Die Familie Keskari, ursprünglich Kürschner in der heute nordmazedonischen Stadt Ohrid, betreibt seit 1856 in Deutschland ein Handels- und Produktionsunternehmen, anfangs ausschließlich in der Pelzbranche. Der Firmenname und die Rechtsform wechselten verschiedentlich, immer war jedoch Keskari ein Namensbestandteil. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg lag der Schwerpunkt in der Herstellung und dem Handel von Zutaten für die Pelzproduktion. Herausragend in der Unternehmensgeschichte ist die Konstruktion eines neuartigen Klipverschlusses, dem so genannten „Keska“, der die bis dahin bei Pelzbekleidung gebräuchlichen Verschlüsse (Knöpfe mit Knopfleiste oder Haken und Öse) ablöste. Der Klipverschluss in der Art des Keska ist heute weltweit der übliche Pelzverschluss. Auch nach Ablauf des Patentschutzes ist in der Pelzbranche im deutschsprachigen Raum umgangssprachlich noch der Begriff Keska für einen Klipverschluss allgemein gebräuchlich (2013).
Firmengeschichte mini|hochkant=4|zentriert| mini|Urkunde zur Niederlassung des Kaufmanns Soter Keskari in Leipzig vom 16. November 1856 Das osmanische Ochrida, heute Ohrid in Nordmazedonien, ist ein Ort mit einer langen Tradition als Kürschnerstadt, wie auch die nicht weit entfernten Kastoria und Siatista (beide heute in Griechenland). Der Vorfahr Soter Keschar (; * 1821; † 10. August 1878 in Leipzig) stammt aus einer alten Kürschnerfamilie in Ochrida. Er war mit Despina Robewa-Keschar verheiratet, Tochter des Aufklärers Atanas Robew, aus der ebenfalls aus Ohrid stammende Händlerfamilie Robewi. Das Ehepaar musste von dort fliehen, weil Soter führend an der Bewegung beteiligt war, welche versuchte die unter türkischem Druck stehende bulgarische Kirche zu befreien (→Bulgarisch-griechischer Kirchenkampf). Dabei beteiligte er sich 1853 an den Versuch den ökumenischen Bischof von Ochrida zu entmachten, wofür er verhaftet und auf Athos verbannt wurde. Soter konnte jedoch entfliehen und gelangte über Triest und Wien und mithilfe von Freunden und der Familie Robew nach Leipzig, wo zu der Zeit das große europäische Pelzhandelszentrum, der Leipziger Brühl entstand.Kuzman Schapkarew: Zuerst meine zweijährige Lehrtätigkeit in Ohrid von 1854 bis 1856. (aus dem Bulg.: Първо, двегодишно учителствувание мое в Охрид от 1854 до 1856 год.), In: Ilija Todorow (Hrsg.), Nikolaj Schetscchew (Hrsg.): Für die Wiederbelebung des Bulgarischen in Makedonien. Unveröffentlichte Notizen und Briefe (aus dem Bulg. За възраждането на българщината в Македония. Неиздадени записки и писма), Verlag Български писател, Sofia, 1984, S. 54,
Als Soter Keschar sächsischer Staatsbürger wurde, änderte er seinen Nachnamen in Keskari, alle heutigen Träger des Namens sind Nachfahren des Ehepaars Soter und Despina Keskari. In Leipzig übernahm er zunächst die Niederlassung des Familienbetriebes Herren Rombi & Keskari (). Nachdem 1856 Soter Bürger von Leipzig und 1857 sächsischer Staatsbürger geworden war, machte er sich bald als Rauchwarenhändler selbständig.Wirdschinija Paskalewa (Hrsg.): Makedonien durch die Augen österreichischer Konsuln 1851 - 1877/78 (aus dem Bulg.: Македония през погледа на австрийски консули 1851 – 1877/78), Band I. (1851 – 1865), Sofia, MNI, 1994. ISBN 954-8187-07-8, S. 55–61. Eine Bilanz des Jahres 1868 führt folgenden Warenbestand auf: „1394 Weißfüchse, 2167 virginische Füchse, 5691 Fuchsrücken schmal, 640 Fuchskehlen“. Die vorgenannten Orte, Ochrida nicht mehr, beschäftigen sich noch heute vornehmlich mit der Pelzstücken-Verarbeitung. Eine der noch erhaltenen Aufzeichnungen belegt, dass er als Vermittler zwischen Leipzig und Ochrida 1867 von einem Herrn Breuer aus Paris Folgendes angeboten bekam: „224 Pfund Steinmarderstücken zu Thaler, 80 Pfund Zobelstücken zu 6 Thaler und 81 Pfund Nerzstücken zu 10 Pfennige das Pfund“. Sotar Keskari kaufte überall die Pelzreste auf und verschickte sie nach dem Balkan oder verkaufte sie nach dort auf der Leipziger Messe. 1900 schrieb Dimitri Ch. Totchkoff: „Ochrida machte sich damals (nach dem Krimkrieg) diesen allgemeinen Aufschwung zu Nutze, und vor allem war es das von einem Bulgaren gegründete grosse Geschäft in Leipzig, die Firma Keskari, welche ein weites Absatzgebiet für Ochridaner Kürschnereiwaren und vor allem bequeme und günstige Bezugsquellen für den in Ochrida zu verarbeitenden Rohstoff schuf“.
Lange Zahlungsziele waren damals ein großes Problem für den Pelzgroßhandel, viele Händler zahlten nur zur nächsten Messe oder sogar nur einmal jährlich. 1868 wies die Unternehmensbilanz einen Warenbestand im Wert von 5475 Talern auf, die Außenstände betrugen 99.392 Taler. An Barwerten waren 562 Napoleon d’or und andere ausländische Goldmünzen im Wert von 3582 Talern vorhanden. Die Zahlungsgewohnheiten änderten sich jetzt jedoch offenbar rasch, im Jahr 1878 waren es rund eine Million Mark Warenbestand und die Außenstände nur noch rund 12.000 Mark, Barmittel allerdings auch nur noch etwa 4000 Mark.
Auch die Nachfahren Sotar Keskaris lernten in der Rauchwarenbranche. Im Juli 1927 teilen die Herren Leonidas Keskari und Erich Rösicke mit, dass sie in Leipzig auf der Ritterstraße 23/29 unter dem Namen Keskari & Rösicke ein Rauchwarenhandels- und Kommissionsgeschäft eröffnet haben.Bekanntgabe der Betriebseröffnung der Rauchwarenhandlung Keskari & Rödicke in Leipzig. Im Oktober 1929 verlegten sie die Geschäftsräume auf den Brühl Nr. 52 (Gloecks Haus), im April 1935 nach Brühl 64–66.Redaktion: Geschäftliche Veränderungen. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 32/33, Leipzig 26. April 1935, S. 6. Als Spezialartikel führten sie 1929 Lammfelle und Lammfelltafeln.Redaktion: Lokalwechsel. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 124, Leipzig, 17. Oktober 1929, S. 6. Unter diesem Namen bestand das Unternehmen noch 1944, ein Jahr vor Ende des Krieges, obwohl Erich Rösicke bereits 1932 aus dem Unternehmen ausgeschieden war und Leonidas Keskari die Firma allein weiter führte. Eine Fachzeitschrift vermerkte 1944, dass der Firma Keskari & Rösicke im Rahmen der Bewirtschaftung von Rauchwaren russische Pelzhasenfelle zugeteilt worden sind, von denen 50 Prozent für den Verkauf im Inland verwendet werden können.Handelsgerichtliche Eintragungen. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 23, Leipzig, 7. Mai 1932, S. 7.Gez. „r.“: Russische Pelzhasenfelle für den inländischen Bedarf. In: Deutsche Kürschner-Zeitschrift und Kürschner-Zeitung. Verlage Arthur Heber & Co, Berlin / Alexander Duncker, Leipzig Mai 1944, S. 17.
Die Zeit nach der zwischen 1928 und 1930 eingesetzten Weltwirtschaftskrise waren auch für Leonidas, den Enkel des Firmengründers, äußerst schwierig. Er handelte damals viel mit dem eigentlich bis in die 1980er Jahre beliebten Pelzartikel Buenolamm, die Regale und Körbe lagen 1933 voll mit Fellen geringerer Qualität dieser Sorte, sie schienen fast unverkäuflich. Seine Frau, die nicht im Geschäft tätig war, sich aber als Hobby mit der Anfertigung gobelinbestickter Taschen beschäftigte, brachte ihn auf eine sehr geschäftsträchtige Idee. Sie hatte einen Muff mit einer Handtasche kombiniert und schlug vor, sie mit den „nichtsnutzigen“ Buenos zu besetzen. Die erste Tasche bestellte der Kürschner Albert Rosenstein in Berlin, im selben Jahr wurde der Gebrauchsmusterschutz angemeldetEintragung einer „Handtasche mit Vorrichtung zum Schutz der Hände gegen die Kälte“ in die Gebrauchsmusterrolle. und im nächsten Jahr gingen der Werkstatt bereits die Buenos aus und man musste Felle zukaufen. Das war der Anfang einer bedeutenden Mufftaschen- und Muffbeutelproduktion, die auch 2022 noch bestand. Ende 1935 wurde die Firma C. Keskari & Co., Leipzig, Lange Straße 8 mit dem Geschäftszweig „Fabrikation von Handtaschen und Pelzteilen“ in das Handelsregister eingetragen.Geschäfts-Nachrichten. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 92, Leipzig, 6. Dezember 1935, S. 7.
Seit den 1950er Jahren zeigt das Logo der Firma ein so genanntes „Muffmännchen“. Es trägt eine Mufftasche vor dem Körper, in das es seine Hände steckt. In Anbetracht, dass sich der Produktionsschwerpunkt des Unternehmens inzwischen vom Zulieferer für das Pelzgewerbe weg entwickelt hatte, wurde erwogen, dieses Firmensignet aufzugeben. Stattdessen wurde jedoch ein ähnliches, vereinfachteres Muffmännchen entworfen. Auf der Homepage der Firma heißt es dazu: „Doch in einem neuen Outfit steht es eigentlich für alles, für das die Firma Keskari auch steht: Tradition, Innovation und Funktionalität. Außerdem fühlen sich viele Mitarbeiter dem Muffmännchen emotional verbunden und so möchten wir auf dieses Teammitglied auf gar keinen Fall verzichten.“Über das Muffmännchen. Homepage Keskari, abgerufen am 5. Januar 2022.
Nach 1945 Die beiden unter dem Namen Keskari geführten Leipziger Betriebe wurden bei dem großen Luftangriff vom 4. Dezember 1943 zerstört. Hamburg und vor allem das am Fuß des Taunus gelegene Frankfurt am Main entwickelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu den neuen Pelzwirtschaftszentren der Bundesrepublik (siehe dazu Pelzhandelszentrum Niddastraße). Zwar hatte Charlotte Keskari zuvor in der Leipziger Leibnizstraße auf dem eigenen Grundstück den Betrieb in ganz kleinem Rahmen wieder aufgebaut, doch sah man die Zukunft der Branche in richtiger Voraussicht im Westen.Frau Charlotte Keskari gibt das Leipziger Unternehmen ab. Zuerst in Buchen im Odenwald, später in Fischbach im Taunus, heute ein Stadtteil von Kelkheim, entstand eine Produktionsstätte mit Kürschnerei und zunehmend für Kürschnerzutaten; die Firmenzentrale etablierte sich, zusammen mit anderen Pelzfirmen, in Hamburg auf der Spaldingstraße. Der Geschäftsbereich des Unternehmens veränderte sich nun weiter zunehmend vom Rauchwarenhandel auf andere Zweige der Pelzindustrie. Diverse Patente und Gebrauchsmuster für Kürschnereizubehör und -geräte wurden in mehreren Ländern angemeldet.Auswahl der Patent- und Gebrauchsmusterschutzanmeldungen Zuletzt aufgerufen am 23. Februar 2013.
Mit dem erheblichen Rückgang der deutschen Pelzproduktion seit etwa den 1990er Jahren und der Abnahme der Kürschnerbetriebe in Europa überhaupt – die Pelzherstellung verlagerte sich zum größten Teil nach Asien, insbesondere nach China mit einer ebenfalls sehr alten Kürschnertradition – verringerte sich auch der Inlandsmarkt für Kürschnereiprodukte, den Patentschutz für den Keska in den verschiedenen Ländern hatte man nicht verlängern können. Nach dem Tod von Martin Keskari im August 1981, zu der Zeit auch Mitinhaber des Rauchwarenhandelsunternehmens Hermann Deninger in Frankfurt am Main,Ohne Autorenangabe: Martin Keskari verstorben. In: Winckelmann Pelzmarkt. Nr. 607, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main am 28. August 1981, S. 17. wurde die Firma L. Keskari & Co von den Mitinhabern, seinen beiden Schwestern, liquidiert und die Niederlassungen in Hamburg und Köln geschlossen beziehungsweise verkauft. Die Ehefrau Christiane Keskari gründete die Firma C. Keskari als Einzelunternehmen neu in Kelkheim und führte die Geschäftstätigkeit im verringerten Umfang weiter. Seit ihrem Tod im Jahr 1985 wird das Unternehmen vom Sohn Christoph Keskari geführt. Im Jahr 2025 beschäftigte das Unternehmen laut seiner Homepage etwa 10 Mitarbeiter.
Schon früher stellte das Unternehmen auch Produkte her, die nicht mit dem Pelz in Beziehung standen, insbesondere im Taschenbereich. Eines der ersten richtig erfolgreichen Produkte nach dem Zweiten Weltkrieg war die Liegematte „Lima“. Sie ermöglichte in größeren Stückzahlen eine Erweiterung der Produktion in einer Zeit, in der die Pelzbranche sich erst wieder erholen musste. Ein weiterer Schwerpunkt wurde der Feintäschnerbereich mit Portemonnaies, Taschen und die Herstellung von Spezialtaschen für besondere Anwendungsbereiche und Berufe, insbesondere auch Taschen aus technischen Textilien.
Der Keska mini|Gravieren des Gesenks zur Herstellung der Oberteile der Keska mini|links|Modell OP: Oberteil Messing poliert, mit Lederstreifen ausgelegt, Lederring und Lederstrippe (etwa 1963) mini|links|Funktionsskizze des Keska