Die evangelisch-lutherische Dorfkirche von Spremberg, heute die Hauptkirche der beiden Gotteshäuser der Stadt Neusalza-Spremberg, gehört wie die Dreifaltigkeitskirche in Neusalza zur Ephorie Löbau-Zittau der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

mini|Blick über die Spree zur Spremberger Kirche

Die Ortsgründung und der wahrscheinlich erste (hölzerne) Kirchenbau Die größere der beiden Kirchen der erst 1920 vereinigten Stadt, einst die Kirche der Dorfgemeinde Spremberg, ist weit älter als die ehemalige „Exulantenkirche“ Neusalza. Die Spremberger Kirche geht in ihren Anfängen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Die dörfliche Ansiedlung Spremberg entstand im Zuge der feudalen deutschen Ostsiedlung durch Rodung seinerzeit als Waldhufendorf durch Kolonisten aus Franken und Thüringen beiderseits des Oberlaufs der Spree. Als Siedelführer bzw. Lokator Sprembergs wird Hertwicus de Sprewemberch angesehen, der 1242 urkundlich bezeugt ist. Über einen sakralen historischen Vorgängerbau lässt sich nur mutmaßen. Es ist anzunehmen, dass er zwischen den Jahren 1230 und 1270 errichtet wurde. Es könnte sich dabei um einen einfachen Fachwerkbau aus Holz und Lehm gehandelt haben, der mit dem üblichen Strohdach gedeckt war, da die fränkischen und thüringischen Siedler diesen Baustil auch in ihrer neuen Heimat – dem Oberlausitzer Bergland – anwendeten. Die neuen deutschen Ansiedler dachten jedenfalls strategisch und erbauten ihre Kirche in zentraler Ortslage auf dem Plateau des auf drei Seiten steil zur Spree abfallenden und später so genannten Kirchberges. Der Hügel (341 m) war ihnen zugleich Bastion – eine Zufluchtsstätte in kriegerischer Zeit. An gleicher Stelle erfolgte dann später der Bau der ersten Kirche aus Feldsteinen.

Auf alle Fälle bestand die Spremberger Kirche schon vor 1271. In jenem Jahr war es nämlich zu einem Eklat zwischen den Markgrafen von Brandenburg als neuen Landesherren der Oberlausitz und dem Bistum Meißen gekommen, das in der betreffenden Region sechs kaiserlich privilegierte Güter bzw. Dörfer, darunter Beiersdorf, Cunewalde, Spremberg und Friedersdorf, als Stiftsgüter besaß. Demzufolge übte das Bistum dort auch die Grundherrschaft durch Stiftsbeamte aus. Die Ursache der Differenzen lag in der Ausführung der Gerichtsbarkeit, die die Vögte beider Feudalmächte, der weltlichen wie der geistlichen, verfolgten und auf ihre Weise auslegten. Die Folge waren juristische Überschneidungen. Um Druck auf die Landesherrschaft der Brandenburger Markgrafen zu betreiben, „… hatte der Meißner Bischof Withego I. [1266–1293] deshalb an diesen Orten den Gottesdienst suspendiert.“Hermann Kurt Schulze (Hrsg.): Aus Neusalzas Vorzeit und die zweite Säkularfeier von Gustav Hermann Schulze. Ebersbach: R. O. Gnauck 1917, S. 13. Der Streit beider Obrigkeiten wurde wenig später durch vereidigte Schiedsmänner durch einen Vergleich am 21. Januar 1272 in Bautzen beigelegt und die Suspendierung des Gottesdienstes in den betreffenden Dörfern aufgehoben. Von dem historischen Vorläufer der Spremberger Kirche haben sich keine Spuren erhalten.

Der zweite (steinerne) Kirchenbau und sein Schicksal bis 1430 „Aber schon im Laufe des 14. Jahrhunderts, zwischen 1300 und 1400 ist wahrscheinlich das Langhaus der alten, 1901 abgebrochenen Kirche, errichtet worden, denn die dicken Bruchsteinmauern lassen ein so hohes Alter vermuten. Das Mauerwerk war mit Lehmmörtel ausgefugt und die unregelmäßigen Fenster sind wohl erst später … durchgebrochen worden.“Walter Heinich: Spremberg. Versuch zu einer Ortsgeschichte des Kirchdorfes Spremberg in der sächsischen Oberlausitz. Spremberg u. Schirgiswalde 1918, S. 90 Glas für die Kirchenfenster stand erst später zur Verfügung. Der massive Bau aus Feldsteinen könnte sicherlich eine Art Wehrkirche gewesen sein, in den sich die Spremberger Dorfbewohner bei Gefahr zurückziehen konnten. Als Relikt aus jener Zeit gilt ein frühgotisch-spitzbogiges Tor aus Sandstein, das das Portal am westlich gelegenen Eingang auf der Südseite der jetzigen Kirche umrahmt. Das mit einfachen, aber edlen Linien und kleinen Rosetten verzierte Tor fand, ebenso wie die beiden anderen, seine Wiederverwendung beim Neubau in den Jahren 1901/02. Die historische Kirche aus Stein war dem Grundriss nach ein kleiner rechteckiger Bau, hatte keine Apsis, aber schon eine Sakristei und nur einen hölzernen Turm, genannt „Seigertum“, mit zwei Glocken, dessen Standort bei oder an der Kirche bis heute nicht bekannt ist.Walter Heinich 1918, S. 92 Der Ort Spremberg und dessen Kirche müssen damals – in katholischer Zeit – eine gewisse regionale Bedeutung gehabt haben. Nach einer Matrikel des Bistums Meißen aus dem Jahr 1346 war die Spremberger Kirche mit einem Bischofszehnt von 8 Mark veranschlagt, während die benachbarten Kirchgemeinden Oppach mit 4, Taubenheim und Dürrhennersdorf mit je 2, Ebersbach mit 1,5 und Schönbach nur mit 1 Mark belastet wurden. Neben dem sächsischen Spremberg (Amt Stolpen) gehörten Fugau (heute wüst) und Königswalde in Nordböhmen sowie Friedersdorf in der Lausitz zum Spremberger Kirchspiel (Parochie), sodass die Gemeinden staatsrechtlich in drei verschiedenen Ländern lagen.Franz Ferdinand Rietzsch: Spremberg (und seine Kirche). Beitrag zur (neuen) sächsischen Kirchengalerie. Handschriftliches Konzept von 1910. Bearbeitet von Siegfried Seifert. Neusalza-Spremberg u. Lawalde 2001, S. 3

Während der Hussitenkriege (1419–1437), die von Böhmen aus die Oberlausitz als böhmisches Nebenland überzogen, wurde auch Spremberg wahrscheinlich im Zusammenhang mit den hussitischen Angriffen auf Bautzen in den Jahren 1429 und 1431 heimgesucht und dessen damals bedeutende Kirche bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Den Anlass dazu lieferte anscheinend die damalige weltliche und geistliche Dorfobrigkeit, vertreten in Person des Spremberger Grundherrn Sigmund von Raussendorf (Rawsendorff) und seines Bruders, des Pfarrers Friedrich von Raussendorf. Er ist der erste urkundlich überlieferte Pfarrer der Spremberger Kirchgemeinde. Als Kaiser und Papst treu ergebene Katholiken traten sie als unversöhnliche Gegner der hussitischen Volksbewegung auf und paktierten zudem um ihres Vorteils willen mit dem nordböhmischen Raubritter Mixi Panzer (Mikusch) von Smoyn, der in der Gegend zwischen Bautzen und Löbau plünderte und mit beiden Sechsstädten in Fehde lag.Vgl. Lutz Mohr: Hussiten und Raubritter in und um Spremberg. Geschichte und Sage. In: Gunther Leupolt (Bearb.): Geschichten und Geschichte aus Neusalza-Spremberg, Band 3. Neusalza-Spremberg: Kultur- und Heimatfreunde e. V. 2007. S. 28f Die ausgebrannte Kirche des Ortes muss aber 1432 bereits wieder aufgebaut worden sein. „Eine Inschrift ‚Anno 1432‘, die nach glaubwürdigem Zeugnis in einem Fensterbogen der 1901 abgebrochenen alten Kirche angebracht war, lässt darauf schließen, dass die von den Hussiten zerstörte Kirche in diesem Jahr wiederhergestellt worden ist.“Franz Ferdinand Rietzsch, S. 3. Das erste Langhaus bestand demzufolge über fünfhundert Jahre.

Mit Luthers Thesenanschlag 1517 in Wittenberg und der darauf einsetzenden Reformation in Deutschland vollzog sich ein grundlegender kirchlicher und gesellschaftlicher Wandel. Die protestantisch-lutherische Lehre verbreitete sich rasch. Mit dem Übergang Sprembergs an das protestantisch gewordene Kurfürstentum Sachsen 1559 erfolgte die Einführung der Reformation im Kirchspiel Spremberg durch den herrschaftlichen Beauftragten Hennigke von Raussendorf am 1. Mai des gleichen Jahres. Mit David Styrius, einem gebürtigen Schlesier, der in Leipzig studierte und in Wittenberg seine Ordination empfing, erhielt die Spremberger Kirchgemeinde ihren ersten evangelischen Pfarrer, der er von 1555 bis 1559 vorstand.Walter Heinich, S. 82

An- und Umbauten vom 16. bis 19. Jahrhundert In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts muss ein größerer Umbau stattgefunden haben, an den zwei Tore im Renaissancestil von etwa 1600 erinnern. Das größere befindet sich an der Nordseite der heutigen Kirche, das kleinere am südöstlichen Treppenturm. Im Jahr 1657, neun Jahre nach dem Westfälischen Frieden, entstand der noch heute bestehende wuchtige Turm an der Nordostecke des Langhauses bei der alten Sakristei. Auf vertraglicher Grundlage der Grundherrschaften von Ober- und Niederspremberg und Kirchenpatrone, Gotthard von Bündemann und Wolf-Ulrich von Raußendorf, und Pfarrer Andreas Meyer, der von 1650 bis 1679 in Spremberg wirkte, erbaute Maurermeister Christoff Michel aus dem nordböhmischen Königswalde, heute ein Ortsteil der Stadt Schluckenau, mit Gehilfen den neuen Turm für 50 Taler „… 6 Ellen [= 3.39 m] über die vorige Kirchmauer hoch“. In jener Zeit erwies sich auch der Bau eines neuen Langhausgiebels als dringend notwendig. Das erforderliche Holz (35 Baumstämme) und 2.000 Ziegel für den Neubau kaufte man für insgesamt 12 Taler in Löbau. mini|Historischer Blick auf Spremberg

Da sich der neue Turm als zu niedrig erwies, verpflichteten Grundherrschaft und Kirchgemeinde ein Jahr darauf (1658) den Maurermeister George Paul aus dem Nachbarort Ebersbach/Sa., den Turm um weitere 6 Ellen zu erhöhen. Der Zimmermeister Simon Bischoff aus Kunnersdorf/OL hingegen erhielt den Auftrag für 60 Taler den hölzernen Oberbau des Turms analog dem Turm der Kirche zu Oberoderwitz zu errichten und zugleich mit einem Glockenstuhl für drei Glocken herzurichten. Der kupferne Turmknopf entstand für neun Taler in Löbau. Der Spremberger Dorfschmied lieferte für fünf Taler die eiserne Fahnenstange. In dem mit Schindeln bedeckten Turm fanden die bisherigen zwei Glocken Platz. Der alte „Seigerturm“ hingegen wurde ausgebessert, neu gestrichen und der Knopf und die Fahnenstange mit Wetterhahn wieder aufgesetzt. Somit hatte die Spremberger Kirche zeitweilig zwei Türme. Die vorhandene alte Schlaguhr, die sich als ein sehr ungenauer Zeitmesser erwies, musste sich fast jährlich einer kostspieligen Reparatur unterziehen. Daneben bestand damals noch eine Sonnenuhr.

Inzwischen war die Spremberger Kirche einerseits trotz vieler Reparaturen baufällig geworden, andererseits entsprach sie räumlich nicht mehr der gewachsenen Anzahl von Kirchgängern. So entschloss man sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu einem gründlichen Neu- und Erweiterungsbau. Dafür wurde der Bautzener Baumeister Martin Pötzsch gewonnen, der nach Vorarbeiten 1664 in den Jahren 1665 und 1666 die noch heute bestehende Apsis an der Ostseite anbaute. Mit dem Anbau der stilvollen Apsis (Chor) – ein schmuckes Spitzbogengewölbe mit reichen Verzierungen und den Sprüchen „Gloria in excelsis Deo“ und „Jesus, Gottes Wort bleibt ewig“ versehen – vergrößerte sich das Volumen der Kirche um ein Drittel. Über dem Triumphbogen sticht die Jahreszahl 1666 hervor. „Im Innern [der Kirche] kann der von … Martin Pötzsch 1666 geschaffene dreiseitig geschlossene Chor als eine besondere Kostbarkeit gelten. Sein Gewölbe ist an Graten und Bändern sowie auf den Feldern mit Kränzen, Trauben, Rosetten, Engels- und Löwenköpfen ausgeschmückt.“ Der Gesamtbau kostete etwa 1.200 Taler. In jener Zeit entstanden wahrscheinlich auch die beiden kleinen schmucken Türme mit spitzhaubenförmigen Abschluss, die sich an der Nordost- bzw. Südostecke der Apsis befinden. Sie waren jedenfalls beim Neubau 1901/02 schon vorhanden und dienten bis in die jüngere Zeit als Aufgänge – innen mit Wendeltreppen versehen – zu den Emporen. Heutigen Tages bilden die überdachten Treppen an beiden Längsseiten des Kirchenschiffes den Aufstieg zu den Emporen.