Die Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule Bregenz (kurz: BHAK und BHAS Bregenz) ist eine berufsbildende mittlere und höhere Schule in Vorarlberg. Sie ist eine von fünf Schulen mit der Schulform Handelsakademie in Vorarlberg und eine der größten Schulen des Landes. Derzeit besuchen 1171 Schüler die Schule (Stand: 2022/2023).

Geschichte Da von der Industrie, dem Handel und dem Gewerbe schon seit der Jahrhundertwende eine Handelsakademie für Vorarlberg gefordert wurde, wurde in Lustenau 1937 die erste Handelsakademie gegründet, indem sie einer bereits bestehenden Wirtschaftsschule angeschlossen wurde. Im Herbst 1938 übersiedelte die Schule in die Räumlichkeiten der Klosterschule Mehrerau. Die Entwicklung der Schule wurde in den darauf folgenden sieben Jahren durch Krieg und Nationalsozialismus bestimmt und Schüler, die für den Krieg eingezogen wurden, bekamen ein Abgangszeugnis mit einer sogenannten „Reifeklausel“.

Nach dem Ende des Krieges wurde wieder ein geregelter Schulbetrieb angestrebt und 1950 kam die Schule schließlich in die Verwaltung des Bundes und übersiedelte damit in ein adaptiertes ehemaliges Kasernengebäude. In den folgenden zwei Jahren wurde der „Verband der Freunde und Förderer“ gegründet, um bedürftige Schüler finanziell zu unterstützen.

miniatur|Der Bibliothekstrakt der HAK Bregenz (2012) miniatur|Den Schulhof der HAK Bregenz schmückt seit 2012 eine Windrose Wegen des erheblichen Platzmangels an der Schule stellte die Stadt Bregenz im Jahr 1959 einen Bauplatz in der Nähe des Riedenburger Bahnhofs zur Verfügung. 1962 wurde die Handelsakademie auf fünf Jahre und die Handelsschule auf drei Jahre verlängert und der Neubau der Schule begonnen. Der größte Schritt in der Geschichte der Schule, der 1965 erfolgt und durch eine Festschrift dokumentiert wurde, ist die Eröffnung des neuen Schulgebäudes. 1967 wurde das Jugendsportheim in Damüls eröffnet, das seither für Wintersportwochen, Projektwochen, Kennenlerntage und Blockveranstaltungen genützt wird. Die „Handelsakademie und Handelsschule für Berufstätige“ (Abend-HAK) wurde als weiterer Schulzweig im Jahr 1970 eingeführt. Im Jahr 1974 brachte das Schulgesetz viele Neuerungen, unter anderem wurde der Schulgemeinschaftsausschuss eingerichtet. Ein Jahr später wurde wieder das Problem des Platzmangels festgestellt.

Im Jahr 1982 trat an die Stelle des Abiturientenlehrganges das „Kaufmännische Kolleg“. Diese Ausbildung dauert seit 1991 vier Semester. Im folgenden Jahr wurde der „Aufbaulehrgang“ eingeführt. 1992 begannen systematische Schulentwicklungsmaßnahmen, wobei die bauliche Erweiterung der Schule und die Sanierung der bestehenden Gebäude die größten Aufgaben waren. Zwei Jahre später wurde ein neuer Lehrplan für die Handelsakademie eingeführt, auf dessen Grundlage Ausbildungsschwerpunkte (heute Fachrichtungen) eingerichtet wurden. 1997 wurde anlässlich der 60-Jahr-Feier ein Leitbild entwickelt, das den Fragen der „Qualitätssicherung“ und der „Schulentwicklung“ große Bedeutung zukommen ließ. Für die Schüler wurde zur Unterstützung in Konfliktsituationen ein „Beratungsnetz“ eingerichtet. Um den Kontakt zwischen Schule und Wirtschaft zu vertiefen, wurde ein „Kuratorium“ gegründet. 2007 stand die Schule schließlich vor vielen neuen Herausforderungen. Die Zentralmatura, Leistungsstandards, moderne Formen des Unterrichts (kooperatives und offenes Lernen) und die Entwicklung von den ganztägigen Schulformen sind zentrale Themen. Eine ganztägige Form der Handelsschule (HAS NEU) wurde im Rahmen der Schulautonomie realisiert. Im Jahr 2011 wurde durch den Erfolg der HAS NEU auch eine erste Klasse der Handelsakademie mit Mittagsbetreuung und verschränktem Unterricht (HAK NEU) eingeführt.

Schulformen

Handelsakademie Die Handelsakademie bietet in vier Parallelklassen eine kaufmännische Ausbildung mit Abschluss der Reife- und Diplomprüfung an. Dieser Abschluss ermöglicht eine berufliche Ausbildung sowie die Studienberechtigung für alle österreichischen Universitäten, Fachhochschulen und europäischen Universitäten. Im Jahre 2011 wandelte sich eine dieser vier Klassen zu einer Ganztagsschule um.

Dauer und Ausbildung Nach einer Ausbildungsdauer von fünf Jahren schließen Absolventen die Bundeshandelsakademie Bregenz mit einer Reife- und Diplomprüfung ab. Wissenswert ist auch, dass das Reife- und Diplomprüfungszeugnis die Unternehmerprüfung ersetzt und somit nach der vorgeschriebenen Praxiszeit (1 bis 3 Jahre) die Ausübung zahlreicher Berufe in Österreich und in den Ländern der EU ermöglicht.

Fachrichtungen Die Handelsakademie bietet für jeden Schüler am Ende des zweiten Jahrganges eine vertiefende Ausbildung in einem Spezialgebiet an. Jeder einzelne Schüler wählt eine der sechs angebotenen Fachrichtungen aus, die zu ihm am besten passt:

Informationsmanagement und Mediendesign Wie der Name verrät, setzt sich diese Fachrichtung mit Mediendesign und Informationsmanagement auseinander. Im Bereich Mediendesign werden die Themen Farbenlehre, Layout, Gestaltung, Erstellen von interaktiven CDs, digitale Videos und digitale Fotografie bearbeitet. Im Bereich Informationsmanagement setzt man sich mit den Themen Webdesign, Datenorganisation und -modellierung, Webpublishing und Web 2.0 auseinander. Einstiege in Berufe in den Bereichen Grafik, ITECH, Multimedia und Design sind nach Abschluss möglich.

Marketing Im ersten Jahr wird nur die dritte Fremdsprache unterrichtet. Schüler, die im regulären Unterricht Französisch haben, lernen Spanisch und umgekehrt. Danach wird der Unterricht in der Fachrichtung oft in Englisch abgehalten. Im Marketing wird dann über Unternehmensführung gesprochen.

Controlling und Jahresabschluss Im Controlling lernt man viel über Unternehmensführung. Die Schüler müssen komplexe Aufgaben lösen und befassen sich sehr oft mit Zahlen und Textverarbeitungsprogrammen. Sie lernen mit verschiedenen Computerprogrammen zu arbeiten und unter anderem Bilanzanalysen zu erstellen.

Ökologisches Qualitätsmanagement Die Fachrichtung Ökosoziales Qualitätsmanagement (kurz FÖSQM) behandelt die Seminare Biologie, Psychologie und Philosophie. Neben dem theoretischen Unterricht werden zahlreiche Exkursionen unternommen. Als Übungsfirma für FÖSQM dient schon seit längerer Zeit der „Fair-Trade-Point“. Hier wird mit Fairtrade-Produkten gehandelt. Mit dem Abschluss dieser Fachrichtung ist eine Wissensbasis für einen Job im Projektmanagement geschaffen.

Kulturmanagement In Kulturmanagement wird kreativ gearbeitet. Neben Kunstgeschichte, Kulturtheorie und Musikgeschichte werden noch andere kreative und kulturelle Themen durchgenommen. Mit Abschluss dieser Fachrichtung kann man bevorzugt bei Kulturinstitutionen, Medienunternehmen und Kulturabteilungen der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung arbeiten. Auch in dieser Fachrichtung werden viele Exkursionen unternommen, es werden zum Beispiel Museen, Ausstellungen oder Theateraufführungen besucht.

Sportmanagement Im ersten Jahr wird sehr viel Wert auf Theorie zu den Themen Bewegung, Gesundheit, Anatomie und Sportgeschichte gelegt. In der vierten und fünften Klasse kommt die Übungsfirma dazu und es werden Sportveranstaltungen in der Schule organisiert. Auch lernt man etwas über die Finanzplanung und das Marketing in Sportvereinen. Die Schüler haben die Möglichkeit, einige Zusatzzertifikate wie zum Beispiel den „Fit Jugend Instruktor“ abzulegen.

Freigegenstände Die Bundeshandelsakademie bietet zudem auch wichtige Freigegenstände an, bei denen für jedermann etwas dabei ist und für die sich die Schüler sowie Schülerinnen am Anfang des Jahres anmelden können (beginnend ab 3. Jahrgang).

Bildungsziele Eine moderne Berufsausbildung muss heute ein breit gefächertes Wissen in kaufmännischen Bereichen umfassen, deshalb dient die Handelsakademie besonders dem Erwerb höherer Bildung unter Berücksichtigung kaufmännischer Bildungsinhalte. Ziel ist es, Denkmethoden sowie Arbeits- und Entscheidungsinhalte zu vermitteln, die zur unmittelbaren Ausübung eines gehobenen Berufes in der Wirtschaft dienen sollen sowie die Aufnahme eines wissenschaftlichen Studiums fördern.

Nach der Beendigung der Bundeshandelsakademie Bregenz kann man in verschiedenen Tätigkeitsbereichen, exemplarisch in Kreditinstituten, in der EDV-Branche, in Dienstleistungsbetrieben sowie im Fremdenverkehr oder als Beamte bei Gebietskörperschaften, im Verwaltungs- und Justizwesen sowie vielen weiteren Berufen tätig werden.

Handelsschule Die Handelsschule dauert im Gegensatz zur HAK nur drei Jahre. Die größten Unterschiede zur HAK sind aber, dass in der HAS kein Mathematik, keine zweite Fremdsprache und keine Ausbildungsschwerpunkte unterrichtet werden. Dafür gibt es unter anderem BKÜ (Betriebliche Kommunikation und Übungsfirma), BFY (Business for You) und Seminare, die in Fächern wie Biologie, Geographie, Rechtslehre und Psychologie besucht werden müssen. Da die HAS nur drei Jahre dauert, ist das Stoffgebiet sehr begrenzt. Das heißt, dass man alles nicht ganz so ausführlich lernt wie in der HAK. Am Ende dieser drei Jahre müssen die Schüler eine Abschlussprüfung machen, die unter anderem auch eine Projektarbeit beinhaltet. Mit erfolgreich abgelegter Abschlussprüfung kann man sofort in Berufe wie Speditionskaufmann, Bürokaufmann und Versicherungskaufmann einsteigen oder in Dienstleistungs- bzw. Handwerksbetrieben arbeiten. Will man aber doch noch die Matura machen, berechtigt die Abschlussprüfung die Absolventen, den Aufbaulehrgang oder die Abend-HAK (können im 5. Semester einsteigen, wenn sie Französisch nachweisen können) zu besuchen.

Handelsschule Neu Seit dem Schuljahr 2007/08 kann auch die Handelsschule Neu als Schulform ausgewählt werden. Die Handelsschule Neu ist eine Ganztagsschule, in der Arbeitsaufträge anstatt von Hausübungen erledigt werden. Dadurch sollen Teamfähigkeit, eigenverantwortliches Lernen und Selbstverantwortung erlernt werden. Ab der dritten Klasse findet einmal pro Woche am Nachmittag ein sogenannter „Berufspraktischer Tag“ in einem Unternehmen oder einer Institution statt. In der Handelsschule Neu sollen die Schüler und Schülerinnen neben den handelsschulspezifischen Fächern auch Kreatives Gestalten durch Fotografieren, Malen, Bewegung und Sport, aber auch „soziales Lernen“ durch Klassenräte, Teamtage, Exkursionen trainieren. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Handelsschule Neu besteht die Möglichkeit, gleich in das Berufsleben einzusteigen oder den Aufbaulehrgang, den die HAK Bregenz auch anbietet, zu besuchen und nachträglich eine Matura zu absolvieren.

HAK Digital Business Die HAK Digital Business (HWI) besteht seit Herbst 2001 und ist ein eigener Schulzweig an der HAK Bregenz, einem von österreichweit neun Schulstandorten. Dieser orientiert sich an aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Ebenfalls ist das Beherrschen von digitalen Technologien gewünscht. Besonders wird Wert auf die Entwicklung von Fertigkeiten und Kompetenzen im Gebiet digitaler Informationstechnologie und -medien gelegt. Ab dem zweiten Jahrgang werden die Schüler mit Notebooks ausgestattet, aber auch die Klassenräume sind mit Geräten (Beamer, Drucker, Internetzugang,) versehen. Pro Jahrgang werden seit dem Schuljahr 2016/17 zwei Klassen aufgenommen, die wie die normale HAK nach fünf Jahren mit der Reife- und Diplomprüfung abschließen. Die folgenden IT-spezifischen Gegenstände beinhalten mehr als 50 % des Stundenumfanges der HAK Digital Business:

Business Software und Office Management angewandte Programmierung und Software-Entwicklung Internet, Multimedia und Content-Management Betriebssysteme und Netzwerktechnik Projekt- und Qualitätsmanagement Wirtschafts- und E-Businessrecht Abgerundet wird das Ganze mit dem Erlernen verschiedener Präsentationstechniken.

Handelsakademie Neu