Die Kirche Johannes der Täufer (/Zerkow Johanna Predtetschi) stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert und war bis 1945 die evangelische Stadtkirche von Tapiau in Ostpreußen, heute Gwardeisk in Russland, in der sie der russisch-orthodoxen Gemeinde als Gotteshaus dient. mini|rechts|Russisch-orthodoxe Kirche Johannes des Täufers in Gwardeisk (Tapiau), bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Pfarrgemeinde Tapiau

Geographische Lage Gwardeisk ist die Kreisstadt des Rajon Gwardeisk in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) und liegt 20 Kilometer östlich der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) an der russischen Fernstraße A 229, der einstigen deutschen Reichsstraße 1, die hier von der russischen Fernstraße R 512 gekreuzt wird. Südlich der Flüsse Deime () und Pregel () befindet sich der Bahnhof Gwardeisk an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode) der einstigen Preußischen Ostbahn zur Weiterfahrt nach Litauen. Die Kirche Johannes des Täufers liegt am westlichen alten Markt, dem heutigen Ploschtschad Pobedy (Siegesplatz).

Kirchengebäude Bereits im Jahre 1407 wurde erwähnt, dass der Hochmeister des Deutschen Ordens, Konrad von Jungingen, der Kirche in Tapiau ein Madonnenbild gestiftet hat.Gebäude in Tapiau. In: Orte / Infos. Auf Ostpreussen.net, abgerufen am 7. Dezember 2019. Vielleicht gab es damals in Tapiau noch gar keine Kirche, wohl aber eine Burgkapelle, denn eine gemauerte Pfarrkirche wurde in Tapiau erst im Jahre 1502 errichtet. Damals amtierte ein Pfarrer Johann Forsterus, der 40 Jahre tätig gewesen sein soll.

Bei dem KirchengebäudeWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band II: Bilder ostpreußischer Kirchen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1968, S. 84, Abb. 329–331. handelt es sich um einen chorlosen verputzten Backsteinbau mit vorgelegtem Westturm. Im Jahre 1661 brannte die Kirche ab, sie wurde 1668 renoviert. Ein weiterer Brand zerstörte das Gotteshaus im Jahre 1689 erneut, und es wurde 1694 wiedererrichtet. Ein Umbau, bei dem das Gebäude nach Osten erweitert wurde, erfolgte in den Jahren 1767/68.

Die gewölbte Decke des Innenraumes war mit biblischen Motiven bemalt. Der Altar und die Kanzel entstanden, ebenso wie der Beichtstuhl, um 1694. Die Vereinigung zu einem Kanzelaltar wurde wohl 1767/68 vollzogen.

In der Sakristei war ein für diesen Ort geschaffenes Triptychon zu sehen: In der Mitte Jesus am Kreuz, links der Apostel Paulus, rechts der Evangelist Matthäus. Es stammte von Lovis Corinth (1858–1925), der es seiner Taufkirche geschenkt hat.

Die Orgel stammte aus dem Jahre 1870, die Glocken aus den Jahren 1684 und 1840.

Die einstige Tapiauer evangelische Stadtkirche wurde im Zweiten Weltkrieg nur unwesentlich in Mitleidenschaft gezogen.Patrick Plew: In: Die Kirchen im Samland. 2013. Auf Plew.info, abgerufen am 7. Dezember 2019. Sie wurde dann jedoch zweckentfremdet und als Lager und Geschäftshaus genutzt. Bis 1991 hielt das Gebäude in seiner Substanz der Verrottung stand, dann wurde sie der Russisch-orthodoxen Kirche übereignet. Sie renovierte die Kirche 1998, stattete sie – orthodoxer Tradition entsprechend – mit einer Ikonostase aus und weihte sie Johannes dem Täufer.

Kirchengemeinde mini|Lage der Kirche am Siegesplatz in Gwardeisk, dem ehemaligen alten Markt in Tapiau

Evangelisch Kirchengeschichte Tapiau wurde in den letzten vorreformatorischen Jahren ein Kirchort. Schon früh hielt hier die Reformation Einzug, deren Verwaltungsstrukturen Tapiau zunächst der Inspektion des Königsberger Oberhofpredigers, dann aber bis 1945 dem Kirchenkreis Wehlau (heute russisch Snamensk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zuordneten. Ab 1735 wurde eine zweite Pfarrstelle eingerichtet, und Ende des 18. Jahrhunderts wurde eine zusätzliche Predigerstelle errichtet, deren Amtsinhaber die Betreuung der im ehemaligen Ordensschloss untergebrachten Landarmen-, später auch Besserungsanstalt, übernahm. Ab 1898 war dieser Bereich eine eigene Anstaltsgemeinde der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Tapiau.

Zur Tapiauer Stadtkirche gehörte vor 1945 ein weitläufiges Kirchspiel mit mehr als 20 Kirchspielorten. Im Jahre 1925 zählte die Pfarrei 7.600 Kirchenglieder, von denen 1.400 zur Anstaltsgemeinde gehörten.

Aufgrund der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges mit Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie der restriktiven Kirchenpolitik des Regimes der Sowjetunion kam das evangelisch-kirchliche Leben in Tapiau zum Erliegen. Erst im Jahre 1997 bildete sich in Gwardeisk wieder eine evangelisch-lutherische Gemeinde, die eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) ist und zur Propstei Kaliningrad (deutsch/russisch) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.

Kirchspielorte Zum Kirchspiel Tapiaus gehörten die Orte:Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ortspreußens. Band III: Dokumente. Göttingen 1968, S. 475–476. Name Russischer Name Name Russischer Name *Altenfelde Neuendorf Kruglowka Bieberswalde Rutschji Pomauden Luschki Damerau, bis 1938: Adlig Damerau Pregelswalde Saretschje Eisingen *Romau Rownoje Freiwalde Sielacken Poljana Frischenau Jelnjaki Tapiau Gwardeisk Hasenberg Prigorodnoje Tapiau-Großhof Imten Karjernoje *Tapiau-Kleinhof Lindenhof Tapiau-Neuhof *Magotten Retschnoje Tiefenthamm Koddien Zohpen Suworowo (* = Schulorte)

Pfarrer In Tapiau waren bis 1945 als Geistliche tätig:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 140–141. Stadtkirche I: NN., 1527. Paul Grünwald, bis 1545. Johann Förster, 1545–1568 Christoph Schröder, 1570–1577 Johann Hostus, 1579–1591 Johann Hirsler, 1591–1600 Josua Haubold, 1600–1610 Christoph Radicke, 1610–1643 Matthias Sethus, 1627–1631 Johann Contenius, 1631–1642 Heinrich Cruse, 1643–1665 Johann Steinröck, 1660–1665 Christoph Rieger, 1665–1679 Erdmann Lehmann, 1679–1684 Georg Meyer, 1684–1699 Gottfried Engelbrecht, 1699–1743 David Woldenscheer, 1743–1755 Friedrich Christoph Hoffmann, 1755–1758 Friedrich Goldbeck, 1758–1801Ludwig Fedemir Rhesa: Kurzgefasste Nachrichten von allen seit 1775 an den evangelischen Kirchen in stpreußen angestellten Predigern, Königsberg 1834, S. 178 (Google Books). Friedrich Erhard Jester, 1801–1808 Friedrich Ludwig Bruno, 1808–1828 Carl Friedrich Ventzky, 1828–1832 Karl Wilhelm Ferdinand Bobrick, 1832–1861 August Erhard Schiewe, 1862–1892 Wilhelm Dittmar, 1892–1905 Wilhelm Reinh. Kittlaus, 1906–1929 Walter Machmüller, 1929–1933 Hans Schneider, 1933–1945 Stadtkirche II: David Woldenscheer, 1735–1744 Johann Christoph Grube, 1744–1750 Friedrich Christoph Hoffmann, 1751–1755 Friedrich Goldbeck, 1755–1758 Gottfried Dingen, 1758–1768 Friedrich Erhard Jester, 1768–1801 Friedrich Wilhelm Huwe, 1802–1803 Christoph Th. Sembrowski, 1804–1848 Emil Hein, 1850–1851 Wilhelm August Neumann, 1852–1873 Leopold Eugen Muellner, 1873. Carl Ludwig Matthes, 1874–1899 Ernst Wengel, 1899–1913 Willy Behnke, 1903–1905 Wilhelm August Woelk, 1913–1914 Hans Schneider, 1914–1933 Georg Müller, 1933–1938 Johannes Hermann Grau, 1939–1943 Heil- und Pflegeanstalt: Christoph Benjamin Dietrich, 1794–1799 Johann Ludwig Böttcher, 1799–1806 Carl Gotthard Mill, 1806–1810 Johann Gottlieb Reyländer, 1811–1818 Ernst Heinrich Bruno, 1818–1827 Christoph Th. Sembrowski, 1827–1834 Georg W. Schiefferdecker, 1834–1838 Friedrich Tappenteit, 1838–1856 Wilhelm Hermann Julius Eichler, 1856–1859 Johann Constantin Wilhelm Wedemann, 1859–1865 Albert Friedrich W. Herm. Herford, 1865–1867 Carl Fr. Gustav Zimmermann, 1867–1873 Rudolf bernhard Riedel, 1874–1882 Arthur Theodor Ludwig Puzig, 1883–1886 Friedrich Wilhelm Mäckelburg, 1886. Reinhold Theodor Dembowski, 1887–1894 Franz Friczewski, 1894–1897 Kurt E.G. Viergutz, 1898–1907 Paul Kaschade, 1907–1910 Richard Bernhard Böhnke, 1910–1945

Orthodox Im Jahre 1991 übernahm die Russisch-orthodoxe Kirche das inzwischen marode gewordene Gebäude der Stadtkirche Tapiau und setzte es grundlegend instand. Als „Kirche Johannes der Täufer“ ist die ehemalige Stadtkirche nun ein Gotteshaus dieser Kirche, die seit 2009 zur Diözese Kaliningrad und Baltijsk gehört.

Literatur Tapiau, Stadt, am Deimeaustritt aus dem Pregel, Kreis Wehlau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Tapiau (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen, Königsberg 1898, S. 167–169 (Google Books) Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 256–257 (Google Books).

Einzelnachweise

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