Die Geschichte der NASA umfasst die Entwicklung der zivilen US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft, NASA, von ihrer Gründung 1958 bis zur Gegenwart.
20. Jahrhundert 1950er und 1960er Jahre Wettlauf ins All
mini|Treffen von Gemini 6A und Gemini 7 (Dezember 1965) Die Sowjetunion machte 1957 mit dem ersten künstlichen Satelliten im All, Sputnik 1, die USA auf ihr eigenes Weltraumprogramm aufmerksam, das noch in den Kinderschuhen steckte. Der Kongress der Vereinigten Staaten sah im sowjetischen Erfolg eine Gefahr für die nationale Sicherheit aufgrund der Möglichkeit, dass die Sowjetunion künftig ihre Kernwaffen mittels Raketen gegen das Territorium der Vereinigten Staaten einsetzen könnte,Richard Pipes: Why the Soviet Union Thinks It Could Fight & Win a Nuclear War im Commentarymagazine im Juli 1977. und verlangte sofortige und konsequente Maßnahmen, um den angeschlagenen Ruf der USA als technologisch führende Nation wiederherzustellen. US-Präsident Dwight D. Eisenhower und seine Berater sprachen sich eher für eine ruhige, durchdachte Reaktion aus. Nach monatelangen Beratungen war klar, dass eine neue Behörde geschaffen werden sollte, die für alle nichtmilitärischen Weltraumaktivitäten zuständig ist. Am 2. April 1958 wurde dem Kongress ein Entwurf zur Bildung dieser Behörde vorgelegt.An Administrative History of NASA 1958–1963 von 1966. Während der parlamentarischen Beratung bis zur Genehmigung des Gesetzes wurden mehrere Hearings durchgeführt.Legislative Origins of the National Aeronautics and Space Act of 1958 vom 3. April 1992 auf history.nasa
Am 29. Juli 1958 unterzeichnete Präsident Eisenhower den „National Aeronautics and Space Act“, der die Schaffung der National Aeronautics and Space Administration (NASA) vorsah.The National Aeronautics and Space Act, NASA Office of the General Counsel (Engl.), abgerufen am 16. Oktober 2009. Die Behörde sollte erklärtermaßen mit der größtmöglichen wissenschaftlichen Offenheit arbeiten („provide for the widest practicable and appropriate dissemination of information concerning its activities and the results thereof“).Open Government at NASA im Gründungsakt 1958. Am 8. August wurde nicht wie erwartet Hugh Latimer Dryden, der Direktor der NACA als Vorsteher bestimmt, sondern Thomas Keith Glennan, der als Verfechter der bemannten Raumfahrt galt.Brian Harvey: Discovering the Cosmos with Small Spacecraft: The American Explorer Program auf Seite 31 Glennan ernannte Dryden zu seinem Stellvertreter. Die neue Behörde nahm am 1. Oktober 1958 ihre Arbeit auf. Damals bestand sie aus vier Laboratorien und rund 8000 Mitarbeitern, die aus dem schon 43 Jahre alten National Advisory Committee for Aeronautics (NACA) stammten sowie den Teams, welche von der Army zur NASA stießen.
Die ersten Projekte der NASA beschäftigten sich mit der bemannten Raumfahrt und führten zum Wettlauf ins All. Das Mercury-Programm von 1958 war der erste Schritt: Man untersuchte, ob und unter welchen Bedingungen ein Mensch im Weltall überleben könnte. Doch auch hier kam die Sowjetunion den USA zuvor: Am 12. April 1961 absolvierte der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin mit Wostok 1 seinen spektakulären ersten Raumflug und umrundete dabei in 108 Minuten einmal die Erde.
Am 5. Mai 1961 war es dann auch für die NASA so weit: Alan Shepard war der erste Amerikaner im Weltall, als er mit Mercury 3 15 Minuten lang in einem bogenförmigen Flug den Weltraum erreichte. Der erste Amerikaner, der die Erde umkreiste, war John Glenn in Mercury 6 mit einem fünfstündigen Flug am 20. Februar 1962.
Nachdem mit den Mercury-Flügen erste grundlegende Erfahrungen in der bemannten Raumfahrt gewonnen worden waren, rief die NASA das Gemini-Programm ins Leben. Bei diesem Projekt sollten Experimente durchgeführt werden und Problemstellungen bezüglich einer Mondlandungs-Mission bearbeitet werden. Der erste bemannte Flug einer Gemini-Rakete wurde am 23. März 1965 von Virgil Grissom und John Young durchgeführt. Es folgten neun weitere Missionen, bei denen die Machbarkeit längerer Weltraumaufenthalte und des Treffens und Andockens zweier Raumschiffe bewiesen wurde. Außerdem sammelten diese Flüge medizinische Daten über die Auswirkungen von Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper.
Apollo-Programm
mini|Saturn V mit Apollo 8 (Oktober 1968) mini|Apollo-Raumschiff (Apollo 15) mini|hochkant|Mondlandefähre von Apollo 11 Nach dem Erfolg des Mercury- und Gemini-Programms wurde das Apollo-Programm gestartet, um weitere Experimente im All durchzuführen und im Idealfall sogar Menschen in die Nähe des Mondes zu bringen. Eine massive Änderung in seiner Konzeption erfuhr das Apollo-Programm durch die Ankündigung des neuen Präsidenten, John F. Kennedy. Am 25. Mai 1961 sagte er, die Vereinigten Staaten sollten sich vornehmen, „vor Ablauf dieses Jahrzehnts einen Menschen (oder: einen Mann) auf dem Mond zu landen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen“. Von nun an war es also Ziel des Apollo-Programms, Astronauten auf den Mond zu bringen.David M. Harland: Exploring the Moon: The Apollo Expeditions. 2. Auflage. Springer, Berlin 2008, ISBN 978-0-387-74638-8, S. xx.
Nach acht Jahren vorbereitender Missionen, bei denen auch der erste große Unfall in der Geschichte der NASA stattfand – alle drei Besatzungsmitglieder der Apollo-1-Mission kamen um, als bei einem Bodentest im Raumschiff ein Feuer ausbrach –, erreichte das Apollo-Programm schließlich sein Ziel: Am 20. Juli 1969 landeten mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin die ersten Menschen auf dem Mond und kehrten am 24. Juli sicher auf die Erde zurück. Als Armstrong aus der Mondlandefähre von Apollo 11 trat, funkte er den bekannten Satz zur Erde: „That's one small step for [a] man, one giant leap for mankind.“ („Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“). Nach Armstrong und Aldrin landeten bis zum Ende des Apollo-Programms im Dezember 1972 noch zehn weitere Menschen auf dem Mond.
Die NASA hatte mit der Landung auf dem Mond die aufsehenerregendste Etappe des Wettrennens ins All gewonnen. Eigentlich stellte das den gewünschten Erfolg dar, allerdings fehlte jetzt ein Ziel, auf das es sich lohnte hinzuarbeiten. Außerdem schwand das Interesse der Öffentlichkeit, das unbedingt nötig war, um große Budgets durch den Kongress sicherzustellen. Mit Lyndon Johnson verlor die NASA dann auch noch ihren wichtigsten politischen Unterstützer. Für ihn wurde Wernher von Braun als Lobbyist in Washington tätig.
Zwar gab es Pläne für ehrgeizige Folgeprojekte, wie die Errichtung einer Raumstation, einer Mondbasis oder bis 1990 eine bemannte Marsmission zu starten. Nach dem Ende der Beschaffung von Saturn- und Apollo-Raketen gab es dazu aber kaum noch Unterstützung. Nachdem es mit Apollo 13 beinahe zu einer Katastrophe gekommen wäre, bei der die Explosion eines Sauerstofftanks fast alle drei Astronauten getötet hätte, erhielt die NASA wieder mehr Aufmerksamkeit aus der Bevölkerung. Doch obwohl noch Apollo-Missionen bis Apollo 20 geplant waren, war Apollo 17 die letzte Mission unter der Bezeichnung „Apollo“. Gründe für das Ende der Missionen waren Budgetkürzungen, teilweise auf Grund des Vietnamkrieges, und die Hoffnung, in naher Zukunft ein wiederverwendbares Raumschiff bauen zu können.
Planetenmissionen von 1960 bis 1970 Die ersten Raumsonden, mit denen die NASA die Planeten des Sonnensystems erkundete, waren aus heutiger Sicht einfach gebaute, sondierende Missionen, die in Kleinserie hergestellt wurden und bei einkalkulierten Verlusten meistens als Doppelmission ausgelegt waren. Erst in den 1970er-Jahren beginnt die Entwicklung anspruchsvollerer Missionen, mit individuell an die Aufgaben angepassten Sonden.
Die erste NASA-Planetensonde war Mariner 1, die im Juli 1962 zur Venus startete, aber fehlschlug. Die Schwestersonde Mariner 2 startete einen Monat später und flog erstmals erfolgreich an der Venus vorüber. Die zwei Jahre später gestartete Marsmission Mariner 3 scheiterte, jedoch gelang der im November 1964 gestarteten Schwestersonde Mariner 4 erstmals ein Vorbeiflug am Mars. Im Juni 1967 folgte die Venus-Vorbeiflugsonde Mariner 5, im Februar und März 1969 dann die Mars-Vorbeiflugsonden Mariner 6 und 7. Alle drei Missionen waren erfolgreich.
Unbemannte Monderkundung mini|Apollo 12 bei Surveyor 3
Zur Vorbereitung der bemannten Mondlandung führte die NASA in den 1960er-Jahren eine intensive Erkundung des Erdtrabanten mit Robotersonden durch. Nachdem 1959 die noch vom US-Militär betriebene Vorbeiflugsonde Pioneer 4 als erstes US-Raumschiff – aber nach Lunik 1 – den Mond passierte, schlugen die weiteren Pioneer-Mondsonden 1959/60 alle fehl. Auch von den neun Sonden des Ranger-Programms, die zwischen 1961 und 1965 zum Mond gestartet wurden, übertrugen nur die letzten drei erfolgreich Bilder von der Mondoberfläche (Aufschlagkapseln). Die beiden Nachfolgeprogramme funktionierten besser: Fünf Surveyor-Sonden landeten zwischen Mai 1966 und Januar 1968 weich auf dem Mond, zwei Sonden scheiterten (Auch hier war die UdSSR schneller: Luna 9 landete im Februar 1966 erstmals weich auf dem Mond). Die fünf Lunar Orbiter kartierten zwischen August 1966 und Januar 1968 erfolgreich die Mondoberfläche.
1970er und 1980er Jahre mini|Die Raumstation Skylab
Nachdem die Mondflüge mit Apollo 17 Ende 1972 vorzeitig geendet hatten, wurden in den 1970er Jahren nur zwei bemannte Projekte durchgeführt: von 1973 bis 1974 drei Flüge zur Raumstation Skylab und 1975 das Apollo-Sojus-Projekt.
Um die Kosten für den Transport ins All zu senken, begann die NASA Ende der 1960er Jahre mit der Entwicklung eines wiederverwendbaren Raumgleiters. Allerdings erwies sich diese Aufgabe als komplexer, langwieriger und teurer als ursprünglich angenommen. Bei stark sinkendem NASA-Gesamtbudget zog so der Bau des Space Shuttles besonders Ende der 1970er und Anfang der 1980er Finanzmittel von unbemannten Missionen ab.
Planetenerkundung Auch bei der unbemannten Erkundung des Sonnensystems gab es den „Wettlauf ins All“. Die Sowjetunion war 1970 mit der Venussonde Venera 7, der ersten Landung auf einem fremden Planeten, erfolgreich. Da es allerdings unter den Umweltbedingungen der Venus dort kein Leben geben konnte und auch eine bemannte Erkundung nicht möglich wäre, konzentrierte sich die NASA auf die Erforschung des Mars. Während die UdSSR ein umfangreiches Venusprogramm durchführte, sendeten die USA in diesem Jahrzehnt nur die Doppelmission Pioneer-Venus dorthin. Pläne für dieses Projekt gab es seit 1965. Nach Verzögerungen und Budgetkürzungen wurde die Mission 1975 genehmigt, und 1978 starteten die Landesonden (Multiprobe) und der Orbiter, dessen Primärmission bis 1980 lief und der noch bis 1992 aktiv war.
mini|Viking-2-Lander auf dem Mars
Mitte der 1960er Jahre arbeitete die NASA an einer ambitionierten Mars-Mission, dem Voyager-Projekt, das sich jedoch als zu groß und teuer erwies. Als Ersatz wurden 1968 Mariner 8 und 9 genehmigt, die 1971 zum Mars starteten (Mariner 8 hatte einen Fehlstart). 1972 erreichte Mariner 9 eine Marsumlaufbahn und war somit der erste Orbiter um einen anderen Planeten. Um die Frage nach Leben auf dem Mars klären zu können, musste man allerdings die Planetenoberfläche mit einer Landesonde direkt untersuchen.
In der Nachfolge des 1967 eingestellten Voyager-Projekts wurde Ende 1968 Viking beschlossen. Diese Mission bestand aus zwei Landern und zwei Orbitern und war das erste Großprojekt der Planetenforschung. Der ursprüngliche Start war für 1973 vorgesehen, wurde aber wegen des sinkenden NASA-Budgets und der gleichzeitig steigenden Entwicklungskosten auf 1975 verschoben. Die Lander erreichten 1976 erfolgreich die Marsoberfläche und konnten noch bis 1980 bzw. 1982 kontaktiert werden. Die Orbiter arbeiteten ebenfalls weit über die Primärmission hinaus bis 1978 bzw. 1980. Viking war eine der komplexesten und teuersten NASA-Raumsonden.