mini|Horst Degen, kurz nach seiner Gefangennahme im Juli 1942 Horst Degen (* 19. Juli 1913 in Hemer; † 29. Januar 1996 in Lüneburg) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt Kapitänleutnant, und U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg. Mit dem von ihm kommandierten U 701 operierte er im Nordatlantik vor der Küste der Vereinigten Staaten und war mit elf versenkten Schiffen (davon vier Kriegsschiffen) mit einer Tonnage von insgesamt 27.056 und fünf beschädigten Handelsschiffen mit 38.283 BRT, wobei 176 Menschen starben, der erfolgreichste Kommandant der in US-Gewässern fahrenden deutschen U-Boote. Am 7. Juli 1942 wurde sein U-Boot vor Kap Hatteras von einem US-amerikanischen Flugzeug versenkt. Mit dem größeren Teil seiner Besatzung trieb er zwei Tage im Meer und erlebte den Tod der meisten seiner Männer, bis er mit sechs weiteren Überlebenden in einer spektakulären Rettungsaktion mit einem Wasserflugzeug gerettet wurde und in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet. Nach dem Krieg war Degen als Geschäftsführer im Wein- und Spirituosenhandel und später im Autohandel tätig.

Leben Herkunftsfamilie und Kindheit Horst Degen wurde als Sohn des Beamten und späteren Hemerer Bürgermeisters Carl Degen und seiner Frau Josephine geboren und wuchs mit zwei Schwestern auf. Bereits als Kind verlor er beide Eltern, weshalb sich, als er noch keine 16 Jahre alt war, seine ältere, 23-jährige Schwester Hanna und ihr Mann um ihn und seine zehnjährige Schwester kümmern mussten. Später lebte er in Hamburg. Als er kurz vor seinem 29. Geburtstag als U-Boot-Kommandant schiffbrüchig wurde, war auch seine jüngere Schwester bereits verheiratet, er jedoch noch nicht.

Ausbildung als Marineoffizier Während seines letzten Jahres am Gymnasium bewarb sich Degen an der Marineakademie in Kiel, wozu er verschiedene körperliche, geistige und psychologische Prüfungen durchlaufen musste, darunter auch die Widerstandskraft gegen Stromschläge. Degen trat am 1. April 1933 als Seeoffiziersanwärter in die Reichsmarine ein und wurde der 4. Kompanie der II. Schiffstammabteilung der Ostsee in Stralsund zur infanteristischen Grundausbildung zugeteilt. Am 1. Juli 1933 wurde er auf das Segelschulschiff Gorch Fock versetzt und begann dort seine praktische Bordausbildung, die er nach seiner Ernennung zum Seekadetten am 23. September 1933 mit einer Weltreise auf dem Leichten Kreuzer Karlsruhe fortsetzte, wobei er unter anderem Australien, Hawaii, San Diego und Boston besuchte, bis er am 27. Juni 1934 wieder in Deutschland eintraf. Am 1. Juli 1934 wurde Degen zum Fähnrich zur See ernannt, und vom 12. Juli 1934 bis zum 18. April 1935 besuchte er den Hauptlehrgang für Fähnriche an der Marineschule in Flensburg-Mürwik sowie weitere Lehrgänge bis August 1939. In diesem Zeitraum erfolgte am 1. Juni 1935 die Umbenennung der Reichsmarine in Kriegsmarine. Am 1. April 1936 wurde Degen zum Oberfähnrich zur See, am 1. Oktober 1936 zum Leutnant zur See und am 1. Juni 1938 zum Oberleutnant zur See befördert. Mit Kriegsbeginn wurde Degen im September 1939 zweiter Wachoffizier, Torpedooffizier und funktechnischer Offizier auf dem Zerstörer Z 10 Hans Lody, wo er bis Juni 1940 verblieb. Er nahm hier unter anderem an der Operation Weserübung (Norwegen) teil und befand sich am 8. Juni 1940 in der Nähe des Schlachtschiffes Scharnhorst, als diese den britischen Flugzeugträger Glorious versenkte.

U-Boot-Ausbildung Im Juli 1940 begann seine Ausbildung bei der U-Boot-Waffe, die er im Januar 1941 mit einem Kommandanten-Lehrgang in Kiel fortsetzte. Am 1. März 1941 wurde er zum Kapitänleutnant befördert. Von März bis Mai 1941 war er überplanmäßiger Kommandantenschüler auf U 552 unter dem Kommandanten Erich Topp, bei dessen von Saint-Nazaire ausgehender zweiter Feindfahrt vom 7. April bis zum 6. Mai 1941 drei Schiffe versenkt wurden und eines beschädigt wurde. Von Mai 1941 bis zum 15. Juli 1941 erhielt Degen die Baubelehrung für U 701 bei der Kriegsschiffbaulehrabteilung U-Nordsee in Bremen.

Kommandant der U 701 Am 16. Juli 1941 wurde Degen zum Kommandanten von U 701 ernannt, dessen einziger Kommandant er blieb. Es wurde nun unter seinem Kommando erprobt und diente bis Dezember 1941 bei der 3. U-Flottille in Kiel als Ausbildungsboot mit Fahrten in der Ostsee. Am 27. Dezember 1941 lief U 701 mit dem Kommandanten Degen von Kiel zu seiner ersten Feindfahrt im Nordatlantik aus, die 45 Tage dauerte und bei der am 31. Dezember 1941 der Leutnant zur See Bernhard Weinitschke durch einen Unfall ums Leben kam und am 6. Januar 1942 der britische Dampfer Baron Erskine mit 3657 BRT versenkt wurde, wobei alle 41 Mann an Bord starben. Am 26. Februar 1942 verließ U 701 Saint-Nazaire und versenkte auf seiner zweiten, 35-tägigen Feindfahrt im Nordatlantik zwei Trawler mit zusammen 562 BRT und 32 Toten sowie zwei Hilfskriegsschiffe mit insgesamt 1048 t, und 74 Toten, um schließlich in Brest (Finistère) einzulaufen.

Horst Degens dritte Feindfahrt begann am 19. Mai 1942 von Brest aus und führte ihn nach einem kurzen Aufenthalt in der Nacht zum 20. Mai 1942 in Lorient in Hoheitsgewässer der Vereinigten Staaten, wo er am 11. Juni 1942 Seeminen vor Virginia Beach legte. Am 15. Juni 1942 lief das Hilfskriegsschiff HMS Kingston Ceylonite mit 448 t aus dem Geleitzug KN 109 auf eine dieser Minen und sank, wobei 18 Menschen starben, während zwei Handelsschiffe und ein Zerstörer beschädigt wurden, wobei ein Mann starb. Am 17. Juni 1942 sank durch eine dieser Minen zudem das amerikanische Handelsschiff Santore mit 7117 BRT, wobei drei Menschen starben. In den folgenden Tagen kam Degen zu weiteren Erfolgen: Am 19. Juni 1942 wurde das amerikanische Hilfskriegsschiff USS YP-389 mit 170 t durch Artilleriebeschuss versenkt, wobei 6 Menschen starben. Durch Torpedos beschädigt wurden das norwegische Handelsschiff Tamesis mit 7256 BRT und der britische Tanker British Freedom mit 6985 BRT, wodurch auf letzterem ein Mann starb. Schließlich gelang in der Nacht vom 28. zum 29. Juni 1942 die Versenkung des US-amerikanischen Tankers William Rockefeller, der damals mit 14.054 BRT einer der größten Tanker der Welt war, mit zwei Torpedos, wobei aber die ganze 50-köpfige Besatzung gerettet wurde. So versenkte U 701 auf seiner dritten Feindfahrt vier Schiffe mit 21.789 BRT, beschädigte fünf weitere Schiffe mit 38.283 BRT und tötete dadurch 29 Menschen, wodurch Horst Degen mit seinem U-Boot die meisten Versenkungen vor der Atlantikküste der USA erreichte und zu einem Hauptziel des Gegners wurde. Ende Juni lauerte er vor Kap Hatteras und wartete auf ein weiteres Ziel, bevor das U-Boot die Rückreise über den Atlantik antreten sollte, doch wurde acht Tage lang kein Schiff gesehen.

Versenkung von U 701 Am Nachmittag des 7. Juli 1942 befand sich U 701 auf Überwasserfahrt vor Kap Hatteras, als bei ruhiger See aus den Wolken plötzlich ein US-amerikanisches Hudson-Flugzeug auftauchte, das von Harry Kane gesteuert wurde. Trotz Alarmtauchens war das Boot erst knapp unter dem Wasser, als es zwei von drei abgeworfenen Wasserbomben direkt trafen. Durch ein Loch am Heck drang rasch Wasser ins schnell sinkende Boot ein. Degen konnte das Turmluk mit Leichtigkeit öffnen und gelangte durch dieses mit 17 seiner Männer ins Freie, während weitere 18 das Boot durch die Torpedorohre am Bug verließen, ohne dass er hiervon erfuhr. Folglich gingen sieben Mann mit dem Boot unter, in dem auch die Geheimdokumente und die Enigma verblieben.

Odyssee im Atlantik mini|Die 7 Überlebenden von U 701 werden in Naval Station Norfolk an Land gebracht, 9. Juli 1942 Degens 18-köpfige Gruppe von U-Boot-Fahrern hatte drei Tauchretter und drei Rettungswesten, von denen zwei vom Bomber abgeworfen worden waren. Trotz Degens Warnung machten sich zwei Männer – Hansel und Lange – auf den Weg, um schwimmend das etwa 30 Seemeilen entfernte Ufer zu erreichen. Sie wurden nie wieder gesehen. Die folgenden zwei Tage wurden zu einem Albtraum, denn nach und nach verließen die Kameraden ihre Kräfte, und einer nach dem anderen ertrank. Degen überlebte nach eigener Aussage vor allem deshalb, weil der Obersteuermann Günter Kunert ihn immer wieder unterstützte. Ein Schiff der US-Küstenwache fuhr am 8. Juli in rund 2 km Entfernung an der Gruppe vorbei, ohne ihre Hilferufe zu bemerken. Auch Flugzeuge flogen über sie hinweg, ohne etwas zu sehen. In der Nacht vom 8. zum 9. Juli trieben den Schiffbrüchigen eine Kokosnuss und eine Zitrone entgegen, die für eine leichte Stillung des Hungers und Durstes sorgten. Dennoch starben auch in dieser Nacht drei weitere Kameraden, so dass nur noch vier Mann, unter ihnen Degen, übrig waren. Am Morgen des 9. Juli 1942 entdeckte ein Luftschiff der United States Navy die Schiffbrüchigen und warf ein Schlauchboot mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln ab. Günther Kunert, Ludwig Vaupel und Herbert Grotheer, fast am Ende ihrer Kräfte, kletterten ins Boot und sahen erst kurz darauf den bewusstlosen Degen, den sie ins Boot zogen. Das Meer war inzwischen wild bewegt. Am selben Tag um 16.05 Uhr landete ein Wasserflugzeug der US-Küstenwache bei hohem Wellengang nahe dem Schlauchboot und holte Degen und seine drei überlebenden Männer an Bord – 49 Stunden nach der Versenkung, etwa 65 Seemeilen von der Stelle entfernt und rund 110 von der Küste weg. An Bord befanden sich drei weitere seiner Männer – Gerhard Schwendel, Werner Seldte und Bruno Faust – aus der anderen Gruppe, die in bis zu fünf Seemeilen Entfernung gerettet worden waren. Somit hatten nur sieben Mann von 46 überlebt und waren nun Kriegsgefangene der Vereinigten Staaten.

Der Pilot Richard L. Burke flog die sieben Überlebenden zum Marinestützpunkt Naval Station Norfolk in Norfolk (Virginia). Er erhielt für die Rettung der deutschen U-Boot-Fahrer das Distinguished Flying Cross.

Gefangenschaft Degen und die sechs anderen Gefangenen wurden zunächst zwei Tage lang in Naval Station Norfolk medizinisch versorgt, ehe sie zum Verhör nach Fort Devens in Massachusetts kamen. Hier wurden sie zwei Monate von Offizieren der United States Army und Navy intensiv verhört. Eine wichtige Rolle spielte hierbei, dass in der Neumondnacht Mitte Juni 1942 acht deutsche Agenten von den U-Booten U 202 und U 584 an der US-Küste abgesetzt worden waren. George Dasch und Ernst Berger hatten die Mission verraten und sich in Hoffnung auf milde Behandlung an das Federal Bureau of Investigation gewandt, so dass bis zum 27. Juni alle Agenten gefangen waren. Die US-Amerikaner hatten einen in den Verhören der Agenten erhärteten Verdacht, dass ein drittes U-Boot mit zwei Agenten zur selben Zeit wie U 202 und U 584 Lorient verlassen haben könne, und sie nahmen an, dass es U 701 war. Sie vermuteten dies um so mehr, als Degen, um seine Verantwortung für die Verminungsaktion vor Virginia Beach zu verbergen, das Datum des Auslaufens von U 701 aus Lorient nicht preisgeben wollte. Nach Drohungen der vernehmenden Offiziere mit einem Sondergericht und der Todesstrafe war Degen schließlich bereit, das Datum des Auslaufens – 19. Mai 1942 – preiszugeben. Anfang August wurde ein Gespräch von Degen mit dem Mitgefangenen Oberleutnant zur See Oskar Bernhard von U 352 abgehört, in dem er zum Ausdruck brachte, nicht wie die sechs deutschen Agenten hingerichtet werden zu wollen, und so seine Aussagebereitschaft rechtfertigte. Er wusste nur sehr wenig über die Spionagemission und konnte den US-Amerikanern keine brauchbaren Informationen liefern. Degen und seinen sechs Männern gelang es zudem, ihre Rolle beim Minenlegen geheim zu halten. Dies blieb 40 Jahre lang unbekannt.