mini|Gedenktafel am ehemaligen Landratsamt (heute Bauamt) in der Barfüßerstraße 45 mini|Gedenkbänder für die 3. und 4. Deportation auf Gleis 8 (Nordtreppe) am Marburger Bahnhof mini|Gedenkband für die deportierten Sinti auf Gleis 8 (Nordtreppe)
Bei der Deportation der Sinti und Roma aus Marburg am 23. März 1943 wurden 78 Sinti aus Marburg und dem Landkreis in das „Zigeunerlager Auschwitz“ verschleppt. Nur zwei von ihnen überlebten den nationalsozialistischen Massenmord.
Vorgeschichte
Deportation Am 17. März 1943 teilte der Landrat von Marburg den Bürgermeistern der Orte Cölbe, Rauschenberg, Dreihausen und Oberweimar das genaue Datum der Deportation mit.Schreiben des Landrats vom 17. März 1943 Am Tag der Deportation, dem 23. März 1943, wurde durch die Ortspolizei das städtische Einwohnermeldeamt Marburg informiert, dass „nachstehend aufgeführte Personen am 23. März 1943 auf Befehl des Reichsführers SS vorläufig festgenommen und auf unbestimmte Zeit ins Konzentrationslager in Auschwitz eingewiesen“ würden.Udo Engbring-Romang: Marburg. Auschwitz. S. 105 So wurden 78 Bürgerinnen und Bürger der Sinti im Alter von 2 Monaten bis 67 Jahre aus Marburg und Umgebung vor dem damaligen Landratsamt in der Barfüßerstraße zusammengeführt und in der 4. Deportation vom Hauptbahnhof Marburg nach Kassel und von dort in das sogenannte „Zigeunerlager Auschwitz“, einem Abschnitt im Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Nur zwei von ihnen überlebten. Ihr Eigentum wurde für den deutschen Staat eingezogen.Udo Engbring-Romang: Marburg. Auschwitz. S. 141
Ein Opfer der Aktion berichtete später:Udo Engbring-Romang: Marburg. Auschwitz. S. 112–113
Gedenken Auf Initiative des Hessischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma und Marburger Sinti im August 1990 beschloss die Stadtverordneten-Versammlung Marburgs ein Jahr später eine Gedenktafel für die ortsansässigen Sinti und Roma, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, anzubringen. Am 50. Jahrestag der Deportation, am 23. März 1993, wurde die Gedenktafel am alten Landratsamt in der Marburger Oberstadt, wo die verhafteten Männer, Frauen und Kinder vor ihrem Abtransport im Keller gesammelt worden waren, gemeinsam von Bürgermeister Gerhard Pätzold (SPD) und Adam Strauß, dem Vorsitzenden des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma enthüllt. Seit 1998 findet dort am 23. März ein jährliches Gedenken statt, das gemeinsam von der Stadt und dem Landesverband organisiert wird. Inschrift:
2015 wurden auf Gleis 8 am Bahnhof in Marburg vier Gedenkbänder installiert, die an die vier Deportationen erinnern, bei denen von hier insgesamt 346 Bürgerinnen und Bürger aus Marburg und Umgebung in die nationalsozialistischen Konzentrationslager verschleppt und größtenteils dort ermordet wurden. Sie enthalten die Namen der deportierten 268 Juden sowie der 78 Sinti.
Literatur Udo Engbring-Romang; Adam Strauß (Hrsg.): Marburg. Auschwitz. Zur Verfolgung der Sinti in Marburg und Umgebung. Brandes & Apsel, Marburg 1998, ISBN 3-86099-126-4 (= Hornhaut auf der Seele, Band 5). Josef Behringer; Adam Strauß (Hrsg.): Flucht – Internierung – Deportation – Vernichtung. Hessische Sinti und Roma berichten über ihre Verfolgung während des Nationalsozialismus. I-Verb.de, Seeheim 2005, ISBN 978-3-9808800-7-7.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte (Marburg) Kategorie:Ereignis 1943 Kategorie:NS-Völkermord an den Sinti und Roma