Die Pflanzengattung Cymbidium gehört zur Familie der Orchideen (Orchidaceae). Die 55 bis 77 Arten stammen ursprünglich aus Asien und Nordost-Australien. Der botanische Gattungsname Cymbidium leitet sich von dem altgriechischen Wort κυμβος kymbós für „Nachen, Kahn“ ab und beschreibt die elegant geschwungene, kräftige Blütenlippe. Im deutschen Sprachraum werden diese Orchideen deshalb auch „Kahnlippe“, „Kahnorchis“ und „Kahnorchidee“ genannt.
Cymbidium-Sorten sind vor allem als Zierpflanzen bekannt und beliebt, besonders die unzähligen, großblumigen Hybriden erfreuen sich weltweiter Bekanntheit und wachsender Nachfrage. Millionen von Topfpflanzen werden jährlich in Supermärkten, Baumärkten und Gartencentern und als Schnittblumen in Floristikgeschäften verkauft, aber meist werden sie als Schnittblumen gehandelt. Reine Arten gelten zum Teil als begehrte Sammlerobjekte. In China werden sie seit mindestens 500 v. Chr. kultiviert und gezüchtet. mini|Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, Volume 90, Series 3, Nr. 20, 1864, Tafel 5457 von Cymbidium tigrinum
Beschreibung
Vegetative Merkmale Cymbidien-Arten wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen mit oder ohne Pseudobulben, die Triebe entspringen sehr kurzen Rhizomen. Die Bulben sind eiförmig, ellipsoid oder spindelförmig und oft von den Blattbasen umschlossen.
Die wenigen bis vielen Laubblätter sind zweizeilig angeordnet. Die einfachen Blattspreiten sind linealisch oder lanzettlich, seltener schmal-elliptisch. An der Blattbasis ist bei den meisten Arten ein Trenngewebe vorhanden.
Generative Merkmale mini|links|Blüte im Detail von Cymbidium ensifolium mini|Illustration aus A hand-book to the flora of Ceylon, 1898, Tafel XC von Cymbidium haematodes Die Blütenstandsschäfte erscheinen an der Basis der Pseudobulben, seltener aus den Blattachseln. Die Blüten stehen selten einzeln, sondern meist zu vielen in aufrechten oder überhängenden Blütenständen. Die Deckblätter sind haltbar.
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph, dreizählig und mittelgroß oder groß. Die Sepalen und Petalen sind freistehend und verschieden lang. Die Lippe ist ebenfalls freistehend oder an ihrer Basis um drei bis sechs Millimeter mit der Säule verwachsen, dreilappig und die Seitenlappen stehen oft aufrecht. Die Mittellobe ist meist zurückgebogen, die hintere Platte weist zwei Längslamellen auf, die von der Basis der Lippe bis zum Zentrum der Mittellobe verlaufen, manchmal sind die Lamellen zur Spitze hin aufgeblasen, oder in der Mitte gebrochen. Die Blütensäule ist ziemlich lang, oft leicht bogenförmig und eng geflügelt. Die wachsartigen Pollinien setzen sich entweder aus zwei gleichen Säckchen oder vier – dann in zwei ungleichen Paaren – zusammen, an ihrer Basis sind sie an einem kurzen Stielchen miteinander verwachsen.
Die Kapselfrüchte sind eiförmig und weisen an ihrer Oberfläche mehrere Längsfurchen auf.H. Lecomte: Flore générale de l'Indo-Chine. In: Boulevard Saint-Germain, Band 6. Masson et Cie, Paris 1908–1942, S. 411. (eingescannt; französisch)
Ökologie Cymbidien-Arten wachsen als autotrophe oder mykotrophe Pflanzen.
Zu den zahlreichen Bestäuber-Insekten gehören unter anderem Honigbienen, Wespen, Holzbienen und Hummeln. Von der Befruchtung bis zur reifen Kapselfrucht kann es bis zu neun Monate dauern. Bei einigen wenigen Arten, wie zum Beispiel Cymbidium lowii, konnte ein besonderes Phänomen beobachtet werden, das auch bei anderen Orchideengattungen wie Phalaenopsis und Vanda auftritt: Nach erfolgreicher Befruchtung verwelken die Blütenhüllblätter nicht und fallen auch nicht ab, sie bilden sich lediglich etwas zurück, vergrünen und verbleiben bis zur vollständigen Reife der Samen. Es wird vermutet, dass diese Blütenmetamorphose mittels zusätzlicher Photosynthese das Reifen der Samen begünstigen soll.
mini|Habitus im Habitat von Cymbidium canaliculatum
Vorkommen Die Gattung Cymbidium ist von Asien bis ins nördliche Australien verbreitet: China, Nepal, Nord-Indien, Japan, Malaysia, Borneo, Sri Lanka, Neuguinea und die Salomon-Inseln. Die Cymbidium-Arten gedeihen in den Tropen und Subtropen bis in die alpine Höhenstufe. Die Cymbidium-Arten leben überwiegend terrestrisch oder epiphytisch, seltener lithophytisch, wobei die Anzahl epiphytischer Arten im waldreichen Tiefland überwiegt.David P. Banks: Tropical Orchids. S. 22.
Botanische Geschichte Kulturgeschichte Die Gattung Cymbidium gehört zu den ältesten kultivierten Orchideen der Menschheitsgeschichte. Bereits der chinesische Dichter, Philosoph und Gelehrte Konfuzius (551–478 v. Chr.) pries den Duft und die Schönheit von Cymbidien. Er nannte die Orchidee lánhuā (chinesisch 蘭花 „anmutige Blume“), das für lán verwendete Schriftzeichen steht in der chinesischen Kalligrafie für Anmut, Eleganz und Reinheit. Während der Song-Dynastie (960–1279) galten Cymbidien in der Zen-Malerei als besonders begehrtes Motiv. Die älteste Monografie über Orchideen in Gärten und Parks wurde von Zhao Shigeng unter dem Titel Jinzhang lanpu (chinesisch 金漳蘭譜 „Abhandlungen über Orchideen in Chin-Chang“) um 1233 verfasst. In seinem Werk beschreibt Zhao die botanischen Details sowie die korrekte Kultur von über 22 Orchideenarten, vornehmlich der Gattungen Calanthe, Phaius und eben Cymbidium.
In Asien werden bestimmte Arten, zum Beispiel Cymbidium ensifolium, zu medizinischen Zwecken verwendet: In China werden die Pseudobulben gegen Magenschmerzen und Venenleiden eingesetzt. In Kambodscha, Laos und Vietnam werden die Blüten zum Auswaschen der Augen genutzt, die Blätter zur Förderung der Urinausscheidung und die Wurzeln werden bei Atemwegsproblemen verwendet.Christophe Wiart: Medicinal Plants of China, Korea, and Japan: Bioresources for Tomorrow's Drugs and Cosmetics. CRC Press, Boca Raidon (FL) 2012, ISBN 1439899118. S. 101.
Im südasiatischen Bhutan werden die Pseudobulben und Blüten von Cymbidium hookerianum gesammelt und entweder verzehrt oder auf dem Markt verkauft. Sie gelten dort als Delikatesse und werden von den Einheimischen „Olachoto“ genannt.Thomas Caspari: Nahi Gewog. In: Bhutan-German Sustainable RNR Developement Project April/May 2002, S. 1 f. (; englisch).Laxmi Thapa: The research project on edible wild plants of Bhutan and the associated traditional knowledge. In: Journal of the Faculty of Agriculture, Volume 45, Issue 1, Februar 2009, S. 43, 45. Shinshu-University, Nagano, Japan. (; englisch)
Cymbidium war die erste Orchideengattung, bei der die Vermehrung durch die sogenannte Pflanzliche Gewebekultur im Jahr 1960 erfolgreich gelang.Joseph Arditti: Micropropagation of Orchids, Band 1, Wiley & Son, London 2009, ISBN 1444300407. S. 349.
mini|Die Sorte Cymbidium erythraeum ‘Paradise’
Moderne
Es werden unzählige, namenlose Cymbidium-Hybriden in Supermärkten, Baumärkten und Gartencentern und als Schnittblumen in Floristikgeschäften verkauft. Dabei wurden die Hybriden vor allem auf Großblumigkeit, Blühfreudigkeit und Robustheit gezüchtet. Topfpflanzen werden überwiegend im Freiland (z. B. auf Balkon und Terrasse) gehalten, da sie frische, bewegte Luft brauchen. Manche Arten sind sogar frosthart. Reine Arten wie z. B. Cymbidium lowii und Cymbidium aloifolium gelten als Raritäten und sind überwiegend bei Sammlern sehr gefragt.
Systematik mini|Cymbidium aliciae mini|Cymbidium aloifolium mini|Cymbidium chloranthum mini|Cymbidium erythrostylum mini|Cymbidium goeringii mini|Cymbidium hookerianum mini|Cymbidium iridioides mini|Cymbidium kanran mini|Cymbidium lancifolium mini|Cymbidium madidum mini|Cymbidium suave mini|Cymbidium tracyanum
Taxonomie Die Gattung Cymbidium wurde 1799 durch den schwedischen Botaniker Olof Peter Swartz in seinem Werk Nova Acta Regiae Societatis Scientiarum Upsaliensis, Series 2, 6, S. 70 aufgestellt. Lectotypusart ist Cymbidium aloifolium (L.) Sw.
Arten und ihre Verbreitung Je nach Autor gibt es 55 bis 77 Arten: Cymbidium acuminatum : Sie kommt nur im östlichen Neuguinea vor. Cymbidium aestivum : Sie wurde 2004 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht in Höhenlagen von 1500 bis 1600 Metern nur in Mengla im südlichen Yunnan. Sie ist vielleicht eine Naturhybride Cymbidium aliciae : Dieser Endemit kommt nur auf der philippinischen Insel Luzon vor. Cymbidium aloifolium : Sie ist vom Himalaya, in den chinesischen Provinzen Guangdong, Guangxi, Guizhou sowie südliches bis südöstliches Yunnan bis zum westlichen Malesien (Sri Lanka, Bangladesch, Indien, Nepal, Myanmar, Kambodscha, Laos, Vietnam, Thailand, Malaysia, Indonesien) verbreitet. Cymbidium atrolabium : Sie wurde 2019 aus Yunnan erstbeschrieben. Cymbidium atropurpureum (Syn.: Cymbidium pendulum var. atropurpureum ): Sie ist von Hainan über das südliche Indochina bis westlichen und zentralen Malesien verbreitet. Cymbidium banaense : Sie kommt in Vietnam vor. Cymbidium bicolor : Es gibt zwei Unterarten: Cymbidium bicolor subsp. bicolor: Sie ist von Indien über Sri Lanka, den Andamanen sowie Nicobaren verbreitet. Cymbidium bicolor subsp. pubescens (Syn.: Cymbidium pubescens ): Sie ist von den Andamanen sowie Nicobaren bis zum westlichen sowie zentralen Malesien verbreitet. Cymbidium borneense : Sie kommt auf Borneo in Sabah sowie Sarawak vor. Cymbidium canaliculatum : Sie kommt im nördlichen sowie östlichen Australien vor. Cymbidium changningense : Sie wurde 2005 aus dem westlichen Yunnan erstbeschrieben und ist vielleicht eine Naturhybirde aus Cymbidium lowianum × Cymbidium mastersii. Sie gedeiht epiphytisch auf Bäume am Waldrand oder lithophytisch an schattigen Felsen in Höhenlagen von etwa 1700 Metern nur in Changning. Cymbidium chloranthum : Sie kommt vom westlichen Malesien bis Palawan vor. Cymbidium cochleare : Sie kommt vom östlichen Himalaya (Indien, Myanmar) bis südwestlichen Yunnan, Thailand, Myanmar, Nordvietnam und in Taiwan vor. Cymbidium concinnum : Sie wurde 2006 erstbeschrieben und ist vielleicht eine Naturhybride aus Cymbidium lowianum × Cymbidium mastersii. Sie kommt in Assam und im westlichen Yunnan vor. Cymbidium crassifolium : Sie kommt vom Himalaya bis Indochina verbreitet. Cymbidium cyperifolium : Es gibt seit 2003 drei Unterarten: Cymbidium cyperifolium subsp. cyperifolium: Sie kommt vom Himalaya bis zum südlichen China vor. Cymbidium cyperifolium subsp. indochinense : Sie kommt von Indochina bis zu den Philippinen vor. Cymbidium cyperifolium var. szechuanicum (Syn.: Cymbidium szechuanicum ): Sie hat 2003 den Rang einer Unterart erhalten. Sie kommt in Bhutan und in den chinesischen Provinzen Guizhou, Sichuan sowie Yunnan vor. Cymbidium daweishanense : Sie wurde 2018 aus Yunnan erstbeschrieben. Cymbidium dayanum : Sie ist vom Himalaya über China und Indochina bis zum südlichen Teil der japanischen Insel Kyushu und Malesien verbreitet. Cymbidium defoliatum : Sie kommt in den chinesischen Provinzen Guizhou, Sichuan, Yunnan sowie im nördlichen Fujian vor. Cymbidium devonianum (Syn.: Cymbidium rigidum ): Sie kommt in Indien, Bhutan, im östlichen Nepal, nordöstlichen Thailand, Nordvietnam und südöstlichen Yunnan (nur in Pingbian) vor. Cymbidium dianlan : Sie wurde 2019 aus Yunnan erstbeschrieben. Cymbidium eburneum : Es gibt seit 2006 etwa zwei Varietäten: Sie kommt vom Himalaya über Indochina bis Hainan vor. Cymbidium eburneum var. eburneum: Sie kommt in Indien, Myanmar, Nepal und in den chinesischen Provinzen südliches Guangxi, südliches sowie westliches Hainan und westliches Yunnan vor. Cymbidium eburneum var. longzhouense : Sie wurde 2006 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht an Felsen Rocks in offenen Wäldern in Höhenlagen von etwa 800 Metern nur im südwestlichen Guangxi. Cymbidium elegans : Es gibt seit 2006 etwa zwei Varietäten: Cymbidium elegans var. elegans: Sie kommt von Indien, Bhutan, Nepal, Myanmar, südöstlichen Tibet bis zu den chinesischen Provinzen südwestliches Sichuan sowie Yunnan vor.