mini|Gedenkstein für Emmerich Nagy in Maria Enzersdorf (2011) Emmerich Nagy (* 14. Dezember 1904 in Wien; † 9. Juni 1929 ebendaSterbebuch Alservorstadt (Krankenhaus), tom. 1929, fol. 176 (Faksimile).) war ein österreichischer Motorradrennfahrer.

Leben Herkunft und Karriere des Vaters Emmerich Nagy wurde am 14. Dezember 1904 als Sohn des Motorradmechanikers und gelegentlichen -rennfahrers Emmerich Nagy senior in Wien geboren. Der Vater hatte 1908 auf der Adresse Schüttelstraße 15a zusammen mit einem Josef Reingruber das Unternehmen E. Nagy & Comp. im Maschinenbau- und Mechanikergewerbe gegründet., abgerufen am 20. September 2023 Das Unternehmen spezialisierte sich auf Reparaturen an Automobilen und Motorrädern, wobei Emmerich Nagy als der alleinige vertretungsbefugte Gesellschafter der seit 25. September 1908 bestehenden offenen Handelsgesellschaft geführt wurde. Das Unternehmen baute neben Motorrädern auch Beiwägen.E. Nagy "Beiwagen", abgerufen am 20. September 2023 Bereits in den 1900er Jahren trat Emmerich Nagy senior mit seinen eigenen Motorrädern an zahlreichen Motorradrennen der damaligen Zeit an. So belegte er etwa bei den Motorradkonkurrenzen Ried–Riederberghöhe (vier Kilometer) des Riederbergrennens 1908 mit seinem Zweizylinder-Nagy-Motorrad mit 5½ HP den zweiten Platz und rangierte bei den Motorradkonkurrenzen Allhang–Riederberghöhe (zwei Kilometer) in derselben Kategorie (Mehrzylinder über 3½ HP) den fünften Platz., abgerufen am 20. September 2023 Im Juni 1910 etwa nahm er mit einer Einzylindermaschine mit 3½ bis 4 HP von Laurin & Klement an der Zuverlässigkeitsfahrt des Allgemeinen Motorfahrer-Verbandes (AMV) teil,, abgerufen am 20. September 2023 absolvierte jedoch auch Rennen mit Motorradgespannen (etwa bei den Motorradrennen auf der Badener Trabrennbahn)., abgerufen am 20. September 2023

Im Mai 1912 nahm der Vater am Circuit Purkersdorf teil, abgerufen am 20. September 2023 und war noch im selben Jahr während einer privaten Fahrt an einem schweren Unfall beteiligt., abgerufen am 20. September 2023, abgerufen am 20. September 2023 Dabei lenkte der Mechanikermeister sein Fahrzeug mit dem Kennzeichen der Wiener Polizeirayon (der Stadt Wien) A 469, als er ein fünfjähriges Kind mit seinem Fahrzeug überfuhr. Nagy brachte das Kind in weiterer Folge selbst ins Krankenhaus, wo es bald darauf seinen schweren Verletzungen erlag., abgerufen am 20. September 2023 Noch im Juli desselben Jahres nahm Nagy an der Zuverlässigkeitsfahrt „Rund um den Semmering“ teil, bei der er jedoch punktelos blieb., abgerufen am 20. September 2023 In der nachfolgenden Zeit nahm Nagys Beteiligung an Motorradrennen – auch angesichts des Ersten Weltkriegs – allmählich ab. Die Teilnahme an den Badner Motor- und Cyclecarrennen im Herbst 1913 auf der Trabrennbahn in Baden war die letzte bekannte Teilnahme des Vaters an einem namhaften Motorradrennen., abgerufen am 20. September 2023

Kurze Karriere im Motorsport

Nach seiner allgemeinen Schulbildung begann Emmerich Nagy im väterlichen Betrieb, der 1924 weiter ausgebaut worden war,, abgerufen am 20. September 2023 als Mechanikergehilfe zu arbeiten. Wie bereits sein Vater in den 1900er und 1910er Jahren begann auch der Sohn in den 1920er Jahren mit der Teilnahme an Motorradrennen. Anfangs noch als Wertungsfahrer, startete er kurz darauf seine Rennkarriere., abgerufen am 21. September 2023 1927 gewann er auf BMW in Vösendorf den erstmals ausgetragenen Großen Preis von Österreich in der 500-cm³-Klasse., abgerufen am 20. September 2023, abgerufen am 20. September 2023 Außerdem wurde er unten den Bewerbern aller Klassen mit 504,504 zurückgelegten Kilometern der zweitbeste Fahrer hinter dem Deutschen Josef Stelzer, der es in der 1000-cm³-Klasse mit seiner BMW auf 520,409 Kilometer gebracht hatte. Für seinen Sieg erhielt der damals 22 Jahre alte Emmerich Nagy junior 1000 Schilling (entspricht heute (2023) inflationsbereinigt rund 4.500 Euro), sowie eine silberne Medaille. Verschiedenen zeitgenössischen Zeitungsberichten zufolge war dies für Nagys junior gar das erste Motorradrennen in seiner Karriere., abgerufen am 20. September 2023 Während des Rennens blieb auch er nicht von diversen Defekten an seinem Motorrad verschont. So zwang ihn etwa in Runde 3 eine verlegte Düse zum kurzfristigen Stopp. Nachdem er gegen 13 Uhr getankt hatte, kam er in Vösendorf infolge des Reißens des Gaskabels, das er jedoch notdürftig wieder zusammengeflickt hatte, zur Sturz, woraufhin er sich Prellungen and Händen und Füßen zuzog und nach seinem Rennsieg zwei Tage lang das Bett hüten musste.

Wenige Tage später nahm sein Vater in der Klasse bis 600 cm³ mit einer BMW mit Beiwagen am 15. Semmering-Rennen teil, abgerufen am 21. September 2023 und belegte dort den dritten Platz., abgerufen am 21. September 2023 Im Oktober 1927 startete der als Neuling bezeichnete Emmerich Nagy junior in der Klasse B, Kategorie F (Motorräder mit Beiwagen bis 600 cm³) beim Riederbergrennen,, abgerufen am 21. September 2023 an dem knapp 20 Jahre zuvor bereits sein Vater teilgenommen hatte. Mit einer Zeit von 3:21,6 belegte er mit seiner BMW überlegen den ersten Platz in seiner Klasse. Anderen Quellen zufolge soll Nagy senior der Fahrer bei diesem Rennen gewesen sein; jedoch scheint er laut dieser Quelle auch mit einer anderen Zeit (3:43,0) auf., abgerufen am 21. September 2023 Ebenfalls zu dieser Zeit trat Emmerich Nagy auf einer FN-Maschine auch bei Gymkhanas als Kunstfahrer in Erscheinung., abgerufen am 21. September 2023 Auf einer FN-Maschine nahm Nagy im Jänner 1928 in der Gruppe der einspurigen Motorräder über 250 cm³ an der IV. Winterwertungsfahrt der Wiener Motorsportlichen Herrenfahrer-Vereinigung teil., abgerufen am 21. September 2023 Ebenfalls um diese Zeit nahm er in Spital am Semmering bei der von der Oesterreichischen Motorrennfahrer-Vereinigung veranstalteten Motorrad-Skijöring-Meisterschaft teil und belegte bei dieser in der Kategorie der Motorräder bis 500 cm³ zusammen mit dem Skifahrer Andreas Taler den zweiten Platz., abgerufen am 21. September 2023 Mit einer BMW-Maschine nahm Nagy senior im Mai 1928 in der Klasse der Motorräder mit Beiwagen in der Kategorie von 351 bis 600 cm³ am 2. Präbichlrennen bei Eisenerz in der Steiermark teil., abgerufen am 21. September 2023, abgerufen am 21. September 2023 Beim großen Gymkhana des Oesterreichischen Touringklubs auf dem Sportplatz des Wiener ACs im Wiener Prater nahm wieder ein Emmerich Nagy beim Figuren-Hindernisfahren auf Solomotorrädern teil., abgerufen am 21. September 2023 In diversen zeitgenössischen Medien wird dieses Kunstfahren zumeist einem aus Ungarn stammenden Emmerich Nagy zugeschrieben., abgerufen am 21. September 2023 In anderen Zeitungen der damaligen Zeit wird über einen „österreichischen Star, der einen ungarischen Namen trägt“ berichtet,, abgerufen am 21. September 2023 womit es naheliegend ist, dass es sich hierbei um einen der beiden Wiener Rennfahrer handelt. Einem Nachruf der Österreichischen Motor-Rennfahrer-Vereinigung zufolge war Emmerich Nagy junior ein erfolgreicher Kunstfahrer., abgerufen am 22. September 2023

Im September 1928 nahm er als Kunstfahrer an einem Gymkhana im Schlosspark Schönborn bei Göllersdorf teil und wurde für seine besondere Leistung im Kunstfahren mit einem Ehrenpreis des Ö.T.C. ausgezeichnet., abgerufen am 22. September 2023 Nachdem er am Großen Preis von Österreich 1928 nicht wieder teilgenommen hatte, absolvierte er wenige Tage später, Mitte September, das 16. Internationale Semmering-Rennen. Bereits im Vorfeld war er am letzten Trainingstag mit seiner BMW in der ersten Kurve hinter Schottwien mit der Straßenböschung kollidiert, wodurch seine Maschine so stark beschädigt wurde, dass er sie beim Rennen durch eine neue ersetzen musste., abgerufen am 21. September 2023 Bei der Bekanntgabe der Rennergebnisse wurde in den Folgetagen plötzlich Emmerich Nagy senior in der Kategorie der Motorräder mit Beiwagen in der Klasse F bis 600 cm³ genannt., abgerufen am 21. September 2023, abgerufen am 21. September 2023 Dieser hatte mit seiner BMW mit einer Zeit von 9:11,91 den dritten Platz belegt. Wie bereits sein Vater rund 16 Jahre zuvor war auch Emmerich Nagy junior im Dezember 1928 an einem schweren Autounfall verwickelt., abgerufen am 21. September 2023 Dabei überfuhr er ein sechsjähriges Mädchen, das dabei einen Schädelbruch erlitt. Im darauffolgenden Jahr brachte Emmerich Nagy senior einen patentierten und hochgelobten Schwingachsenbeiwagen auf den Markt., abgerufen am 21. September 2023, abgerufen am 21. September 2023, abgerufen am 21. September 2023

Früher Tod Am 26. Mai 1929 verunglückte Nagy mit seiner BMW-Maschine beim Gießhüblrennen in Maria Enzersdorf., abgerufen am 21. September 2023, abgerufen am 21. September 2023 Schon kurz nach dem Rennstart war Nagy zu Sturz gekommen und war mit Verdacht auf eine Kieferverletzung ins Mödlinger Krankenhaus gebracht worden, wo er einige Tage blieb, da er zusätzlich Zeichen einer Gehirnerschütterung zeigte. Nachdem diagnostiziert worden war, dass er keine Gehirnerschütterung, sondern einen schweren Schock erlitten hätte, wurde Nagy aus dem Krankenhaus entlassen. Nagy erkrankte an Rotlauf, die in den letzten Tagen von einer Lungenentzündung begleitet wurde, und starb an den Folgen seines Unfalls am 9. Juli 1929 im Alter von 24 Jahren. Vier Tage zuvor war er auf die dermatologische Klinik des Professors Dr. Arzt eingeliefert worden., abgerufen am 21. September 2023 Spätere Erhebungen durch die Gendarmerie ergaben, dass der Revierinspektor Rudolf Bruckner aus einer Entfernung von rund 50 Metern wahrgenommen hatte, dass „Nagy infolge rascher Fahrt die Herrschaft über den Wagen verloren hat, in einen Straßengraben geraten und an einen Baum angefahren ist. Die Straße war von Hindernissen frei, so daß [sic] fremdes Verschulden nicht vorliegt.“

Zum Zeitpunkt seines Ablebens war Nagy Mitglied des F.N.-Clubs, einer Sektion des Österreichischen Touring-Clubs. Erst einen Monat vor seinem Tod war er zum Sportreferenten des F.N.-Clubs gewählt worden., abgerufen am 21. September 2023, abgerufen am 21. September 2023 Als Berufsbezeichnung wurde im Sterbebuch des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien in der Alservorstadt, in das er sich im Zuge seiner weiteren Erkrankung einliefern hatte lassen, Mechanikergehilfe angegeben. Nach Aufbahrung in der Heiligen Dreifaltigkeitskirche in der Alservorstadt wurde Nagy am 15. Juni 1929 am Hernalser Friedhof beerdigt., abgerufen am 21. September 2023, abgerufen am 21. September 2023 Sein Grab befand sich in Gruppe B mit der Grabnummer 124.Emmerich Nagy juniors Grab auf der offiziellen Webpräsenz der Friedhöfe Wien, abgerufen am 21. September 2023 Da das Grabnutzungsrecht mit 4. Juli 2010 erloschen ist, ist davon auszugehen, dass das Grab, in dem am 4. Juli 1966 auch sein Vater beerdigt wurde,Emmerich Nagy seniors Grab auf der offiziellen Webpräsenz der Friedhöfe Wien, abgerufen am 21. September 2023 mittlerweile aufgelassen wurde.