mini|Straßenbahn der Linie 3 auf der 2012 eröffneten Władysława Jagiełły-Brücke Die Straßenbahn Bydgoszcz ist das Rückgrat des Öffentlichen Nahverkehrs in der polnischen Stadt Bydgoszcz (deutsch: Bromberg). Sie wird vom Unternehmen Miejskie Zakłady Komunikacyjne w Bydgoszczy (MZK) betrieben und steht unter der Verwaltung der Stadt Bydgoszcz.

Auf dem Netz der Bydgoszczer Straßenbahn verkehren elf Linien und eine touristische Museumslinie, die nur im Sommer an Wochenenden verkehrt (Stand Juli 2024). Die Linienlängen betragen zusammen 134,5 Kilometer auf einer Streckenlänge von 41,4 Kilometern. Die Spurweite beträgt 1000 Millimeter (Meterspur). Der überwiegende Teil der Strecken ist zweigleisig mit Ausnahme eines rund 900 Meter kurzen Abschnittes auf der Straße „Nakielska“. Etwa vier Fünftel des Netzes befindet sich auf eigenem Gleiskörper. Der Verkehr findet mit Einrichtungsfahrzeugen von 2,4 Metern Breite statt, sodass sich im Netz insgesamt 17 Wendeschleifen finden, von denen aktuell neun im Linienbetrieb genutzt werden.

Chronik der Entwicklung des Straßenbahnnetzes

Deutsche Zeit bis 1918 Die Anfänge des öffentlichen Nahverkehrs in Bydgoszcz reichen bis ins Frühjahr 1888 zurück. Am 1. Februar wurde zwischen dem Ingenieurbüro Havestadt & Contag in Berlin und dem Bromberger Magistrat und der Polizeidirektion ein Vertrag über den Bau und Betrieb einer Pferdebahn abgeschlossen. Die ersten Straßenbahnen waren kleine Pferdekutschen. Gesteuert wurde die Straßenbahn von einem Fahrer, der Passanten mit einer großen Glocke vor dem herannahenden Fahrzeug warnte. Auf der Fahrt wurde er von einem Schaffner begleitet, der das Fahrgeld einsammelte. Die erste Straßenbahnlinie war 2,3 Kilometer lang und verlief ab 18. Mai vom Hauptbahnhof über die Dworcowa-Straße, die Gdańska-Straße und Stary Rynek bis zum Zbożowy Rynek (deutsch: Wollmarkt). Im Jahr 1892 wurde die zweite Straßenbahnlinie in Betrieb genommen, die von der Artillerie-Kaserne (ul. Artyleryjska) über die Gdańska-Straße, Stary Rynek, Batory und Długa bis zur Ecke Poznańska/Św. Dreieinigkeit führte. Die Länge betrug 2,35 Kilometer. Die rasante Entwicklung der Stadt an der Wende zum 20. Jahrhundert führte zum Bau eines städtischen Elektrizitätskraftwerkes, das 1896 fertiggestellt wurde. Bereits am 5. Oktober 1895 erhielt die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) die Genehmigung zur Elektrifizierung der Straßenbahn. Daraufhin wurden die Pferdebahnen zum 3. Juli 1896 durch elektrische ersetzt, obwohl zunächst die Einführung von Gasstraßenbahnen geplant war. In 1898 wurde die rote Linie (A) vom Wollmarkt über die Poznańskiej, Świętej Trójcy und Grunwaldzką zum Dworca kolei wąskotorowej verlängert (Posener Straße und die Berliner Straße zum Kleinbahnhof, stillgelegt 1969). Zwei Jahre später nahm die dritte Linie ihren Betrieb auf: als weiße Linie (C) verlief sie vom Pl. Teatralnego (Theaterplatz) über die Jagiellońską (Wilhelmstraße) und die Fordońską (Chaussee nach Fordon) bis Bartodzieje Wielkie (Groß Bartelsee). Bereits 1901 wurde diese Linie in westlicher Richtung über die Focha, Świętej Trójcy und Nakielską nach Wilczak verlängert (über Wilhelmstraße, Hippelstraße, Berliner Straße und Nakeler Straße nach Printzenthal). 1905 folgte der Bau der Straßenbahn-Anschlussgleise Focha – Warmińskiego – Elektrownia (Wilhelmstraße – Gammstraße – Elektrizitätswerk) sowie von der Jagiellońska zur Stacja przeładunków kolejowych (Wilhelmstraße zum Güterbahnhof).

In Polen Von 1918 bis 1939 Kurz nach der Unabhängigkeit Polens waren 1920 folgende Linien in Betrieb: A "rot" Hauptbahnhof – Okole (alle 7 Minuten) B "grün" Gdańska – Strzelnica (Ulica Toruńska) (alle 8 Minuten) C "weiß" Wilczak – Bartodzieje Wielkie (alle 12 Minuten) Im Jahr 1936 wurde die Linie B entlang der Ulica Chodkiewicza von der Ulica Gdańska bis zur Ulica Lelewela verlängert und eine neue Linie D von der Ulica Gdańska zur Ulica Długa eingerichtet. Für die dadurch entstehenden Mehrverkehre wurden fünf Trieb- und vier Beiwagen von der Straßenbahn Poznań übernommen, allerdings wurden die Beiwagen im Sommer bereits ausgemustert. 1937 erfolgte eine Verlängerung der Strecke auf der Ulica Chodkiewicza bis zur Ulica Głowackiego.

Von 1945 bis 1952 Nach der kriegsbedingten Unterbrechung wurde der Betrieb schrittweise wieder aufgenommen: 29. Juni 1945: Die Linie A verkehrte wieder auf ihrer alten Strecke. 19. Juli 1945: Linie B nahm den Betrieb auf der Ulica Toruńską wieder auf und Linie C fuhr bis zur Altstadt. September 1945: Die Linie D fuhr auf der Strecke Ulica Gdańska – Długa. Oktober 1946: Die Linie C bediente wieder die Ulica Armii Czerwonej (heute Ulica Focha).

1948 wurde die Linienbezeichnung von Buchstaben auf Ziffern umgestellt und nach dem Bau einer Weiche von der Ulica Dworcowej in Richtung Plac Wolności und Bielaw nahm die Linie 4 (vorher D) Fahrten auf der Strecke Hauptbahnhof – Bielawy auf. Außerdem wurden drei Nachtlinien (vom Hauptbahnhof nach Bielawy, nach Okole und nach Bartodzieje Wielkie) eingerichtet, allerdings nach nur einem Monat wieder eingestellt. Im Folgejahr wurde eine Zweigstrecke von der Ulica Chodkiewicza entlang der Ulica Lelewela und der Ulica Jurasza bis zum Kreiskrankenhaus gebaut, auf der die Linie 4 verkehrte. Außerdem ist das für Rangierfahrten verwendete Gleisdreieck am Hauptbahnhof außer Betrieb genommen worden. Im Jahr 1950 wurde eine Verlängerung der Strecke entlang der Ulica Nakielska von der Ulica Wrzesińska bis zur Eisenbahnbrücke eröffnet und am 1. Mai nimmt der erste Straßenbahnwagen, der vollständig in der eigenen Werkstatt der MPK gebaut wurde, den Betrieb auf. Bis 1956 wurden 15 ähnliche Wagen gebaut. Parallel dazu trifft 1951 auch der erste, von Gdańskiej Fabryki Wagonów DWF (aus „Danziger Waggonfabrik“ hervorgegangen) in Gdańsk gebaute Wagen des Typs Konstal 2N bei der Bydgoszczer Straßenbahn ein.

Von 1953 bis 1989

Am 21. Juli 1953 wurden die Strecken südlich der Brda über Babia Wieś nach Łęgnowo, nach Kapuściska und nach Glinki eröffnet. Dazu wurden fünf neue Linien eingerichtet, nämlich die Linien 5 bis 9. Für diese erhebliche Ausweitung des Straßenbahnverkehrs erhielt Bydgoszcz gebrauchte Wagen aus anderen polnischen Städten: 13 Triebwagen von Lilpop und 13 Beiwagen von Herbrand aus Łódź, 4 Triebwagen von Walker aus Kattowitz und 4 Triebwagen von Sanowag vom Typ SW1 aus Krakau. 1955 folgte die Einweihung einer eingleisigen, nach Norden führenden Strecke mit Ausweichen im Verlauf der Ulica Gdańska von der Ulica Chodkiewicza zur neuen Siedlung Leśne. Die Strecke überquert die Bahngleise an der Ulica Artyleryjska, von dort nach Leśne verkehrte ein Shuttlewagen. Der Rest der Linie endete vor dem Bahnübergang. Im Folgejahr begann die Lieferung sechs neuer Triebwagen des Typs 2N und fünf Beiwagen des Typs 2 von der Firma Konstal in Chorzów. Außerdem starteten die Bauarbeiten für das neue Straßenbahndepot an der Ulica Toruńska. 1957 wurden das zweite Gleis auf der Ulica Focha sowie eine Verlängerung der Strecke entlang der Ulica Fordońska, von der Ulica Gajowa zur Ulica Polanka in Betrieb genommen. Und es kam die erste Lieferung von Triebwagen des Typs Konstal 5N und Beiwagen des Typs 5ND, von denen insgesamt 16 Stück bestellt wurden. Im Juli 1959 erfolgte die Inbetriebnahme des neuen Straßenbahndepots an der Ulica Toruńska und 1963 die der neuen Straßenbahn-Brücke über die Brda längs der Ulica Bernardyńska. Im selben Jahr erhielt Bydgoszcz ein Angebot aus Stuttgart zur kostenlosen Übernahme von 40 Triebwagen des Typs „Reihe 200“, erbaut 1926–1930 von der Maschinenfabrik Esslingen, lehnt das Angebot aber ab. Stattdessen wurden 1965 acht Wagen des Typs 2N wurden von der stillgelegten Straßenbahn Olsztyn übernommen. 1966 ist mit dem Bau einer Wendeschleife mit drei Bahnsteigen am Hauptbahnhof das zuvor dort befindliche Wendedreieck ersetzt worden. Im Jahr darauf wurde zum 1. Mai mit einer Wendeschleife an der Ulica Wyścigowa nahe des Ostbahnhofes der Osten von Bydgoszcz an das Straßenbahnnetz angeschlossen, gleichzeitig wurde die Strecke in der Altstadt stillgelegt und die Linie 1 eingestellt. 1970 wurden mit der Einweihung der Pomorski-Brücke zwischen den Kreisverkehren Toruńskie und Fordońskie die Linienführung der Linien, die die Brda überquerten, geändert. und auch die Linie 7 wurde auf die Strecke Glinki – Bałtycka verlegt. Zudem wurden zwei neue Straßenbahnen des Typs Konstal 802N von der Straßenbahn Łódź übernommen, gefolgt von einer Lieferung zehn neuer Gelenktriebwagen des Typs 803N im Jahr 1973 und zehn weiterer im Folgejahr. Gleichzeitig wurde in erheblichem Umfang in das Gleisnetz investiert: nach der Eröffnung der Strecke am neuen Knoten Grunwaldzkie auf einem zugeschütteten Teil des Stary Kanał Bydgoski (Alter Bromberger Kanal) im Jahr 1973, wurden 1974 der Neubau einer Strecke längs der Ulica Wojska Polskiego vom Knoten Szarych Szeregów zur Ulica Magnuszewska, wohin dann die Linie 2 von Bielawy verkehrte, eingeweiht. Zudem folgte der Wiederaufbau der Strecke auf der Ulica Chodkiewicza, der Bau einer Wendeschleife an der Ulica Wybickiego (Bielawy), die Eröffnung des modernisierten Rondo Jagiellonów mit Fußgängertunneln und die Sanierung der Strecke nach Kapuściska. Andererseits wurden die Strecken auf der Ulica Lelewela und der Ulica Jurasza stillgelegt.

Beginnend im Jahr 1975 war dann der große Umbruch für die Straßenbahn Bydgoszcz geplant. Der Neubau der Strecken längs der Ulica Wojska Polskiego von der Endschleife an der Ulica Magnuszewska zum Rondo Kujawskie sowie längs der Ulica Szubińska zur Siedlung Błonie (1979 eingeweiht) erfolgte in Normalspur. Der Plan war, das gesamte Straßenbahnnetz umzuspuren. Jedoch wurde schnell klar, dass der dazugehörige Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen stand, sodass das Projekt wieder abgebrochen wurde. Während auf der Strecke zum Rondo Kujawskie (1984 eröffnet) Dank der Verwendung von Holzschwellen die Spurweite vergleichsweise einfach zurück auf Meterspur geändert werden konnte, mussten die Gleise auf der Ulica Szubińska komplett wieder herausgerissen werden, da hier normalspurige Betonschwellen verwendet worden waren. Im Wagenpark begann ab 1977 der Einsatz der ersten Triebwagen des Typs Konstal 105NW und am 19. März 1980 erhielt Bydgoszcz die ersten von 42 bestellten Wagen des Typs 805Na. Zeitgleich die Wagen des Typs 802N aus dem Liniendienst zurückgezogen und nur noch für Notfälle eingesetzt. 1981 gab es eine weitere Lieferung von zehn Wagen des Typs 805Na. Das Streckennetz änderte sich wieder im Jahr 1984, als die Strecke auf der Ulica Wojska Polskiego von der Ulica Magnuszewska bis zur Ulica Karpacka (Rondo Kujawskie) eröffnet, gleichzeitig die Strecke auf der Ulica Grunwaldzka nach Okole stillgelegt wurde. 1988 wird das 100-jährige Bestehen der Straßenbahn Bydgoszcz gefeiert. Aus diesem Anlass wurde Wagen Nr. 120 des Typs GE-68 von Herbrand aus dem Jahr 1898 renoviert und seither als Museumsfahrzeug eingesetzt. Im Jahr darauf wurde die eingleisige Strecke auf der Ulica Gdańska zweigleisig ausgebaut und erhielt eine neue Endschleife am Leśny Park Kultury i Wypoczynku, wohin dann die Linie 4 geführt wurde.

Von 1990 bis 2009