Krywyj Rih (; ) ist eine Großstadt in der südlichen Ukraine, in der Oblast Dnipropetrowsk, Verwaltungszentrum des Rajons Krywyi Rih und der Stadtgemeinde Krywyi Rih.
Es ist die achtgrößte Stadt nach Bevölkerung und die zweitgrößte nach Fläche im Land. Die Bevölkerung beträgt im Jahr 2022 603.904 Einwohner, im Jahr 2024 568.172 Einwohner. Krywyi Rih ist die längste Stadt Europas: Die lineare Länge der Stadt (der Abstand zwischen den äußersten südlichen und nördlichen Punkten an der Stadtgrenze) beträgt 66,1 km. mini|Logo Krywyj Rihs
Krywyi Rih ist das kulturelle Zentrum der Agglomeration Krywyi Rih mit einem Theater, Museen und Universitäten, darunter die 2011 gegründete Nationale Universität Krywyi Rih. Krywyi Rih liegt an den Ufern der Flüsse Inhulez und Saksahan und wurde 1775 von Kosaken gegründet.
Geographie Geographische Lage hochkant=1.1|mini|Zusammenfluss von Saksahan und Inhulez. Bootsstation in Zentraler Stadtbezirk.
Die Stadt liegt im Westen der Oblast Dnipropetrowsk inmitten des Krywbass, einer wichtigen Eisenerz-Region Osteuropas auf einer Höhe von am Zusammenfluss von Saksahan und Inhulez. Die Stadt befindet sich geologisch am Übergang vom Dneprhochland zur Schwarzmeersenke. Im Westen grenzt die Stadt an den 26,9 km² großen Karatschuniwka-Stausee und im Südosten an den Süd-Stausee (ukrainisch )Beschreibung des Stausees. 1775.dp.ua (russisch), der über den Dnepr-Krywyj-Rih-Kanal mit dem Kachowkaer Stausee verbunden ist. Beide Stauseen dienen der Trinkwasserversorgung der Stadt. Im Westen der Stadt befindet sich ein 62 Hektar großes, geologisches Naturdenkmal von nationaler Bedeutung, die MODR-Felsen, eine zwei Milliarden Jahre alte Eisenfelsformation an beiden Ufern des Inhulez.
Kiew (350 km) Krementschuk (130 km) Poltawa (205 km) Charkiw (310 km) Kropywnyzkyj (105 km) Oleksandrija (85 km) Uman (250 km) Schowti Wody (50 km) Dnipro (135 km) Perwomajsk (190 km) 100px Saporischschja (130 km) Donezk (320 km) Nikopol (80 km) Odessa (255 km) Mykolajiw (150 km) Jewpatoria (290 km) Melitopol (190 km)* Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung (Luftlinie) bis zum Ortszentrum.
Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Krywyj Rih (Криворізька міська громада/Kryworiska miska hromada). Zu dieser zählen auch die 7 Stadtrajone Rajon Metalurh, Rajon Dowhynzewe, Rajon Pokrow, Rajon Inhulez, Rajon Saksahan, Rajon Terny, Rajon Zentralne-Misto, die 2 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer sowie die Ansiedlungen Awanhard, Hirnyzke und KolomijzeweКабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 709-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Дніпропетровської області", bis dahin bildete sie in den gleichen Dimensionen die gleichnamige Stadtratsgemeinde Krywyj Rih (Криворізька міська рада/Kryworiska miska rada) unter Oblastverwaltung stehend im südlichen Zentrum des ihn umgebenden Rajons Krywyj Rih.
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Krywyj Rih Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch Awanhard Авангард Авангард (Awangard) Hirnyzke Гірницьке Горняцкое (Gornjazkoje) Kolomijzewe Коломійцеве Коломийцево (Kolomijzewo) Nowoiwaniwka Новоіванівка Новоивановка (Nowoiwanowka) Ternuwatyj Kut Тернуватий Кут Терноватый Кут (Ternowaty Kut)
261x261px|mini|Stadtgliederung
Geschichte mini|Collage von Krywyj Rih mini|Der Maxim-Gorki-Platz in Krywyj Rih mini|Karl-Marx-Allee in Zentraler Stadtbezirk
Erste Forschungsreise, Stadtgründung und Landvermessung 1774 besuchte der Naturforscher und Entdecker Johann Anton Güldenstädt die Region um das heutige Krywyj Rih und erstellte die erste wissenschaftliche Aufnahme der Region und erwähnte dabei auch die „schwarz-glimmerhaltige Erde am Zusammenfluss von Saksahan und Inhulez“. Darüber hinaus untersuchte er eine ihm zu Ohren gekommene Geschichte, nach der der Prinz und spätere König von Imeretien Alexander V. hier beträchtliche Eisenerz- und Metallvorkommen gefunden hatte. Güldenstädt fand weder einen Beweis dafür noch dagegen.
Die Stadt wurde am 8. Mai 1775, ein Jahr nach dem Sieg des Russischen Kaiserreichs im Russisch-Türkischen Krieg von 1768–1774, von Saporoger Kosaken als Poststation gegründet. Die Poststation lag in der Flur Krywyj Rih (zu deutsch „krummes Horn“) und sollte dazu dienen, die Stadt Krementschuk und die neu eroberte Festung Kinburn und die dortige Hafenstadt Otschakiw, wo sich russische Truppen befanden, zu verbinden. Anfänglich siedelten an dieser Stelle fünf Kosaken, weshalb diese Siedlung als eine Art „Kleinst-Staniza“ angesehen werden kann.
1779 erstellte der Praporschtschik (entspricht etwa einem Feldwebel) Bejer (ukrainisch ) die erste topografische Aufnahme des Gebiets und gab dabei die Flur Krywyj Rih mit etwa 23.000 Hektar an.
Forschungsreisen am Ende des 18. Jahrhunderts 1781 besuchte der Naturforscher und Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften Wassili Fjodorowitsch Sujew (russisch ) die Gegend und stellte eine hohe Konzentration von Eisenerz fest. Er erstellte eine kurze Beschreibung der Siedlung Krywyj Rih und erklärte den Flurnamen Krywyj Rih mit der Form des an dieser Stelle in den Inhulez fließenden und mäandernden Saksahan, da beide Flüsse an dieser Stelle eine Art verschobenes oder geneigtes „Kap“ bildeten. Im gleichen Jahr wuchs Krywyj Rih zu einer Sloboda heran und wurde Wolostzentrum. Zu dieser Zeit erforschte auch der Bodenkundler Michajlo Georgijowitsch Liwanow (ukrainisch ) die Gegend und entdeckte Spuren von Silbererzen, Marmor, Porphyr und Eisenerzen. Im selben Jahr gab es 68 Haushalte, in denen 216 Männer lebten.
In den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts begann der großangelegte Abbau von Schiefer für die Schieferdeckung der Stadt Mykolajiw.
Johann Anton Güldenstädt veröffentlichte 1791 mit seinem Buch „Reisen durch Rußland und im Caucasischen Gebürge“ die erste wissenschaftliche Arbeit, die das Gebiet Krywyj Rih beschreibt. Daraufhin wurde auch Peter Simon Pallas aufgrund der großen Granit- und Kalksteinvorkommen, die vor allem für den Bau interessant sind, auf die Gegend aufmerksam.
Zum Ende des 18. Jahrhunderts lebten im Jahr 1799 in der Ortschaft 762 Personen, darunter 407 Männer und 345 Frauen. Im gleichen Jahr besuchte Professor Wladimir Wassiljewitsch Ismailow (russisch ) den Ort und berichtete, dass die Einwohner Tischplatten, Griffel und andere Gegenstände aus Schiefer herstellten.
Forschungsreisen am Anfang des 19. Jahrhunderts Wladimir Ismailow veröffentlichte schon 1802 das Buch „Reise ins südliche Russland von 1799 in Briefen, herausgegeben von Wladimir Ismailow“ (ukrainisch ), in dem er die kunsthandwerklichen Fertigkeiten der Anwohner beschrieb.
1803 erforschte Wassil Pilenko Berggemworen (ukrainisch ) die Gegend und berichtete vom „im Überfluss vorhandenen Eisenerz um Krywyj Rih und Schestirnaja“ (ukrainisch im äußersten Süden des Rajons Schyroke der Oblast Dnipropetrowsk) in Übereinstimmung zu Kapitänleutnant Semetschkin (ukrainisch ). Ein Jahr später überreichte Charles Gascoigne (russisch ) in seiner Position als Chef des Bergbauministeriums dem Finanzminister die Berichte von Berggemworen. Im gleichen Jahr lebten hier 1623 Menschen und es gab 226 Häuser.
Graf Kirill Rasumowski, der letzte Hetman der Saporoger Kosaken und Präsident der Russischen Akademie der Wissenschaften, erinnerte – nach seiner Reise nach Neurussland – in seinen Aufzeichnungen an den reichhaltigen Kalksteinvorkommen von Krywyj Rih.
Geschichte im 19. Jahrhundert 1817 gab es im Ort 482 Häuser und 2185 Einwohner, davon 1336 Männer. Es fanden jährlich zwei Jahrmärkte statt, jeweils am 9. und 15. August. Im selben Jahr wurden das sechste und siebte Ulanen-Schwadron des Bug-Regiments (ukrainisch ) in Krywyj Rih stationiert, diese mussten später dem dritten und vierten Regiment weichen und wurden stattdessen ins Dorf Kasanka verlegt. Aufgrund dessen wurde Krywyj Rih in das Verzeichnis der Ortschaften aufgenommen, die zwischen 1816 und 1817 als Militärsiedlungen in den Ujesden Alexandrija und Cherson im Gouvernement Cherson dienten. Im Jahr 1860 bekam Krywyj Rih den Status einer Stadt in der Provinz Cherson.
Der Geologe Oleksandr Pol nahm 1866 der Erkundung der Eisenerzvorkommen bei Krywyj Rih wieder, als er zufällig den Ausbiss eines Erzganges in den Flussauen des Saksahan fand. Daraufhin unternahm er bis 1874 eine systematische Exploration des Verlaufs der Erzlagerstätten und ihrer Eisenanteile. Er erkannte deren wirtschaftliches Potential. Dank seiner Studien gilt er als Entdecker des Krywbass. 1873 gründete Pol die „Gesellschaft des Kriwoi Roger Erzes“. 1881 begann die industrielle Eisenerzförderung, zunächst im Tagebau. Ab 1886 wurde das Erzfeld um Krywyj Rih auch im Untertagebau erschlossen. Infolgedessen erfuhr Krywyj Rih einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Zahl der Einwohner nahm rapide zu.
Geschichte im 20. Jahrhundert Im Zweiten Weltkrieg richteten die Rote Armee und das NKWD nach der sowjetische Besetzung Ostpolens im September 1939 in und um Krywyj Rih mindestens fünf Arbeitslager für polnische Kriegsgefangene ein, die in den Bergwerken arbeiten mussten.Anna M. Cienciala, Natalia S. Lebedeva, Wojciech Materski (Hrsg.): Katyn: A Crime Without Punishment. Yale University Press, New Haven 2007, ISBN 978-0-300-10851-4, S. 378. Vor dem Rückzug der Roten Armee wurden Anfang August 1941 die Erzbergwerke und die Stahlwerke in Krywyj Rih auf Befehl Stalins zerstört, um sie für die vorrückenden Deutschen unbrauchbar zu machen.Matthias Riedel: Bergbau und Eisenhüttenindustrie in der Ukraine unter deutscher Besatzung (1941–1944). In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jg. 21 (1971), S. 245–284, hier S. 250–251 (Digitalisat). Zwischen 1941 und 1944 war die Stadt von der Wehrmacht besetzt. Ab dem 21. September 1941 begannen Einheiten des Kommandostabes Reichsführer SS, ab Ende September 1941 auch Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD mit dem Holocaust in Krywyj Rih.Yehoshua Bückler: Kommandostab Reichsführer-SS: Himmler’s Personal Murder Brigades in 1941. In: Michael Robert Marrus (Hrsg.): The Nazi Holocaust. The „Final Solution“: the Implementation of Mass Murder. De Gruyter Saur, München 1989, Bd. 2, ISBN 978-3-598-21554-4, S. 456–470, hier S. 466. Sie zogen das jüdische Vermögen ein, rekrutierten die als „arbeitsfähig“ eingestuften Juden zur Zwangsarbeit und deportierten oder ermordeten die übrigen. Im Oktober 1941 wurde die Stadt von einer Polizeieinheit des Höheren SS- und Polizeiführers Russland Süd judenfrei gemacht. 2500 jüdische Zivilisten und 800 jüdische Kriegsgefangene wurden in den Iljitsch-Gruben außerhalb der Stadt ermordet. verbrechen-der-wehrmacht.de, abgerufen 7. Oktober 2015 (PDF-Datei). Von 1942 bis 1943 bestand in der Stadt das deutsche Kriegsgefangenenlager Stalag 338.Kriegsgefangenenlager. Moosburg online. Während der deutschen Besatzungszeit war die Stadt zudem Hauptort für die Kreisgebiete Kriwoi Rog-Stadt und Kriwoi Rog-Land des Reichskommissariates Ukraine. Während der Kämpfe mit den Truppen der Roten Armee wurde Krywyj Rih von dieser beim Rückzug schwer zerstört. Im Zuge der Nikopol-Krywyj Riher Operation wurde die Stadt am 22. Februar 1944 von der 3. Ukrainischen Front der Roten Armee endgültig befreit.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt wieder aufgebaut und zu einem industriellen Zentrum und Verkehrsknotenpunkt der Region entwickelt. Vor allem in der DDR wurde die Stadt durch den Roman von Otto Gotsche über die Fahne von Kriwoi Rog und die darauf basierende gleichnamige Verfilmung von Kurt Maetzig bekannt. Die heutige Jaroslaw-der-Weise-StraßeНові вулиці Кривого Рогу - затверджено! veskr.com.ua (ukrainisch). war bis zur Dekommunisierung nach Otto Brosowski benannt, der die Fahne in der Zeit des Nationalsozialismus versteckt hatte.