow (Verfilmung 1947)
Quellen Bailey, Ronald H., and the Editors of Time-Life Books. Battles for Atlanta: Sherman Moves East. Alexandria, VA: Time-Life Books, 1985. ISBN 0-8094-4773-8.
Cimprich, John, and Robert C. Mainfort, Jr., eds. "Fort Pillow Revisited: New Evidence About An Old Controversy." Civil War History 4 (Winter, 1982). Clark, Achilles V. "A Letter of Account." Edited by Dan E. Pomeroy. Civil War Times Illustrated 24(4) (Juni 1985). Eicher, David J. The Longest Night: A Military History of the Civil War. New York: Simon & Schuster, 2001. ISBN 0-684-84944-5. Fisher, John E. They Rode With Forrest and Wheeler: A Chronicle of Five Tennessee Brothers' Service in the Confederate Western Cavalry. Jefferson, NC: McFarland & Co., 1995. ISBN 0-7864-0083-8. Foote, Shelby. The Civil War: A Narrative. Vol. 3, Red River to Appomattox. New York: Random House, 1974. ISBN 0-394-74913-8. Fuchs, Richard L. An Unerring Fire: The Massacre at Fort Pillow. Mechanicsburg, PA: Stackpole Books, 2002. ISBN 978-0-8117-1824-0. Grant, Ulysses S. Personal Memoirs of U. S. Grant. 2 vols. Charles L. Webster & Company, 1885–86. ISBN 0-914427-67-9. Jordan, John L. "Was There a Massacre at Ft. Pillow?" Tennessee History Quarterly VI (June 1947): 99–133. Nevins, Allan. The War for the Union. Vol. 4, The Organized War to Victory 1864–1865. New York: Charles Scribner's Sons, 1971. ISBN 1-56852-299-1. United States Congress Joint Committee on the Conduct of the War, "Fort Pillow Massacre." House Report No. 65, 38. Kongress, 1. Session. Ward, Andrew. River Run Red: The Fort Pillow Massacre in the American Civil War. New York: Viking Adult, 2005. ISBN 0-670-03440-1. National Park Service Beschreibung der Schlacht
Literatur Burkhardt, George S.: No Quarter. North & South, Ausgabe Nr. 10, Nr. 1. Frist, William Harrison, Jr.: A Telling Battle: The Fort Pillow Massacre During the American Civil War, Senior Thesis No. 20318, Princeton University, 2006. Wills, Brian Steel: The Confederacy's Greatest Cavalryman: Nathan Bedford Forrest. Lawrence: University Press of Kansas, 1992. ISBN 0-7006-0885-0.
Weblinks
Berichte der USA und CSA über Fort Pillow Über Bradfords 14. Tennessee-Kavallerie-Regiment Website: Mr. Lincoln and Freedom: Fort Pillow Illustration des Massaker Fort Pillow Roster 100 Namen von konföderierten Soldaten in Fort Pillow Roster 590 Namen von Unionssoldaten in Fort Pillow The Forgotten Battle of Fort Pillow auf IMDB
Einzelnachweise
Kategorie:Konflikt 1864 Kategorie:Kriegsverbrechen Kategorie:Massaker Fort Pillow Fort Pillow Kategorie:Lauderdale County (Tennessee)