Die bermudische Cricket-Nationalmannschaft (), deren Spieler auch unter dem Spitznamen Gombey Warriors bekannt sind, vertritt das britische Überseegebiet Bermuda auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird vom Verband Bermuda Cricket Board (BCB) geleitet und ist seit 1966 assoziiertes Mitglied im International Cricket Council. Damit gehört es zur zweiten Reihe der Nationalmannschaften und gilt, zusammen mit Kanada und den Vereinigten Staaten, traditionellerweise als eine der stärksten Nationalmannschaften des amerikanischen Doppelkontinentes hinter dem Vollmitglied der West Indies. Seit 2019 verfügt Bermuda, wie alle ICC-Mitglieder, über vollen T20I-Status. Größter Erfolg bei Turnieren war die Teilnahme an der Vorrunde beim Cricket World Cup (2007). In Bermuda gilt Cricket als Nationalsport und das Überseegebiet ist eines der wenigen der Region, das keine Spieler für das West Indies Cricket Team stellt.

Geschichte Einführung und Verbreitung von Cricket Das erste bekannte Cricketspiel in Bermuda fand am 30. August 1844 statt, als eine Garnisonsmannschaft gegen eine andere Armeemannschaft verlor. 1845 folgte die Gründung des Bermuda Cricket Club, der sowohl von Einheimischen als auch von britischen Soldaten Unterstützung erhielt. 1891 wurde erstmals eine bermudische Cricket-Nationalmannschaft zusammengestellt, als das Team Philadelphias Bermuda besuchte, womit die regelmäßigen internationalen Matches gegen US-amerikanische Mannschaften begannen. 1902 spielte Somerset erstmals gegen St. George’s und dieses Spiel wird seitdem jährlich an einem Feiertag ausgetragen. 1905 war der Hamilton Cricket Club der erste bermudische Verein, der eine Tour unternahm und in New York City sowie Philadelphia spielte. 1911 besuchte die Nationalmannschaft erstmals die Vereinigten Staaten und gewann zweimal gegen Philadelphia. Im zweiten Spiel erzielte Gerald Conyers in beiden Innings jeweils ein Hattrick und nahm in dem Spiel insgesamt 15 Wickets. Das erste vollwertige Länderspiel absolvierten die Bermuder jedoch erst 1912, als die Australier erstmals zu Besuch waren und in ihren Innings für je 112 sowie 102 Runs ausgebowlt wurden; dennoch gewannen die Gäste mit 57 Runs. Ein Jahr später kehrte Australien zurück und gewann mit einem Innings, ebenso besiegten die Gäste eine bermudische „farbige“ Auswahl, und erzielten je ein Sieg und Remis gegen Hamilton.

Nach den 1920er Jahren verlagerte sich der Fokus des bermudischen Crickets auf die Westindischen Inseln, wobei regelmäßige Besuche des West Indies Cricket Team erst ab den 1950er Jahren erfolgten. Sir Julien Cahns Auswahlmannschaft war 1933 eine der wenigen, die in den Zwischenkriegsjahren eine Tour nach Bermuda unternahm, die fünf Matche dieser Tour sorgten noch für Jahre für Gesprächsstoff. Im selben Jahr spielte der in Bermuda geborene Cricketspieler Alma Hunt für das West Indies Cricket Team, es gab jedoch Zweifel an seiner Spielberechtigung für diese Mannschaft. Dies lag mehr an der Frage, ob Bermuda Teil der West Indies sei und weniger an Hunts persönlicher Verfügbarkeit für die bermudische Mannschaft. So nahm er auf der englischen Tour 1933 an Aufwärmspielen teil. Hunt wurde für Aufwärmspiele für die West Indies berufen, nahm jedoch nicht an der Englandtour der West Indies 1933 teil. 1939 besuchten die West Indies Bermuda.

Nachkriegsjahre Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr das Cricket in Bermuda wieder größere Beliebtheit. 1948 schloss sich die Somers Isles Cricket League mit dem Bermuda Cricket Club zum Dachverband Bermuda Cricket Board of Control zusammen. Daraufhin fanden mehr internationale Spiele statt, häufig als Tourspiele der Testnationen bei Touren in die West Indies. 1952 gewann Trinidad die Serie von zwei Spielen gegen Bermuda mit 1–0. Ein Jahr später besuchte der Marylebone Cricket Club (MCC), angeführt von Len Hutton, Bermuda und erzielte in beiden Dreitagesspielen ein Remis. 1958 erfolgte der Besuch Bermudas in Jamaika sowie der von Pakistan in Bermuda. 1960 besuchte die Bermuder erstmals England.

Bermuda ist auch der Ort, an dem der erste nicht in Yorkshire geborene Spieler für den Yorkshire County Cricket Club spielte. Nach einer traditionellen Regel Yorkshires durfte niemand, der außerhalb des County geboren ist, für die Mannschaft spielen (die Regel wurde in den 1990er Jahren abgeschafft). Die Regel wurde 1964 gebeugt, um es Garry Sobers zu ermöglichen, für die Mannschaft unter ihrem Kapitän Brian Close während eines Festes in Bermuda zu spielen. Die Gäste gewannen das Spiel mit 190 Runs. Ein Jahr später besuchte Neuseeland Bermuda und erzielte ein Remis gegen die Nationalmannschaft.

Ab 1966 war Bermuda ein assoziiertes Mitglied der International Cricket Conference (ICC, heute International Cricket Council). Drei Jahre später besiegte es die Niederlande in Haarlem mit einem Innings. 1970 besuchte Glamorgan vor dem Beginn der heimischen Saison Bermuda, verlor jedoch das Zweitagesspiel gegen St. George’s. Ein Jahr später fand in Hamilton das möglicherweise einzige Länderspiel einer Männernationalmannschaft gegen eine Frauennationalmannschaft statt, als Bermuda England empfing und ein Remis erzielte. Im April 1972 genoss erstmals ein Spiel gegen Neuseeland First-Class-Status, endete jedoch in einer Niederlage. Es war für mehr als 30 Jahre das einzige Spiel Bermudas mit diesem Status; erst 2004 bestritten die Bermuder ihr zweites First-Class-Match, diesmal gegen die Vereinigten Staaten. Beide Spiele wurden daheim im Bermuda National Stadium ausgetragen. 1974 besiegte der MCC Bermuda mit einem Innings. Im selben Jahr gewann Australien in Bermuda alle seine fünf Spiele, während das einzige gegen die Nationalmannschaft angesetzte Spiel wegen Regens ausfiel.

Erste Turnierteilnahmen Für den ersten Cricket World Cup 1975 erhielten die Bermuder keine Einladung. Seit 1979 nahmen sie an mehreren internationalen Turnieren wie der ICC Trophy teil, die von Alma Hunt, dem damaligen bermudischen Repräsentanten beim ICC, vorgeschlagen worden waren. Bereits bei der ersten ICC Trophy 1979 erreichte Bermuda das Halbfinale und bei der zweiten ICC Trophy 1982 unbesiegt das Finale, das gegen Simbabwe verloren ging. Beides war für die Qualifikation für die Cricket World Cups der Jahre 1979 und 1983 jedoch nicht ausreichend. Bei den darauf folgenden Turnieren gelang es den Bermudern nicht, diesen Erfolg zu wiederholen. Hunt selbst gilt as der beste Cricketspieler, den Bermuda hervorgebracht hat, er konnte aber nicht für sein eigenes Land spielen und trat später für Schottland an. Ab 1966 diente Hunt für insgesamt 18 Jahre als Vorsitzender des bermudischen Verbandes.

Die ICC Trophy 1986 beendeten die Bermuder auf dem vierten Platz, womit sie den Cricket World Cup 1987 verpassten. Bei der ICC Trophy 1990 erlitten sie ihr schlechtestes Abschneiden bei diesem Turnier, schieden bereits in der Vorrunde aus und versäumten den Cricket World Cup 1992. Ein Jahr später gewann Australien gegen die Nationalmannschaft mit 93 Runs und 1993 gewann Pakistan beide Spiele gegen Bermuda. Im selben Jahr besuchte Derbyshire vor dem Beginn der Saison Bermuda und gewann beide Spiele gegen die Nationalmannschaft sowie die Spiele gegen die U-25-Nationalmannschaft, Somerset und St. George’s. Darauf erfolgte der Besuch einer Auswahlmannschaft der West Indies, die ihre Spiele gegen die Auswahlmannschaften Board President’s XI und Board XI, die U-25-Nationalmannschaft, Somerset und zweimal gegen die Nationalmannschaft gewann. Bei der ICC Trophy 1994 erreichte Bermuda den vierten Platz und verpasste damit den Cricket World Cup 1996 knapp. Zwei Jahre später nahmen die Bermuder erstmals am One-Day Cup in den West Indies teil, verloren jedoch alle sechs Spiele. In Vorbereitung auf die Americas Championship fand in Barbados der Caribbean-Atlantic Cup statt, an dem neben dem Gastgeber auch Bermuda, Kanada und die Vereinigten Staaten teilnahmen. Bermuda beendete das Turnier hinter dem Gastgeber auf dem zweiten Platz. Anschließend empfingen die Bermuder Neuseeland, unterlagen den Gästen jedoch mit vier Wickets. Bei der ICC Trophy 1997 scheiterten die Bermuder an der Qualifikation für den Cricket World Cup 1999. Danach empfingen sie Indien, das die National- und eine Auswahlmannschaft besiegte. Ein Jahr später verlor Bermuda alle drei Spiele beim Red Stripe Bowl, ebenso 1999. Danach gewann die Nationalmannschaft in Kanada zwei Spiele gegen den Gastgeber, unterlag jedoch der U-23. Bei der Americas Championship 2000 – damals Americas Cricket Cup genannt – belegte Bermuda hinter Kanada den zweiten Platz. Beim Red Stripe Bowl erzielte die Nationalmannschaft gegen die Cayman Islands ihren ersten Sieg in diesem Turnier, es gelang ihr jedoch nicht, über die erste Runde hinauszukommen. Bei der ICC Trophy 2001 belegten die Bermuder den neunten Platz, womit sie auch den Cricket World Cup 2003 verpassten. Ein Jahr später folgte in der Americas Championship der vierte Platz. 2003 erfolgte die Umbenennung des Verbandes in Bermuda Cricket Council (BCB).

Auf dem Weg zur ersten Weltmeisterschaftsteilnahme mini|Cricketspiel zwischen Bermuda und Guernsey auf dem College Field, Saint Peter Port, Guernsey (2006) 2004 nahm Bermuda am ersten Intercontinental Cup teil und traf in seiner Gruppe auf Kanada und die Vereinigten Staaten. Die Mannschaft schied jedoch in der Gruppenphase aus, nachdem sie den Vereinigten Staaten unterlegen war und gegen Kanada ein Remis erzielt hatte. Im selben Jahr waren die Bermuder erstmals Gastgeber der Americas Championship, die sie hinter Kanada und den Vereinigten Staaten auf dem dritten Platz abschlossen. Bei der zweiten Austragung des Intercontinental Cup 2005 gewannen sie zwar die amerikanische Gruppe nach Siegen gegen Kanada und die Cayman Islands in Kanada, im Oktober desselben Jahres erzielten sie jedoch im Halbfinale gegen Kenia ein Remis. Da die Kenianer im ersten Innings einen Bonuspunkt erzielt hatten und es vermieden, im zweiten Innings von Bermuda ausgebowlt zu werden, qualifizierten sich diese für das Finale. Während das Finale ausgetragen wurde, empfingen die Bermuder Namibia für zwei ODIs, die sie beide verloren. Umstrittene Vorfälle überschatteten die Serie, als der Gastgeber den Namibiern rassistische Beleidigungen vorwarf und während des zweiten Spieles das Spielfeld verließ, nachdem mehrere Bouncer gegen die Lower order Batter gespielt worden waren. Das Namibia Cricket Board wies die Rassismusvorwürfe zurück. Bermudas wohl größter Cricket-Moment geschah am 7. Juli 2005, als die Nationalmannschaft das Halbfinale der ICC Trophy 2005 erreichte. Damit qualifizierte es sich für den Cricket World Cup 2007 in den West Indies und erhielt vom 1. Januar 2006 bis zur ICC Cricket World Cup Qualifier 2009 ODI-Status zugesprochen. Damit war Bermuda sowohl nach Fläche als auch Einwohnerzahl das kleinste Land, dem dies gelang. Bermuda war jedoch auch das einzige Land in dieser Kategorie, das über kein geeignetes Stadion für die Heimaustragung von ODIs verfügte, da das ICC das Bermuda National Stadium als nicht geeignet einstufte.

Bermudas erste internationale Matches 2006 verliefen enttäuschend, da es jede Partie seiner fünf Spiele umfassenden Tour in die Vereinigten Arabischen Emirate verlor. Im April 2006 waren die Bermuder Gastgeber des T20I-Turnieres World Cricket Classic. Im Mai 2006 bestritten sie ihr erstes ODI und bezwangen Kanada im Queen’s Park Oval, Port of Spain, Trinidad und Tobago, bei einem Tri-Nations-Turnier mit drei Wickets. Damit war Bermuda nach Australien, Neuseeland und Simbabwe die vierte Mannschaft, die ihr erstes ODI gewann. Die Bermuder unterlagen jedoch im zweiten ODI Simbabwe mit 194 Runs, nachdem sie 338 Runs für sieben Wickets zugelassen hatten. Anschließend unterlagen sie im Finale erneut Simbabwe, diesmal mit 83 Runs.