thumb|Untergasse 1 (heute: Brückertor 1), ehemaliges Amtsgerichtsgebäude Das Amtsgericht Amöneburg war ein Amtsgericht mit Sitz in Amöneburg.

Geschichte Gemäß den Regelungen des Friedens von Lunéville wurde das kurmainzerische Amt Amöneburg am 11. September 1802 militärisch besetzt und Kurhessen angegliedert. Der Reichsdeputationshauptschluss bestätigte am 25. Februar 1803 die Annexion.

Die Rechtsprechung der ersten Instanz erfolgt nun im alten kurmainzerischen Amtshaus in der Untergasse 1 durch den kurhessischen Amtmann. Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig und im Amt Amöneburg wurde ein Assistenzamt des Justizamtes Kirchhain eingerichtet. Dieses erhielt das ganze Amtsgebäude zur Nutzung. 1831 wurde ein eigenständiges Justizamt Amöneburg geschaffen.

Nach dem Deutschen Krieg wurde Kurhessen von Preußen annektiert. Das Justizamt wurde 1867 aufgehoben und der Gerichtsbezirk dem Amtsgericht Kirchhain zugewiesen.

Nach Beschwerden der Stadt und der Zusage, die Kosten des Gerichtsgebäudes durch die Stadt zu tragen, wurde der Aufhebungsbeschluss revidiert und das Gericht ab dem 1. Januar 1868 als Amtsgericht Amöneburg weitergeführt. Es war nun dem Kreisgericht Marburg zugeordnet. Zum 1. Oktober 1932 wurde das Amtsgericht Amöneburg aufgehoben und sein Sprengel dem des Amtsgerichtes Kirchhain zugeordnet.

Instanzenzug Dem Gericht war als zweitinstanzliches Gericht das Landgericht Marburg übergeordnet (das zunächst ab 1821 als Kurfürstliches Obergericht und ab 1867 als preußisches Kreisgerichtbenannt war).

Das Gerichtsgebäude Im Jahre 1729 wurde das zweistöckige Schieferbeschlagene Haus als Privathaus erbaut. Die Inschrift über der Haustür sibi suisque struxit in concordia et amore (deutsch: (für) sich und seine Familie, in Eintracht und Liebe gebaut) belegt die private Nutzung. Später wurde das Haus als kurmainzisches und kurhessisches Amtshaus genutzt und diente 1821 bis 1832 als Gerichtsgebäude. Nach der Schließung des Gerichtes diente das Haus als Schulhaus und wird heute wieder als Privathaus genutzt. Es steht unter Denkmalschutz.

Gerichtsbezirk Der Gerichtsbezirk umfasste nach der Verordnung betreffend die Bildung der Amtsgerichtsbezirke vom 5. Juli 1879Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten, 1879, Nr. 30, S. 543 Digitalisat die Stadt Amöneburg sowie die Gemeinden Erfurtshausen, Holzhausen, Mardorf, Roßdorf, Rüdigheim und Schröck.

Schröck wurde am 1. Oktober 1888 dem Amtsgericht Marburg zugelegt.Gesetz, die Abänderung der Amtsgerichtsbezirke betreffend. Vom 7. Mai 1888 (Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten. 1888, Nr. 12, S. 98) Digitalisat

Richter Folgende Richter wirkten am Gericht:

1821–1831: Amtsassistent (Amtsassessor) Karl Buderus 1831–1835: Justizbeamter Ludwig Alefeld 1835–1839: Justizbeamter Justus Rang 1839–1851: Justizbeamter Friedrich Leopold Ludwig von Schutzbar gen. MilchlingEine Biographie findet sich auf 1851–1852: Justizbeamter Georg Beschor 1852–1867: Justizbeamter Heinrich Menz 1868–1875: Amtsrichter Hermann Siegmund Grau 1875–1876: Amtsrichter von Altenbockum 1876–1880: von Winkler 1880–1886: Amtsgerichtsrat Scheffer 1886–1896: Amtsrichter Schmersahl 1897–1907: Amtsrichter Rudolf Schultheis 1907–1914: Amtsrichter Georg von Klencke 1914–1925: Amtsrichter Friedrick Vock 1925–1931: Amtsrichterstelle war unbesetzt 1931–1932: Amtsrichter Rotberg

Literatur Otfried Keller: Die Gerichtsorganisation des Raumes Marburg im 19. und 20. Jahrhundert. 1982, ISBN 3-9800490-5-1, S. 93–95, 168–169

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Ehemaliges Amtsgericht (Hessen) Amtsgericht Amtsgericht Kategorie:Justizamt (Kurfürstentum Hessen) Kategorie:Organisation (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Aufgelöst 1932 Kategorie:Fachwerkhaus im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Barockbauwerk in Hessen Kategorie:Erbaut in den 1720er Jahren