Ludwig Heinrich Christian August Czimatis (* 26. Januar 1861 in Schloss Wittgenstein; † 21. November 1942 in Bottrop) war ein deutscher Sozialpolitiker und Wegbereiter des Arbeitsschutzes.
Leben Nach dem Besuch der Schule in Laasphe und Barmen studierte Ludwig Czimatis an der Polytechnischen Schule in Aachen Chemie. 1879 wurde er dort Mitglied im Fachverein der Chemiker und Hüttenleute, dem späteren Corps Montania.Franz Ludwig Neher: Das Corps Montania zu Aachen, 1872-1957, 1957, S. 116 1882 wurde er von der Universität Tübingen – die Aachener Hochschule erlangte erst 1899 das Promotionsrecht – zum Dr. phil. promoviert. Anschließend war er als Betriebschemiker und Betriebsleiter in verschiedenen Werken, davon fünf Jahre in Oberhausen tätig. Ende 1891 trat er in den Preußischen Gewerbeaufsichtsdienst ein, in dem er zunächst in Oppeln und als Gewerbeinspektor, Leiter des Gewerbegerichts und Vorsitzender des Schiedsgerichts der Sozialversicherungen in Kattowitz wirkte.
1899 wurde er in Solingen Gewerberat und Vorsitzender des Gewerbegerichts. Hier erreichte er durch sein Engagement eine nachhaltige Verbesserung im Arbeitsschutz und den gesundheitlichen Verhältnissen der Solinger Metallarbeiter. 1908 wurde er in Breslau zum Regierungs- und Gewerberat und Staatsrat bei der Schlesischen Handwerkskammer ernannt. Nebenher hielt er im Fachhochschulzweig der Universität Breslau Vorlesungen über Gewerberecht.
1921 wurde Czimatis als Oberregierungsrat in das Berliner Polizeipräsidium berufen sowie zum Mitglied der dem Handelsministerium angegliederten Technische Deputation für Gewerbe und des Prüfungsamtes für Gewerbeaufsichtsbeamte ernannt. Von 1923 bis zu seiner Pensionierung 1927 war er als Oberregierungs- und Gewerberat bei der Bezirksregierung Düsseldorf tätig. Danach war er noch als beeidigter Sachverständiger der Industrie- und Handelskammern Düsseldorf und Solingen gutachterlich und beratend tätig.
Czimatis erwarb sich große Verdienste um die Weiterentwicklung des Arbeitsschutzes. Insbesondere setzte er sich dafür ein, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gemeinschaftlicher Verantwortung für Gewährleistung und Verbesserung des Arbeitsschutzes einzutreten hätten. Er war der Verfasser zahlreicher Aufsätze über Arbeitsschutz und Betriebssicherheit.
Auszeichnungen und Ehrungen mini|Czimatis-Denkmal (1961) von Ernst Oberhoff in Solingen Ernennung zum Geheimen Regierungsrat Verleihung des Roten Adlerordens 4. Klasse, 1911 Verleihung der Silbermedaille der Handwerkskammer Breslau, 1921 Dank der Stadt Breslau für die Sicherstellung der Kohleversorgung im Ersten Weltkrieg Die Stadt Solingen errichtete 1961 zur Erinnerung an Ludwig Czimatis anlässlich seines 100. Geburtstages an der Einmündung der Wupperstraße in die Goerdelerstraße ein Denkmal, eine Skulptur zweier ineinander greifender, von einem aus Vierkantrohr gefertigten Stahlgerüst gehaltenen Schleifsteine. Die Örtlichkeit erhielt 1978 den Namen Czimatisplatz.
Schriften Zur Kenntniss der gemischten tertiaeren Phosphorbasen und über Phosphorbenzbetain, 1882 Über gemischte, aromatische, tertiäre Phosphine und die Verbindungen derselben mit Schwefelkohlenstoff, 1882 Die Zinkindustrie, 1890 Über die Industrie Oberhausens, 1892 Erhebungen über gewerbliche Kinderarbeit in Remscheid, 1902 Über das Kinderschutzgesetz, 1908 Empfiehlt es sich, auf die Anstellung sogenannter Fabrikpflegerinnen hinzuwirken?, 1910 Erweiterung des Arbeitnehmerschutzes und Ausbau der Gewerbeaufsicht, 1922 Er verfasste die Kapitel Metall- und Maschinenindustrie und Zinkgewinnung im Handbuch des Arbeiterschutzes und der Betriebssicherheit, Band 3, 1928. (Herausgeber: Friedrich Syrup)
Literatur
Weblinks Stadtarchiv Solingen, Bestand Na 021, Ludwig Czimatis (PDF; 68 kB) auf solingen.de Matthias Knispel: Er hatte Schleifen sicherer gemacht auf rp-online.de (Artikel vom 9. Juli 2007) Czimatis-Denkmal am Finanzamt wird bleiben auf solinger-tageblatt.de (Artikel vom 28. Juli 2010) Czimatis-Denkmal auf Kunst in der Stadt Solingen Bild von Ludwig Czimatis auf solinger-tageblatt.de
Einzelnachweise
Kategorie:Beamter (Berlin) Kategorie:Beamter (Preußen) Kategorie:Chemiker (19. Jahrhundert) Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse Kategorie:Oberregierungsrat Kategorie:Geheimer Regierungsrat Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1861 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Mann