Brittany Bowe (* 24. Februar 1988 in Ocala, Florida) ist eine US-amerikanische Eisschnellläuferin und ehemalige Inline-Speedskaterin. In beiden Sportarten errang sie mehrere Weltmeistertitel. 2018 und 2022 gewann sie im Eisschnelllauf insgesamt zwei Bronzemedaillen bei Olympischen Winterspielen.

In ihrer Jugend in Florida trainierte Bowe Inline-Speedskating. Zwischen 2002 und 2008 gewann sie in dem Rollsport 32 Medaillen bei Weltmeisterschaften im Junioren- und Erwachsenenbereich. Sie beendete ihre Inline-Laufbahn 2008, um sich auf ihr Studium an der Florida Atlantic University zu konzentrieren, wo sie ein Stipendium als Basketballspielerin erhalten hatte. Entgegen ihrer ursprünglichen Planungen verfolgte Bowe nach ihrem Studienabschluss 2010 keine Karriere im Profibasketball, sondern wechselte zum Eisschnelllauf. Dort stieg sie bis Mitte der 2010er-Jahre in die Weltspitze auf, feierte 2013 ihre ersten Siege im Weltcup, gab 2014 ihr Olympiadebüt und errang 2015 ihren ersten Weltmeistertitel.

Bowes Schwerpunkt liegt auf die Kurzstrecken über 500, 1000 und 1500 Meter, wobei sie am häufigsten über die 1000-Meter-Distanz erfolgreich war. Über mehrere Jahre gehörte ihre Teamkollegin Heather Richardson-Bergsma, mit der Bowe eine freundschaftliche Rivalität verband, zu ihren stärksten Konkurrentinnen. Zwischen 2016 und 2018 war Bowe durch die Folgen einer im Training erlittenen Gehirnerschütterung beeinträchtigt. Sie kehrte anschließend wieder in die internationale Spitze zurück, siegte von 2018/19 bis 2020/21 in drei aufeinanderfolgenden Saisons in der 1000-Meter-Gesamtweltcupwertung und holte bei den Winterspielen 2022 als Dritte über 1000 Meter ihre erste olympische Einzelmedaille. Zuvor hatte sie bereits bei Olympia 2018 ebenfalls Bronze in der Teamverfolgung gewonnen. Im Lauf ihrer Karriere stellte Bowe mehrere Weltrekorde über 1000 und 1500 Meter auf.

Sportlicher Werdegang Anfänge im Inline-Speedskating und Basketball (bis 2010) mini|links|Bowe (Zweite von rechts) mit ihren Inline-Teamkollegen Jessica Smith, Jonathan Garcia und Joey Mantia bei den Panamerikanischen Spielen 2007 Brittany Bowe stammt aus Ocala in Florida, wo sie in ihrer Kindheit und Jugend verschiedene Sportarten ausübte. 1996 wurde die örtliche Inline-Speedskating-Trainerin Renee Hildebrand auf Bowe aufmerksam. Rückblickend erklärte Hildebrand, sofort das athletische Potential der Achtjährigen erkannt zu haben. Unter ihrer Anleitung entwickelte sich Bowe in den folgenden Jahren zu einer der weltweit führenden Inline-Skaterinnen:Jim Scavino: National record broken during first day of event. In: Pensacola News Journal, 19. Juli 2005, S. D.13. Abgerufen am 26. Februar 2022 via ProQuest. Zwischen 2002 und 2005 wurde sie elffache Juniorenweltmeisterin, zwischen 2006 und 2008 errang sie acht WM-Titel (sechs davon mit der Staffel) im Erwachsenenbereich. Zusätzlich zu ihren insgesamt 32 Weltmeisterschaftsmedaillen im Junioren- und Erwachsenenbereich auf usspeedskating.org. siegte Bowe 2007 in der Sprintkombination bei den Panamerikanischen Spielen in Rio de Janeiro. Einer ihrer langjährigen Teamkollegen im US-Inline-Nationalteam war der ebenfalls aus Ocala stammende und von Renee Hildebrand trainierte Joey Mantia, der bei den Männern ähnliche Erfolge wie Bowe bei den Frauen feierte.C. J. Risak: Area skating coach draws an international crowd. In: Ocala Star-Banner, 27. Januar 2008. Abgerufen am 26. Februar 2022 via ProQuest.

Neben dem Inline-Speedskating spielte Bowe als junge Athletin auch Fußball und Basketball. Mit dem Fußballtraining hörte sie in ihrer frühen Teenagerzeit auf, um einen stärkeren Schwerpunkt auf Basketball zu legen.Jonah Fontela: The pain and the glory: USA speed queen Brittany Bowe’s long road to Beijing auf olympics.com. Abgerufen am 26. Februar 2022. Nach ihrem High-School-Abschluss erhielt Bowe ab 2006 ein Basketball-Stipendium an der Florida Atlantic University (FAU). Sie spielte in den folgenden vier Jahren als Point Guard in der NCAA Division I für das Basketballteam der Universität (die Florida Atlantic Owls), in dem sie zur Stammspielerin wurde. Zunächst lief Bowe auch während ihrer Studienzeit parallel zum Basketball weiterhin bei internationalen Inline-Wettkämpfen mit. Im Sommer widmete sie sich dem Rollschuhtraining, im Winter den Basketball-Übungen.Ted Hutton: Rolling with the changes: FAU's Bowe ready to give her all in basketball, in-line speedskating. In: South Florida Sun Sentinel, 16. August 2007, S. C7. Abgerufen am 26. Februar 2022 via ProQuest. Erst 2008 beendete sie im Alter von 20 Jahren ihre Inline-Laufbahn, um sich auf ihr Studium und auf Basketball zu konzentrieren. Als Bowe 2010 ihr sozialwissenschaftliches Studium an der FAU abschloss, war sie in der Geschichte der Florida Atlantic Owls die Spielerin mit den achtmeisten erzielten Punkten.Craig Davis: Olympics From Boca to Sochi Ex-FAU guard Brittany Bowe a contender on the ice. In: South Florida Sun Sentinel, 5. Februar 2014, S. C1. Abgerufen am 26. Februar 2022 via ProQuest. Ihre Universität ehrte sie im Sommer 2010 als „herausragendste Athletin“ (Florida Atlantic University's Most Outstanding Female Athlete)Byron Saucer: Bowe attempts to make transition to ice. In: Ocala Star-Banner, 25. Juni 2010. Abgerufen am 26. Februar 2022 via ProQuest. und nahm sie 2019 in die universitätseigene Hall of Fame auf.Olympian Brittany Bowe inducted into the FAU Hall of Fame auf teamusa.org. 18. Oktober 2019. Abgerufen am 2. Juni 2023.

Wechsel zum Eisschnelllauf und erste Olympiateilnahme (2010 bis 2014) mini|links|Bowe bei der Einzelstrecken-WM 2013 Seit den 2000er-Jahren verfolgten das US-amerikanische Olympische Komitee und der nationale Eisschnelllaufverband US Speedskating in Zusammenarbeit mit dem Olympiasieger Derek Parra das Programm Wheels to Ice, um erfolgreiche Inline-Skater zu Eisschnellläufern umzuschulen.Why Olympic Skaters Move from Wheels to Ice auf outsideonline.com. Abgerufen am 26. Februar 2022. Bowe hatte bereits nach ihrem High-School-Abschluss 2006 eine Einladung zur Teilnahme an dem Programm erhalten, sich aber letztlich für das Basketball-Stipendium entschieden. Bei den TV-Übertragungen der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver sah Bowe, wie mehrere ihrer langjährigen Kollegen aus dem Inline-Nationalteam vordere Resultate erzielten. So erreichte etwa ihre Freundin Heather Richardson mehrere Platzierungen unter den besten Zehn. Gemäß Bowes Darstellung lösten die olympischen Erfolge ihrer früheren Mitstreiter bei ihr einen Sinneswandel aus: Anstatt weiter eine Basketball-Profikarriere in europäischen Ligen und in der WNBA anzustreben, zog sie im Sommer 2010 nach Salt Lake City und begann mit dem Eisschnelllauftraining.

Unter der Anleitung von Sprint-Nationaltrainer Ryan Shimabukuro entwickelte sich Bowe in den frühen 2010er-Jahren zur zweitbesten US-Eisschnellläuferin hinter Heather Richardson.Joe Williams: Daughter of Eustis coach has dreams of becoming Olympic speedskater. In: McClutchy Tribune Business News. 8. Januar 2013. Abgerufen am 26. Februar 2022 via ProQuest. Im Winter 2011/12 debütierte sie im Weltcup, sammelte sowohl über 500 Meter als über 1000 Meter und 1500 Meter ihre ersten Weltcuppunkte und stand in der 1000-Meter-Wertung am Saisonende auf dem zehnten Rang. Bei den Einzelstreckenweltmeisterschaften 2012 in Heerenveen wurde sie über 1000 Meter Achte. 2012/13 lief Bowe in mehreren 1000-Meter-Weltcuprennen auf das Podium und feierte auf dieser Strecke am 3. März 2013 in Erfurt vor Ireen Wüst ihren ersten Weltcupsieg.Competition: 8. World Cup 2012/2013 auf speedskatingnews.info. Abgerufen am 26. Februar 2022. In der 1000-Meter-Gesamtwertung des Winters belegte sie hinter Richardson Platz zwei, bei der Einzelstrecken-WM 2013 in Sotschi gewann sie über 1000 Meter die Bronzemedaille. Mehrere Beobachter wie etwa Jennifer Rodriguez – die den gleichen Weg vom Inline-Speedskating zum Eisschnelllauf beschritten hatte – schätzten Bowes Anpassung an die neue Sportart als ausgesprochen schnell und erfolgreich ein.

Zu Beginn der olympischen Saison 2013/14 stellte Bowe am 17. November 2013 auf dem Utah Olympic Oval in Salt Lake City einen 1000-Meter-Weltrekord mit einer Zeit von 1:12,58 Minuten auf.Michael C. Lewis: Speedskating: American Brittany Bowe sets world record in 1,000 meters. In: The Salt Lake Tribune, 17. November 2013. Abgerufen am 26. Februar 2022 via ProQuest. Sie feierte im Saisonverlauf weitere Weltcupsiege über 1000 Meter wie auch über 1500 Meter und qualifizierte sich bei den US-internen Vorausscheidungen auf vier Strecken (500 Meter, 1000 Meter, 1500 Meter und Teamverfolgung) für die Olympischen Winterspiele 2014. Weder Bowe noch die ebenfalls als Mitfavoritin gehandelte Heather Richardson gewannen bei den Winterspielen in Sotschi eine olympische Medaille: In der Teamverfolgung belegten die US-Amerikanerinnen den sechsten Rang, Bowes bestes Einzelergebnis war Rang acht über 1000 Meter (weitere Resultate: 13. über 500 Meter und 14. über 1500 Meter). Ihr Abschneiden galt als Enttäuschung, Bowe selbst führte es später darauf zurück, dass sie sich bei ihrem ersten olympischen Auftritt in jedem Rennen zu sehr angestrengt habe (im Original: „I almost tried too hard in every race“). Zudem habe sie das Hin und Her um einen neuen, speziell für das US-Olympiateam entwickelten Rennanzug irritiert, der sich als Fehlschlag erwies. Für Bowe war das Verpassen einer Medaille bei den Winterspielen mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden: Ihre Förderung wurde 2015 laut einem Bericht der Chicago Tribune im Vergleich zum olympischen Winter um die Hälfte reduziert, zudem verschlechterte sich ihre Aussicht auf Sponsorenverträge.Philip Hersh: Fire on ice: After Sochi shutout, U.S. speedskater Bowe heating up, building confidence for next shot. In: Chicago Tribune, 27. Februar 2015, S. 10. Abgerufen am 27. Februar 2022 via ProQuest.

Weltmeistertitel und Verletzungsprobleme (2014 bis 2018) mini|links|Bowe (links) neben Jorien ter Mors und Heather Bergsma bei einer Siegerehrung der Einzelstrecken-WM 2016 In der Saison 2014/15 feierte Bowe – betreut von einem komplett neuen Trainerstab um Matt Kooreman – ihre bis dahin größten Erfolge im Eisschnelllauf. Neben vier Einzel-Weltcuprennen entschied sie die 1000-Meter-Gesamtwertung für sich und belegte Rang drei im streckenübergreifenden Grand World Cup. Mitte Februar 2015 gewann sie bei der Einzelstrecken-WM in Heerenveen zwei Goldmedaillen über 1000 Meter und 1500 Meter sowie zusätzlich Silber über 2 × 500 Meter hinter Heather Richardson. Zwei Wochen später siegte sie bei der Sprint-WM in Astana auf allen vier Teilstrecken vor Richardson und wurde damit auch Weltmeisterin im Sprint-Vierkampf.Philip Hersh: Brittany Bowe, Heather Richardson 1-2 in World Sprint speedskating. In: TCA Regional News [Chicago], 1. März 2015. Abgerufen am 27. Februar 2022 via ProQuest. Im Mai 2015 zeichnete der Oslo Skøiteklub Bowe mit der Oscar Mathisen Memorial Trophy aus.Bowe wint ‘schaatsoscar‘ auf schaatsen.nl. 19. Mai 2015. Abgerufen am 27. Februar 2022. Herausgehoben wurde in der Jurybegründung insbesondere ihr 1000-Meter-Sieg bei der WM in Heerenveen: Dabei hatte Bowe den von Ireen Wüst gehaltenen Bahnrekord im Thialf um eine Dreiviertelsekunde verbessert und war mit einer Zeit von 1:13,90 Minuten die bis dahin schnellste Zeit auf einer europäischen Bahn gelaufen.Hasse Farstad: