__NOTOC__ mini|Postkarte aus der Zeit des Skandals: „Teapot Rock – Famous Teapot Dome – Oil District – In Wyoming“ Der Teapot-Dome-Skandal war einer der größten politischen Bestechungsskandale in der Geschichte der USA und – ähnlich wie die Watergate-Affäre – noch lange beispielhaft für eine erschütternde Affäre. Dabei hatten zwei Ölkonzerne, um sich die lohnende Erschließung staatlicher Ölfelder zu sichern, Innenminister Albert B. Fall (Republikanische Partei) bestochen. Fall war 1929 der erste US-Minister, der für eine Straftat in seiner Amtszeit eine Haftstrafe antreten musste. Der Teapot-Dome-Skandal war und ist der bekannteste, aber nicht der einzige Korruptionsskandal innerhalb der Harding-Regierung. Eine als Ohio Gang bezeichnete Gruppe, zu der auch Fall gezählt wird, verursachte ebenfalls den Veteranenskandal und den Daugherty-Burns-Skandal. Aus diesem Grund wird die Harding-Regierung bis heute als eine der korruptesten in der US-Geschichte bezeichnet.

Skandal

Vorgeschichte miniatur|hochkant|Zentrale Figur im Teapot-Dome-Skandal: Innenminister Albert B. Fall miniatur|hochkant|Ebenfalls verwickelt: Marineminister Edwin Denby

Die Ölreserven der Marine Als man im Jahr 1909 damit begann, die Schiffe der United States Navy von Dampf- auf Ölmotoren umzustellen, war die umstrittene Idee entwickelt worden, dass die Marine im Kriegsfall über eigene Ölreserven in Form von in Staatsbesitz befindlichen Ölfeldern verfügen müsse. Präsident Taft hatte hierfür in Kalifornien (Elk Hills und Buena Vista Hills) und Wyoming Felder (bei Casper) erworben. Die Ölreserve Nr. 1 bei Elk Hills hatte eine Fläche von 38.696 Ar, Ölreserve Nr. 2 bei Buena Vista 29.341 Ar und die Ölreserve Nr. 3 bei Casper 9.481 Ar. Das dritte Ölfeld wurde wegen einer dort aufragenden eigentümlich aussehenden Felsformation Teapot Dome („Teekessel-Kuppe“) genannt und enthielt trotz seiner viel geringeren Fläche so viel Öl wie die beiden anderen zusammengerechnet, nämlich 150 Millionen Barrel. Am 4. Juni 1920 verabschiedete der Kongress ein Gesetz, dass der Marineminister über diese Ölfelder verfügen solle.

Nach dem Ersten Weltkrieg stieg der Ölbedarf der USA rapide an. Autos wurden erstmals auch für die breite Mittelschicht erschwinglich. Die großen Ölunternehmer der USA suchten deswegen ständig nach weiteren Ölfeldern, um ihre Produktion weiter zu erhöhen. Neben einer Expansion ins Ausland, beispielsweise nach Mexiko, rückten deswegen zunehmend auch diese Ölreserven der Marine ins Blickfeld der Industrie.

Der Wahlkampf von Warren G. Harding Im März 1921 wurde der neue republikanische Präsident Warren G. Harding ins Amt eingeführt. Sein gesamter Wahlkampf war massiv von der Ölindustrie unterstützt worden, darunter auch von dem Ölmillionär Jake Hamon. Nachdem Harry M. Daugherty, der Wahlkampfmanager von Harding, einen Kontakt zwischen Harding und Hamon hergestellt hatte, bestach Hamon während des republikanischen Nominierungsparteitags mit insgesamt 1 Million US-Dollar (nach heutigem Werte 14,9 Millionen US-Dollar) Delegierte und hatte dadurch entscheidenden Anteil daran, dass Harding als Kompromisskandidat dieser Brokered Convention durchgesetzt werden konnte. Auch im regulären Wahlkampf unterstützte Hamon Harding finanziell und fungierte als Mitglied eines achtköpfigen Komitee im Wahlkampfteam, das sich mit dem Einwerben von Spendengeldern befasste. Robert Stewart, Präsident von Standard Oil of Indiana, Edward L. Doheny, Präsident von Pan American Petroleum, und Harry F. Sinclair, Präsident von Sinclair Oil, steuerten hohe Spenden bei. Harry F. Sinclair spendete mit einer Million US-Dollar am meisten – ein Achtel des gesamten Spendenaufkommens – obwohl RNC-Präsident Will Hays, der mit der Wahlkampffinanzierung beauftragt war, angekündigt hatte, keine Spenden über 1.000 US-Dollar entgegenzunehmen.

Als Gegenleistung für seine Unterstützung sollte Harding Hamon zum Innenminister ernennen, doch Florence Harding, die zufälligerweise eine Cousine zweiten Grades von Hamons Frau war, wollte zuerst, dass dieser seine außereheliche Beziehung mit Clara Hamon beendet und zu seiner Frau zurückkehrt. Kurz bevor sie ausziehen sollte, schoss Clara Hamon Jake Hamon am 21. November an und dieser erlag fünf Tage später seinen Verletzungen. Auch Hamons Plan wäre es gewesen, die Ölreserven zu verpachten – an Harry F. Sinclair, der ihm dafür ein Drittel der Einnahmen dieser Ölfelder zugesagt hatte. So ernannte Harding Albert B. Fall, einen Vertrauten aus dem US-Senat, zeitgleich mit seiner eigenen Amtseinführung, zum Innenminister.

Die Übertragung der Verwaltung an das Innenministerium

Die Rolle von Denby und Roosevelt Jr. Bereits am 1. April 1921 sprachen Fall und Marineminister Edwin Denby bei einem Treffen im Weißen Haus über die Ölreserven. Fall schrieb später in seinen Memoiren, Denby hätte ihn auf das Problem aufmerksam gemacht, dass Ölunternehmen über angrenzende Ölquellen die Ölreserven anzapfen würden. Daraufhin habe Fall angeboten, das Innenministerium, zu dem auch das Bureau of Mines gehörte, könnte die Verwaltung der Ölquellen übernehmen und das Problem lösen. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass Fall von Anfang an versuchte, Denby zu überzeugen, die Verwaltung der Ölfelder ans Innenministerium abzutreten und dass Denby dementsprechend wusste, wie gerne Fall die Kontrolle über die Ölreserven erhalten wollte. Denby entschied sich, nachzugeben, zumal Harding während seines Treffens mit Fall und Denby seine Zustimmung zu dem Vorgaben signalisierte. Zu einem Mitarbeiter soll Denby gesagt haben, das Vorhaben sei „voller Dynamit. Ich möchte nichts damit zu tun haben.“ Der Assistant Secretary of the Navy, Theodore Roosevelt Jr., vermittelte zwischen Denby und Fall. Roosevelt ahnte zwar, dass Fall die Ölreserven für private Unternehmen öffnen würde, aber er war selbst einige Jahre Direktor einer Tochtergesellschaft von Sinclair Oil gewesen und auch ein persönlicher Freund von Harry F. Sinclair, sodass er einer möglichen Öffnung positiv gegenüberstand. Außerdem war Fall mit seinem Vater Theodore Roosevelt Sr. befreundet gewesen und hatte die Karriere des jüngeren Roosevelts immer gefördert, sodass Roosevelt die Ölreserven bei Fall grundsätzlich in guten Händen sah.

Widerstand aus der Marineführung Im Mai überbrachte Roosevelt Denby den Entwurf einer Executive Order und eine offizielle Anfrage an den Präsidenten die Kontrolle über die Felder an das Innenministerium zu übertragen. Beides hatte Fall erstellen lassen und die Anfrage sollte von Marineminister Denby sowie Admiral Robert S. Griffin und Commander H. A. Stuart, den Offizieren, die für die Verwaltung der Reserven verantwortlich waren, unterzeichnet werden. Denby war sofort zur Unterzeichnung bereit, aber Griffin, Stuart und andere Offiziere stellten sich mit Nachdruck gegen die Übertragung. Sie hatten keine Anzapfungen über angrenzende Ölquellen registrieren können und hielten das Argument für vorgeschoben, während sie fürchteten, dass die Reserven unter Verwaltung des Innenministeriums schnell schrumpfen könnten. Roosevelt bekam auch Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Vorhabens und auch Denby zeigte sich mitfühlend gegenüber seinen Untergebenen, war aber weiter der Meinung, dass er dieses vom Präsidenten unterstützte Projekt nicht grundsätzlich verhindern könnte. Stattdessen integrierten Griffin und Stuart in den Entwurf einen Absatz, nachdem der Marineminister möglichen Pachtverträgen vorher seine Zustimmung erteilen musste. Fall entfernte diesen Absatz wieder und fügte stattdessen ein, dass der Innenminister den Rat des Marineminister einholen muss, aber die Entscheidungsbefugnis trotzdem allein bei ihm selbst liegt. Die Dokumente wurden unterzeichnet und von Roosevelt zu Harding gebracht, sodass dieser den Transfer mit der Executive Order 3747 am 31. Mai absegnete.

Die Pachtverträge Im Juli 1921 verpachtete Fall das Ölfeld bei Elk Hills ohne öffentliche Ausschreibung an Edward L. Doheny, den Besitzer von Pan American Petroleum. Im Gegenzug lieh Doheny Innenminister Fall Geld in Höhe von 100.000 US-Dollar. Das Geld wurde Fall von Dohenys Sohn „in einem kleinen, schwarzen Beutel“ (little, black bag) im November 1921 überbracht. In etwa zur gleichen Zeit verhandelte Harry F. Sinclair, der Gründer von Sinclair Oil, mit Fall erstmals auf dessen Privatranch in Three Falls, New Mexico und reichte etwa einen Monat später eine offizielle Bewerbung auf eine Pacht des Teapot-Dome-Ölfelds ein.

Kurz nach Veröffentlichung des Bain-Memorandum, als die Öffentlichkeit bereits begann die Verpachtungen zu hinterfragen, wurde das Teapot-Dome-Feld im März 1922 unter Geheimhaltung an Mammoth Oil (eine dafür gegründete Tochtergesellschaft von Sinclair Oil) verpachtet. Unterzeichnet wurde der Vertrag neben Innenminister Fall auch durch Marineminister Denby. Erneut fand keine öffentliche Ausschreibung statt. Am 29. Mai deponierte T. M. Everhart, der Schwiegersohn von Albert B. Fall, Wertpapiere im Wert von 90.000 US-Dollar bei einer Bank in Pueblo, Colorado, und erklärte, sie würden Fall gehören. Papiere im Wert von 140.000 US-Dollar legte Everhart bei einer Vermögensverwaltung in Pueblo ab, wo sie später auch ihren Weg zu Fall fanden. Anhand der Nummer der Wertpapiere konnte später identifiziert werden, dass sie von der Continental Trading Company gekauft worden waren. Dieser Zusammenschluss war im November 1921 von Sinclair Oil, Midwest Oil und Standard Oil of Indiana gegründet worden, um gemeinsam große Mengen Öl aufzukaufen und mit Profit weiterzuverkaufen. Die Wertpapiere im Gesamtwert von 233.000 US-Dollar hatte Everhart einige Wochen zuvor von Sinclair direkt erhalten. Nach Falls Rücktritt ließ Sinclair Fall über dessen Schwiegersohn insgesamt weitere 85.000 US-Dollar zukommen (darunter 50.000 US-Dollar als Kredit und 10.000 US-Dollar für eine Russlandreise die Fall für Sinclair unternommen hatte). Insgesamt hatte Fall also 415.000 US-Dollar in Form von Krediten, Bargeld und Wertpapieren erhalten, was inflationsbereinigt über 7,3 Millionen US-Dollar entspricht. Am 11. Dezember vereinbarte Falls für das Elk-Hills-Ölfeld einen zweiten Pachtvertrag mit Edward L. Doheny und Pan American Petroleum.

Aufarbeitung Aufdeckung Im März 1922 veröffentlichte H. Foster Bain, Direktor des Bureau of Mines, ein Memorandum, das die aufgrund weiterer Bohrungen schrumpfende Ölreserve der Marine behandelte. Am 14. April 1922 machte das Wall Street Journal öffentlich, dass Fall das Teapot-Dome-Feld an Harry F. Sinclair, ohne öffentliche Ausschreibung verpachtet hatte. Verantwortlich für die Schlagzeile war Harry Slattery, der über eine anonyme Quelle aus dem Innenministerium von dem Vertrag erfahren hatte. Slattery war der Stellvertreter von Giffard Pinochet, Chef des US Forest Service, gewesen und galt als schärfster öffentlicher Kritiker Falls sowie Befürworter einer nachhaltigen Nutzung der zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen. Er hatte auch versucht bei einem Treffen mit dem stellvertretenden Marineminister Roosevelt die Übertragung der Verwaltungsfunktion zu verhindern. Am 22. April beantragte der als progressiv geltende republikanische Senator Robert M. La Follette eine Senatsuntersuchung der Pachtverträge. Trotz der republikanischen Senatsmehrheit wurde die Resolution angenommen.