Maëster Sœur Marie-Thérèse des Batignolles (Bitte Urheberrechte beachten)

Schwester Maria-Theresa (frz. Sœur Marie-Thérèse des Batignolles []) ist eine Comic-Serie des französischen Cartoonisten und Szenaristen Maëster (Jean-Marie Ballester), die erstmals 1982 in der Ausgabe Nr. 74 des Comic-Magazins Fluide Glacial erschien und von 1989 bis 2008 in sechs Comic-Alben veröffentlicht wurde; in Deutsch erschienen von 1991 bis 1996 vier Bände.

Die Protagonistin, Sœur Marie-Thérèse des Batignolles, ein resolutes Weibsbild mit männlich anmutenden Gesichtszügen, ist eine völlig atypische katholische Ordensschwester,Franz. sœur ‚Schwester, weibliches Mitglied einer religiösen Ordensgemeinschaft‘ die ihre Religion freizügig interpretiert, ihre Religiosität sehr eigenwillig auslebt und dabei Alkohol, Marihuana und auch dem männlichen Geschlecht nicht abgeneigt ist. In Ordenstracht und Springerstiefeln erlebt sie zuweilen fast reale, aber meist deutlich surreale Abenteuer, die sie dank ihrer Fäuste, ihrer körperlichen Robustheit, ihrer Bauernschläue – und in einem Fall auch durch Gottes Hilfe – heil übersteht.

Genre und Präsentation Die Serie umfasst derzeit 6 Bände mit 46 Episoden auf 271 Seiten. Die Zeichnungen in Band 1 bis Band 5 sind in Schwarz-weiß ausgeführt, der gesamte Band 6 und die Titelseiten aller Comic-Alben sind koloriert. Das Spektrum der zeichnerischen Darstellung und der Handlung reicht von nahezu realistischen Alltagsgeschichten in den ersten vier Episoden von Band 1 bis zu extrem cartoonhaften Comics in den darauf folgenden Episoden.Wenn Sœur Marie-Thérèse des Batignolles zuschlägt, explodieren Köpfe und fliegen Gebisse und Augäpfel heraus. Zur Andeutung starker Emotionen verzerren sich Gesichter ins Extreme oder verformen sich in fantastische Fabeltierköpfe; Kampfhandlungen werden durch riesige SHOK!, BLAM!, BONK!, BAF! etc. unterlegt.

Die Serie, die auf den Humor von Jugendlichen und Erwachsenen zielt,Eine Analyse mit Beispielen des in der Serie verwendeten Humors findet sich bei Janet Helen Sedlar: The Construction of Humor in Spanish and French Comic Strips: A Sociolinguistic Perspective, ProQuest (2008), S. 596 ff. ist in einem quasi-katholischen Umfeld angelegt,Dem Vorwurf, dass er sich nicht getraut hätte, die Serie vor jüdischem oder muslimischem Hintergrund spielen zu lassen, entkräftete Maëster im zitierten Interview damit, dass er den Katholizismus aus seiner eigenen Kultur heraus gewählt habe, weil er damit aufgewachsen sei. Er habe nichts gegen Religion und auch keine anti-religiöse Agenda. Aus demselben Grunde mache er auch keine politischen Cartoons über Deutschland, sondern ausschließlich über Frankreich und die ihm bekannten Politiker, weil er eben Deutschland und die dortige politische Situation nicht kenne. doch die Kloster- und Kirchenumgebung dient Maëster als Hintergrundszenario für seine WortspieleZwei Beispiele. (I) Band 3 Noël à paques tison au balcon: Ein Vampir-Wolf stoppt den Schlitten des Nikolaus, indem er dem Elch den Schädel eindrückt. Sankt Nikolaus konstatiert: „Oh! Vous avez brisé mon élan.“ „Oh! Sie haben meinen Elch zerbrochen.“, ein Kalauer auf ‚briser l'élan‘, d. h.‚ jemandem den Schwung nehmen‘. (II) Band 2 Laver (mari à), sprich: „l'ave Maria“, d. h. ‚Das Ave Maria‘; wörtlich aber: „Waschen (Ehemann zum)“, wie: „Ehemann zum Waschen“. Eine Adaptation durch eine deutsche Übersetzung erscheint bei den meisten Wortspielen unmöglich. (besonders Kalauer), Parodien von Filmen und FernsehserienBand 3 Batnonne: Batman-Filme und Jack Nicholson; Band 3 Les tordues ninja Ninja Turtles; Band 4: La prisonnière: The Prisoner; Band 4 Psy cause: Psycho; Band 4 Le nom de la gosse: Der Name der Rose; Band 6 INRI sous cape: Der Herr der Ringe; etc. und suchbildartigen Bilderwitze, die sich auch oft über mehrere Panels erstrecken.Es gibt mehrere Running Gags: Z.B. wird die Darstellung des Kruzifixes immer wieder permutiert – im Essraum des Konvents hat Jesus Messer und Gabel in der Hand, mal ist er auf einem Drachen fixiert, dann als Schneemann usw. In ähnlicher Weise wird die mehrfach gezeigte Kopfbedeckung einer Person, oder das Dreieck über dem Haupt Gottes, oder ein Haushaltsgegenstand immer wieder neu verändert dargestellt. Nicht nur bei Sœur Marie-Thérèse des Batignolles, sondern auch bei den meisten anderen Akteuren sucht man vergeblich nach einem Moralkodex. Dieser wäre auch nur störend und würde Maëster bei den Abenteuern seiner Protagonistin behindern. In fast jeder Episode kommt es zu einer Schlägerei und je mehr Personen daran beteiligt sind, desto mehr Möglichkeiten bieten sich Maëster, absurd-amüsante kleine Details hineinzuzeichnen.

Während die Prügelorgien und die Verwendung von Drogen jeglicher Art bildlich groß angelegt vorgeführt werden, werden die sexuellen Vorlieben von Marie-Thérèse kaum im Bild dargestellt, sondern manifestieren sich meist nur im Text in Form ihrer anzüglichen Kommentare.Wenn man sehr genau hinsieht, findet man im Wust ihres Zimmers Sexspielzeuge auf dem Boden. Doch wenn Marie-Thérèse einen Mann anziehend findet, bleibt es bei kleinen Herzen, die um ihren Kopf schweben und bei einem versonnenen Schulmädchenlächeln. Auf weiterführende Aktionen ihrerseits wird verzichtet.

In einem InterviewInterview mit Maëster vor 2008 (franz.) erklärte Maëster, dass er durch die Beobachtung einer älteren Dame in der Métro, die sich sehr ungewöhnlich für eine Dame ihres Alters verhalten hätte, auf die Idee zur Person Sœur Marie-Thérèse des Batignolles gekommen sei. Situationskomik und Humor komme aus der Wahrnehmung des Gegensatzes, dass sich eine Person, der gegenüber man eine bestimmte Erwartungshaltung habe, ganz anders verhalte, als man es von ihr erwarte.In dieser speziellen Hinsicht gibt es eine gewisse Parallelität von Sœur Marie-Thérèse des Batignolles und Carmen Cru. Maëster und Lelong, der Schöpfer von Carmen Cru, kannten und schätzten sich. In einer Episode von L'Escapade zeichnete Lelong im Büro der Vorsteherin des Altenheims ein Wand-Porträt von Sœur Marie-Thérèse des Batignolles. Im Jahr 2004, dem Jahr, in dem Lelong starb, trafen sich Marie-Thérèse und Carmen auf ein Glas Rotwein, diesmal durch den Zeichenstift von Maëster. Einen weiteren Cameo-Auftritt hat Carmen Cru in Sœur Marie-Thérèse des Batignolles, Band 4 (Oktober 2004) in der Episode Missa Impossibililis. Dieses unerwartete Verhalten findet sich auch bei anderen Personen der Serie.

Nachdem Maëster Fluide Glacial im Jahr 2005 verlassen hatte, sollte der 6. Band von Sœur Marie-Thérèse des Batignolles bei Éditions Albin Michel erscheinen, dem Verlag der Comic-Zeitschrift L’Écho des Savanes. Als die Comic-Sparte der Éditions Albin Michel von Glénat aufgekauft worden war, erschien das 6. Album dort unter dem Label „Drugstore“.

Personen Die Geschichten um Sœur Marie-Thérèse des Batignolles sind reich an teils typisch klischeehaft dargestellten Personen und teils als karikiert gezeichneten bekannten realen Persönlichkeiten wie Filmschauspielern (oder den Charakteren, die sie verkörpern), Sängern, Politikern etc. oder fiktiven Personen der Populärliteratur; in mehrere Geschichten hat sich Maëster auch selber – in selbstironischer Darstellung – hineingezeichnet.

Sœur Marie-Thérèse des Batignolles Maëster Sœur Marie-Thérèse – Sans Diocèse Fixe (Bitte Urheberrechte beachten) Sœur Marie-Thérèse des Batignolles, in blauer Ordenstracht und mit um die Hüfte geschlungener Kordel,Abgesehen von der Farbe und der Kordel hat diese fiktive Ordenstracht Ähnlichkeit mit der der Clemensschwestern. ist eine katholische Ordensschwester im fiktiven Konvent der Petites Sœurs du Pardon Excusez-Moi. Sie ist etwa 40 bis 50 Jahre alt und von massiger Gestalt mit mächtigem, wogenden Busen, hat starke Arme, große Hände und spindeldünne Beine, die in Spingerstiefeln enden. Ihr Gesicht hat deutlich männliche Proportionen mit stark gerunzelter Stirn, breitem Unterkiefer und Hamsterbacken; sie trägt eine Brille mit dicken Gläsern. Ihr Mund ist meist mürrisch heruntergezogen, aber – besonders in Gegenwart attraktiver junger Männer – ist sie auch zu einem bezaubernden Lächeln fähig und zeigt dann die gleiche Körpersprache (seitliches Abdrehen, Anwinkeln eines Fußes, Spielen mit den eigenen Fingern) wie sie für Oliver HardyNeben Stan Laurel, Groucho Marx und vielen anderen Personen ist auch Oliver Hardy unter den von Maëster karikierten Schauspielern. typisch war. Ohne dass es in der Serie direkt vor Augen geführt wird,Außerhalb der Serie hat Maëster Gemälde angefertigt, die Sœur Marie-Thérèse des Batignolles in durchaus erotischen Posen zeigen oder sie auch als Akt darstellen. lebt Sœur Marie-Thérèse des Batignolles auch ihre Sexualität aus, was in ihrer Jugend zu einer Schwangerschaft und der Geburt eines Sohnes führte.Band 2: Le retour de la malédiction du fils caché Als Genussmensch liebt sie langes Ausschlafen, gutes Essen, Alkohol in jeder Form (bevorzugt Rotwein), Joints, Zigarren; sie fährt gerne Motorrad und Vespa und verehrt Elvis. Sie kennt sich mit Schusswaffen aus und sie weiß ihre Fäuste und Füße mit vollem Körpereinsatz bei Schlägereien zu gebrauchen.Einige dieser Sequenzen zeigen deutliche Ähnlichkeit zu den Kampfszenen in der Matrix-Filmreihe.

Sœur Marie-Thérèse des Batignolles handelt spontan und ohne jegliche Rücksicht. Typisch für sie ist beispielsweise, dass sie in ihrem unaufgeräumten Zimmer nicht gestört werden will, weil sie völlig betrunken im Bett liegt,Die Art und Weise der Trinkgewohnheiten von Sœur Marie-Thérèse des Batignolles wurden 2001 von Corinne Six im Rahmen ihrer Dissertation La représentation des conduites d'alcoolisation de la femme dans la bande dessinée à propos de 3 cas: Carmen Cru, Soeœur Marie-Thérèse et Jessica Blandy an der Université du droit et de la santé (Lille) untersucht. dass sie während einer Gerichtsverhandlung einen Joint raucht, Kinder in drastischer Weise und völlig unpädagogisch „diszipliniert“, alte oder kranke Menschen ungeduldig drangsaliert, in Läden und Bars Alkohol mitgehen lässt und ohne Skrupel Geld oder Wertgegenstände entwendet. Ihre Sprache ist direkt, respektlos („verletzend“) oder auch anzüglich: Johannes Paul II., der zu einem Besuch in das Kloster kommt, nennt sie zum Entsetzen der Mêre Supérieure „Pollack“.Band 3: Jean-Paul II: Le retour; nach der Erklärung von Marie-Thérèse studierte er früher im Seminar neben dem Schwesternkonvent und kletterte immer über die Mauer, um mit den Schwestern – auch mit Marie-Thérèse – zu tanzen: „Ah! On s'est marrés, lui et moi...“ („Ah! Wir hatten viel Spaß zusammen, er und ich...“)Es lässt sich eine Parallelität feststellen: So, wie ihre Physiognomie deutlich männliche Zuge zeigt, trifft dies auch auf ihr Verhalten und die meisten ihrer „typisch männlichen“ Vorlieben zu.

Doch Marie-Thérèse hat auch gelegentlich eine „nette“ Seite, wenn sie sich für Obdachlose oder Immigranten gegen Sozialwucherer einsetzt, oder sogar heroische Züge, wenn sie mit vollem Körpereinsatz gegen Rinderwahn, Übermenschen, Zombies und Monster antritt.

Zitate „...donnez-nous aujourd'hui notre pain quotidien ... pour moi, avec beurre et saucisson, mais sans cornichons, cette fois-ci!“Prolog in Band 1: Marie-Thérèse betet, eine Zigarre zwischen den Lippen und einen Elvis-Button (Elvis qu'on prie) an der Ordenstracht. [„...und gib uns unser täglich Brot ... für mich mit Butter und Wurst, aber diesmal ohne Gürkchen!“] „Vous êtes cistercienne de la stricte observance?“ „Je suis plutôt vaginale de la pure jouissance...“Prolog in Band 5: Marie-Thérèse antwortet der Schwester eines anderen Ordens auf deren Frage nach ihrer Ordenszugehörigkeit. [„Sind Sie Zisterzienserin strengerer Observanz?“ „Ich bin eher Vaginalin des puren Genusses...“]

Mêre Supérieure