Semmering ist eine Gemeinde im Bezirk Neunkirchen, an der südlichen Grenze Niederösterreichs zur Steiermark (Österreich) mit Einwohnern (Stand ). Der Hauptort Semmering-Kurort ist ein Höhenluftkur- und Fremdenverkehrsort.
Geografie Semmering liegt auf einer Höhe von und hat eine Fläche von km². Der Ort liegt an der Scheitelhöhe des Semmering-Passes an der Semmering Schnellstraße S 6, die seit 2004 den Pass und damit den Ort in einem Tunnel unterfährt, und an der Südbahn, hier Semmeringbahn genannt. Der in der Steiermark liegende Nachbarort trägt ebenfalls den Namen Semmering.
Gemeindegliederung Semmering besteht nur aus einer einzelnen Katastralgemeinde namens Kurort Semmering.Aktuelle Liste - 9646: Österreichische Katastralgemeinden, in edm.gv.at, abgerufen am 29. Juni 2024
Nachbargemeinden
Klima
Geschichte mini|Semmeringpass, 20. August 1825, Kaiser Franz und Karoline auf dem Weg nach Italien, Lith. um 1830, J. F. Kaiser, Graz
Seit dem 19. Jahrhundert ist der Ort ein beliebtes Ferienziel der „feinen Gesellschaft“ Wiens im Sommer. In den Villen des mondänen Kurortes versammelten sich nicht nur der Adel (Kaiser Karl I. verbrachte hier in der Nähe mit seinem Sohn Otto oft die Ferien in der Villa Wartholz), sondern auch die Zweite Gesellschaft sowie Künstler (etwa Oskar Kokoschka, Adolf Loos, Peter Altenberg oder Karl Kraus auf www.semmering.or.at). Sie gaben und geben dem Lebensgefühl hier diesen Namen. mini|links|Hotel Panhans und Hotel Erzherzog Johann um 1905 Berühmte Hotels wie das Südbahnhotel (erbaut 1882 auf www.semmering.or.at) oder das Hotel Panhans (erbaut 1888) und das Kurhaus Semmering (erbaut 1909) sowie das Hotel Erzherzog Johann auf der Passhöhe (letzteres 1945 zerstört) waren bis in die Zwischenkriegszeit Magneten für die Touristen und Wanderer. Nach 1945 litt der Kurort unter den Folgen der Kämpfe zu Kriegsende, der sowjetischen Besatzung und am Verlust der großbürgerlich-jüdischen Klientel. Aktuell positioniert er sich vor allem als Wintersportort. Das Hotel Panhans wurde nach Verkauf zahlreicher Appartements als Ferienwohnungen redimensioniert. Das Kurhaus Semmering wurde von einem Investor erworben und soll wieder als Grand Hotel geführt werden. Das Schicksal des Südbahnhotels ist aber – nach Teilsanierung – ungewiss. Ein neuer Eigentümer konzentriert sich im Moment primär auf kulturelle Schwerpunkte, will das Gebäude ab 2025 aber wieder als Hotel nutzen.
Aufgeblüht ist der Ort vor allem mit dem Bau der Eisenbahn über den Semmering, die 1854 eröffnet wurde. Mit ihr war der Semmering vom kaum 80 km entfernten Wien komfortabel zu erreichen, laut einem Plakat des Hotels Panhans von 1920 „in 2 D-Zugstunden“.
Das Gemeindegebiet war ursprünglich Teil der Gemeinde Breitenstein. Die Abspaltung von Breitenstein und Gründung einer eigenständigen Gemeinde Semmering erfolgte 1919 per Landesbeschluss.Landesgesetz- und Verordnungblatt für Österreich unter der Enns, Jahrgang 1919, XLII. Stück Österreichische Nationalbibliothek, alex.onb.ac.at, abgerufen am 31. August 2025
Dem mondänen Charakter des Ortes entsprechend versuchte man seine Gäste zu unterhalten. So gab es bereits 1899 das erste Semmering-Bergrennen, eine Motorsportveranstaltung über zehn Kilometer für die damals noch wenig ausgereiften Automobile und Motorräder. Bis 1933 fanden mit einigen Unterbrechungen jährlich Rennen statt, in die Siegerlisten trugen sich so bekannte Namen wie Rudolf Caracciola und Hans Stuck ein. Heute ist der Semmering wohl der beliebteste Austragungsort für Oldtimer-Rallyes und den historischen Motorsport im Wiener Nahgebiet.
In den 1920er und 1930er Jahren fanden mehrere hochrangig besetzte Schachturniere auf dem Semmering statt, unter den Teilnehmern so klingende Namen wie die Schachweltmeister Alexander Aljechin und José Raúl Capablanca, die Schachweltmeisterin Vera Menchik oder die Großmeister Paul Keres, Efim Bogoljubow und Rudolf Spielmann.
Ab dem Anfang der 1930er Jahre bis etwa 1960 zählte das Alpenstrandbad Semmering zu den Attraktionen der Gegend. Seit der Jahrhundertwende ist Semmering auch ein Wintersportort. Heute führen Liftanlagen auf den Hirschenkogel (der wieder den Beinamen Zauberberg erhalten hat). Außerdem finden am Hirschenkogel regelmäßig Weltcup-Skirennen statt.
Im Sommer werden die Liftanlagen am Zauberberg für den Bikepark Semmering, der seit 2006 von Downhill- und Freeride-Mountainbikern befahren wird, genutzt. Die Lifte stehen den Bikern von Mai bis Oktober zur Verfügung. Im Bikepark befinden sich mehrere Strecken mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden (u. a. Familystrecke, Freeridestrecke, Downhillstrecke) und zahlreichen Sprüngen, Wurzelpassagen, Steilkurven etc. Darüber hinaus wurde 2006 das erste 24-Stunden Downhillrennen veranstaltet.
Auch sind im Sommer die Aufführungen der Festspiele Reichenau im Südbahnhotel Anziehungspunkt für die Besucher. Im Jahr 2007 erlebte auch Alma, das Stück über Alma Mahler-Werfel, im Kurhaus Semmering zahlreiche Aufführungen. Alma Mahler-Werfel besaß eine Villa am Semmering, und ihre Tochter Anna Mahler hatte sich während eines Aufenthalts im Kurhaus mit ihrem späteren Mann Paul Zsolnay verlobt.
Der Semmering wurde vor allem um 1900 von den Wienern als Naherholungs- und Ausflugsgebiet geschätzt. Auch heute noch sind der Wintertourismus und der Kurtourismus von großer wirtschaftlicher Bedeutung (180.000 Übernachtungen pro Jahr, Tendenz stark steigend).
Am Semmeringpass gelegen, kam dem Ort auch große Bedeutung hinsichtlich des Nord-Süd-Verkehres zu. Die immer stärker zunehmenden Gütertransporte auf der Straße führten dazu, dass eine Untertunnelung des Semmerings geplant und im Jahr 2004 abgeschlossen wurde (Semmering Schnellstraße). Der Ortskern befindet sich derzeit in Umgestaltung, unter anderem wurde dabei auch das im Jahr 2007 geschlossene Restaurant „Erzherzog Johann“ Anfang März 2010 wiedereröffnet.
Bevölkerungsentwicklung
Religion Nach den Daten der Volkszählung 2001 waren 75,2 % der Einwohner römisch-katholisch, 3,1 % evangelisch, 1,1 % gehörten orthodoxen Kirchen an. 11,8 % der Bevölkerung hatten kein religiöses Bekenntnis.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Das „Kernstück“ der 1854 eröffneten Semmeringbahn – die Viadukte und Tunnels im Adlitzgraben bzw. der „20-Schilling-Blick“
Semmeringbahn: seit 1998 gehört die Semmeringbahn zum Weltkulturerbe der UNESCO katholische Pfarrkirche Semmering Heilige Familie Ghegadenkmal: das Carl Ritter von Ghega, dem Erbauer der Semmeringbahn, gewidmete Denkmal befindet sich am Bahnhof Semmering Nittner-Denkmal: das dem ersten Überflieger des Semmerings, Oberleutnant Eduard Nittner, gewidmete Denkmal befindet sich auf der Passhöhe Südbahnhotel Kurhaus Semmering Villa Antoinette
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Gipfelbereich des Hirschenkogels; der Hirschenkogel wird touristisch als „Zauberberg Semmering“ vermarktet. Verkehr Bahn: Der am Nordostportal des Semmering-Scheiteltunnels gelegene Bahnhof Semmering ist ein wichtiger Haltepunkt entlang der Südbahn. Es halten im Zweistundentakt Railjets in Richtung Wien (ein Zug weiter bis Flughafen Wien) und Graz – Villach (ein Zug weiter bis Lienz). Dazu kommen fünf tägliche Zugpaare der Westbahn zwischen Wien und Villach. Im Nahverkehr gibt es im Zweistundentakt Regionalzüge der Linie R91 in Richtung Mürzzuschlag bzw. Payerbach-Reichenau. Außerdem gibt es in der Früh für Pendler Cityjet-Xpress-Züge und ein Intercity-Paar Richtung Wien und am Abend Richtung Graz. Der Bahnhof hat drei Bahnsteiggleise, da jedoch der Bahnsteig 2/3 nur über einen höhengleichen Übergang zugänglich ist, halten alle planmäßigen Züge am Bahnsteig 1, was bei Reisezügen Richtung Wien bedeutet, dass Züge in Gegenrichtung ggf. warten müssen. Bus: Es halten Regionalbusse in Richtung Gloggnitz (Linie 343) und Mürzzuschlag (Linie 187). Gemeinsamer Endpunkt ist die Haltestelle Passhöhe, die sich in der Nähe der Talstation der Seilbahn auf den Hirschenkogel befindet. Straße: Semmering liegt an der L 4168 nach Gloggnitz, über die auch der Anschluss Maria Schutz der Semmering Schnellstraße S6 erreicht wird, der L 118 nach Mürzzuschlag und der L 136 nach Reichenau an der Rax.
Bildung mini|Tourismusschulen Semmering Kindergarten ITM International College of Tourism and Management wurde 1986 in Semmering gegründet und 2009 nach Bad Vöslau verlegt. Tourismusschulen Semmering Die Tourismusschule wurde mit dem Schuljahr 1984/85 eröffnet und war zunächst eine Expositur der Tourismusschulen Krems. Die offizielle Eröffnung der Hotelfachschule Semmering fand am 29. Oktober 1984 im Rahmen der Panhans-Revitalisierung statt. Das angeschlossene Lehrhotel wurde in den vorangegangenen zwei Jahren um rund 2,5 Millionen Euro umgebaut.20 Jahre Tourismusschulen Semmering
Politik mini|Gemeindeamt Semmering Gemeinderat Der Gemeinderat hat 15 Mitglieder. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 ÖVP, und 2 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 3 SPÖ, und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 3 SPÖ, und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 3 SPÖ, und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 ÖVP, 2 SPÖ, und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 ÖVP, 2 SPÖ, und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 ÖVP und 2 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2025 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 ÖVP und 3 SPÖ.
Bürgermeister
bis 2005 Norbert Steiner (ÖVP) 2005–2020 Horst Schröttner (ÖVP) seit 2020 Hermann Doppelreiter (ÖVP)
Gemeindepartnerschaften seit 1994 mit der Gemeinde Silbertal in Vorarlberg
Personen mit Bezug zur Gemeinde Franz Schönthaler (1821–1904), Bildhauer und erster Bauherr auf dem Semmering Franz von Neumann der Jüngere (1844–1905), Architekt und wesentlicher Mitgestalter der hiesigen Villenarchitektur Viktor Silberer (1846–1924), Bauherr, Grundstücksmakler und "König des Semmering" Virginia Conrad von Hötzendorf (1879–1961), verstarb in Semmering
Literatur
Wolfgang Kos: Der Semmering. Eine exzentrische Landschaft. Residenz-Verlag, Salzburg/Wien 2021, ISBN 978-3-7017-3507-5. Danielle Spera: Stammgäste - Jüdinnen und Juden am Semmering. Amalthea-Verlag, Wien 2025, ISBN 9783990502693.
Historische Landkarten
Weblinks
Website der Gemeinde
Einzelnachweise
Semmering
Kategorie:Rax-Schneeberg-Gruppe Kategorie:Randgebirge östlich der Mur Kategorie:Ort im Einzugsgebiet Schwarza (Leitha)