Steinen (Alemannisch Steine) ist eine Gemeinde im Landkreis Lörrach im Südwesten Baden-Württembergs. Die Gesamtgemeinde Steinen entstand bei der Kommunalreform 1974/1975 durch den Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Endenburg, Hägelberg, Höllstein, Hüsingen, Schlächtenhaus, Steinen und Weitenau.
Geographie Geographische Lage mini|Steinen im Dreiländereck mini|Tallage des Ortsteils Höllstein von Hüsingen aus mini|Gemeindegebiet Steinen topographisch
Die Gesamtgemeinde Steinen liegt im Vorderen Wiesental des Südschwarzwalds. Mit dem Steinenbachtal als Nord-Süd-Achse bildet die Gemeinde Steinen einen geographischen Querriegel zum Wiesental. Insgesamt erstreckt sich die Gemeinde in der größten Nord-Süd-Ausdehnung über 14 km, die Höhendifferenz zwischen der Tallage in 319 Meter bis zum Wambacher Wasen in 987 Meter Höhe im Norden beträgt mehr als 600 m.Gemeinde Steinen: (PDF; 4,2 MB) mit weiteren Informationen, insbesondere zu den einzelnen Ortsteilen; die Einwohnerzahlen stammen aus der aktuelleren Ausgabe der Broschüre des Jahres 2012. Der Hauptort Steinen liegt auf 47° 39' nördlicher Breite und 7° 44' östlicher Länge.
Geologie Das Gemeindegebiet von Steinen erstreckt sich über mehrere natürliche Landschaften hinweg. Von Norden nach Süden kommend sind dies:
der Schwarzwald um Endenburg herum (bestehend vorwiegend aus Granit und Gneis), die Schwarzwaldvorberge des Weitenauer Berglands (bestehend aus Rotliegend, Buntsandstein), die Talfurche der vorderen Wiese (trennt die Buntsandsteintafel (rechts der Wiese) und die Muschelkalktafel (links der Wiese)), und die Schwarzwaldvorberge im Süden Steinens: der Dinkelberg (eine Muschelkalktafel, bestehend vorwiegend aus Muschelkalk und Keuper).
Im Buntsandstein liegen auch die alten Steingrubens. hierzu Horst Hänßler: Steinen und seine ehemaligen Steingruben. In: Das Markgräflerland, Band 1/1996, S. 25–35, welche das Dorf einst weit über seine Grenzen bekannt gemacht hat, und denen es letztlich seinen Namen zu verdanken hat. Auch für den Wiederaufbau Basels nach dem Erdbeben von 1356 und den Bau des Basler Münsters spielten die Steinener Buntsandsteingruben eine wichtige Rolle.Ernst Friedrich Bühler: Steinen. Chronik eines Dorfes. Herausgegeben von der Gemeinde Steinen, Druckerei Gebrüder Weber, 1982, Lörrach Die Steingruben wurden um 1900 aufgelassen und lassen sich heute beispielsweise am Schützenweg (frühere Bezeichnung: An der langen Gass) im Steinbrunnengebiet, beim Stutz sowie östlich des ehemaligen Schlosshölzle lokalisieren.
Der Bereich um den südlichen Oberrheingraben liegt in einer mäßig aktiven Erdbebenregion. Im Schnitt kommt es im Oberrheingraben einmal im Monat zu einem Beben der Stärke 3 auf der Richterskala (mit Erschütterungen, welche meistens nur von einzelnen Menschen wahrgenommen werden). Erdstöße der Größenordnung 4,5 kommen alle zwei bis drei Jahre vor. Das letzte mäßig starke Erdbeben in Steinen mit der Stärke 4,5 ereignete sich am 5. Mai 2009 um 03:39 Uhr MESZ mit Epizentrum in Weitenau (, ca. 10 km Tiefe). (PDF; 49 kB)
Hinweis: Genauere Ausführungen zur Geologie bei den Teilorten Hägelberg, Höllstein, Hüsingen und zum Weitenauer Bergland
Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Malsburg-Marzell, im Nordosten an die Gemeinde Kleines Wiesental, im Osten an die Stadt Schopfheim und an die Gemeinde Maulburg, im Süden an die Stadt Rheinfelden (Baden) sowie im Westen an die Kreisstadt Lörrach und die Stadt Kandern.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Steinen besteht aus den sieben Ortsteilen Endenburg, Hägelberg, Höllstein, Hüsingen, Schlächtenhaus, Steinen und Weitenau mit insgesamt 26 Dörfern, Weilern, Höfen und Häusern. Die räumlichen Grenzen der Ortsteile sind identisch mit denen der ehemaligen Gemeinden gleichen Namens, ihre offizielle Benennung erfolgt durch vorangestellten Namen der Gemeinde und durch Bindestrich verbunden nachgestellt der Name des jeweiligen Ortsteils. Die Ortsteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Mit Ausnahme der Ortsteile Höllstein und Steinen sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet. (PDF; 44 kB)
+ Die sieben Ortsteile der Gemeinde Steinen Name Einwohner(1. Jan. 2012) Fläche (in km2) Urkundliche Ersterwähnung Zugehörige EinrichtungenDas Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 890–893Im Ortsteil Hüsingen liegen die Wüstungen Fenningen und Muntzikon und im Ortsteil Weitenau liegt die 1344 und 1383 genannte Ortschaft Bůssoltzberg, die möglicherweise mit Farnbuck identisch ist. zentriert|300px Steinen 5477 5,95 1113 („Steina“) Dörfer: Steinen Endenburg 409 10,64 1275 („Entenburch“) Dörfer: Endenburg, Kirchhausen, Lehnacker Zinken: Stelle Höfe: Auhof, Schrohmühle Häuser: Stalten Weitenau 588 6,78 1100 („Witnowe“) Dörfer: Weitenau Zinken: Außerdorf, Farnbuck, Schillighof Höfe: Hummelberg Hägelberg 746 6,44 1113 („Hegniberg“) Dörfer: Hägelberg Höllstein 1885 2,64 1103Höllstein wurde erstmals 1103 in einer Urkunde des Basler Klosters St. Alban erwähnt. Aus der Urkunde geht hervor, dass der Ort mindestens seit 1083 existiert. („Holistein“) Dörfer: Höllstein Häuser: Förishäusle, Gaze- und Keppweberei, Hagmatt, Schalthaus Hüsingen 566 6,87 1242 („Husinchon“) Dörfer: Hüsingen Häuser: Merian’sche Anlagen Schlächtenhaus 488 7,53 Dörfer: Schlächtenhaus, Hofen Höfe: Heuberg, Klosterhof Häuser: Kloster Weitenau
Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert Die ersten Erwähnungen Steinens und einiger seiner heutigen Ortsteile stammen aus dem 12. Jahrhundert. Das ehemalige Kloster Weitenau auf halbem Wege zwischen den Ortsteilen Steinen und Schlächtenhaus wurde erstmals im Jahre 1100 urkundlich erwähnt. Erstmals wird der Ort Steinen in einer Urkunde des Klosters St. Blasien aus dem Jahre 1113In der Sache siehe Johann Wilhelm Braun (Bearb.): Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr 1299. Teil I: Edition; Teil II: Einführung, Verzeichnisse, Register, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-017985-3. (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg: Reihe A, Quellen; Band 23), Urkunde Nr. 95 erwähnt (als „Staina“), als der Edle Walcho von Waldeck seine Güter dort und an anderen Orten an das Kloster St. Blasien schenkte. Ebenfalls 1113 erscheint ein „Walcho von Staina“ als Zeuge in einer Urkunde, er ist wahrscheinlich identisch mit Walcho von Waldeck.Stephan E. Maurer: Die Herren von Waldeck. In: Das Markgräflerland, Band 2013, S. 121–138, hier S. 123f. Archäologische Befunde wie alemannische Reihengräber weisen jedoch auf eine frühere Besiedelung hin.
Im 13. Jahrhundert gehörte es entweder den Edelherren von Rötteln in der Seitenlinie der Herren von Rotenberg, oder den Markgrafen von Hachberg und war dem Bannkreis der sanblasianischen Dinghöfe zugeordnet. Jedenfalls die Burg gehörte damals zu Rotenberg.Thomas Simon: Grundherrschaft und Vogtei: eine Strukturanalyse spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Herrschaftsbildung. Vittorio Klostermann, 1995, ISBN 3-465-02698-5, S. 105.
Zu einem bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufstieg der Region kam es im 14. und 15. Jahrhundert durch die Verwertung der Vorkommen an rotem Buntsandstein. 1388 und 1469 ließ der jeweilige Bischof von Basel Steinbrüche bei Steinen zum Wiederaufbau des 1356 zerstörten Münsters aufkaufen.
1503 kam das Gebiet mit der gesamten Markgrafschaft Hachberg-Sausenberg an die Markgrafschaft Baden und wurde dort dem Oberamt Rötteln zugeordnet. Steinen erhielt Anfang des 17. Jahrhunderts (1602) Marktrecht, Ende des 18. Jahrhunderts (1776) einen Vieh- und Krämermarkt und später auch einen Wochenmarkt.
Infolge seiner Lage an zwei vielbefahrenen Landstraßen (der Straße durch das Wiesental nach Schopfheim und der alten Römerstraße von Steinen über Hüsingen nach Inzlingen und Lörrach) wurde das Dorf von vielen Kriegsereignissen in Mitleidenschaft gezogen. So erfuhr das Dorf vor allem 1676, 1678 und am 25. August 1689 Plünderungen durch die Franzosen.
Bereits im 18. Jahrhundert begann Steinen sich als Sitz einer St. Blasischen Schaffnei als Kleinzentrum zwischen Schopfheim und Lörrach zu etablieren, was sich in der großen Zahl der Handwerker und dem Bau bürgerlicher Häuser und an den seit 1760 gepflasterten Gassen zeigte.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach – Band II. Sigmaringen, Thorbecke 1993.
Während der Badischen Revolution durchquerten im April 1848 die Truppen des Heckerzuges auf dem Weg zum Gefecht auf der Scheideck Steinen. Nach der Niederlage dort sammelten sich Teile des Heckerzuges bei Steinen und vereinigten sich dort mit einem weiteren Revolutionszug unter Joseph Weißhaar. Bundestruppen zerstreuten die Revolutionäre jedoch bald und vertrieben sie in Richtung Schweizer Grenze.
19. Jahrhundert mini|Steinen in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Diese Datei ist annotiert. Im 19. Jahrhundert änderte das alte und zum Teil auch ärmliche Bauerndorf mit seinen zum Teil schlechten Straßen und manchen primitiven Häusern seine Struktur. Die Ursache war der Beginn der Textilindustrie im Wiesental und in Steinen. Die Textilindustrie hatte in Steinen bereits 1816 als Heimarbeit und der ersten Handweberei von Merian & Köchlin begonnen und viele Einwohner beschäftigt. Mit der Erstellung der ersten Fabrikanlagen wurde das ehemalige Markgräfler Bauerndorf knapp 20 Jahre später durch die „Basler Herren“, unter anderem Oberst Geigy und Direktor Peter Köchlin, dem „König der Druckstoffe“, industrialisiert. 1836 gründete der Basler Oberst Wilhelm Geigy-Lichtenhahn in Steinen die Mechanische Spinnerei und Weberei Steinen mit 7392 Spindeln und 40 mechanischen WebstühlenLandesbildungsserver Baden-Württemberg: Landesgeschichtliche Einordnung: http://www.schule-bw.de/unterricht/faecheruebergreifende_themen/landeskunde/modelle/epochen/technikgeschichte/3-2landesgeschichte.htm. 1858 erwarb er die Baumwollhandweberei Peter Köchlin und Söhne, die er seit 1848 bereits gepachtet hatte, dazu.Landesarchiv Baden-Württemberg Bestand 69, Steinen
Der wirtschaftliche Aufschwung und die in den Wiesentalorten eingerichteten Textilfirmen machten vermehrten Transport und Fuhren mit Zugtieren auf den stellenweise oft in schlechtem Zustand befindlichen Straßen notwendig. So setzten sich vor allem die Herren der neu entstandenen Fabriken, in erster Linie der Gründer der Textilindustrie in Steinen, der schweizerische Oberst Wilhelm Geigy, für den Bau der Wiesentalbahn ein. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit wurde Steinen am 10. Mai 1862 mit der Eröffnung der Wiesentalbahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
Als 1899 für den Betrieb einer neuen Spinnerei eine elektrische Kraft- und Lichtzentrale geschaffen wurde, bot die Firma dem Bürgermeisteramt an, auch die Straßenbeleuchtung und die Einrichtung der Hauslichter zu übernehmen: Die alten Petroleumlampen wurden abgebaut und Steinen wurde elektrifiziert.
20. Jahrhundert Die beiden Weltkriege hinterließen tiefe Spuren in der Bevölkerung: Zur Ehrung der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Steinen wurde 1935 die Gedächtnisanlage auf dem ehemaligen Kirchhof der Petruskirche nach den Plänen des Freiburger Architekten Hans Geiges errichtet. Hier wurden auf acht Sandsteintafeln die Namen der Gefallenen festgehalten. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs musste das Mahnmal um weitere 13 Gedenktafeln erweitert werdenBadische Zeitung, 16. November 2013: Wo man den Tod begreifen kann BZ-SERIE 900 JAHRE STEINEN (3): Wo und wie in Steinen einst beerdigt wurde / Von Friedhöfen bis zu Ehrenmalen..