mini|Plakat des Ersten Weltkriegs von der United States Food Administration.
Als Preiskontrolle (oder Preisüberwachung; ) wird in der Wirtschaft und Wirtschaftspolitik ein staatlicher Markteingriff bezeichnet, der im Falle eines Marktversagens die Überwachung der Marktpreise zum Ziel hat.
Allgemeines In Marktwirtschaften wird die Preisbildung von Gütern und Dienstleistungen dem Preismechanismus der Märkte überlassen, Zentralverwaltungswirtschaften sind dagegen durch die staatliche Festlegung von Preisen und Löhnen gekennzeichnet und benötigen keine zusätzlichen Preiskontrollen. Die Unterschiede zwischen beiden Wirtschaftsordnungen können daher wie folgt gegenübergestellt werden:Heinz-Josef Bontrup, Volkswirtschaftslehre Grundlagen der Mikro- und Makroökonomie, Oldenbourg/München-Wien, 2004, S. 99; ISBN 3-486-57576-7
Merkmal Zentralverwaltungswirtschaft Sozialistische Marktwirtschaft Marktwirtschaft fixierte Preise staatlich fixierte Preise und teilweise Marktpreise Marktpreise, ausnahmsweise auch Mindest- und Höchstpreise und Preisstopps freie Preisbildung, administrierte Preise zulässig; bei Marktversagen auch staatliche Preisstopps möglichProduktionsmittel Produktionsmittel verstaatlicht vergesellschaftetes Eigentum an Produktionsmitteln Privateigentum an ProduktionsmittelnFormalziel Prinzip der Planerfüllung Einkommensprinzip und teilweise Erwerbsprinzip Erwerbsprinzip, ausnahmsweise auch Kostendeckungsprinzip (bei öffentlichen Unternehmen)
Staatliche Preiskontrollen sind in der Zentralverwaltungswirtschaft systemimmanent, in der Marktwirtschaft die Ausnahme.
Geschichte Bereits die Römer kannten Preiskontrollen. Der römische Kaiser Diokletian ordnete im Jahre 301 umfangreiche Preiskontrollen für Nahrungsmittel an.Robert J Gordon, Makroökonomik, 1989, S. 341 Verstöße dagegen wurden mit der Todesstrafe geahndet. Da die Höchstpreise dennoch fehlschlugen, kam es 314 zu ihrer Aufhebung. Im Mittelalter verhängte Berlin 1272 einen Festpreis für Backwaren, um 1300 gab es Festpreise für Bier.Peter Weise/Wolfgang Brandes/Thomas Eger/Manfred Kraft, Neue Mikroökonomie, 1993, S. 134
So wurde im Spanien des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts nach der Preisrevolution eine permanente Regelung des Höchstpreises für Weizen (nomée tasa del trigo) eingeführt, die von den damaligen Juristen und Theologen befürwortet oder abgelehnt wurden.
Der in Deutschland im Oktober 1936 während der Nazizeit verhängte Lohn- und Preisstopp galt noch bis zur Nachkriegszeit. Ludwig Erhard ließ am 25. Juni 1948 eine „Anordnung über Preisbildung und Preisüberwachung nach der Währungsreform“ veröffentlichen, wodurch die Preise fast aller Fertigprodukte freigegeben wurden.Ernst Baltensperger/Hans Tietmeyer, Fünfzig Jahre Deutsche Mark, 1998, S. 133 In seiner Funktion als stellvertretender Leiter des Büros für Preisüberwachung () war John Kenneth Galbraith ein strenger Verfechter von Preiskontrollen und Rationierungen in Kriegszeiten.John Sloman, Mikroökonomie, 2000, S. 315
James Edward Meade setzte sich 1951 für eine massive Umverteilung sowie Lohn- und Preiskontrollen als Mittel der Bekämpfung von Inflation und Arbeitslosigkeit ein.James Edward Meade, Planung und Preismechanismus: Die liberal-soziale Lösung, 1951, S. 1 ff. In den Niederlanden gab es ab 1969 Preiskontrollen sowie die Indexierung von Löhnen und Preisen auf Tarifvertragsebene.Helmut Sellien/Reinhold Sellien, Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band II, 1980, Sp. 1179 Nachdem in den USA die anhaltende Rezession nicht zu einem Rückgang der Inflation geführt hatte, ging US-Präsident Richard Nixon im August 1971 zu Preiskontrollen über, die bis April 1974 aufrechterhalten blieben.Robert J Gordon, Makroökonomik, 1989, S. 341
Eine hohe Inflation veranlasste ab 1972 viele Staaten Europas zu Preisstopps, Preiskontrollen oder freiwilligen Preisbeschränkungen:Günther Steeb/Lothar Böhnert, Volkswirtschaft: Ablauf, Struktur, Politik. Eine problemorientierte Einführung, 1979, S. 77
Staat Preisstopp=PS Preiskontrolle=PK freiwillige Preisbeschränkung=PB Inflationsrate im Juni 1973 gegenüber Juni 1972 PS 6,9 % PK 6,9 % keine Preisbeschränkung 7,2 % PB 7,2 % PB 7,4 % PB 7,8 % PK 8,0 % PK 8,3 % PK 8,8 % PK 9,4 % PB 10,8 % PS 11,5 % PB 11,7 % PK 11,7 %
Trotz eingeführter preisbegrenzender Maßnahmen konnte die Inflation nicht verhindert werden. Grund ist, dass die Inflationsursachen nicht bekämpft wurden, so dass Preiskontrollen oder Preisstopps lediglich zu einer „zurückgestauten Inflation“ führten.
Im Januar 1992 hob die Regierung Russlands die Preiskontrollen für 80 % der Einzelhandelspreise und 90 % der Produktionspreise auf. Da meist große Angebotslücken vorhanden waren, kam es zu einer Hyperinflation. Ab Februar 1995 durften Preiskontrollen regional wieder eingeführt werden.Elke Siehl, Privatisierung in Russland, 1998, S. 125
Frankreich führte im Herbst 2023 im Rahmen eines Inflationspaktes und gegen Konzern-Widerstände (Unilever, Nestle, Pepsico) Fixpreise für 5000 Artikel ein. Schon im Jahr zuvor hatte es in der Lebensmittelbranche schärfere staatliche Preiskontrollen gegeben. Staatliche Verbraucherschützer hätten schon 1.200 Inspektionen vorgenommen.
Umfang In einer Marktwirtschaft muss der Staat klären, wann er wegen des Preisniveaus oder der Preispolitik von Unternehmen in das Marktgeschehen durch Markteingriff eingreifen wird. Zur Durchführung des Eingriffs ist eine umfangreiche Bürokratie erforderlich. Preiskontrollen werden deshalb häufig einer Aufsichtsbehörde oder einer speziellen Kontrollbehörde anvertraut.
Die Missbrauchsaufsicht über marktbeherrschende Unternehmen sieht Preiskontrollen für auffällig überhöhte Preise vor. Nach Abs. 2 Nr. 2 GWB darf ein Unternehmen mit marktbeherrschender Stellung keine Preise oder Entgelte verlangen, die von denjenigen abweichen, die sich bei wirksamem Wettbewerb mit hoher Wahrscheinlichkeit ergeben würden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk unterliegt in Deutschland einer Preiskontrolle über die Festsetzung der Rundfunkabgabe.Martin Gläser, Fernsehmarkt, in: Insa Sjurts (Hrsg.), Gabler Lexikon Medienwirtschaft, 2011, S. 183
Auch die vom Staat festgelegten Höchst- und Mindestpreise stellen eine Preiskontrolle dar, weil sie weder überschritten noch unterschritten werden dürfen und einer Überwachung unterliegen. Der Höchstpreis liegt unterhalb des Gleichgewichtspreises, beim Mindestpreis liegt der Gleichgewichtspreis darüber.
Instrumente der Preiskontrolle Das Hauptinstrument der Preiskontrolle ist die staatliche Preisfixierung. Diese kann in Form von Höchstpreisgrenzen oder in Form von Mindestpreisgrenzen auftreten. Beide Preisgrenzen stellen einen staatlichen Eingriff in die freie Preisbildung dar und setzen sie partiell außer Kraft.
Höchstpreiskontrolle Die Höchstpreiskontrolle ist die staatlich festgelegte Preisobergrenze, die unterhalb des am Markt abgebildeten Gleichgewichtspreises für ein Gut liegt. Ziel ist entweder die Korrektur möglicher Marktstörungen oder den Konsumenten vor Ausbeutungen durch überhöhte Preise schützen, indem man das betreffende Gut zu einem möglichst niedrigen Preis zur Verfügung stellt. Dies kommen aber vor allem in Zeiten des wirtschaftlichen Mangels vor, wie z. B. in Kriegszeiten oder bei Naturkatastrophen. Die Bevölkerung soll mit lebensnotwendigen Gütern zu angemessenen Preisen versorgt werden.
links|x300px|Höchstpreisgrenze Das Optimum sollte eine Markträumung sein. Das ist in der Graphik der Punkt, an dem sich die Nachfragekurve und die Angebotskurve schneiden . An diesem Punkt wird genau so viel nachgefragt wie vorhanden ist. Wird die Höchstpreiskontrolle nun über dem sich bei freier Preisbildung einstellende Marktpreis liegen, ist das nicht von großer Bedeutung, da auf Dauer der Gleichgewichtspreis realisiert wird.
Liegt die Höchstpreisobergrenze unter dem Gleichgewicht, wie in der Grafik abgebildet, so führt dies zu einem Nachfrageüberhang. Die Konsumenten werden bei dem niedrigen Preis ihre Nachfrage nach dem Gut auf erhöhen, während die Anbieter ihre Produktion auf die Menge reduzieren. Der Nachfrageüberhang kann sich alleine nicht mehr abbauen. Das heißt, dass weniger Güter angeboten werden als benötigt. Aufgrund der hohen Nachfrage bilden sich deshalb häufig Schwarzmärkte, bei denen Güter zu Preisen gehandelt werden, die über dem Höchstpreis liegen. Der Staat muss eingreifen, wenn es um lebenswichtige Güter geht, in dem er z. B. das Angebot durch Verpflichtung der Unternehmen zu Produktion lebensnotwendiger Güter ausweitet. Das kann auch in Form von Bezugsscheinen oder Lebensmittelmarken sein.
links|x300px|Staatliche Subventionierungen um ein neues Gleichgewicht zu schaffen.
Eine Alternative, um den Nachfrageüberhang abzubauen, wäre die Subventionierung des Angebots, die jedoch mit Staatsausgaben für den Staat verbunden ist. Das heißt, der Staat zahlt eine Subvention in Höhe eines bestimmten Betrags für jede Einheit des produzierten Gutes an die Anbieter. Dadurch würde es dann zu einer Verschiebung der Angebotskurve nach rechts zur Angebotskurve 2 kommen, und somit zu dem neuen Gleichgewicht . Die Konsumenten könnten das Gut weiterhin zu dem Höchstpreis kaufen und die Anbieter können diese Gut zum Preis verkaufen. Der Staat zahlt für jede Einheit Geldeinheiten an das Unternehmen.
Beispiel Mietpreisbremse
Ein Beispiel für die Preiskontrolle ist die Mietpreisbremse. Diese gilt seit dem 1. Juni 2015 und soll in den Ballungszentren die Miete kontrollieren. In Ballungszentren wie Berlin oder München mit besondere Wohnraummangel liegen die Preise deutlich über dem Marktgleichgewichtspreis, und um diese zu regulieren und auch den Einkommensschwachen zu helfen, wurde die Mietpreisbremse aufgrund von Ausbeutungsmissbrauch eingeführt. Bei einer Neuvermietung darf die Miete nicht höher als 10 % über der oberen örtlichen Vergleichsmiete liegen. Ausnahmen gibt es bei Neubauten oder Grundsanierungen.
Mindestpreiskontrolle
Die Mindestpreiskontrolle ist die staatlich festgesetzte Preisuntergrenze. Mindestpreise sollen vor allem die Hersteller in bestimmten Wirtschaftszweigen wie der Landwirtschaft oder dem Bergbau vor starken Preissenkungen und ruinösem Wettbewerb schützen (Einzelnachweis, und Kampfpreisunterbietung), indem sie ihnen auskömmliche Erlöse und Einkommen sichert.
links|x310px|Mindestpreisgrenze
Auch beim Mindestpreis ist es aus ökonomischer Sicht wünschenswert, eine Markträumung zu erreichen. Liegt der Mindestpreis unterhalb des am Markt abgebildeten Gleichgewichtspreises , so tritt keine Beeinträchtigung für Angebot und Nachfrage auf.