miniatur|East Brother Light Station, 2013 miniatur|Lage- und Übersichtskarte der Insel East Brother Die East Brother Light Station ist eine im Jahr 1874 in Betrieb genommene kalifornische Leuchtturmanlage auf der gleichnamigen, nur rund 3500 Quadratmeter großen Insel nahe Point San Pablo bei Richmond. Die East Brother Light Station markiert den Übergang von der Bucht von San Pablo zur Bucht von San Francisco und gehört heute zu den am besten erhaltenen Leuchtturmanlagen an der kalifornischen Pazifikküste.
Ursprünglich war die Errichtung des Leuchtturms auf dem Festland vorgesehen; durch den Widerstand der Grundbesitzer wurde die Anlage dann aber schließlich ab 1873 auf East Brother Island gebaut. Hierzu wurde der obere Teil der kleinen Insel weggesprengt, um einige Gebäude zu errichten, von denen der Leuchtturm und das Nebelhorngebäude die eigentliche Signalfunktion sicherstellten. Für den Betrieb des Nebelhorns und die Versorgung der Leuchtturmwärter wurde eine Regenwassersammelanlage mit Zisterne und Wassertanks gebaut.
Den Betrieb der East Brother Light Station übernahmen bis 1942 zivile, dem Lighthouse Board (bzw. ihrer Nachfolgeinstitution Bureau of Lighthouses) unterstehende Leuchtturmwärter, die mit ihren Familien dauerhaft auf der Insel wohnten. 1939 ging die Aufsicht über die Anlage auf die United States Coast Guard über. Diese automatisierte den Signalbetrieb im Jahr 1969.
Im Jahr 1971 wurde die Anlage mit ihrem im viktorianischen Stil gebauten Leuchtturm in das National Register of Historic Places aufgenommen und zwischen 1979 und 1980 von Freiwilligen restauriert. Seitdem wird der Leuchtturm mit umliegenden Gebäuden als Bed and Breakfast genutzt.
Lage und Bedeutung für die Schifffahrt miniatur|Luftbild der beiden Inseln West Brother (vorne) und East Brother. Am rechten oberen Bildrand Point San Pablo. Die East Brother Light Station liegt auf einer von zwei kleinen Inseln auf der östlichen Seite der Straße von San Pablo, einer Meerenge zwischen der Bucht von San Pablo und der Bucht von San Francisco.Hierzu und zum folgenden vgl. Perry, East Brother Light Station, S. 1–3. Die Insel liegt eine viertel Meile vom Land entfernt und umfasst lediglich eine Fläche von einem dreiviertel Acre, was weniger als einem Drittel Hektar entspricht. Nur einen Steinwurf von East Brother entfernt liegt die ebenfalls winzige Insel West Brother, die bis heute unbewohnt ist.
Die Straße von San Pablo verbindet die Golden Gate und Häfen wie San Francisco mit den weiter landeinwärts liegenden Häfen wie Stockton oder Sacramento und stellte deshalb – insbesondere in den 1850er und 1860er Jahren – eine wichtige Route für den Schiffsverkehr dar. Während des Kalifornischen Goldrausches war diese Route stark frequentiert, denn sie verband über die in die Bucht von San Pablo fließenden Flüsse Sacramento River und San Joaquin River die Sierra Nevada mit San Francisco. Auf diese Weise passierten täglich zahlreiche Post-, Passagier- und Frachtschiffe die Meerenge.
Auch alle seit 1854 auf dem Mare Island Naval Shipyard gebauten Kriegsschiffe mussten die Meerenge passieren. Aus diesem Grund kam der Sicherheit des Schiffsverkehrs in der Straße von San Pablo von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an erhöhte Bedeutung zu. Schiffe, die nachts oder im häufig an der Pazifikküste vorkommenden Nebel vom Kurs abkamen, gerieten ohne einen Leuchtturm schnell in Gefahr, auf eine der felsigen Inseln am Rande der Meerenge oder auf Grund zu laufen.
Geschichte Von den ersten Plänen bis zum Baubeginn miniatur|Das Nebelhorngebäude um 1900. Links neben dem Schornstein der Dampfmaschine ist das dampfbetriebene Nebelhorn zu erkennen. Mit der starken Zunahme des Schiffsverkehrs in der Straße von San Pablo in den 1850er und 1860er Jahren wuchs auch das Bedürfnis, die Durchquerung der Meerenge für Schiffe sicherer zu gestalten. Bereits 1851 wurde deshalb rund anderthalb Meilen südwestlich von West und East Brother eine erste Boje angebracht.Hierzu und zum folgenden vgl. Perry, East Brother Light Station, S. 3f. Obwohl bis in die frühen 1870er Jahre weitere Bojen installiert wurden, reichten diese Markierungen für die Orientierung der Schiffskapitäne – insbesondere nachts oder bei schlechter Sicht durch Nebel – nicht aus. Aus diesem Grunde stellte der Kongress der Vereinigten Staaten im März 1871 eine Summe von 20.000 Dollar für den Bau eines Leuchtturms mit angeschlossenem Nebelhorn zur Verfügung.
Der Bau des Leuchtturms war zunächst auf dem Festland nahe Point San Pablo geplant. Durch den Widerstand der privaten Landeigner verzögerte sich der Baubeginn jedoch um mehrere Jahre. Im Januar 1873 reichte eine Gruppe von Kapitänen schließlich eine Petition beim Leuchtturminspektor in San Francisco ein, in der sie ihre Bedürfnisse bekräftigten und die im Staatsbesitz befindliche Insel East Brother als Standort für den neuen Leuchtturm vorschlugen.
Die beiden Inseln West und East Brother waren unter Präsident Andrew Johnson in Staatsbesitz übergegangen und zunächst für den Bau von Geschützstellungen zur Verteidigung der Werft von Mare Island vorgesehen gewesen. Beide eigneten sich nur bedingt für die Errichtung eines Leuchtturms, da das für die Verpflegung der Leuchtturmwärter und den Betrieb des dampfbetriebenen Nebelhorns nötige Süßwasser fehlte. Trotz dieser Einschränkungen bewilligte der Kongress im März 1873 schließlich eine weitere Summe von 30.000 Dollar für den Bau auf East Brother, der Ende Juli begann.
Vom Bau bis zur Inbetriebnahme miniatur|Das ebenfalls im viktorianischen Stil gehaltene Leuchtturmgebäude von Point Fermin Light wurde nach nur leicht abgewandelten Plänen gebaut. Den Bau des Leuchtturms übernahm die Firma Monroe and Burns aus San Francisco.Hierzu und zum folgenden vgl. Perry, East Brother Light Station, S. 4f. Diese sprengte zunächst die oberste Schicht Sandstein auf East Brother, um einen ebenen Untergrund zu schaffen. Ein Teil der bei der Sprengung entstandenen Sandsteinblöcke wurde dazu verwendet, die kleine Insel mit einer rundumlaufenden Mauer zu versehen. Im Herbst 1873 standen das Fundament des Leuchtturmgebäudes und die ersten Wände.
Das Gebäude wurde im viktorianischen Stil errichtet, der auch bei kleinen Landhäusern entlang der Küste von Kalifornien in jener Zeit weit verbreitet war. Mit seinem farblich abgesetzten Beschlagwerk und den mit verzierten Geländern eingefassten Treppen und Veranden passte es sich gut an den vorherrschenden Architekturstil seiner Umgebung an.Perry, East Brother Light Station, S. 5. Die beim Bau von East Brother Light verwendeten Pläne wurden – mit kleineren Änderungen – auch zum Bau der Leuchttürme von Point Fermin, Point Hueneme und Mare Island in Kalifornien sowie von Point Adams in Oregon verwendet. Von diesen ist neben der East Brother Light Station heute nur noch der bei Los Angeles gelegene Leuchtturm von Point Fermin erhalten.
Das Leuchtturmhaus von East Brother ist aus Holz gebaut, weist aber die Besonderheit auf, dass der Zwischenraum zwischen Innen- und Außenwand mit Ziegeln verfüllt ist. Frank Perry vermutet, dass dies entweder aus Gründen der Stabilität geschah, zur Isolation gegen Wind und Regen oder aber zur Geräuschdämmung gegen das laute Signal des Nebelhorns.„This may have been to help insulate the building from the natural elements, or reduce the noise level inside from the fog signal. The brick may also have been used to increase the mass of the building—to make it more stable in high winds.“, Perry, East Brother Light Station, S. 4f.
Nach der Fertigstellung des eigentlichen Leuchtturms kamen eine Zisterne, ein Wassertank, das Nebelhorngebäude, eine Bootsanlegestelle und weitere kleinere Gebäude hinzu. Im Februar 1874 wurden Leuchtturmwärter angestellt und in einer Bekanntmachung unter dem Titel „Notice to Mariners“ auf die bevorstehende Inbetriebnahme hingewiesen. Kurz darauf, am 1. März 1874, ging der Leuchtturm in Betrieb und zwei Monate später – nachdem ausreichend Wasser angeliefert worden war – auch das Nebelhorn.
Betrieb des Leuchtturms im späten 19. Jahrhundert
Im Jahr 1880 beschloss das Lighthouse Board, die Kennung von East Brother zu verändern.Hierzu und zum folgenden vgl. Perry, East Brother Light Station, S. 6f. Die Taktung des Lichtsignals wurde von „Blitz“ (Licht kürzer als Dunkel, Blitz < 2s) auf „Fest“ (Dauerfeuer) umgestellt. Im Zuge dieser Umstellung ließ das Lighthouse Board eine Fresnel-Linse vierter Ordnung im Leuchtturmgebäude installieren. Gleichzeitig wurde die bisher mit einer speziellen Form von Schweinefett betriebene Lampe durch eine Petroleumlampe ersetzt. Dies hatte den Vorteil, dass Petroleumlampen länger brannten; zudem war der Betrieb mit Petroleum günstiger.
Nachts wachten die Leuchtturmwärter im Schichtbetrieb über die ordnungsgemäße Funktion des Lichtsignals. Sie betätigten dazu einen uhrwerkartigen Aufzug, der die Rotation der Linse sicherstellte. Darüber hinaus bestand ihre Aufgabe darin, die Glasscheiben der Linse regelmäßig mit einem Tuch abzuwischen, um Feuchtigkeit abzuhalten. Bei Sonnenaufgang drehten die Wärter den Docht herunter und bereiteten die Linse für die nächste Nacht vor. Hierzu entstaubten sie die Linse mit einer Federbürste und rieben die Glasscheiben anschließend mit einem weichen Leinentuch ab. Falls die Linse mit Öl verschmutzt war, musste sie mit einer Essiglösung gereinigt werden. Bei ihrer Arbeit trugen die Leuchtturmwärter einen Leinenschurz, um das empfindliche Glas nicht durch die Knöpfe ihrer Kleidung zu verkratzen.
Die Leuchtturmwärter waren auch für Wartung und Betrieb des Nebelhorns zuständig, dieses wurde über einen kohlebefeuerten Dampfkessel betrieben. Wasser aus den Frischwassertanks wurde erhitzt und der unter Druck stehende Wasserdampf dann in regelmäßigen Abständen in das auf dem Dach des Nebelhorngebäudes angebrachte Horn geleitet. Durch eine automatische Vorrichtung ertönte ein vier und acht Sekunden dauernder Signalton alle vierundzwanzig Sekunden. Schiffskapitäne konnten dieses charakteristische Signal von East Brother von anderen Nebelhörnern unterscheiden und sich auf diese Weise bei Nebel und schlechter Sicht orientieren.
miniatur|Klang der Glocke von East Brother. Da es rund 45 Minuten dauerte, genügend Dampf für die Einsatzbereitschaft des Nebelhorns zu erzeugen, musste diese Zeit überbrückt werden. Zu diesem Zweck ließ das Lighthouse Board im April 1878 eine große Nebelglocke auf East Brother Island installieren. Falls Nebel unerwartet auftrat, musste einer der Leuchtturmwärter bis zur Inbetriebnahme des Nebelhorns diese Glocke in fünfzehnsekündigem Abstand läuten, während einer seiner Kollegen den Dampfkessel aufheizte.
Erweiterungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts miniatur|Der Bootsanleger im Osten der Insel in seiner heutigen Form. In der linken oberen Bildhälfte ist ein Teil der abschüssigen Laderampe zu sehen, über die Waren mit Hilfe einer Seilwinde auf die Insel gezogen werden können. Mit dem Bau einer in Richmond angesiedelten Erdöl-Raffinerie durch die Standard Oil Company im Jahr 1901 (der heutigen Chevron Richmond Refinery) nahm die Bedeutung des Leuchtturms auf East Brother Island noch einmal zu,Hierzu und zum folgenden vgl. Perry, East Brother Light Station, S. 12f. auch eine südlich von Point San Pablo errichtete Fabrik für die Weinerzeugung und -abfüllung durch die California Wine Association im Jahr 1909 und das damit steigende Verkehrsaufkommen erhöhte den Bedarf an Sicherheit im Schiffsverkehr. Darüber hinaus ließ das dramatische Wachstum Richmonds – zwischen 1901 und 1917 wuchs dessen Einwohnerzahl von 200 auf 23.000Perry, East Brother Light Station, S. 12. – die Zahl an Post- und Passagierschiffen steigen.