Die Pflanzengattung Krötenlilien (Tricyrtis) gehört zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Die etwa 20 Arten sind im östlichen Asien verbreitet, viele davon sind selten und kommen in kleinen Verbreitungsgebieten vor.

Beschreibung mini|links|Illustration aus Curtis’s Botanical Magazine, 1881 der Kleinblütigen Krötenlilie (Tricyrtis macropoda). Im Detail gut dargestellt sind die drei gespaltenen Narbenlappen. mini|Blüte der Borstigen Krötenlilie (Tricyrtis hirta) mini|Habitus, Laubblätter und Blüten der Gebirgs-Krötenlilie (Tricyrtis affinis) mini|Blüten der Breitblättrigen Krötenlilie (Tricyrtis latifolia) mini|Ausschnitt eines Blütenstandes mit Blütenknospen und Blüte der Kleinblütigen Krötenlilie (Tricyrtis macropoda), deutlich zu sehen ist die angeschwollene Basis der äußeren Blütenhüllblätter. mini|Stängel mit Laubblättern und Blüten von Tricyrtis macranthopsis miniatur|Die Sorte Tricyrtis Hybride 'Sinonome'

Erscheinungsbild und Blätter Die Tricyrtis-Arten wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen. Als Überdauerungsorgane werden kriechende, meist kurze oder manchmal lange Rhizome gebildet. Die aufrechten oder aufsteigenden Stängel sind einfach oder manchmal im oberen Bereich verzweigt.

Viele fast sitzende Laubblätter sind am Stängel wechselständig verteilt angeordnet. Die einfachen, relativ dünnen Blattspreiten sind elliptisch bis eiförmig mit meist mehr oder weniger stängelumfassendem Spreitengrund und spitzem bis zugespitztem oberen Ende. Es liegt Paralleladerung vor und es sind viele Blattadern vorhanden.

Blütenstände und Blüten Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln oder in thyrsoiden, selten traubigen Blütenständen.

Die relativ auffälligen, glocken- oder trompetenförmigen Blüten sind zwittrig, radiärsymmetrisch und dreizählig. Die sechs ungleichen, freien Blütenhüllblätter sind meist ausgebreitet oder am oberen Ende zurückgebogen und meist nicht haltbar. Die äußeren drei Blütenhüllblätter sind sackförmig oder kurz gespornt. Die Farbe der Blütenhüllblätter ist weiß oder gelb mit purpurfarbenen Flecken. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden. Die an der Basis der Blütenhüllblätter inserierten Staubfäden sind etwas abgeflacht und im oberen Bereich konvergierend um eine kurze Röhre zu bilden. Die basifixen, nach außen gebogenen Staubbeutel sind frei beweglich. Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen. Jede Fruchtknotenkammer enthält viele Samenanlagen. Der säulenförmige Griffel endet in drei ausgebreiteten Narbenlappen, die im oberen Bereich gespalten sind.

Früchte und Samen Die breit zylindrischen, dreikantigen Kapselfrüchte sind septizidal und enthalten viele Samen. Die relativ kleinen Samen sind ei- bis kugelförmig und abgeflacht.

Systematik und Verbreitung Die Gattung Tricyrtis wurde 1826 durch Nathaniel Wallich in Tentamen Florae Napalensis Illustratae, S. 61 aufgestellt. Typusart ist Tricyrtis pilosa , heute ein Synonym von Tricyrtis maculata Der Gattungsname Tricyrtis setzt sich aus den griechischen Wörtern tri für drei und kyrtos für konvex zusammen, dies bezieht sich auf die drei Perigonblätter, die eine angeschwollene Basis besitzen. Synonyme für Tricyrtis sind: Compsoa , Compsanthus , Brachycyrtis

Die Tricyrtis-Arten sind im östlichen Asien vom Himalaya über China bis Taiwan, Japan und die Philippinen (eine Art) verbreitet. In der Volksrepublik China kommen vier Arten vor, davon zwei nur dort. Sechs Arten kommen in Taiwan vor, vier davon nur dort. Das Zentrum der Artenvielfalt ist mit etwa 13 Arten Japan, 11 davon nur dort.

Die Gattung Tricyrtis gehört zur Unterfamilie Calochortoideae innerhalb der Familie Liliaceae, früher in Calochortaceae, Convallariaceae, Tricyrtidaceae, Uvulariaceae.

Es gab bisher zwei Vorschläge von Masamune 1930 und Takahashi 1980 für die Gliederung der Gattung Tricyrtis. Die vier Sektionen nach Takahashi 1980 sind: Sektion Brachycyrtis (mit Tricyrtis macrantha, Tricyrtis macranthopsis, Tricyrtis ishiiana), Flavae (mit Tricyrtis ohsumiensis, Tricyrtis flava, Tricyrtis nana, Tricyrtis perfoliata), Sektion Hirtae (mit Tricyrtis formosana, Tricyrtis lasiocarpa, Tricyrtis ravenii, Tricyrtis hirta) und Sektion Tricyrtis (mit Tricyrtis suzukii, Tricyrtis setouchiensis, Tricyrtis macropoda, Tricyrtis maculata, Tricyrtis affinis, Tricyrtis latifolia). Molekulargenetische Untersuchungen bestätigen nur teilweise diese Gliederung, es sind aber noch nicht genügend Daten vorhanden für eine neue Gliederung.

Nach Noriyuki Tanaka 2012 gibt es 20 Tricyrtis-Arten: Gebirgs-Krötenlilie (Tricyrtis affinis , Syn.: Tricyrtis macropoda subsp. affinis , Tricyrtis affinis var. albida , Tricyrtis parviflora , Tricyrtis hirta var. parviflora , Tricyrtis japonica var. albida , Tricyrtis chiugokuensis , Tricyrtis affinis var. chiugokuensis , Tricyrtis affinis f. albida , Tricyrtis macropoda var. chiugokuensis ): Die Heimat ist Japan. Tricyrtis chinensis : Diese 2001 beschriebene Art kommt in den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Guangdong, Guangxi, Hunan, Jiangxi sowie Zhejiang vor. Tricyrtis dilatata : Sie kommt nur in Südkorea vor. Gelbe Krötenlilie (Tricyrtis flava ): Dieser Endemit kommt nur in der Präfektur Miyazaki auf der japanischen Insel Kyushu vor. Taiwan-Krötenlilie (Tricyrtis formosana , Syn.: Compsoa formosana ): Sie kommt mit zwei Varietäten nur in Taiwan und Nansei-shoto vor: Tricyrtis formosana var. formosana (Syn.: Tricyrtis stolonifera , Tricyrtis formosana var. stolonifera , Tricyrtis kotoensis , Tricyrtis formosana var. grandiflora ): Sie kommt nur in Taiwan und auf Nansei-shoto vor. Tricyrtis formosana var. glandosa (Syn.: Tricyrtis formosana f. glandosa , Tricyrtis ravenii ): Sie kommt nur im nordöstlichen sowie zentralen Taiwan vor. Borstige Krötenlilie, auch Rauhaarige Krötenlilie oder Japanische Krötenlilie genannt, (Tricyrtis hirta , Syn.: Uvularia hirta , Compsoa hirta ): Sie kommt mit zwei Varietäten im zentralen sowie südlichen Japan vor. Tricyrtis hirta var. hirta (Syn.: Tricyrtis japonica , Tricyrtis clinata , Tricyrtis hirta var. minor , Tricyrtis hirta var. saxicola , Tricyrtis hirta var. albescens , Tricyrtis hirta var. ramosissima , Tricyrtis hirta f. albescens , Tricyrtis hirta f. nivea , Tricyrtis hirta f. atropurpurea ): Sie kommt im zentralen sowie südlichen Japan vor. Tricyrtis hirta var. masamunei (Tricyrtis masamunei ): Sie kommt nur auf der japanischen Insel Kyushu vor. Tricyrtis imeldae : Sie kommt nur auf Mindanao vor. Tricyrtis ishiiana (Syn.: Tricyrtis macrantha var. ishiiana , Tricyrtis ishiiana var. surugensis ): Es ist ein Endemit im zentralen-östlichen Teil der japanischen Insel Honshu. Tricyrtis lasiocarpa (Syn.: Tricyrtis formosana var. lasiocarpa , Tricyrtis formosana var. amethystina , Tricyrtis formosana f. amethystina , Tricyrtis ovatifolia , Tricyrtis formosana var. ovatifolia ): Sie kommt nur im westlichen und südlichen Taiwan vor. Breitblättrige Krötenlilie (Tricyrtis latifolia ): Sie kommt in China und Japan vor. Großblütige Krötenlilie (Tricyrtis macrantha ): Sie kommt nur auf der japanischen Insel Shikoku vor. Tricyrtis macranthopsis : Dieser Endemit kommt nur auf der Kii-Halbinsel im zentralen Japan vor. Kleinblütige Krötenlilie (Tricyrtis macropoda ): Es gibt zwei Formen im zentralen sowie südlichen Japan. Weichhaarige Krötenlilie (Tricyrtis maculata , Syn.: Compsoa maculata , Compsanthus maculatus , Tricyrtis elegans nom. nud., Tricyrtis pilosa , Disporum esquirolii , Tricyrtis esquirolii ; Tricyrtis viridula ): Sie kommt von Nepal bis Südchina vor und gedeiht in China in Wäldern und an Waldrändern in Höhenlagen zwischen 1000 und 1800 Metern in den chinesischen Provinzen Guangxi, Guizhou, Jiangxi, Yunnan sowie Zhejiang. Tricyrtis nana : Sie kommt im südlich-zentralen sowie südlichen Japan vor. Ohsumi-Krötenlilie (Tricyrtis ohsumiensis ): Dieser Endemit kommt auf der japanischen Insel Kyushu nur auf der Ôsumi-Halbinsel vor. Tricyrtis perfoliata : Sie kommt nur in der Präfektur Miyazaki auf der japanischen Insel Kyushu vor. Flaumhaarige Krötenlilie (Tricyrtis puberula , Syn.: Tricyrtis pseudolatifolia ): Sie kommt im nördlichen und zentralen China vor. Tricyrtis setouchiensis : Sie kommt auf den japanischen Inseln Honshu sowie Shikoku vor. Tricyrtis suzukii : Sie kommt nur im nordöstlichen Taiwan vor. Tricyrtis xianjuensis : Sie wurde 2015 aus Xinjiang erstbeschrieben.

Nutzung Einige Tricyrtis-Arten, besonders Tricyrtis formosana und Tricyrtis hirta und Tricyrtis-Sorten werden als Zierpflanzen in Parkanlagen und Gärten verwendet. Sie sind in den Gemäßigten Breiten winterhart (USDA-Klimazonen 5 bis 8).

Quellen Sophia Wan Pyo Hong, Stephen L. Jury: Phylogeny and Molecular Evolution of Tricyrtis (Liliaceae s.l.) Inferred from Plastid DNA matK Spacer Nucleotide Sequences. In: Journal of Plant Studies, Volume 1, Issue 2, 2012. Volltext-PDF. (Abschnitte Verbreitung und Systematik) Noriyuki Tanaka: Taxonomic revision and diversification of the genus Tricyrtis (Liliaceae). In: Makinoa, n.s., 10, 2012, S. 1–152. Chen Xinqi, Hiroshi Takahashi: Tricyrtis, S. 151 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 24 – Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2000. ISBN 0-915279-83-5 (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik) Ching-I Peng, Choon-Lin Tiang, Tsai-Wen Hsu: Tricyrtis ravenii (Liliaceae), a new species from Taiwan. In: Botanical Studies. Volume 48, 2007, S. 357–364: (Volltext-PDF; 666 kB) (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik)

Einzelnachweise Chen Xinqi & Hiroshi Takahashi: Tricyrtis, S. 151 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 24 - Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2000. ISBN 0-915279-83-5

Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten, S. 1790–1791. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.

Weblinks

[ Tricyrtis hirta], [ Tricyrtis latifolia] und [ Tricyrtis macropoda] bei Plants for A Future.

Ergänzende Literatur Masayuki Maki, Hiroko Morita, Syuji Oiki, Hiroshi Takahashi: The Effect of Geographic Range and Dichogamy on Genetic Variability and Population Genetic Structure in Tricyrtis Section Flavae (Liliaceae). In: American Journal of Botany. Volume 86, Issue 2, 1999, S. 287–292,

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