Die Münchner Vorstadthochzeit ist eine jährliche Tanzveranstaltung in München. Sie wird vom Verein Münchner Vorstadt-Hochzeit anno 1905 e. V. veranstaltet, der 1908 von Karl Arnold, einem Karikaturisten des Simplicissimus, gegründet wurde. Die Idee war, durch einen Kostümball eine ernste Hochzeit der Münchner Vorstadt zu parodieren.

Geschichte mini|Das Hofbräuhaus am Platzl In der Zeit zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert gab es in München für den gesamten deutschsprachigen Raum bedeutende Künstlerfeste, wie die „Bauernkirta“ beim alten Schwabinger Wirt sowie den „Gaukler-“, „Argonauten-“ oder den „Modellball“ in der „Blüte“, einer Stätte in der Blütenstraße. Karl Arnold hatte den Einfall, etwas Neues zu schaffen. Er und seine Kollegen der Satirezeitschrift Simplicissimus kreierten dabei die Münchner Vorstadthochzeit.

Da gab es dann den Einzug des Veteranenvereins, des Gesangvereins oder die Parade des Jungfrauenvereins sowie Volkssänger, die das Ganze satirisch begleiteten. Komiker, Varieté, Kabarett, Brettl-Lieder und Couplets bevölkerten um die Jahrhundertwende die Wirtshäuser und Bühnen von München, Berlin und Wien. Die große Politik diente ebenso als Zielscheibe wie der kleinbürgerliche Alltag. Namen wie Papa Geis, Weiß Ferdl und Karl Valentin erinnern an diese Blütezeit des Couplets. Volksnahe Unterhaltung auf hohem künstlerischem Niveau wurde dargebracht. An einem weißgedeckten Tisch saß das Brautpaar samt Verwandtschaft, in einem Kinderwagen wurde bereits vorhandener Nachwuchs hereingeschoben. König Ludwig I. erschien in einem Theaterstück, auch Kaiser Wilhelm II. kam im Lodenanzug mit Kürassierhelm, auf der Suche nach Ludwig Ganghofer.

1938, ein Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde das Fest eingestellt und 1951 wiederbelebt. Aber erst 1958 nahm die Vorstadt-Hochzeit wieder Fahrt auf, angeschoben durch ein Komitee bestehend aus den Rechtsanwälten Claus Bastian und Hans Pixis, dem bayerischen Dramatiker Hans Fitz und seiner Frau Ilse, dem Innenarchitekten Hans Ley und dem Bohemien Edi Sohler. Die Damen und Herren nutzten ihre weitverzweigten gesellschaftlichen Beziehungen in der Stadt, um die richtigen Leute einzuladen. Hinzu kamen unter anderem Künstler wie Ernst Maria Lang, Ludwig Schmid-Wildy und Größen aus Politik und Wirtschaft, wie der weltweit agierende Messeunternehmer Joachim Hietzig, die sich um den Erhalt des Festes große Verdienste erworben haben.

Im Lauf der Zeit hat die Veranstaltung mehrmals ihren Veranstaltungsort gewechselt. Vom „Arzberger Keller“ ging es in den Gasthof „Zum Franziskaner über der Klause“ im Stadtteil Harlaching, in den "Hackerkeller" auf der Theresienhöhe, dann in den Hofbräukeller am Wiener Platz und bis 2023 ins staatliche Hofbräuhaus.

Seit 2024 findet die Vorstadt-Hochzeit jährlich, obwohl zuerst als Faschingsball gedacht, nun im Herbst zwischen Oktober und November im Wirtshaus am Bavariapark (gleich hinterhalb der Bavaria) unter großer medialer Aufmerksamkeit statt.

Neben Tanz und einem traditionellen bayerischen Hochzeitsessen treten jedes Jahr bekannte Schauspieler, Kabarettisten, Künstler und Sänger auf, um die Gäste zu unterhalten.

Erste Bad-Taste-Party der Welt Der Berliner Schriftsteller Erich Mühsam (1878–1934) erzählt in Unpolitische Erinnerungen von seinem Besuch auf der Vorstadt-Hochzeit um das Jahr 1910 und liefert damit den Beweis, dass es Münchens erste „Bad Taste Party“ war. Sehr wahrscheinlich ist es das erste Fest unter diesem Motto weltweit (Texthervorhebung nicht im Original):

Bekannte Gäste

Fernsehen (Auswahl) Münchner Vorstadthochzeit anno 1905 (Denkzeit – Die Sendung zum Mit-, Nach- und Weiterdenken – BR-alpha, Erstausstrahlung am 12. Mai 2012) Die Vorstadthochzeit (Bayern erleben – BR Fernsehen, Erstausstrahlung am 27. April 2020)

Weblinks offizielle Webpräsenz: Vorstadthochzeit anno 1905 - DER Künstlerball in München Medienecho der Münchner Vorstadthochzeit anno 1905 – Interview mit Jürgen Kirner in der Süddeutschen Zeitung vom Samstag, 14. April 2012, vor der Veranstaltung 2012: . Bericht des Bayerischen Rundfunks mit Bildern über die Veranstaltung 2012:

Belege

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